22 Juni 2017, 09:30
Isländischer Mönch auf Achse
 
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Selten gezeigte mittelalterliche Handschrift in der Paderborner Ausstellung „WUNDER ROMs“ gibt Auskunft über eine außergewöhnliche Pilgerreise von Island über Rom ins Heilige Land.

Paderborn (kat.net/pm) Es muss eine beschwerliche Reise gewesen sein, als der Benediktinermönch Nikulás Bergsson Mitte des 12. Jahrhunderts von Island über Rom ins ferne Jerusalem reiste: Zunächst per Schiff nach Norwegen und Dänemark, dann weiter zu Fuß auf dem Kontinent, entlang der Via Francigena, einer antiken Handelsroute und Pilgerstraße, über die Schweizer Alpen quer durch Italien bis zu den heiligen Städten der Christenheit Rom und Jerusalem, die er von Brindisi aus über den Wasser- und Landweg erreichte. 1154 landete Bergsson schließlich nach rund einjähriger Pilgerfahrt wieder in Island an und wurde im darauffolgenden Jahr Abt des neu gegründeten Klosters Munkaþverá. Dort entstand sein berühmter Reisebericht „Leiðarvísir“, ein literarischer „Wegweiser“ zu den bedeutenden Stätten der Christenheit.

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Das Diözesanmuseum Paderborn zeigt im Rahmen seiner großen kunst- und kulturhistorischen Ausstellung „WUNDER ROMs im Blick des Nordens – von der Antike bis zur Gegenwart“ (noch bis 13. August) eine frühe Abschrift dieser Reisebeschreibung aus dem Jahr 1387. Die Handschrift ist eine großzügige Leihgabe des Skandinavischen Forschungsinstituts der Universität Kopenhagen (Nordisk Forskningsinstitut: nfi.ku.dk/). Dank der außergewöhnlich guten Beziehungen zwischen dem Paderborner Museum und dem Dänischen Forschungsinstitut konnte die fragile Handschrift zunächst für 3 Monate nach Paderborn ausgeliehen werden. Nun haben die Dänen die Leihfrist noch einmal verlängert, so dass das selten gezeigte mittelalterliche Manuskript nun sogar bis zum Ende der Ausstellung in Paderborn zu sehen ist.

Dr. Christiane Ruhmann, die Kuratorin der Ausstellung, ist überglücklich: „Wir freuen uns sehr und es ist für uns eine große Ehre, dass wir dieses wichtige Zeugnis eines mittelalterlichen Reiseberichts über diesen langen Zeitraum in unserer WUNDER ROMs-Ausstellung zeigen dürfen. Der ‚Leiðarvísir‘ lässt uns die Bedeutung erahnen, die Rom für die Menschen im Mittelalter hatte, als viele antike Monumente und Gebäude noch im Stadtbild sichtbar und nicht im Schutt späterer Zeiten versunken waren“, so die Kuratorin. Der Isländer beschreibt neben zahlreichen Kirchen das Pantheon und die Peterskirche mit ihren Ausmaßen. Zudem hatte der Mönch aus dem hohen Norden offenbar Zugang zur berühmten Reliquienkapelle der Päpste am Lateran, der Sancta Sanctorum. „Daraus können wir schließen, dass Bergsson wohl besondere Privilegien genoss und in Kontakt mit Geistlichen am päpstlichen Hof war“, erklärt Christiane Ruhmann. „Diese hatten ihm wohl auch den Besuch der hochberühmten antiken Monumente nahegelegt“, so Ruhmann weiter. Besonders freut sich die Kuratorin aber über ein kleines Detail der Handschrift: Unter den zahlreichen Orten, die der isländische Mönch auf seinem langen Weg nach Rom und Jerusalem nennt, ist auch Paderborn verzeichnet. So ist das Manuskript dann auch ein stückweit wieder an einen der Schauplätze zurückgekehrt, die der Isländer einst auf seiner mühsamen Pilgerreise auf dem Weg nach Süden durchquert hatte. Nicht nur wegen seiner Bedeutung sondern auch, weil das Leiðarvísir-Manuskript auf ganz einzigartige Weise gezeichnet ist von seiner jahrhundertealten Geschichte, gehört es zu den Exponaten der WUNDER ROMs, die bei den Besuchern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch deshalb freuen sich die Paderborner sehr, dass die Handschrift bis zum Ende der Schau gezeigt werden kann.

„WUNDER ROMs im Blick des Nordens“

Die Ausstellung „WUNDER ROMs im Blick des Nordens“ ist noch bis zum 13. August 2017 im Diözesanmuseum Paderborn zu sehen. Auf den Spuren bedeutender Rom-Reisender schlägt die Schau einen Bogen vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Foto- und Videokunst. Gezeigt werden antike Meisterwerke, sakrale Schätze und hochkarätige Kunstwerke aus bedeutenden römischen Museen, darunter die Vatikanischen Museen und die des Kapitols, sowie aus ganz Europa. Zu den hochkarätigen Exponaten zählen die weltberühmte Marmorhand der Monumentalstatue Konstantin des Großen, die erstmals in Deutschland ausgestellt ist, die Bronzekugel des vatikanischen Obelisken, kostbare Reliquiare aus der Papstkapelle Sancta Sanctorum, Zeichnungen und Gemälde u. a. von Turner und Rubens sowie Goethes Lieblingsskulptur – die sogenannte „Ballerina di Goethe“. Begleitend zur Ausstellung werden ein umfangreiches museumspädagogisches Programm und ein reich bebilderter Katalog angeboten.

Die Schirmherrschaft haben Gianfranco Kardinal Ravasi, Präsident des päpstlichen Rates für Kultur, und Monika Grütters, nordrhein-westfälische Staatsministerin für Kultur und Medien, übernommen.

Viel bestaunt in der WUNDER ROMs-Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn: Die isländische Handschrift „Leiðarvísir“




Foto © Diözesanmuseum Paderborn







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