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Neuer Plan zur Rettung des Sees Genezareth

13. Juli 2020 in Chronik, keine Lesermeinung
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Laut biblischer Überlieferung war der See Genezareth wichtiger Schauplatz im Leben Jesu - Heute lockt er Pilger und Massentouristen an - Diese widerstreitenden Interessen soll ein neuer Plan in Einklang bringen - Von Johannes Schidelko


Jeruslaem  (kath.net/KAP) Wenn idyllische Landschaften und einzigartige historische Stätten mit Massentourismus zusammentreffen, sind Konflikte programmiert. Erst recht, wenn christliche Pilger Ruhe und Besinnung an ihren Heiligen Orten suchen - die immer engmaschiger von einer lauten Freizeitindustrie eingekreist werden. Am See Genezareth, einer traumhaft schönen Region im Norden Israels, zeigt sich, welches Dilemma daraus entstehen kann. Mit einem neuen Plan versucht die israelische Regierung jetzt, Natur, historische Kultur, religiöse Stätten und den einheimischen Tourismus in Einklang zu bringen.

 

An den schönsten Stränden und den abgelegensten Uferstellen waren in den vergangenen Jahrzehnten Imbissbuden, Campingplätze, Vergnügungsparks oder Bootsverleihe wie Pilze aus dem Boden geschossen - teils illegal, teils wurden Pachtverträge von Geschäftsleuten mit "guten Verbindungen" zweckentfremdet. Manche Missstände wurden bereits von den Behörden abgestellt. Der in dieser Woche vom Nationalen Planungs- und Baurat vorgestellte neue Plan soll laut israelischen Medien den internationalen Pilgertourismus an den Ursprungsstätten des Christentums pflegen - auf dessen Einnahmen der Staat Israel dringend angewiesen ist. Zugleich soll er den eigenen Bürgern des dichtbesiedelten Landes Unterhaltung und Erholung auf hohem Niveau bieten. Das alles soll Natur und Umwelt schonen, nachhaltig sein und die Lärmbelästigung durch Clubs und Motorscooter in Grenzen halten. Außerdem darf die Wasserqualität im größten Trinkwasserreservoir des Landes nicht durch Strandbäder oder Schiffsverkehr beeinträchtigt werden.


 

Teil der Küstenlinie als Naturschutzgebiet

 

Nach dem Konzept sind 45 Prozent der 53 Kilometer langen Küstenlinie als Naturschutzgebiet deklariert. Dazu gehören die ganze Nordküste mit den christlichen Stätten von Kapernaum und Tabgha bis Bethsaida - wo laut biblischer Überlieferung Christus lebte, Wunder wirkte, die Bergpredigt hielt und in den Seligpreisungen die Ideale von Frieden, Versöhnung und Nächstenliebe propagierte. Weitere 40 Prozent des Seeufers, vor allem nördlich und südlich der Stadt Tiberias, sollen der Freizeit und Erholung dienen, also mit frei zugänglichen Strandbädern und Campingplätzen. 9 Prozent (5 Kilometer) sind als "ländliche Küste" ausgewiesen. Zu ihnen gehören etliche Kibbuzim an der Ost- und Südküste, wie etwa Degania Alef, in dem der frühere Nationalheld Mosche Dayan als eines der ersten Kibbuzkinder geboren wurde. Die restlichen vier Kilometer bilden die "städtische Küste" von Tiberias.

 

Der Plan legt fest, dass 90 Prozent der Seeufer erhalten bleiben müssen. Der Bau von zwei bereits genehmigten Feriendörfern am Nordufer wurde eingestellt. Zudem wird verboten, weitere Teile des Strandes zu bebauen oder als Bauland auszuweisen. Schließlich soll der Autoverkehr rund um den See entlastet werden; direkte Zufahrten sollen Anrainern und Besuchern von Strandbädern vorbehalten bleiben. Die Planer um die Architekten Ilan Eisen und Zeev Amit hoffen, dass sich dieser Plan für den See als "historischer Wendepunkt erweist - oder zumindest als Versicherungspolice für seine Zukunft, um ihn vor schädlicher Entwicklung zu schützen", schreibt die Tageszeitung Haaretz. Bei ordnungsgemäßer Umsetzung könne der Plan das Erbe an die künftige Generation erheblich verbessern. Auch Pilgerorganisatoren hoffen Und auch Kirchen und Pilgerorganisatoren hoffen auf eine Verbesserung und Regulierung der Lage in der Region. "Wir studieren den Plan genau, weil wir durch einige Entwicklungen in letzter Zeit tatsächlich Gefahren für den Charakter des Nordwestufers sehen", sagte Georg Röwekamp, Chef des Jerusalem-Büros vom "Deutschen Verein vom Heiligen Lande", der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

 

Der Plan scheine ausdrücklich das "religious triangle", das "evangelische Dreieck" zwischen Tabgha, Bethsaida und Chorazin "in seinem speziellen Charakter zu respektieren, worüber wir sehr froh sind!", hob Röwekamp hervor, dessen Verein die Stätten von Tabgha samt einem Pilgerhaus unterhält. Zu normalen Zeiten besuchen jedes Jahr mehr als eine Million christlicher Pilger die Region. Viele kommen mit dem Bild vom romantischen Galiläa und dem stillen See; sie erwarten hier - nach einem Aufenthalt im hektischen Jerusalem - Besinnlichkeit an den Lebensstätten des irdischen Jesus. Vielleicht hilft der neue Plan, manche Enttäuschung zu vermeiden.

Copyright 2020 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich


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