Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Bekommt Deutschland ein Wahrheitsministerium?
  2. Foto mit AfD-Politiker - Pfarrer entpflichtet Oberministranten im Bistum Passau
  3. Psycho-Tests für Schweizer Priester
  4. Breite Rezeption für eine vermeintlich gescheiterte Theologie
  5. Teufelsanrufung in der 2. Bundesliga?
  6. Lambrecht fordert: Lebensschutz in der neuen Koalition verbessern, trotz anderslautender SPD-Wünsche
  7. Theologieprofessor Bortkiewicz: „Der Arzt beschloss, den Fötus – also mich – in Stücke zu schneiden“
  8. Parolin: „Segne uns, Heiliger Vater Johannes Paul II.! Segne diese Kirche des Herrn auf ihrem Weg“
  9. Hilfe! Mein Kind tut sich so schwer mit dem Lernen!
  10. „Du musst tun, was Priester tun. Du musst die Messe feiern, Beichten hören und Anbetung halten“
  11. Lourdes verhüllt Mosaike des mutmaßlichen Missbrauchstäters Pater Marko Rupnik
  12. 'Egal was kommt, wir haben Handlungsoptionen!'
  13. Die Vernunft des Glaubens – Zum 20. Todestag des heiligen Johannes Paul II.
  14. ‚Mitarbeiter der Wahrheit‘ – ein neuer Film über Johannes Paul II. und Benedikt XVI.
  15. Orthodoxe Kirche von Zypern übt heftige Kritik am Westen

Ein digitaler Lichtblick

29. Juni 2016 in Kommentar, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Am Freitag geht die Dialogplattform credo-online.de des Bistums Augsburg ans Netz. Gastkommentar von Alexander Pschera


Augsburg (kath.net) Die Kirche im Netz – das war bislang meist ein Trauerspiel 1.0. Papst Benedikt rief zwar schon 2009 dazu auf, den „digitalen Kontinent“ zu missionieren (Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel) und im Internet eine „Kultur des Respekts, des Dialogs und der Freundschaft“ zu schaffen. Viel ist seitdem allerdings nicht passiert, vor allem nicht von offizieller kirchlicher Seite. Zwar hat jedes deutsche Bistum eine Facebook-Page, und der eine oder andere Bischof setzt den einen oder anderen Tweet ab. Aber man hat dabei den Eindruck, dass dies geschieht, weil es eben geschehen muss, weil es auf der Agenda steht. Eine echte Dialogbereitschaft ist genauso wenig zu erkennen wie apostolischer Eifer. Keine der Facebook-Seiten kommt über 1000 Fans wesentlich hinaus, und die spärliche Kommunikation der Kommentarspalten wird durch eine müde bis übervorsichtige Moderation im Keim erstickt. Bischof Stefan Oster ist mit fast 12.000 Fans auf Facebook eine blühende Oase in dieser Netzwüste – denn diese Anhänger hat er sich durch ein aktives, dialogisches Kommunizieren, das definitiv im 21. Jahrhundert angekommen ist, digital hart erarbeitet.

Die relative Wirkungslosigkeit vieler kirchlicher Kommunikationskanäle ist auf Positionslosigkeit der Aussagen zurückzuführen. Das „Prinzip Talk-Show“ zeigt: nur klare Standpunkte setzen sich durch, werden gehört und zitiert, bleiben hängen. Im Zeitalter des Relativismus wollen die Menschen gerade von der Kirche prägnante Aussagen, deutliche Positionen, Leuchttürme, an denen sie sich orientieren können, keine diffusen Wortfelder und schwankenden Thesen mit viel „Wenn und Aber“. In der kirchlichen Kommunikation suchen die Menschen oftmals vergeblich ein klares christliches Profil mit authentischen Aussagen zu Fragen und Problemen ihres täglichen Lebens. Was sie dagegen finden sind Positionspapiere und Abwägungen, die in echten Problemsituationen nicht weiter helfen und die das Misstrauen in die Organisation, die vor allem mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint, immer weiter steigern.


Die Gründe für das kommunikative und vor allem digitale Schattendasein liegen auf der Hand: Kirchliche Kommunikation wird von den Verantwortlichen in den Pressestellen immer noch großräumig als Krisenverhinderung und Bedenkenmanagement verstanden. Man igelt sich kommunikativ ein. Man macht die Schotten dicht. Man will unter sich bleiben. Es herrscht ein zentralistischer Verlautbarungsstil und ein archivarischer Grundduktus. Veröffentlicht wird nur das Notwendigste – und auch das manchmal nur auf Nachfrage. Bistums-Webseiten gleichen PR-Litfaßsäulen, auf denen Sitzungsprotokolle, Ernennungen und Dienstjubiläen angeschlagen werden. Manchmal muss man sich sogar anstrengen, um Gottesdienstzeiten zu finden. Auf diesen digitalen Flächen herrscht weder Leben noch Feuer, das anstecken und Lust machen könnte, sich auf die Suche zu machen nach Gott und den Menschen. Mit der Kommunikation ist es wie mit vielen anderen Disziplinen der Kirche: Sie werden abgewickelt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Es ist eine Kommunikation von innen nach außen statt von außen nach innen, die hier stattfindet – eine Form der institutionalisierten Kommunikation, die in Industrieunternehmen bereits in den 80er Jahren ausgestorben ist.

Aber ist es das, was Christus dem Menschengeschlecht ins Stammbuch geschrieben hat? Ist das das „lebendige Wort“, an dem wir uns ausrichten sollen? Kommunikation ist Substanz, kein Akzidens – vor allem im Christentum. Die erste Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Eucharistie, ist ein Geschenk, das wir „nur“ annehmen müssen, um es wirksam zu machen. Die zweite Gemeinschaft ist das Ergebnis unseres Handelns und Sprechens. Sie verlangt von uns ein aktives, verantwortungsvolles, dialogisches Kommunizieren. Wir können uns dieser Aufgabe nicht entziehen. Denn Gemeinschaft ist das Ziel unseres Hierseins auf Erden. Unsere Berufung ist es, eine Kultur der Freundschaft und des Dialogs zu begründen. Kommunikation ist also kein abstrakter Prozess jenseits dieser Aufgabe, sondern sie ist die Erfüllung genau dieser Berufung zur Liebe. Entsprechend umsichtig und gewissenhaft müssen wir Kommunikation – auch institutionelle – planen und durchführen.

Gerade unter dem Aspekt der zunehmenden Kirchenferne vieler Menschen und der Neuevangelisierung muss kirchliche Kommunikation genau beobachten, wie die Menschen interagieren und kommunizieren und sie muss sie dort abholen, wo sie sich befinden. Diese Kommunikation muss authentisch, frei und unbürokratisch sein, um die Faszination ihrer Botschaft vermitteln zu können. Sie muss vor allem Rückkanäle bereitstellen, um das Wesen der Kommunikation – den Austausch („communicare“) – möglich zu machen.

Die Idee der neuen, dialogorientierten Kommunikationsplattform credo-online leitet sich ab von der inneren Notwendigkeit, das geistliche Leben im Bistum und natürlich auch darüber hinaus sichtbar zu machen und sein Wachstum zu fördern. Sie ist die erste kirchliche Plattform, die konsequent auf Austausch, Zeugnis, Charisma und Neuevangelisierung setzt und dafür alle technischen Möglichkeiten der sozialen Medien nutzt. Damit ist credo-online ein Paradigma für das Apostolat der Zukunft.

Credo-online ist direkt, dialogisch und dezentral angelegt. Die Plattform soll dafür sorgen, dass das alltägliche Kommunikationsverhalten der Menschen im Netz und das Angebot der Kirche sich auf derselben Ebene begegnen. Dazu nutzt die Plattform sowohl redaktionelle Strecken, aber vor allem interaktive Instrumente wie Blogs und soziale Kanäle. Christus war niederschwellig unterwegs. Er suchte die Menschen an ihren konkreten Orten auf. Das soziale Netz bietet ungeahnte, bisher noch längst nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten, diese Niederschwelligkeit und diese direkte Ansprache in den Dienst des Wortes Gottes zu stellen. Credo-online antwortet darauf auf überzeugende, ja spektakuläre Weise.

Unter der umsichtigen Leitung von Pfarrer Dr. Ulrich Lindl (Hauptabteilung III „Kirchliches Leben“ und Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Biberbach) und der Koordination von Thomas Weifenbach macht das Bistum Augsburg mit credo-online also jetzt Ernst mit der „Missionierung des digitalen Kontinents“. Personen wie Weihbischof Wörner, der dem Augsburger „Institut für Neuevangelisierung“ vorsteht, bürgen für nachhaltigen theologischen Rückhalt. Es ist bemerkenswert, dass die Initiative für credo-online nicht aus dem Kommunikationsstab des Bistums kommt, sondern aus dem aktiven Apostolat, aus der gelebten Berufung. Das legt den Finger in eine Wunde, die im Kirchenkörper klafft und die ein schmerzliches Symbol ist für das Auseinanderklaffen von Wort und Fleisch. Wir hoffen, dass die vielen Christen, die sich in credo-online mit Blogs, Videos, Bilderstrecken und Zeugnisbekundungen einschreiben werden, dafür sorgen, dass sich diese Wunde bald schließt.

Links:
- Bereits aktiv ist die credo-online-Facebook-Seite

- Ab Freitag, 1. Juli 2016, ist auch die Homepage aktiv: www.credo-online.de

Dr. Alexander Pschera (Foto) ist Journalist, Autor und Übersetzer




Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Elster 29. Juni 2016 

Wie wahr + danke!


0
 
 alexanderp 29. Juni 2016 
 

Informierter Vorschuß

Vielleicht kennt der Autor die Seite ja schon ;-)


1
 
 Theobald 29. Juni 2016 
 

Vorschuß

Das ist ziemlich viel Vorab-Lob für eine Seite, die noch nicht existiert.
Schön, wenn es so kommt und wird, wie vom Autor gesagt.
Ob es wirklich "überzeugend" und "spektakulär" wird, oder doch nur ambitioniert, wird man aber erst in ein paar Tagen sehen.


0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Bistum Augsburg

  1. Anbiederung an den Zeitgeist auch im Bistum Augsburg?
  2. Augsburger Bischof Meier: Jahr ohne Priesterweihen wäre „keine Katastrophe“
  3. Bertram Meier zum Bischof von Augsburg geweiht
  4. 'Dass aus dem Gebetshaus nicht eine neue Art von Kirche entsteht'
  5. Augsburg: Bischofsweihe des designierten Bischofs Meier am 6. Juni
  6. Ernannter Bischof Bertram weiht heute Bistum Augsburg der Gottesmutter
  7. „Lasst einander nicht allein!“
  8. Bertram Meier wird neuer Bischof von Augsburg
  9. Bistum Augsburg: Gebetswache vor dem "Marsch für das Leben"
  10. "Das Forum Deutscher Katholiken lehnt diese Forderung entschieden ab"






Top-15

meist-gelesen

  1. EINMALIGE CHANCE! Große Baltikum-Reise mit kath.net - Mit Erzbischof Gänswein!
  2. Eine wichtige BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  3. Teufelsanrufung in der 2. Bundesliga?
  4. Theologieprofessor Bortkiewicz: „Der Arzt beschloss, den Fötus – also mich – in Stücke zu schneiden“
  5. Breite Rezeption für eine vermeintlich gescheiterte Theologie
  6. ‚Mitarbeiter der Wahrheit‘ – ein neuer Film über Johannes Paul II. und Benedikt XVI.
  7. „Du musst tun, was Priester tun. Du musst die Messe feiern, Beichten hören und Anbetung halten“
  8. Bekommt Deutschland ein Wahrheitsministerium?
  9. Psycho-Tests für Schweizer Priester
  10. Das Wunder des Karol Wojtyła
  11. Foto mit AfD-Politiker - Pfarrer entpflichtet Oberministranten im Bistum Passau
  12. „Habt keine Angst!“ – Christus macht wirklich frei!
  13. 'Egal was kommt, wir haben Handlungsoptionen!'
  14. Hexenfestival: Streit zwischen Exorzisten und Bürgermeister
  15. Orthodoxe Kirche von Zypern übt heftige Kritik am Westen

© 2025 kath.net | Impressum | Datenschutz