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Militärdienst auch für Geistliche: Schweizer Kirchen protestieren

18. Juli 2026 in Schweiz, 6 Lesermeinungen
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Kirchen kritisieren in Schreiben an Regierung Nicht-Information über Gesetzesänderung und politische Begründung zur Abschaffung der bisher geltenden Dienstfreistellung.


Zürich/Bern (kath.net/ KAP) 
Dass die Militärdienstpflicht in der Schweiz seit wenigen Wochen auch für Geistliche gilt, stößt bei den christlichen Kirchen im Land auf Ablehnung. Für Unmut sorgt dabei nicht nur die Begründung, mit der die bisherige Dienstfreistellung von der Politik abgeschafft wurde. Die Kirchen wurden nach eigenen Angaben auch nie über die Pläne für die Gesetzesänderung konsultiert, berichten Schweizer Medien.
"Obwohl die Aufhebung der Dienstbefreiung für Geistliche die Arbeit der Kirchen in Krisensituationen direkt betrifft", sei man über die Revision des Militärgesetzes nicht informiert und auch im Vorfeld nicht zur Stellungnahme im gesetzlichen Begutachtungsverfahren ("Vernehmlassung") eingeladen nicht worden, geht laut einem Bericht des Schweizer Fernsehens RTS aus einem gemeinsamen Brief hervor, den die Kirchen vergangene Woche an Bundespräsident Guy Parmelin geschickt haben.

Besonders empören sich die Kirchen laut RTS insbesondere darüber, dass die Regierung die Seelsorge, also die spirituelle Begleitung der Bevölkerung, in Krisensituationen nicht mehr für notwendig erachte. "Das ist sachlich nicht nachvollziehbar", zitierte RTS aus dem Brief. Hintergrund ist, dass die Regierung im Antrag zur Gesetzesänderung argumentiert hatte, dass wegen der fortschreitenden Säkularisierung im Fall von Katastrophen oder Kriegen nicht mehr alle Priester vom Militärdienst freigestellt sein müssten, um die geistliche Betreuung der Zivilbevölkerung sicherzustellen.


Weihbischof de Raemy kritisiert "Mangel an Respekt"
Maurice Greder, Sprecher der katholischen Schweizer Bischofskonferenz (SBK), bestätigte auf Anfrage des Portals "kath.ch" den Bericht über das Schreiben an Bundespräsident Parmelin ohne Einsicht in den Text zu geben. Unterzeichnet haben den Brief neben der katholischen Bischofskonferenz auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS), die Christkatholische Kirche der Schweiz sowie der Dachverband "Freikirchen.ch".
Schon am 9. Juli hatte der innerhalb der SBK für die Armeeseelsorge zuständige Weihbischof Alain de Raemy in der abendlichen Nachrichtensendung von RTS die Entscheidung der Regierung "als Mangel an Respekt gegenüber der Bevölkerung" bezeichnet. Tatsächlich habe man während der Corona-Pandemie oder bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana gesehen, dass es auch Bedarf an Menschen gab, die in spiritueller Hinsicht zur Verfügung standen, sagte de Raemy. "Wie soll es also in Zukunft in Kriegs- und Krisenzeiten weitergehen, wenn Priester in der Armee dienen müssen? Wie sieht der Plan des Bundesrats aus?", fragte der Bischof. Neben Erklärungen dazu fordern die Kirchen vom Bundesrat auch flexible Lösungen für den Fall, dass ihre Geistlichen einrücken müssen, berichtete RTS.

Regierung: Priester nicht mehr "unentbehrlich"
Wie in Österreich waren auch in der Schweiz bis zum Inkrafttreten der Gesetzesrevision Geistliche von der Militärdienstpflicht befreit, mit Ausnahme der Armeeseelsorger. Mit der Dienstbefreiung habe man ursprünglich unentbehrliches Personal im Fall von Katastrophen oder Kriegen für den zivilen Einsatz freistellen wollen, begründete die Schweizer Regierung in ihrem Antrag zur Gesetzesrevision die Aufhebung der Dienstbefreiung von Geistlichen.
"Ziel der Dienstbefreiung von Geistlichen war die Sicherstellung der geistlichen Betreuung der Zivilbevölkerung vor Ort, die in einer außerordentlichen Lage einen besonderen Zuspruch erforderten", so der Bundesrat. Mittlerweile ist dies aus Sicht der Regierung nicht mehr notwendig: "Der seelsorgerliche Betreuungsaufwand hat sich im Lichte der gesellschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten mit zahlreichen Kirchenaustritten so sehr gewandelt, dass nicht mehr von einer Unentbehrlichkeit ausgegangen werden kann."
Politisch verlief diese Reform laut Schweizer Medien bis vor wenigen Wochen völlig ruhig. RTS fragte nach eigenen Angaben mehrere Mitglieder der Sicherheitspolitischen Kommission im Parlament an. Diese konnten sich an keine Debatte darüber erinnern, obwohl im Dezember 2025 eine Abstimmung über die Aufhebung des bisherigen Gesetzesartikels stattfand.

Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten

 


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Lesermeinungen

 Paddel 19. Juli 2026 

Militärdienst auch für Geistliche

Mal sehen, wie viele von den Frauen dann noch unbedingt Priester werden wollen, die das aktuell so rigoros einfordern.


0
 
 Richelius 18. Juli 2026 
 

Frage: Als was sollen die Priester dienen? Armeeseelsorger? Sanitäter?

Es ist außerdem erstaunlich, wie schnell die Menschen fromm werden, wenn sie nicht wissen, ob sie den nächsten Tag noch erleben. Wenn es Bomben auf die Schweiz hagelt, sind die Kirchen sicher voller als jetzt.


1
 
 Mensch#17 18. Juli 2026 
 

Kirche im Tiefschlaf?

Das passiert halt, wenn man sich im Tiefschlaf befindet: Sowohl die "offiziellen" kirchlichen Institutionen als auch die "christlichen Politiker" haben die Gesetzgebung nicht mit der nötigen Sorgfalt begleitet!
Vielleicht sind es zu viele Gesetze, die da im Schweinsgalopp durch das Parlament geschoben werden (z.B. auch parallel zu wichtigen Fußballspielen wie im dt. Bundestag beim ersten Spiel der dt. Nationalmanschaft in der WM! - Wer weiß um was es ging?).
Meines Erachtens müsste das Gesetzgebungsverfahren in den meisten Staaten massiv gebremmst werden. Nicht zu Ende gedachte Gesetze wie z.B. das neue dt. Wehrpflichtgesetz mit den Beschränkungen des Auslandsaufenthalts für alle Männer im Wehralter, wäre so nicht einfach durchgerutscht.
Außerdem müsste man den Erstellern der Gesetzesvorlagen und den Motiven der Einbringer wesentlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden!


0
 
 Stephaninus 18. Juli 2026 
 

Aufstand der Schlafmützen

Sorry, jetzt regt man sich auf, hat aber bisher geschlafen. Die Situation ist auch Resultat einer beispiellosen Selbstsäkularisation…


3
 
 Paddel 18. Juli 2026 

Die Kirchen wurden nicht gefragt?

so what? Bisher war das schlicht ein Privileg.

Es gäbe, meiner Meinung nach noch genügend Geistliche, die aus alters- oder gesundheitlichen Gründen gar nicht für den Wehrdienst taugen und für den Innendienst zur Verfügung stehen würden.


0
 
 Hängematte 18. Juli 2026 
 

Liebe Schweizer Laienfunktionäre:

Das ist die Quittung dafür, dass Ihr die Kirchen mit Eurer Selbstsäkularisierung in die Bedeutungslosigkeit geführt habt!


4
 

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