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"Menschenhandel bleibt Menschenhandel"20. Juli 2026 in Prolife, 13 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Publizistin Birgit Kelle reagiert auf die Debatte um Jens Spahn und legt in neun Punkten offen, wie das globale Milliardengeschäft mit Leihmüttern Frauen entrechtet und Kinder zur Ware degradiert.
Köln (kath.net/gem/rn) In der Debatte um die Legalisierung oder Akzeptanz von Leihmutterschaft wird von Befürwortern gerne auf vermeintlich „ethisch saubere“ Verträge in den USA verwiesen. Auch der CDU-Politiker Jens Spahn betonte jüngst in einem Podcast, dass er und sein Partner ihr Kind in den USA über solche vermeintlich „guten“ Verträge erhalten hätten. Die bekannte Publizistin und Buchautorin Birgit Kelle hält dem nun eine Reihe von „Hardfacts“ entgegen. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) zeichnet sie basierend auf Erfahrungsberichten von Leihmüttern, Vertragsunterlagen und Agenturrecherchen ein düsteres Bild einer zutiefst frauenfeindlichen Industrie.
Kelles Grundsatzkritik ist fundamental: „Auch mit Verträgen wäre Menschenhandel immer noch Menschenhandel. Oder macht es die Dinge hübscher, wenn man eine Urkunde und einen Kassenzettel bekommt? Eine sicher wichtige Frage für jeden Sklavenmarkt.“
Totale Kontrolle und gesundheitliche Ausbeutung
In insgesamt neun Punkten schlüsselt Kelle auf, was die oft gelobten US-Verträge in der Realität bedeuten. Sie dienten keineswegs dem Schutz der Frauen, sondern ausschließlich der Absicherung der Besteller.
Totale Überwachung: Die Verträge regeln intimste Lebensbereiche der Leihmutter. Die Kunden kontrollieren die Ernährung, den Aufenthaltsort, Reisen, medizinische Behandlungen und sogar, ob und mit wem die Frau Sexualkontakte haben darf. Ein Ausstieg sei praktisch unmöglich: Wer abbricht, wird mit immensen Kosten für Ärzte, Anwälte und Agenturen konfrontiert – Kosten, die die meist aus finanziellen Gründen agierenden Frauen niemals aufbringen können.
Körperliche Ruinierung ohne Nachsorge: Viele Leihmütter würden nach der Geburt mit massiven körperlichen und seelischen Folgeschäden (wie Gefäßkrankheiten, Bluthochdruck oder Unfruchtbarkeit) allein gelassen. Spätfolgen seien oft nicht versichert, Agenturen und Kunden aus der Verantwortung.
Der erzwungene Verzicht auf Bindung: Um Bindung und Rechteansprüche zu verhindern, werden den Frauen bewusst fremde Eizellen eingesetzt. Das biologische Risiko steige dadurch massiv: Da der Körper die genetisch fremde Schwangerschaft abzustoßen droht, müssen die Frauen starke Medikamente einnehmen. Laut Kelle handelt es sich ausnahmslos um medizinische Hochrisikoschwangerschaften, bei denen Früh- und Fehlgeburten zum Alltag gehören.
Die psychologischen Folgen für Geschwisterkinder
Besonders perfide sei laut Kelle das Kriterium, dass nur Frauen unter Vertrag genommen werden, die bereits eigene Kinder haben – ein Punkt, den Spahn in einem Interview als „Sorgfalt“ angepriesen hatte.
„Der Brutkasten muss bewiesen haben, dass er gebärfähig ist. So einfach ist das“, so Kelle drastisch.
Dies diene auch dazu, dass die Frauen ihre Muttergefühle auf die eigenen Kinder fokussieren. Die Folge im familiären Umfeld sei jedoch fatal: „Zehntausende Kinder haben bereits zugesehen, wie ihre Mütter Geschwisterkinder verkaufen. Was macht das mit den Geschwistern?“ 
- „Reduktion“ im Mutterleib und staatlich gestempelte Frauenfeindlichkeit
Zudem verpflichten die Verträge die Frauen zur Durchführung aller medizinischen Eingriffe. Dies schließe explizit die Abtreibung gesunder Kinder ein, falls diese das „falsche“ Geschlecht haben, nicht mehr gewollt sind oder sich unerwartete Mehrlinge entwickeln. Im Fachjargon der Industrie werde das Töten im Mutterleib harmlos als „Reduktion“ bezeichnet.
In manchen US-Bundesstaaten werde die biologische Mutter nicht einmal mehr in der Geburtsurkunde erwähnt – dort stehen stattdessen zwei „Väter“. Kelle spricht von „Frauenfeindlichkeit mit staatlichem Stempel“.
Der „Katalog“: Genetik wie auf dem Zuchtmarkt
Die Auswahl der Frauen gleiche einem Online-Katalog im Stil von „Tinder für gute Gene“. Leihmütter und Eizellspenderinnen werden separat gecastet. Der Preis steige mit der Gesundheit und der Gebärfähigkeit. Spenderinnen würden wie „Zuchtstuten“ angepriesen – sortiert nach Rasse, Hautfarbe, Herkunft, optischen Merkmalen oder Bildung („Ivy League“-Kollektion).
Abschließend warnt Kelle vor der zunehmenden Globalisierung dieses Marktes: Um Kosten zu sparen, würden Frauen in den USA angeworben, zur Befruchtung in Billigländer geflogen und die Geburt dort geplant, wo die Rechtslage für den Kunden am günstigsten ist. Gegen diese juristisch hochgerüstete Industrie hätten die Frauen keinerlei Möglichkeit, sich zu wehren.
Das Fazit der Publizistin fällt vernichtend aus: Die Leihmutterschaft ist ein „menschlicher Verschiebebahnhof“. Das System sei zutiefst ausbeuterisch und degradiere Kinder zu bloßen Anschaffungen auf einem globalen Marktplatz.
BUCHTIPP - BIRGIT KELLE
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