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„Drohende Worte von Kardinal Roche: Besucht nicht die überlieferte lateinische Messe!“

vor 35 Minuten in Kommentar, keine Lesermeinung
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Niederländischer Weihbischof Mutsaerts fragt auf seinem Blog: „Doch warum? Die Kirche muss ihre Vergangenheit nicht verbieten, um ihre Zukunft zu sichern.“


’s-Hertogenbosch (kath.net/Blog „Paarse pepers“) kath.net dokumentiert den Blogbeitrag von Weihbischof Rob Mutsaerts (Niederländisches Bistum ’s-Hertogenbosch) in voller Länge in eigener Übersetzung:

Die katholische Kirche rühmt sich ihrer Universalität, schätzt eine beeindruckende Vielfalt liturgischer Traditionen und betrachtet diese Diversität als Ausdruck ihres Reichtums. Ein Katholik kann an der göttlichen Liturgie nach byzantinischer, maronitischer, armenischer oder chaldäischer Tradition teilnehmen – ohne dass dies als Bedrohung für die kirchliche Einheit angesehen würde. Doch in dem Moment, in dem ein Katholik die Messe so feiern möchte, wie sie über Jahrhunderte hinweg in Rom, Paris, Amsterdam und praktisch in der gesamten lateinischen Kirche gefeiert wurde, äußern bestimmte kirchliche Autoritäten in Rom plötzlich Bedenken.

Auf einmal wird liturgische Vielfalt zum Problem. Auf einmal gerät die Verbundenheit mit der Tradition in Verdacht. Und auf einmal muss die Einheit der Kirche vor jenen geschützt werden, die so beten möchten, wie es ihre Vorfahren taten. Dies wirft eine Frage auf, die keineswegs unberechtigt ist: Warum gilt so gut wie jede andere alte katholische liturgische Tradition als Quelle des Reichtums – mit Ausnahme der alten römischen Liturgie?

In einem kürzlich geführten Interview mit „AdVaticanum“, das am 13. Oktober 2026 veröffentlicht wurde, erklärte Kardinal Roche, dass traditionalistische Gruppen die ältere Liturgie bisweilen dazu nutzten, sich gegen die liturgischen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu stellen. Laut dem Kardinal könne eine solche Haltung die kirchliche Einheit untergraben. Er warnte davor, dass sich diejenigen, die das Konzil ablehnen, vom Herzen des Katholizismus entfernten. Zudem merkte er an, dass Katholiken seiner Ansicht nach nicht ausschließlich die überlieferte Messe besuchen sollten. Hier ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen.

Wer die Gültigkeit der neuen Messe grundsätzlich bestreitet, die päpstliche Autorität ablehnt oder behauptet, die katholische Kirche sei seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht mehr die katholische Kirche, nimmt in der Tat eine problematische Position ein. 

Wer jedoch die überlieferte Messe liebt, sie zur Vertiefung seines Glaubens nutzt, die katholische Lehre annimmt und dem Papst treu bleibt, dem kann man nicht einfach dasselbe vorwerfen. 

Die Verbundenheit mit einer liturgischen Tradition ist nicht gleichbedeutend mit einer Ablehnung des kirchlichen Lehramtes. 

Genau diese Unterscheidung droht in der gegenwärtigen Diskussion verloren zu gehen. Die katholische Kirche umfasst 24 *sui iuris*-Kirchen: die lateinische Kirche und 23 mit Rom unierte Ostkirchen. Diese verfügen über unterschiedliche liturgische Traditionen – etwa die byzantinische, alexandrinische, antiochenische, armenische und ostsyrische Tradition. Auch innerhalb der westlichen katholischen Welt gibt es eigenständige liturgische Bräuche, wie etwa den ambrosianischen Ritus in Mailand. Zudem muss niemand um die Einheit der Kirche fürchten, wenn ein byzantinisch-katholischer Priester vor der Ikonostase steht, reichlich Weihrauch aufsteigt und die Gläubigen an einer Liturgie teilnehmen, die sich in vielerlei Hinsicht von der üblichen römischen Messe unterscheidet. 


Denn katholische Einheit war noch nie gleichbedeutend mit liturgischer Gleichförmigkeit. Tatsächlich hält das Zweite Vatikanische Konzil im Dokument *Sacrosanctum Concilium* ausdrücklich fest, dass alle rechtmäßig anerkannten Riten gleichberechtigt sind und die Kirche sie bewahren und fördern möchte. Dies ist ein bemerkenswerter Punkt, besonders angesichts der Äußerungen von Kardinal Roche. Wenn liturgische Vielfalt der Einheit der Kirche nicht zwangsläufig schadet, warum sollte dies dann bei der überlieferten römischen Liturgie der Fall sein? Schließlich ist der katholische Glaube keine Ansammlung von Bräuchen, deren Verfallsdatum von einer kirchlichen Kommission festgelegt wird.

Die liturgische Praxis der Nachkriegszeit hat eine Verschiebung vom Fokus auf die Transzendenz Gottes hin zur Gemeinschaft als Mittelpunkt vollzogen. Wenn die Eucharistie zunehmend einem gemeinschaftlichen Mahl, einer Feier menschlicher Verbundenheit oder einem Anlass für pastorale Kreativität gleicht, läuft die Opferdimension Gefahr, in den Hintergrund zu treten. Genau hiergegen setzt die überlieferte Liturgie – mit ihrer konsequenten Ausrichtung auf Gott – ein sichtbares Gegengewicht. Und vielleicht liegt gerade darin ein Teil des Unbehagens: Die überlieferte lateinische Messe verkündet weiterhin etwas Uraltes, das heute leicht in Vergessenheit gerät. Papst Benedikt hatte eine wesentliche Einsicht: Die Kirche kann nicht glaubwürdig behaupten, dass das, was sie gestern noch als heilig betrachtete, heute plötzlich eine Gefahr darstellen soll.

Wird das Zweite Vatikanische Konzil als Bruchpunkt instrumentalisiert? Hier berührt die Diskussion eine tieferliegende Problematik. Ein Konzil steht innerhalb des Rahmens der Tradition; es begründet keine neue Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil sah zwar eine Reform der Liturgie vor, legte aber zugleich fest, dass das Lateinische in den lateinischen Riten bewahrt bleiben und der gregorianische Choral einen Vorrang genießen solle. Vieles von dem, was heute als „traditionalistisch“ gilt, war für die Konzilsväter in Wahrheit eine völlige Selbstverständlichkeit. Es ist daher bemerkenswert, wenn eine Verbundenheit mit der älteren Liturgie als Opposition gegen das Konzil selbst dargestellt wird.

Kritik an bestimmten Aspekten der nachkonziliaren Liturgiereform ist nicht per se mit einer Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils gleichzusetzen. Die Liturgiereform wurde größtenteils erst *nach* dem Konzil entwickelt und umgesetzt. Das bedeutet nicht, dass jede derartige Kritik berechtigt wäre; es bedeutet lediglich, dass eine solche Diskussion legitim sein kann.

Wenn ein Konzil faktisch als absoluter Einschnitt – als Trennlinie zwischen einer „alten“ und einer „neuen“ Kirche – betrachtet wird, dann schafft man genau jenen Bruch, den man eigentlich vermeiden möchte. Die katholische Kirche ist keine Institution, die 1965 neu gegründet wurde. Sie ist dieselbe Kirche, die den Glauben von den Aposteln empfangen, die Kirchenväter hervorgebracht, die Kathedralen des Mittelalters errichtet, das Konzil von Trient abgehalten und das Zweite Vatikanische Konzil einberufen hat. Wer wahrhaft an die Kontinuität der Kirche glaubt, braucht ihre Vergangenheit nicht zu fürchten.

Kardinal Roche verweist häufig auf die Einheit der Kirche – ein an sich völlig berechtigter Punkt. Einheit ist kein nebensächliches Merkmal der Kirche, sondern gehört zu ihrem Wesen. Die Frage ist jedoch, wie wir Einheit definieren. Einheit im katholischen Glauben, in den Sakramenten und in der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri ist etwas anderes als Gleichförmigkeit im rituellen Ausdruck. Die offizielle Argumentation lautet, dass die überlieferte lateinische Messe – anders als die östlichen Liturgien – für bestimmte Gruppen zu einem Symbol des Widerstands gegen die kirchlichen Reformen und die kirchliche Autorität geworden ist. Dieses Argument verdient eine ernsthafte Auseinandersetzung. Das Problem bei dieser Argumentationsweise besteht jedoch darin, dass sie leicht von einer Beurteilung spezifischer Missstände in ein pauschales Urteil über eine gesamte liturgische Gemeinschaft umschlagen kann. Warum sollten Familien, junge Menschen, Priester und Ordensleute – die nichts weiter wünschen, als die überlieferte Liturgie zu feiern und dabei in voller kirchlicher Gemeinschaft zu bleiben – die Konsequenzen tragen müssen?

Ein Vater, der mit seinen Kindern die überlieferte Messe besucht, weil er dort die Heiligkeit der Eucharistie besonders intensiv erlebt, betreibt damit keine „Kirchenpolitik“. Er geht schlichtweg zur heiligen Messe.

Die Geschichte der Kirche ist nicht nur von Erneuerung, sondern auch von Bewahrung geprägt. *Traditio* bedeutet „Überlieferung“ – das Empfangen dessen, was man nicht selbst erfunden hat, um es an die nächste Generation weiterzugeben. Es ist daher bemerkenswert, dass in einer Zeit, in der ständig davon gesprochen wird, „auf die Gläubigen zu hören“, den Wünschen traditionsverbundener Katholiken bisweilen so wenig Verständnis entgegengebracht wird. Eine Kirche, die versucht, auf die Welt zu hören, sollte auch auf ihre eigenen Kinder hören (oder bedeutet „Synodalität“ etwa etwas anderes?). Dies gilt umso mehr, als diese Kinder nicht etwa eine verwässerte Form der katholischen Lehre fordern, sondern deren vollständige und kompromisslose Verkündigung. Oder liegt vielleicht genau hier das Problem? Ein vernünftiger Ansatz würde der überlieferten Liturgie dort Raum geben, wo sie aufrichtig gewünscht wird, und zugleich – aus Treue zur kirchlichen Gemeinschaft – Missstände in allen liturgischen Formen angehen und korrigieren. Auch Letzteres verdient Beachtung: Wer aus Sorge um die Heiligkeit und Einheit der Liturgie die überlieferte Messe streng reglementiert, muss mit ebenso großer Ernsthaftigkeit gegen Missstände in der neuen Messe vorgehen.

Vielleicht ist es das bemerkenswerteste Phänomen, dass die überlieferte lateinische Messe nicht nur jene anspricht, die vor dem Konzil aufgewachsen sind; auch junge Katholiken fühlen sich zu ihr hingezogen. Wenn sich junge Menschen bewusst für Stille, gregorianischen Choral, rituelle Präzision und eine Liturgie entscheiden, die der heutigen Vorliebe für Spontanität und unmittelbare Verständlichkeit kaum Zugeständnisse macht, so hat dies eine wichtige Bedeutung. Es deutet darauf hin, dass Modernisierung nicht immer der wirksamste Weg zur Evangelisierung ist. Es mag sein, dass sich der moderne Mensch bisweilen gerade nach dem sehnt, was nicht modern ist – dass er also keine Liturgie sucht, die die Welt widerspiegelt, in der er täglich lebt (eine Welt, die ihm oft nichts zu bieten hat), sondern eine Liturgie, die ihm hilft, über diese Welt hinauszugelangen. Dies ist kein Argument gegen die neue Messe; es ist ein Argument gegen die Auffassung, dass eine liturgische Erneuerung zwangsläufig eine Anpassung an den Zeitgeist mit sich bringen müsse.

Es wäre bedauerlich, wenn die überlieferte lateinische Messe letztlich einem kirchlichen Konflikt zum Opfer fiele, bei dem es gar nicht mehr wirklich um die göttliche Liturgie geht, sondern vielmehr um die Deutung der letzten sechzig Jahre. Denn in diesem Fall wird eine Liturgie, die über Jahrhunderte hinweg Heilige hervorgebracht und unzählige Gläubige geheiligt hat, wie ein zu lösendes Problem behandelt. Weniger Misstrauen, mehr historische Ehrlichkeit, größere theologische Tiefe und – vor allem – mehr pastorale Großherzigkeit wären hier wünschenswert.

Das katholische „et-et“ – das bekannte Prinzip des „Sowohl-als-auch“ – könnte auch in dieser Hinsicht als fruchtbarer Ausgangspunkt dienen. Tradition *und* rechtmäßige Entwicklung. Einheit *und* Vielfalt. Treue zum Konzil *und* Ehrfurcht vor den Jahrhunderten, die ihm vorausgingen. Die neue Messe *und* Raum für die überlieferte römische Liturgie – innerhalb der Gemeinschaft der Kirche.

Eminenz, die Kirche muss ihre Vergangenheit nicht verbieten, um ihre Zukunft zu sichern. Eine Kirche, die wahrhaft auf die lebendige Tradition vertraut, kann es sich leisten, ihre eigene Geschichte zu lieben. Eine Kirche, die byzantinische, maronitische und armenische Liturgien freudig in ihrer Mitte aufnimmt, sollte sich nicht von einer römischen Messe bedroht fühlen, die ihr über Jahrhunderte hinweg so sehr am Herzen lag. Schließlich ist die überlieferte lateinische Messe kein fremder Eindringling in der katholischen Kirche; sie stammt aus ihrem eigenen Haus. Und eine Mutterkirche sollte ihre eigenen Kinder nicht wie Fremde behandeln, nur weil sie in der Sprache ihrer Großeltern beten möchten.

+Rob Mutsaerts
24. Oktober 2026

 


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