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Top-15meist-diskutiert- Freikirche oder katholische Kirche? Überlegungen eines Konvertiten
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- Warum bei dem hohen Aufkommen an Bischöfen in Deutschland eine solch vehemente Entchristlichung?
- Am Grab des Petrus – Die diesjährige Romwallfahrt Ad Petri Sedem
- Steigende Zahl erwachsener Taufbewerber in ostdeutschen Städten, aber...
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- Auf zu den Friedhöfen! Wir bitten für unsere Verstorbenen um Gottes Gnade!
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Freikirche oder katholische Kirche? Überlegungen eines Konvertitenvor 59 Minuten in Spirituelles, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Teil II: Die unerschöpfliche Fülle des katholischen Glaubens. Gastbeitrag von Michael W. Busch
Wien (kath.net) Was fehlt einem Christentum ohne Marien- und Heiligenverehrung, ohne Gebet für die Verstorbenen und ohne die mystische Tiefe der katholischen Tradition? Ein Konvertit beleuchtet die spirituellen Grenzen evangelikaler Glaubensvorstellungen und erklärt, warum die katholische Kirche trotz aller menschlichen Defizite einen unersetzlichen Gnadenschatz bewahrt.
Die Gemeinschaft der Heiligen – weit mehr als eine Ortsgemeinde
Während im ersten Teil die Unterschiede im Kirchen- und Sakramentsverständnis im Mittelpunkt standen, soll nun jene übernatürliche Dimension des katholischen Glaubens sichtbar werden, die über die Grenzen einer irdischen Glaubensgemeinschaft hinausreicht. Eine Freikirche kann eine wunderbare Gemeinschaft sein. Man kennt einander, hilft sich, betet füreinander und trägt die Sorgen der anderen mit. Natürlich ist auch dieser wie jeder andere soziale Raum nicht frei von Intrigen, Neid und Nachrede. Die katholische Kirche ist aber weit mehr als die Gemeinschaft der aktuell zusammenkommenden Gläubigen. Die Tradition unterscheidet die streitende Kirche auf Erden (ecclesia militans), die leidende Kirche im Purgatorium (ecclesia patiens, seltener auch ecclesia purgans) und die triumphierende Kirche im Himmel (ecclesia triumphans). Diese drei Dimensionen bilden gemeinsam den einen mystischen Leib Christi. Wer Kirche lediglich als Vereinigung der gegenwärtig versammelten Glaubenden versteht, verkürzt ihre Wirklichkeit auf einen sehr kleinen Ausschnitt. Die tatsächlich existente Kirche reicht weit über Raum und Zeit hinaus. Sie umfasst die Gläubigen aller Jahrhunderte, die Heiligen im Himmel und jene Verstorbenen, die noch der Läuterung bedürfen. Wir stehen nicht allein vor Gott. Wir sind eingebunden in eine gewaltige Gemeinschaft, deren Glieder einander durch Gebet und Opfer beistehen können (wobei nur die Lebenden noch aktive Opfer bringen können – für Lebende oder arme Seelen im Fegefeuer). Hier liegt auch die tiefere Bedeutung des kirchlichen Gnadenschatzes (thesaurus ecclesiae). Er besteht nicht aus einer Art himmlischem Guthabenkonto, sondern gründet in den unerschöpflichen Verdiensten Christi, mit denen die Gebete und guten Werke der Heiligen verbunden sind – eine geistliche Schatztruhe, aus der die Glaubenden reichlich schöpfen können. Daran schließt die katholische Ablasslehre an: Während die sakramentale Lossprechung in der Beichte die Schuld und damit die ewige Sündenstrafe (poena aeterna) tilgt, betrifft der Ablass die noch verbleibenden zeitlichen Sündenstrafen und steht damit im Zusammenhang jener Läuterung, durch die die Wunden der Sünde geheilt werden. Er ist weder käufliche Erlösung noch ein Ersatz für Reue und Beichte. In ihm zeigt sich vielmehr die Überzeugung, dass wir im mystischen Leib Christi (corpus mysticum) nicht isoliert vor Gott stehen, sondern füreinander eintreten dürfen. Wie wenig die Gläubigen diesen geistlichen Schatz oftmals zu würdigen wissen, beklagte bereits der heilige Pfarrer von Ars, Johannes Maria Vianney: „Wir gehen über die Ablässe hinweg, wie man nach der Ernte über das Stoppelfeld geht. Wie sehr werden wir das in der Sterbestunde bereuen!“
Diese Gemeinschaft übersteigt alles, was eine noch so lebendige Ortsgemeinde anbieten kann. Gleichzeitig lässt sie das menschliche Versagen innerhalb der katholischen Kirche in einem anderen Licht erscheinen. Natürlich gibt es schlechte Priester, fragwürdige Bischöfe, innerkirchliche Machtkämpfe und schwerwiegende, zutiefst beschämende Verfehlungen. Wie scharf die interne Kritik am sittlichen Verfall des Klerus ausfallen konnte, zeigt das sogenannte „Geheimnis von La Salette“, das die Seherin Mélanie Calvat 1879 veröffentlichte. Darin heißt es: „Die Priester, Diener meines Sohnes, die Priester sind durch ihr schlechtes Leben, ihre Ehrfurchtslosigkeiten, ihre Pietätlosigkeit bei der Feier der heiligen Geheimnisse, durch ihre Liebe zum Gelde, zu Ehren und Vergnügungen Kloaken der Unreinigkeit geworden.“ Diese drastische Passage entstammt einer späteren, kirchlich umstrittenen Fassung der Botschaft und darf nicht mit der anerkannten Erscheinung von La Salette gleichgesetzt werden. Wer die Kirche angesichts dieser unbestreitbaren Missstände verlässt, weil er nur noch auf ihr fehlbares menschliches Bodenpersonal blickt, übersieht leicht ihre übernatürliche Wirklichkeit. Die Heiligkeit der Kirche hängt nicht von der moralischen Vollkommenheit ihrer Amtsträger ab. Sie gründet in Christus als der Quelle allen Heils, dem lebendigen Brunnen, aus dessen Herzenswunde in der Eucharistie Ströme lebendigen Wassers fließen.
Wo bleibt die Mutter?
Besonders befremdlich erschien mir schon früh die weitgehende Abwesenheit Mariens in der evangelikalen Frömmigkeit. Natürlich wird Maria als Mutter Jesu anerkannt. Ihre herausragende Stellung in der Heilsgeschichte, ihre Fürsprache und ihre mütterliche Beziehung zu den Gläubigen werden jedoch weithin zurückgewiesen. Warum eigentlich? Maria ist nicht irgendeine biblische Nebenfigur. Sie ist die Frau, die durch ihr Fiat die Menschwerdung des Gottessohnes ermöglichte. Sie stand unter dem Kreuz und wurde vom sterbenden Christus dem geliebten Jünger anvertraut: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,27). Die katholische Kirche erkennt darin auch eine mütterliche Sendung Mariens gegenüber den Gläubigen. Inwieweit sie auch den Ehrentitel „Miterlöserin“ verdient, ist Teil aktueller Debatten. Manche Evangelikale wenden ein, die Marienverehrung lenke von Christus ab. Doch warum sollte die Liebe zur Mutter die Liebe zum Sohn schmälern? Durch Maria kam Jesus in die Welt und vermittelt durch Maria wird die Strahlkraft und Größe ihres Sohnes vermehrt. Wer von uns dürfte je behaupten, Jesus mehr lieben zu können als seine Mutter? Warum sollte sie uns in dieser Hinsicht kein Vorbild sein? Wer Maria verehrt, betet sie nicht als Göttin an. Er ehrt sie als die von Gott in einzigartiger Weise begnadete Mutter des Erlösers und bittet sie um ihre Fürsprache. Speziell die Marienfrömmigkeit eröffnet eine Dimension des Glaubens, die ich nicht missen möchte: die mütterliche Liebe, die Geborgenheit unter ihrem Schutzmantel, das stille Vertrauen und die Gewissheit, im geistlichen Kampf nicht allein zu sein.
An diese Erfahrung musste ich auch bei Gabriele Kuby und ihrem Buch „Mein Weg zu Maria“ denken. Ihr Weg aus esoterischen Vorstellungen hin zum katholischen Glauben verweist auf eine Entdeckung, die mir wichtig ist: Die Hinwendung zu Maria führt nicht von Christus fort, sondern kann den Zugang zu ihm vertiefen. Das mütterliche, vertrauensvolle und nicht vollständig rational Auslotbare darf aus dem Glauben nicht herausgeschnitten werden. Ich erinnere mich auch an die Heiligenbiografien Walter Niggs, die ich seinerzeit mit großem Gewinn las. So vorzüglich sie verfasst waren, fehlte mir in ihnen auf unbestimmte Weise etwas. Heute würde ich sagen: Es war die marianische und eucharistische Dimension, die in der Darstellung dieses evangelischen Autors weitgehend im Hintergrund blieb, weil sie schlicht außerhalb seines Vorstellungsraums angesiedelt war. Darin zeigt sich ein tiefergehender, typisch protestantischer Zug, der letztlich schon auf Luther selbst zurückgeht: Ein oft unbewusster intellektueller Stolz und ein geistiger Eigensinn, der alles aus eigener Kraft rational erfassen, begründen und selbst bestimmen will. Dieses lutherische Erbe verleitet dazu, den Glauben stark auf das eigene Ich und den eigenen Verstand zu reduzieren. Demgegenüber verlangt der echte katholische Glaube eine grundlegend andere Haltung: Ein tiefes Verlassen auf Gott und ein demütiges Sich-Fügen in Seinen heiligen Willen, dem sich der eigene Wille liebevoll unterzuordnen und anzugleichen hat. Gleichwohl bildete Nigg unter evangelischen Christen eine Ausnahme, denn die Mehrzahl verkennt die eminente Bedeutung von Heiligen. Warum sollte aber die Gemeinschaft mit unseren heiligen Brüdern und Schwestern in Christus durch deren Tod enden? Warum sollten wir einen lebenden Freund um sein Gebet bitten dürfen, einen Heiligen im Himmel, der im Angesicht der göttlichen Liebessonne steht, aber nicht? Der katholische Glaube kennt hier eine wunderbare Weite. Die Heiligen lassen sich treffend mit geistlichen Vergrößerungsgläsern vergleichen: Sie verstellen nicht den Blick auf den Schöpfer, sondern bündeln das göttliche Licht und machen es in einem konkreten menschlichen Leben sichtbar. Indem wir ihrem Vorbild folgen, kommen wir Gott umso schneller näher. Die Heiligen sind keine Konkurrenten Christi, sondern Zeugen seiner Gnade und Fürsprecher innerhalb seines einen Leibes. 
Auch der Schutzengel und der Namenspatron sind in der katholischen Frömmigkeit keine bedeutungslosen Randfiguren, sondern uns zur Seite gestellte Helfer und Fürsprecher. Während diese persönliche Einbindung in die unsichtbare Welt in vielen freikirchlichen Milieus überhaupt keine Rolle spielt, erinnert die ältere katholische Frömmigkeitsliteratur immer wieder an diese Dimension des geistlichen Lebens. So heißt es etwa in den Schippacher Schriften: „Nebst dem heiligen Schutzengel habe Ich jedem getauften Christen einen Schutzpatron gegeben, dessen Fußstapfen jeder nachgehen soll, und der beständig an der Seite des Schützlings geht, neben dem Schutzengel, und ihm zuspricht, ihm zuredet: ‚Siehe, so habe ich es gemacht!‘ Aber die meisten übertönen dieses und hören es nicht. Sie erinnern sich nur an ihren Namenstag, wenn man ihnen gratuliert, und das nur aus weltlichen Rücksichten. Tiefgläubige Christen gehen tiefer und erinnern sich an ihren Namenspatron und denken daran, in welcher Beziehung sie ihm nachfolgen können“ (Band 4, S. 244). Ein Christentum, das diese Engelsgemeinschaft an unserer Seite und an der Seite der Kirche ausblendet, erscheint mir um eine wesentliche Dimension ärmer.
Warum beten wir nicht mehr für unsere Toten?
Besonders schmerzlich empfinde ich die Ablehnung des Gebets für Verstorbene. Vor kurzer Zeit verlor ich einen guten Freund, der mit 51 Jahren bei einer Bergwanderung einen plötzlichen Herztod erlitt. Er war gläubiger Protestant. Selbstverständlich bete ich weiterhin für ihn. Ich habe auch versucht, ihm durch einen vollkommenen Ablass zu helfen. Ob und inwieweit Gott ihm diesen Ablass zukommen lässt, steht allein in Seiner Macht. Für verstorbene Verwandte und Bekannte zu beten, ihnen Gutes über den Tod hinaus zu wünschen, erscheint mir mehr als nur eine notwendige Pflicht. Schon die Römer scheinen dies erkannt zu haben. Über die Toten nur Gutes (De mortuis nihil nisi bene). Dabei ist dieser Gedanke zutiefst biblisch verankert: Im Alten Testament lässt Judas Makkabäus ein Sühnopfer für die Gefallenen darbringen, weil es eben nicht „überflüssig und sinnlos“ ist, für die Toten zu beten (vgl. 2 Makk 12,43–45) – eine Schriftstelle freilich, die der protestantische Kanon nicht kennt. Warum sollte ich also damit aufhören, nur weil das irdische Leben eines Menschen zu Ende gegangen ist? Warum sollte meine Liebe, meine Bemühung um Versöhnung am Grab enden? In vielen evangelikalen Gemeinschaften wird das Gebet für Verstorbene abgelehnt. Mit dem Tod, so die Vorstellung, sei das endgültige Schicksal des Menschen besiegelt. Für eine weitere Läuterung oder eine wirksame Fürbitte der Lebenden bleibe kein Raum. Das erscheint mir eigentümlich rigoristisch, ja eng gedacht. Die katholische Lehre vom Purgatorium ist dagegen weitaus tröstlicher. Sie geht davon aus, dass ein Mensch in Gottes Gnade sterben kann, ohne bereits vollkommen geläutert zu sein.
Wer von uns ist schon frei von jeder Selbstsucht, jeder ungeordneten Anhänglichkeit, jeder Lieblosigkeit und jedem Schatten der Sünde? Die Begegnung mit der unendlichen Heiligkeit Gottes verlangt eine Reinigung dessen, was in uns noch der vollkommenen Liebe widerspricht. Papst Benedikt XVI. hat in seiner Enzyklika Spe salvi eindrucksvoll beschrieben, wie die Begegnung mit Christus selbst zum reinigenden Feuer werden kann. Das Purgatorium ist deshalb keine zweite Hölle und auch keine nachträgliche Möglichkeit, sich das Heil selbst zu verdienen. Es ist die letzte Läuterung jener, deren endgültige Rettung bereits feststeht. Wie viel Hoffnung liegt darin! Dass diese Läuterung ganz im Zeichen der göttlichen Gnade steht, zeigt das Evangelium: Der reuige Schächer am Kreuz erhält von Christus die Verheißung: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Nicht seine Lebensleistung rettet ihn, sondern die Barmherzigkeit Christi, der er sich im letzten Augenblick anvertraut und die ihn sogar das Fegefeuer „überspringen“ lässt.
Besonders dieses Jesuswort spricht gegen jene Vorstellungen eines allgemeinen Seelenschlafs, nach denen die Verstorbenen bis zur Auferstehung am Jüngsten Tag in einem Zustand der Bewusstlosigkeit verharren, bis sie der Ruf der göttlichen Posaune aus ihrem Tiefschlaf weckt. Solche Auffassungen werden allerdings nicht von allen Evangelikalen geteilt. Die Frage nach dem Schicksal der Seele zwischen Tod und Auferstehung führt uns auch zu den vorchristlichen Gerechten. Für sie kennt die katholische Theologie den Zustand des Limbus patrum: Von Adam über Abraham bis hin zu den Propheten harrten die Seelen der Gerechten im Schoß Abrahams auf den verheißenen Erlöser, da ihnen die unmittelbare Anschauung Gottes bis zum Erlösungswerk Christi noch verschlossen blieb. Erst durch das Heilsmysterium des Karsamstags, den Abstieg Christi in das Reich der Toten (Descensus Christi ad inferos), wurde diese Haft des Todes gesprengt. Christus brachte den dort Wartenden das Licht der Erlösung und führte sie im Triumph Seiner Auferstehung heim in die Anschauung Gottes.
Für mich bleibt aber am Ende entscheidend: Die Liebe hört mit dem Tod nicht auf. Wir dürfen für unsere Verstorbenen beten, für unsere Eltern und Großeltern, für Freunde und Bekannte, besonders auch für jene, an die niemand mehr denkt. Auch unsere Vorfahren gehören zu unserer Geschichte. Wir kennen die Ahnen oft nicht mehr, obwohl so mancher unter ihnen vielleicht noch unseres Gebets bedarf. Wir sind nicht isolierte Individuen, sondern Glieder einer Gemeinschaft, die Generationen und Jahrhunderte übergreift. Darin zeigt sich die ganze Schönheit der katholischen Vorstellung der Diesseits und Jenseits vereinenden Kirche.
Ein neuer Dogmatismus ohne Dogmen?
Der katholischen Kirche wird häufig Dogmatismus vorgeworfen. Sie halte an überlieferten Lehren fest, beanspruche verbindliche Autorität und lasse zu wenig Raum für individuelle Glaubensentscheidungen. Doch begegnet mir in Teilen der evangelikalen Welt ein nicht minder ausgeprägter Dogmatismus, der dabei aber nicht auf eine 2000-jährige Geschichte zurückblicken kann, sondern sich in vielen, einander oft widersprechenden Einzelgeschichten zersplittert hat. Wer bestimmte katholische Glaubenswahrheiten von vornherein für unbiblisch erklärt, wer die Heiligenverehrung als Götzendienst bezeichnet, die Marienfrömmigkeit als Irrweg verwirft oder sämtliche Marienerscheinungen pauschal als Täuschung oder gar als Teufelswerk abtut, zeigt nicht unbedingt größere geistige Offenheit. Durch seine Verschließung vor diesen Glaubenswahrheiten ist er im geistigen Horizont begrenzter geworden. Besonders merkwürdig erscheint mir dabei der Umgang mit übernatürlichen Phänomenen. Natürlich muss nicht jede angebliche Erscheinung echt sein. Gerade auf diesem Gebiet sind Vorsicht und die Unterscheidung der Geister unverzichtbar. Die katholische Kirche prüft solche Phänomene daher akribisch genau und verpflichtet ihre Gläubigen nicht, Privatoffenbarungen anzunehmen. Solche Phänomene gehören nicht zum verbindlichen Kanon der Kirche und sind kein Teil des offiziellen Glaubensgutes. Dennoch werden sie nicht grundsätzlich abgelehnt, sofern sie den Evangelien und der kirchlichen Lehre nicht widersprechen. Den Gläubigen steht es frei, diese Offenbarungen zu ignorieren. Vielen helfen sie, den eigenen Glauben zu vertiefen und anzufachen, da sie die geglaubte jenseitige Wirklichkeit greifbarer und lebendiger erscheinen lassen. Es besteht folglich ein erheblicher Unterschied zwischen kluger Prüfung und pauschaler, grundsätzlicher Ablehnung.
In der katholischen Geschichte begegnen uns über Jahrhunderte hinweg Berichte über Erscheinungen Christi, Mariens und der Heiligen. Von vergleichbaren Erscheinungen Luthers oder Calvins nach ihrem Tod habe ich dagegen noch nichts gehört. Auch das ist letzten Endes ein wichtiger Hinweis auf die Richtigkeit der katholischen Kirche – ja womöglich gar ein Beweis für ihre göttliche Abkunft. Einzig in ihr machen sich die himmlischen Begleiter, besonders die Gottesmutter Maria, immer wieder bemerkbar, um das Kirchenvolk zu mahnen, zu Gebet, Umkehr und Buße aufzurufen und von Abwegen auf den rechten Pfad der Tugend zurückzuführen, so wie es im Alten Testament die Propheten getan haben. Doch im Judentum sind die Propheten verstummt. Die himmlischen Botschaften kommen nun aus dem neuen und ewigen Bund, dem der alte Bund den Weg bereitet hat.
Wer das Übernatürliche nur dort zulässt, wo es in das eigene theologische Schema passt, läuft Gefahr, den Glauben auf die raum-zeitlichen Begrenzungen des eigenen Verstandes zu reduzieren und göttliche Wunder auf die Zeit Jesu Wirkens zu beschränken. Paradoxerweise kann ein Christentum, das sich emotional besonders lebendig gibt, theologisch zugleich erstaunlich rationalistisch und eng werden. Die katholische Kirche bewahrt dagegen einen ungeheuren Schatz mystischer Erfahrungen und spiritueller Überlieferungen: die großen Mystiker, die kontemplativen Orden, die eucharistische Anbetung und damit verbundene Wunder – die der 2025 heiliggesprochene Jugendliche Carlo Acutis, welcher die Eucharistie treffend als seine „Autobahn zum Himmel“ bezeichnete, weltweit sammelte –, die Wallfahrten, die Marienerscheinungen, die Zeugnisse der Heiligen. Nicht alles muss sich in eine Predigt, eine Bibelstunde oder eine praktische Lebenshilfe übersetzen lassen. Es gibt eine Wirklichkeit, vor der der Mensch schweigen, staunen und anbeten darf, eine Wirklichkeit, die ihn über die Enge seines irdischen Daseins erhebt.
Wenn der Glaube nichts mehr fühlen lässt
Auch die starke Betonung religiöser Gefühle in manchen evangelikalen Gottesdiensten gibt mir zu denken. Natürlich kann es wunderbar sein, von einem Lied, einer Predigt oder einem gemeinsamen Gebet tief berührt zu werden. Doch was geschieht, wenn diese Gefühle ausbleiben? Ich selbst spüre häufig wenig oder gar nichts, wenn ich den Rosenkranz auf der Fahrt zum Arbeitsplatz bete. Manchmal ist das Gebet mühsam, manchmal schweifen meine Gedanken in irdische Sorgen und alltägliche Probleme ab. Dennoch bete ich weiter. Gerade darin liegt für mich ein wesentliches Merkmal des Glaubens: etwas zu tun, ohne dafür unmittelbar eine emotionale Belohnung zu erhalten. Ich bete nicht, damit ich mich anschließend besser fühle. Ich bete, weil Gott meiner Liebe, meiner Treue und meiner Anbetung würdig ist. Der Glaube – und das ist meines Erachtens eine seiner besten Definitionen – gleicht dem Vogel, der bereits im Dunkeln singt, obwohl der neue Tag noch nicht angebrochen ist. Die großen Mystiker der katholischen Kirche kannten die Erfahrung geistlicher Trockenheit. Johannes vom Kreuz sprach von der dunklen Nacht der Seele. Auch Mutter Teresa durchlebte lange Zeiten innerer Gottesferne. Dennoch hielten sie am Gebet fest. Die Liebe zu Gott darf nicht von unseren wechselnden Gefühlen abhängig sein. Sonst lieben wir am Ende womöglich weniger Gott als die angenehmen Empfindungen, die wir mit seiner Nähe verbinden.
Auch die kleinen Stoßgebete können uns in dieser geistlichen Haltung schulen. Eine ganz besondere Bedeutung hat für mich dabei die Herz-Jesu-Verehrung. „Heiligstes Herz Jesu, gib, dass ich immer mehr dich lieb!“, „Jesus, ich vertraue auf dich!“ oder „Jesus, Maria und Josef – Erbarmen!“ – solche kurzen Stoßgebete bringen ein ganzes Glaubensprogramm zum Ausdruck. Es sind kleine Blitze gen Himmel, ausgesprochen oft mitten im Alltag, ohne besondere Vorbereitung und ohne jede fühlbare Antwort. Doch werden wir im Alltag immer wieder mit Hilfen aus völlig unerwarteten Richtungen überrascht. Kein Tag ist nur schlecht. Und in keinem noch so anstrengenden Tag werden uns nicht doch ein, zwei „Schweißtüchlein der Veronika“ gereicht. In (Stoß-)Gebeten zeigt sich: Nicht ich bestimme die Bedingungen meiner Beziehung zu Gott, sondern ich vertraue mich seiner Liebe, seinem Trost und seiner Fürsorge an. Der Glaube muss eben nicht ständig ein Erlebnis sein; er ist vor allem eine Haltung der Treue.
Der gefährliche Irrweg des Wohlstandsevangeliums
Eine besonders problematische Entwicklung innerhalb bestimmter evangelikaler und pfingstlich-charismatischer Strömungen ist das sogenannte Wohlstandsevangelium. Vor allem in den Vereinigten Staaten wird von manchen Predigern die Vorstellung verbreitet, materieller Wohlstand, beruflicher Erfolg und körperliche Gesundheit seien sichtbare Zeichen eines besonders starken Glaubens und göttlichen Segens. Wer genügend vertraue, bete und spende, werde von Gott entsprechend belohnt. Welch eigentümliche Verkehrung des Evangeliums! Christus hat seinen Jüngern keineswegs ein Leben ohne Leiden versprochen. Er fordert sie vielmehr auf, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen. Die Seligpreisungen gelten nicht den Reichen, Erfolgreichen und gesellschaftlich Anerkannten, sondern den Armen, Trauernden, Sanftmütigen und Verfolgten. Der Apostel Paulus schreibt: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (vgl. Kol 1,24). Damit ist selbstverständlich nicht gemeint, das Erlösungsopfer Christi sei unvollständig. Vielmehr dürfen wir unser eigenes Leiden mit seinem Opfer verbinden und es für andere aufopfern. Ein Mensch, der schwer krank ist, der materielle Not erleidet oder große persönliche Verluste hinnehmen muss, ist deshalb keineswegs weniger von Gott gesegnet als der erfolgreiche Unternehmer, der sich bester Gesundheit erfreut. Vielleicht ist es sogar umgekehrt. Vielleicht steht jener, der sein Kreuz geduldig trägt, dem Geheimnis Christi weit näher als mancher, der seinen äußeren Erfolg als Beweis besonderer göttlicher Gunst betrachtet. Ohne (irdisches) Kreuz keine (himmlische) Krone (nulla crux, nulla corona).
Das Christentum ist kein Wellnessprogramm, keine religiöse Methode zur Selbstoptimierung und schon gar kein Erfolgsmodell für materiellen Wohlstand. Es ist ein Weg der Nachfolge, der Entsagung, der Liebe und nicht selten des Leidens. Darin liegt seine befreiende Kraft: Der Mensch muss nicht erfolgreich, gesund, reich oder gesellschaftlich anerkannt sein, um von Gott unendlich geliebt zu werden.
Im Grunde greifen die evangelikalen Glaubensansätze zu kurz. Sie umfassen nicht den gesamten Glauben und erfassen nicht die vollständigen Gnadenmittel des Heils, die uns nur die katholische Kirche zur Verfügung stellt. Der katholische Weg ist deshalb nicht nur der Weg zur Fülle des Heils, sondern in einem tieferen Sinn auch der Weg, auf dem uns das Heil am reichsten durch Gnadenmittel angeboten wird. Deswegen wird die katholische Kirche die alleinseligmachende Kirche genannt, weil sie die am leichtesten seligmachende Kirche ist. Leicht darf hier allerdings nicht im irdischen Sinne missverstanden werden. Leicht heißt nicht ohne Mühen und Leid, vielmehr kann gerade durch Mühen und Leid, durch das Kreuz, das wir täglich auf uns nehmen, das Heil sicherer erlangt werden. Oftmals birgt der rein irdische Wohlstand die Gefahr, dass die Sehnsucht nach dem Paradies im Geist der Sattheit erlischt. Natürlich sollte all das nicht als Ratschlag verstanden werden, aktiv nach dem Leid zu suchen. Gott gibt uns schon zur rechten Zeit das für uns ganz persönlich gezimmerte Kreuz, das unserem Heil am besten zuträglich ist. Es ist genau so, wie es der heilige Franz von Sales einst in einem seiner ersten geistlichen Begleitbriefe an die heilige Johanna Franziska von Chantal so tröstlich formulierte: „Der ewige Gott hat in seiner Weisheit von Ewigkeit her das Kreuz vorausgesehen, das er dir aus dem Herzen als Geschenk zusendet. Er hat es mit seinen Augen angeschaut, mit seinem göttlichen Verstand geprüft, mit seiner weisen Gerechtigkeit durchdacht, es mit seiner liebenden Barmherzigkeit erwärmt und mit seinen beiden Händen gewogen, ob es auch nicht einen Millimeter zu groß und kein Milligramm zu schwer für dich sei. Er hat es gesegnet mit seinem heiligen Namen, es mit seiner Gnade überschüttet, es mit seinem Trost durchduftet und blickt dann nochmals auf dich und deinen Mut, um dir dieses Kreuz schließlich als einen Gruß seiner allbarmherzigen Liebe vom Himmel herabzusenden.“
Was Konvertiten entdecken
Im Rahmen der Abfassung dieses Beitrags traf ich auf ein Interview, das das Bistum Regensburg im Juni 2022 mit einer jungen Konvertitin namens Anna veröffentlichte. Sie war in einer Freikirche aufgewachsen und schilderte ihre Dankbarkeit für den lebendigen, persönlichen Glauben, den sie dort kennengelernt hatte. Zugleich berichtete sie von zwei Erfahrungen, die sie zunehmend irritierten. Zum einen stellte sie fest, wie unterschiedlich die Glaubenslehren einzelner Freikirchen sein konnten: „Man geht in Freikirche A und da wird A gesagt und man geht in Freikirche B und da wird B gesagt. Die Glaubenslehre ist stark davon abhängig, wer der Gemeinde gerade vorsteht.“ Zum anderen vermisste sie die Ehrfurcht im Gottesdienst. Später lernte sie katholische Christen kennen, die ihren Glauben ernst nahmen, und entdeckte die Tiefe der katholischen Lehre und die Schönheit einer würdevoll gefeierten Messe. Mir erscheinen diese Beobachtungen deshalb beachtenswert, weil sie zwei wesentliche Defizite des freikirchlichen Christentums auf den Punkt bringen: die Abhängigkeit von subjektiven Auslegungen und den möglichen Verlust des Bewusstseins für das Heilige. Auch die Konversion dieser jungen Frau war offenbar kein plötzliches emotionales Ereignis. Sie beschreibt vielmehr einen längeren Weg, auf dem sich ihr die Schönheit und innere Stimmigkeit des katholischen Glaubens allmählich erschlossen. Das erinnert mich an meinen eigenen Weg. Manchmal braucht es Zeit, bis man erkennt, dass das vermeintlich Einengende – als das der Katholizismus von außen ja allgemein dargestellt wird – in Wahrheit einen größeren Raum eröffnet; dass überlieferte Formen nicht zwangsläufig erstarrte Rituale sind, sondern Träger einer Wirklichkeit, die weit über das unmittelbar Sichtbare hinausreicht. Am Ende geht es dabei um ein grundlegendes Paradoxon der Freiheit. Während ein säkularer, negativer Freiheitsbegriff behauptet, die Befolgung von Gottes Geboten schränke uns unnötig ein und hindere uns daran, selbstbestimmt zu sein, verhält es sich in der religiösen Erfahrung genau umgekehrt. Erst durch ein freiwilliges Sich-Fügen in diese Gebote – im Sinne eines positiven Freiheitsbegriffs – erwächst wahre, innere Autonomie. Was aus der Sicht von un- oder andersgläubigen Menschen wie Unfreiheit und Reglementierung wirkt, bildet für den Glaubenden das tragende Fundament, auf dem sich die Freiheit der Seele, die innere Loslösung von allen weltlichen Anhänglichkeiten, überhaupt erst entfalten kann.
Warum ich dankbar bin, katholisch zu sein
In dem Zusammenhang fällt mir eine Anekdote ein: Fragt ein protestantischer Deutscher einen Österreicher: „Sie sind doch auch katholisch?“ Worauf dieser antwortet: „Ja, aber nicht so arg.“ Im Kern gibt es genau das nicht. Entweder steht Gott an erster Stelle im eigenen Leben oder eben nicht. Leider machen sich viele katholisch sozialisierte Christen viel zu wenige Gedanken über die Grundlagen ihres Glaubens. Sie haben weder die Bibel noch den Katechismus der Katholischen Kirche gründlich studiert. Sie empfangen die Eucharistie unachtsam, verkennen die existenzielle Bedeutung der Beichte und lassen sie entsprechend schleifen. Nicht wenige folgen stattdessen dem medial verbreiteten, bequemen Narrativ: „Wir glauben doch alle an denselben Gott.“ Mit dieser nivellierenden Äußerung sind die Unterschiede im Verständnis von Kirche, Gnade und Sakramenten allerdings lange noch nicht ausgeräumt. Es gibt schlechte Predigten, wenig überzeugende Seelsorger, innerkirchliche Machtkämpfe, geistliche Lauheit und erschreckende Verfehlungen innerhalb der katholischen Kirche. Manchmal scheint es, als hätten selbst manche ihrer Amtsträger den Glauben an die übernatürliche Wirklichkeit der Kirche weitgehend verloren und seien zu rein innerweltlichen „Gottesbeamten“ verkommen. Gerade deshalb muss man zwischen der Kirche als göttlicher Stiftung und dem oft beklagenswerten Verhalten ihrer menschlichen Glieder unterscheiden. Die Kirche ist nicht heilig, weil ihre Mitglieder bessere Menschen wären. Sie ist heilig, weil Christus ihr Haupt ist und weil er ihr die Mittel des Heils anvertraut hat. Wer nur auf das menschliche Bodenpersonal blickt, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Wer dagegen die ganze Wirklichkeit der Kirche betrachtet, entdeckt einen unermesslichen Gnadenschatz.
Der katholische Glaube verlangt nicht, alles selbst bestimmen und aus eigener Kraft vollbringen zu wollen. Nur noch wenige sagen im Geiste Mariens: Siehe, ich bin die Magd oder der Knecht des Herrn. Ich bin der Bleistift Gottes (Mutter Teresa). Mir geschehe nach deinem Wort, nach deinen Fügungen. Mach mit mir, was Du willst. Dein Wille geschehe. Oder wie ich einmal in einem Gebet gehört habe: Herr schenke mir die Gnade, dass ich danach verlange, was Du gebietest. Die meisten wollen heute selber gebieten, wollen selber bestimmen, wo’s lang geht und sich von niemandem dreinreden lassen, selbst von Gott nicht, dem Schöpfer, dem Ursprung allen Seins, der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.
Die Eucharistie, in der Christus selbst gegenwärtig wird. Die Beichte, in der der gefallene Mensch immer wieder einen Neuanfang geschenkt bekommt. Die apostolische Sukzession, die uns mit der Kirche der ersten Jahrhunderte verbindet. Die Gottesmutter Maria, deren mütterliche Fürsprache wir anrufen dürfen. Die Heiligen, die uns als Vorbilder und Fürsprecher begleiten. Das Gebet für unsere Verstorbenen, durch das unsere Liebe selbst die Grenze des Todes überschreitet. Die kontemplative Stille, die Mystik, die Anbetung, die Hoffnung auf die endgültige Vereinigung mit Gott. All das ist kein schmückendes Beiwerk, das man nach Belieben hinzufügen oder weglassen könnte. Es gehört zur Fülle des katholischen Glaubens. Die evangelikalen Gemeinschaften haben zweifellos vieles bewahrt, was auch uns Katholiken wieder stärker bewusst werden müsste: die Liebe zur Heiligen Schrift, das persönliche Gebet, den missionarischen Eifer, die Bereitschaft zum öffentlichen Glaubenszeugnis und das ernsthafte Bemühen um einen christlichen Lebenswandel. Doch diese Stärken können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wesentliche Dimensionen des christlichen Glaubens verloren gehen, wenn man die sakramentale Ordnung, das apostolische Amt, die kirchliche Überlieferung und die Gemeinschaft der Heiligen preisgibt. Man mag in einer Freikirche menschlich besser aufgehoben sein, lebendigere Predigten hören und eine herzlichere Gemeinschaft erleben. Das alles kann wertvoll sein. Aber es beantwortet nicht die entscheidende Frage nach der Wahrheit und der Fülle der von Christus gestifteten Heilsmittel.
Der goldene Weg ist nicht notwendig der bequemste, angenehmste oder emotional beglückendste. Er ist der Weg, auf dem wir Christus in der ganzen Fülle dessen begegnen dürfen, was er seiner Kirche geschenkt hat. Deshalb bin ich dankbar, katholisch zu sein. Nicht weil ich mich für einen besseren Christen hielte, sondern weil ich in der katholischen Kirche einen Reichtum gefunden habe, der mich immer wieder staunen lässt und dessen Tiefe ich wohl mein ganzes Leben lang nicht ausschöpfen werde. Die Antwort auf die Krise der katholischen Kirche kann deshalb nicht darin bestehen, ihren Glauben weiter zu reduzieren, ihre Sakramente zu relativieren oder ihre übernatürliche Wirklichkeit zugunsten eines zeitgemäßen religiösen Erlebnisangebotes zurückzudrängen. Wir brauchen nicht weniger Katholizismus, sondern mehr. Mehr Ehrfurcht, mehr Gebet, mehr sakramentales Leben, mehr Mut zur Wahrheit, mehr Bereitschaft zur Umkehr und mehr Vertrauen auf die übernatürliche Wirklichkeit, die uns Christus durch seine Kirche erschlossen hat.
Epilog
Es geht mir mit diesen Überlegungen nicht darum, den Beifall dieser Welt zu erlangen oder mich als religiöser Autor hervorzutun. Mein einziges Anliegen ist es, Zeugnis abzulegen von dem Reichtum, der mir geschenkt wurde. Wenn es gelingt, auch nur eine verzweifelte, auf Abwege geratene oder suchende Seele zur Umkehr zu bewegen und ihr den Weg zur sakramentalen Fülle der Kirche zu weisen, dann sehe ich meine Aufgabe als erfüllt an. Herr, gib Du das Deinige dazu! Gelobt sei Jesus Christus. In Ewigkeit. Amen.
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- Zu viele im Exil: Papstbesuch von Nicaraguas Bischöfen verschoben
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