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| ![]() „Freut euch allezeit – Dankt für alles!“ (1 Thess 5,16–18)vor 4 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung Dankbarkeit, Freude und Lebensbejahung im priesterlichen Dienst. Ein geistlicher Vortrag für Priesterjubilare. Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer Eichstätt (kath.net) Einleitung: Wenn wir zurückschauen, sehen wir Gottes Treue Doch hinter allen Unterschieden steht dieselbe Erfahrung: Gott war treu. Nicht wir feiern heute unsere Leistungen. Nicht wir feiern unsere Erfolge. Nicht einmal unsere Ausdauer steht im Mittelpunkt. Wir feiern die Treue Gottes. Wenn wir auf Jahrzehnte priesterlichen Lebens zurückschauen, dann erkennen wir: Vieles haben wir geplant – manches wurde ganz anders. Vieles haben wir begonnen – anderes blieb unvollendet. Manche Saat ging auf, andere blieb verborgen. Aber durch alles hindurch blieb Christus derselbe: Darum darf ein Priesterjubiläum niemals nostalgische Rückschau sein. Es ist vielmehr ein österlicher Akt der Wahrheit: Der Herr hat gehandelt. Und genau daraus entstehen die drei Grundhaltungen, über die wir heute nachdenken wollen: 1. Dankbarkeit, 2. Freude, 3. Lebensbejahung. Diese drei gehören zusammen wie die drei Flammen eines einzigen Feuers. I. Dankbarkeit – Die Grundhaltung des Priesters Diese beiden Worte treffen das Wesen des Priestertums vielleicht besser als jede Definition. Priester wird man nicht, weil man besonders begabt wäre. Priester wird man nicht, weil man besser wäre. Priester wird man auch nicht, weil man sich selbst dazu ernannt hätte. Priester wird man, weil Christus gerufen hat. Am Anfang jeder Priesterbiografie steht nicht unsere Entscheidung, sondern Gottes Ruf. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Augenblick, als der Gedanke zum ersten Mal auftauchte. Vielleicht an einen Pfarrer, an einen Religionslehrer, an eine Wallfahrt, an Einkehrtage oder an eine stille Stunde vor dem Tabernakel. Vielleicht wissen Sie gar nicht mehr genau, wann alles begann. Aber eines wissen wir: Es war Gnade. Und deshalb ist Dankbarkeit die angemessene Antwort. 2. Dankbarkeit ist mehr als Höflichkeit 3. Der Blick zurück Manchmal tausende von Gottesdiensten. Manchmal hunderttausende Kilometer. Manchmal ungezählte Stunden. Aber hinter allem steht die Frage: Wer hat eigentlich gewirkt? War es nicht letztlich Christus? Paul VI. sagte einmal zu Priestern: Die größte Frucht des priesterlichen Lebens bestehe darin, dass Christus durch Glauben und Liebe in den Herzen vieler Menschen leben konnte. Darum darf ein Priesterjubiläum niemals Selbstfeier werden. Es ist Danksagung an Christus. II. Freude – Die österliche Seele des Priestertums Athanasius schreibt: „Freut euch immer. Sagt in allem Dank.“ Das ist bemerkenswert. - Nicht: „Freut euch, wenn alles gelingt.“ - Nicht: „Freut euch, wenn ihr Erfolg habt.“ Sondern: „Freut euch immer.“ Warum? Weil Christus, der uns gerufen hat, immer derselbe bleibt. 2. Der Auferstandene geht mit uns Johannes Paul II. formulierte einmal einen wunderbaren Satz: „Jeden Tag sind wir in einer privaten Audienz mit Jesus.“ Was für ein Gedanke! Der Priester darf täglich vor Christus stehen. Er darf täglich seine Worte sprechen: „Das ist mein Leib.“ Er darf täglich seine Frohbotschaft verkünden. Er darf täglich Christus begegnen. Vielleicht haben wir uns im Laufe der Jahrzehnte zu sehr daran gewöhnt. Doch eigentlich ist jede Eucharistie, jedes Sakrament ein Wunder. Christus ist gegenwärtig und handelt. 3. Die Freude der Emmausjünger Aber dann kam Christus. Er ging mit ihnen. Er erklärte ihnen die Schrift. Er brach ihnen das Brot. Und plötzlich sagten sie: „Brannte nicht unser Herz?“ (Lk 24,32) Ist das nicht auch die Erfahrung vieler Priester? Wie oft war Christus da, obwohl wir ihn zunächst nicht erkannten? Wie oft hat er uns, die „Unverständigen“, begleitet? Wie oft getragen? Wie oft geführt? III. Lebensbejahung – Die Frucht des Glaubens Manche von uns haben erlebt, wie Kirchen leerer wurden. Wie Gewissheiten zerbrachen. Wie Menschen sich entfernten, trotz unseres Mühens und Sorgens. - Auch das gehört zur Wahrheit: Wir waren nicht immer „erfolgreich“. 2. Die Väter kennen das Leid Athanasius schreibt: „Zu jeder Zeit lasst uns dem Herrn danken – in Zeiten der Leichtigkeit wie der Bedrängnis.“ 3. Dank auch in schweren Zeiten Vielleicht erkennen wir gerade im Rückblick: Manche schweren Jahre waren die fruchtbarsten. Manche Kreuzwege wurden zu Segenswegen. Manche Niederlagen wurden zu verborgenen Siegen. IV. Die Eucharistie – Herzmitte des priesterlichen Lebens 2. Die tägliche Begegnung Und dann geschieht trotz allem das Wunder: Christus wird gegenwärtig. Immer wieder. Seit Jahrzehnten. Wie viele tausend Male durften wir seine heiligen Worte sprechen? Wie viele tausend Male durfte Christus durch unsere Hände zu seinem Volk kommen? Wenn wir uns das einmal bewusst machen, dann wissen wir auch, dass unser Menschenleben nicht ausreicht, um dafür zu danken. V. Was bleibt nach Jahrzehnten? 2. Es bleiben Menschen 3. Es bleibt Christus VI. Drei kleine geistliche Übungen für die uns noch geschenkten, kommenden Jahre 3. Eucharistische Dankbarkeit Schluss: „Mein Herr und mein Gott“ Er hat uns gerufen. Er hat uns getragen. Er hat uns vergeben. Er hat uns geführt. Er hat uns wieder aufgerichtet. Er hat uns nie verlassen. Darum dürfen wir heute nicht nur zurückschauen. Wir dürfen dankbar nach vorne schauen. Denn derselbe Herr, der uns einst gerufen hat, geht weiterhin mit uns. So gilt hinsichtlich unseres Lebensweges das Wort des Apostels „Freut euch allezeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles!“ (1 Thess 5,16–18). Und bis zu letztem Tag unseres Lebens dürfen wir daher immer wieder dankbar wiederholen: Ja, Herr, alles war Gnade. - Alles war Geschenk. - Alles war Begegnung mit Dir: „Suscipe me…“ „Nimm mich an, Herr… lass mich leben… lass mich nicht enttäuscht werden von meiner Hoffnung.“ Amen. Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link. Archivfoto (c) Pixabay/Norbert47 Ihnen hat der Artikel gefallen? 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