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Manche Bilder sollte es nicht geben

9. November 2016 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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Fehlende Kreuze auf der großen „Amtstracht“? Das Fehlen der Kreuze wäre nicht so stark aufgefallen, hätten Marx und Bedford-Strohm auf den Bildern den schlichten schwarzen Anzug getragen. Kommentar von Peter Winnemöller


Jerusalem (kath.net/Blog „katholon“/pw) Als diese Bilder vom Tempelberg in der Timeline auftauchten, wären sie fast so durchgerutscht. Aha! Die Delegation von DBK und EKD hat auf ihrer Pilgerreise nach Jerusalem auch den Tempelberg besucht. Weiterklicken.

Doch halt! Da ist etwas, da stimmt was nicht. Man nimmt kleine Änderungen oft genug erst im Weglegen oder Umblättern (digital: Wegklicken) wahr. Da fehlt doch etwas. Erst dann wird das Bild interessant. Das nämlich, was anders ist, ist die Neuigkeit. Immer gleiches ist keine Neuigkeit. Man hatte Marx und Bedford-Strohm in den vergangenen Tagen auf so vielen Bildern aus Jerusalem nebeneinander gesehen. Das ökumenische Gruppenkuscheln im Heiligen Land war zu keinem Zeitpunkt etwas, was einen nachrichtentechnisch vom Stuhl gefegt hätte.

Das andere aber an diesen Bildern, das Fehlen der Brustkreuze über der Soutane des Kardinals und über dem Gehrock des Ratsvorsitzenden der EKD auf dem Tempelberg in Jerusalem, das fiel jetzt ins Auge. Es hätte vielleicht eine einfache Lösung gegeben. Das Fehlen der Kreuze wäre nicht aufgefallen, hätten sie auf den Bildern den schlichten schwarzen Anzug getragen. Doch das Tragen der – sozusagen – großen Amtstracht ohne das Pektorale, das musste auffallen. Und es musste zum Nachdenken anregen, wenn man im Tagesspiegel lesen konnte, wie den Bischöfen erklärt wurde, dass es dort nie einen jüdischen Tempel gegeben habe. (siehe hier)

Das war hochpolitisch und kann mit Fug und Recht als antijüdischer Akt interpretiert werden. Da ist es mit Schnappatmung kaum noch getan, wenn man die ausgelassene Stimmung auf den Bildern sieht. Die erste Frage war: Was nun? Kommentieren oder lassen. Reden und anprangern oder betroffen schweigen.


Letzteres erschien mir weise. Schon zu viele Aspekte waren kritikwürdig an dieser gemeinsamen Reise der Vertreter von EKD und DBK. Nicht die Tatsache, dass man gemeinsam auf Pilgerfahrt geht, stellt das Problem dar. Aber zu sehr erweckte die Fahrt den Eindruck, Tünche zu sein; Tünche, die Differenzen überdecken soll. Mag man sich von Seiten des Vatikans in dogmatischen Fragen insbesondere mit dem Lutherischen Weltbund immer näherkommen, so driften doch die EKD- Gemeinschaften mit fast doppelter Geschwindigkeit insbesondere in moraltheologischen Fragen von der katholischen Kirche weg. Mag es zwischen Rom und Lutherischem Weltbund mehr geben das eint, so gibt es zwischen EKD und katholischer Kirche mehr, das trennt. Über die 500- Jahr „Feier“ soll aber dennoch viel Harmoniesoße gekippt werden.

Man mag also die sicher sehr schöne und geistlich tiefgehende Pilgerreise nun gerne als einen Akt des gegenseitigen guten Willens und des persönlichen guten Verstehens ansehen. Das an sich ist ja auch schon etwas wert. Ein großer und wirkungsvoller Schritt in der Ökumene war diese Klassenfahrt sicher nicht.

Und dann auch noch die Bilder vom Tempelberg. Eine solche politische Aussage, die mit keinem Wort der Geschichtsklitterung der Gastgeber widerspricht und dann noch fröhliche Bildchen ohne Brustkreuz in die Welt entlässt ist dreist. Ein – man muss es einfach so deutlich sagen – feiges Einknicken vor einer unlauteren Forderung. Ein gutes Miteinander der Religionen kann nicht nur von einer Seite Nachgeben verlangen. Dazu gehört etwas mehr. Dazu gehört allerdings auch ein Stehvermögen, das unsere „Kirchenführer“ an der Stelle haben vermissen lassen. Peinlich berührt und ein wenig schockiert war die erste Reaktion, der dringende Wunsch, dass es am besten keiner gesehen haben möge. In der Tat passierte zunächst bis auf ein paar Statements in den sozialen Medien nichts weiter.

Ein Kommentar von Prof. Michael Wolffsohn, einem Juden, in der BILD brachte das Thema in eine größere Öffentlichkeit. Wolffsohn wies darauf hin, welch schlechtes Signal hier in die Welt gesendet wurde. Das katholische Nachrichtenportal kath.net dokumentierte und machte diese Stellungnahme auch unter den Katholiken bekannt, die nicht die BILD lesen. In den sozialen Medien war die Diskussion nun angefacht. DieBILD am Sonntag legte mit einem Kommentar von Miriam Hollstein nach. Jesus habe, so die Kommentatorin, vor 2000 Jahren in Jerusalem das Kreuz aufgenommen, die Bischöfe hätten es nun dort niedergelegt. Damit ist einerseits sprachmächtig und hochpolemisch verdichtet sowie andererseits gut interpretiert, was geschehen ist.

Seitens der DBK und der EKD läuft nun längst die Rechtfertigungsspirale. Auch hier finden sich insbesondere bei kath.net und bei IDEA die entsprechenden Dokumentationen. Es lohnt, die offiziellen Statements zu lesen, damit sich ein Gesamtbild ergibt. Es bleibt der schale Nachgeschmack, man wolle nur der veröffentlichten Meinung gefallen. Selbige nämlich hatte die Pilgerreise von EKD und DBK auf einer Woge der Begeisterung getragen. Und nun kommen irgendwelche unmöglichen Leute, denken selber nach und gießen den miesen Essig der Kritik in den schmackhaften Wein der Anerkennung durch die Welt. Nun waren es mal keine (vermeintlich oder wirklich) erzkonservativen Katholiken. Es waren keine verblödeten Verblogger, die ja sonst gerne mal den Kopf hinhalten. Es war ein jüdischer Professor in der BILD, der den „Kirchenführern“ den Kopf gewaschen hatte. Mag sich bitte niemand Illusionen machen, BILD ist nicht das Organ der Verteidigung des wahren Glaubens. Doch manchmal haben sie eben den Finger an der richtigen Stelle.

Man wird in den kommenden Tagen noch einiges dazu lesen. Ganz aktuell ein Kommentar von Jan Fleischhauer auf SPON.

Die Diskussion läuft und die, die sich sonst so erfolgreich dem Weltgeschmack anbiedern, haben hier nun ausnahmsweise mal die schlechteren Karten. Am Ende wird man vielleicht auch bei EKD und DBK einsehen, dass es keine so gute Idee war, diese Bilder zu produzieren. Es war vor allem keine gute Idee vor dem Hintergrund einer verheerenden UNESCO- Resolution ein solches Zeichen zu setzen.

Manchmal ist der Verzicht auf eine bestimmte Art von Bildern – mag auch die Medienwelt noch so sehr danach gieren – der weisere Weg.

Link zum Foto der Delegation im (muslimischen) Felsendom auf dem Tempelberg – Homepage der Deutschen Bischofskonferenz)

Weiterführender Link: CDU-Spitzenpolitiker Wolfgang Bosbach: „Wenn man vor Moscheebesuch auf Kreuz-Verzicht hingewiesen wird…“

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm ziehen Bilanz der ökumenischen Heilig-Land-Reise: ´Wir nehmen den Schwung mit!´



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