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Schönborn: Glaube braucht Tradition und kirchliche Einheit

31. Mai 2026 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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Kardinal bei Communio-Akademie in Kremsmünster über Konzil, Synodalität und Konflikt mit Piusbruderschaft - Kritik an rein gegenwartsbezogenem Kirchenverständnis.


Linz (kath.net/ KAP) 
Mit deutlichen Worten zur Frage kirchlicher Einheit, zur Deutung des Zweiten Vatikanischen Konzils und zur Bedeutung kirchlicher Tradition hat Christoph Kardinal Schönborn am Freitagabend bei der Communio-Akademie im Stift Kremsmünster Stellung bezogen. Im Gespräch mit dem Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück spannte der emeritierte Wiener Erzbischof einen Bogen von den Nachwirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Entstehung des Weltkatechismus bis zu aktuellen Konflikten um die traditionalistische Piusbruderschaft.
Für Schönborn gehört es bis heute zu den ungelösten Rätseln der jüngeren Kirchengeschichte, "warum das Konzil so unterschiedlich wahrgenommen wurde", wie er sagte. Während viele Zeitgenossen die Jahre nach dem Konzil als Beginn eines kirchlichen Aufbruchs verstanden hätten, habe er selbst die Entwicklung anders wahrgenommen: "Ich habe das, was dann passiert ist, als junger Mensch, Theologiestudent, nicht als einen Aufbruch, sondern als einen Abbruch erlebt." Doch beide Deutungen seien zu plakativ, vielmehr sei es eine Krise mit vielen Ursachen gewesen.

Schon der spätere Papst Benedikt XVI., damals noch Professor Joseph Ratzinger, habe früh auf problematische Entwicklungen hingewiesen, erinnerte Schönborn. Ratzinger habe vor einem "Parakonzil" gewarnt, das nicht mehr den eigentlichen Intentionen der Konzilsväter entspreche. Besonders die Krise der Priesterberufungen und neue theologische Strömungen hätten damals viele Gläubige verunsichert - und auch ihn selbst, sagte der Kardinal. Als er seiner Mutter von theologischen Vorlesungen berichtet habe, in denen die Gottessohnschaft Jesu relativiert worden sei, habe diese geantwortet: "Moment, wenn Jesus nicht der Sohn Gottes ist, dann ist doch unser Glaube leer." Schönborn dazu rückblickend: "Das war vielleicht die wichtigste Theologie-Vorlesung meines Lebens".


Synodalität braucht Gedächtnis
Mit Blick auf aktuelle Debatten innerhalb der Weltkirche äußerte sich Schönborn kritisch zu einer Sichtweise, die Synodalität vor allem als gemeinsames Entscheiden in der Gegenwart verstehe. Bei der Weltsynode in Rom zu diesem Thema habe ihm der geschichtliche Aspekt gefehlt, denn: "Der Glaube der Kirche ist ja nie nur der Glaube von uns jetzt. (...) Meine Großeltern, meine Vorfahren vor tausend Jahren haben in der Substanz denselben Glauben gehabt, mit dem wir heute leben." Die Verbindung mit der Tradition sei unverzichtbar, weshalb die Kirche Wege finden müsse, die bleibende Substanz des Glaubens in neue Situationen zu übersetzen, ohne ihren Kern preiszugeben.
Auch die Bedeutung der Kirchenväter für die Erneuerung der Theologie hob Schönborn hervor. Die Begegnung mit der patristischen Tradition habe ihn in einer persönlichen Glaubenskrise geprägt, sagte er. "Das war meine Rettung", sagte er über die Wiederentdeckung der frühen christlichen Autoren. Besonders beeindruckt habe ihn die Beschreibung des Glaubens "aus der Zeit, da die Erde noch warm war vom Blut Jesu".

Ringen um Einheit
Ausführlich sprach Schönborn über die traditionalistische Piusbruderschaft, die gegenwärtig erneut mit unerlaubten Bischofsweihen droht. Der Kardinal erinnerte an die jahrelangen und intensiven Bemühungen Ratzingers, deren Bruch mit Rom zu verhindern. "Alles ist zu tun, um die Einheit zu wahren", sagte Schönborn. Die Geschichte zeige, dass Spaltungen kaum mehr rückgängig zu machen seien. "Wenn es einmal geschehen ist, ist es sehr, sehr schwer zurückzukommen." Ratzinger habe sich deshalb "in einer wirklich heroischen Weise" um eine Verständigung bemüht. "Das ist der glücklichste Tag meines Lebens", habe Ratzinger nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung mit Erzbischof Marcel Lefebvre erklärt. Bereits am nächsten Morgen sei jedoch von diesem die bereits erreichte Einigung wieder zurückgezogen worden.

Menschlich gesehen, sei das Bemühen um Einheit "ziemlich ausweglos", so Schönborn. Folgen der seit Jahrzehnten andauernden Trennung seien auch in Wien sichtbar, wo die Minoritenkirche als eine der bedeutendsten gotischen Kirchen Österreichs heute von der von Rom getrennten Piusbruderschaft genutzt werde - und zugleich die Kirchenspaltung im Stadtbild sichtbar mache: "Wir müssen ohnmächtig zuschauen, dass eine bedeutende katholische Kirche von Wien sehr legal, aber so hintenrum ihr Besitz geworden ist." Die Einheit der Kirche sei jedoch nicht allein durch kirchenpolitische Maßnahmen herzustellen. "Wahrscheinlich will Gott uns zeigen, dass er die Einheit ist, und nicht unsere noch so guten Bemühungen um Einheit", sagte der Kardinal. Die Hoffnung auf Versöhnung bleibe letztlich ein "Wunder des Heiligen Geistes".
Als einen der zentralen Streitpunkte im Verhältnis zur Piusbruderschaft nannte Schönborn die Religionsfreiheit. Für Erzbischof Lefebvre sei deren Anerkennung eine Gewissensfrage gewesen, weil er darin eine Relativierung des katholischen Wahrheitsanspruchs sah. Das Zweite Vatikanische Konzil habe dagegen gelehrt, dass Religionsfreiheit nicht bedeute, Wahrheit und Irrtum gleichzusetzen, sondern auf der von Gott gegebenen Freiheit des Menschen gründe. "Das ändert nichts daran, dass die Wahrheit die Wahrheit ist", sagte Schönborn.

Antwort auf Nachkonzilskrise
Das Gespräch bildete den Höhepunkt der dreitägigen Communio-Akademie "Glaube, Gesellschaft und die Suche nach dem Heiligen" im Stift Kremsmünster. Die vom Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte der Universität Wien veranstaltete Tagung widmete sich Fragen nach der Zukunft der Kirche, der Rolle des Glaubens in einer pluralen Gesellschaft und den Spuren des Heiligen in Kultur und Alltag. Im Mittelpunkt des Abends stand auch die Geschichte der internationalen katholischen Zeitschrift Communio, deren Herausgeber Schönborn ist. Die 1972 von Joseph Ratzinger, Hans Urs von Balthasar, Henri de Lubac und weiteren Theologen gegründete Zeitschrift sei als Antwort auf die Polarisierungen der Nachkonzilszeit entstanden. Ziel sei gewesen, "den Glauben zum Wort kommen zu lassen. Und zwar in einer reflektierten, in einer fundierten und in einer bekennenden Form", sagte Schönborn.
Zum Abschluss plädierte der Kardinal dafür, die Anziehungskraft des Glaubens stärker in den Vordergrund zu rücken als innerkirchliche Auseinandersetzungen. Entscheidend sei "die Freude am Glauben, an der Schönheit und der Lebendigkeit des Glaubens". Mit einem Wort des heiligen Franz von Sales fasste er dies zusammen: "Man fängt mehr Fliegen mit einem Tropfen Honig als mit einem ganzen Fass Essig." Communio verstehe sich als Versuch, diesen "Tropfen Honig" weiterzugeben: "Die Schönheit und die Freude des Glaubens."

Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten

Foto: (C) kathpress, Paul Wuthe


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Lesermeinungen

 gebsy 31. Mai 2026 

Die unterschiedliche Wahrnehmung

des Konzils entspringt dem Glaubensverlust und führt zum NON SERVIAM der menschlichen Person ...


0
 
 Cosmas 31. Mai 2026 
 

Schöne Worte, die nichts für die Praxis bedeuten

Wie immer spricht Schönborn in der Wortwahl perfekt ans Auditorium angepaßt. Solche Worte hätte man sich von ihm unter Franziskus gewünscht, als er noch im Amt war als EB von Wien. Da wären sie ihm aber niemals über die Lippen gekommen.
Dass er jetzt Krokodilstränen über den "Verlust" der Minoritenkirche an die Piusbruderschaft vergießt, ist lächerlich. Denn die ED Wien hat jahrelang versucht die ialienische Bruderschaft aus der Minoritenkirche hinauszuekeln, zuvorderst dadurch dass ihr kein Priester oder gar Kirchenrektor ernannt wurde für die (Novus Ordo !!!!!) Gottesdienste. Trotz vielfacher Bitten blieb die Diözese hart und herablassend. Die "Congregazione" hatte von Kaiser Josph II. die Minoritenkirche erhalten und mußte nun ernsthaft befürchten, von Schönborn vertrieben zu werden. Wie groß die Not war, zeigt die Schenkung an die Piusbruderschaft! Die Italiener taten dies aus Verzweiflung vor der Vertreibung und nicht aus Zuneigung zur Alten Messe, die sie aber inzwischen lieben.


1
 
 novara 31. Mai 2026 
 

Wo ist.....

...Grünwidl?
Wie immer glänzt er durch Abwesenheit.


0
 

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