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Kritik von Theologen an der Beurlaubung von P. Edmund Waldstein

9. September 2026 in Österreich, 7 Lesermeinungen
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‚Eine Verleumdung gegen einen guten Mann und heiligen Priester‘, schreibt der Autor und Philosophieprofessor Edward Feser zu dem Vorfall. Waldstein wurde von seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule Heiligenkreuz beurlaubt.


Heiligenkreuz (kath.net/jg)
„Ich bin kein Integralist, aber das ist nicht häretisch wie viele Dinge, von denen ich gehört habe, dass sie österreichische und deutsche Theologen in den letzten Jahren von sich gegeben haben. Kümmern wir uns zuerst um die wichtigeren Themen“. Mit dieser Bemerkung reagierte P. Matthew P. Schneider LC auf einen Artikel der KAP über die Beurlaubung von P. Dr. Edmund Waldstein OCist von seiner Lehrtätigkeit an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. Waldstein ist dort Dozent für Moraltheologie. Das Stift Heiligenkreuz hat Waldstein nun für ein Doktoratsstudium in Philosophie in Rom freigestellt.

Der bekannte US-amerikanische Autor und Professor für Philosophie Edward Feser verteidigt Waldstein ebenfalls und kritisiert die österreichischen Theologen, die in dem KAP-Artikel zu Wort kommen: „Eine Verleumdung gegen einen guten Mann und heiligen Priester. Was Pater Edmund Waldstein verteidigt, ist schlichtweg die traditionelle Lehre, von der das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich sagt, dass es sie ‚unangetastet lässt‘. Was seine Verfolger vor Kritik schützen wollen, ist ihre eigene persönliche Theologie, nicht die katholische Lehre“, schreibt er auf X.

Der Blog Rorate Caeli kommentiert den Vorfall mit den Worten: „Verfolgung und Zensur eines konservativen Priesters und Professors an einer österreichischen katholischen Hochschule“. Anschließend folgt eine englische Übersetzung des KAP-Artikels mit dem Hinweis, dass es sich bei der KAP um die offizielle Nachrichtenagentur der österreichischen Bischofskonferenz handelt, die von „extremen Liberalen“ beherrscht sei. Das sei bei der Lektüre der Charakterisierung Waldsteins im Artikel zu berücksichtigen, heißt es weiter.


Sohrab Ahmari, iranisch-amerikanischer Schriftsteller, der in die katholische Kirche eingetreten ist, schreibt auf X: „Schrecklich. Pater Edmund ist ein liebenswürdiger, heiliger Priester und ein nachdenklicher Gelehrter.“

Der Vorwurf: Waldstein fordere Todesstrafe für Häretiker

Laut Bericht der KAP, die sich auf einen Bericht des Internetportals Kirche und Leben beruft, liegt der Grund für die Beurlaubung Waldsteins in Aussagen auf seinem Blog „Sancrucensis“. Er habe darin die Todesstrafe für Häretiker gefordert. Prof. Wolfgang Klausnitzer, Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, habe von Waldstein eine wissenschaftliche Darlegung dazu verlangt. Waldstein habe versucht, seine Aussagen theologiegeschichtlich zu rechtfertigen, zitiert die KAP den Rektor. Waldstein habe dabei eine Theologische Prinzipienlehre verwendet, die er nicht einmal einem Studenten im ersten Semester durchgehen lassen würde, zitiert die KAP Klausnitzer. Laut dem Bericht von Kirche und Leben hat Klausnitzer eine Rückkehr Waldsteins in den Lehrbetrieb der Hochschule Heiligenkreuz jedenfalls für seine Amtszeit ausgeschlossen.

Waldstein hat in einem Eintrag vom 3. Mai 2025 auf seinem Blog „Sancrucensis“ klargestellt, dass er die Todesstrafe für Häretiker heute nicht gutheißt. Er räumt ein, dass er in der Verteidigung der Lehren früherer Epochen „manchmal zu weit gegangen“ sei, „wenn es um die Anwendung der Prinzipien ging.“ Das betreffe auch die Verteidigung der Lehre von Papst Leo X. zur Todesstrafe für Häretiker. Heute sieht er das anders: „Ich unterstützte voll und ganz, dass das päpstliche Lehramt die Anwendung der Todesstrafe allgemein und die Bestrafung von Häretikern durch die weltliche Gewalt heute ablehnt“, schreibt er wörtlich.

„Erleichterung“ bei österreichischen Theologen

Der KAP-Artikel berichtet von „Erleichterung“ unter Theologen an österreichischen katholischen Fakultäten über Klausnitzers Entscheidung. Die Theologen halten den von Waldstein vertretenen Integralismus für unvereinbar mit der katholischen Lehre und dem demokratischen Verfassungsstaat. Prof. Dietmar Winkler, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg, verweist auf eine Stellungnahme der Katholisch-Theologischen Fakultäten und Kirchlichen Pädagogischen Hochschulen in Österreich vom Juli dieses Jahres. Darin haben diese „gegen rechte Tendenzen in Gesellschaft und Kirche Stellung bezogen“. Unter anderem seien „‘christlich-nationalistische Strömungen‘ wie der von Waldstein vertreten Neo-Integralismus scharf verurteilt“ worden. Vor dessen angeblich „wachsenden Einfluss“ sei gewarnt worden.

Die genannten Strömungen würden „religiöse Sprache, christliche Symbolik und das christliche Gottesbild" politisch missbrauchen, „um antidemokratische, antifeministische und ausgrenzende Ideologien zu legitimieren", heißt es wörtlich in dem Dokument. Die Fakultäten, welche die Stellungnahme unterstützen, treten „jeglicher Form von Diskriminierung, Antifeminismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entschieden entgegen“.

Der KAP-Artikel definiert den Integralismus als „eine Machtideologie, die darauf zielt, die Gesamtheit des öffentlichen und privaten Lebens den moralischen und dogmatischen Vorgaben der katholischen Kirche zu unterwerfen.“ Waldstein sei nach „Ansicht von Experten“ Teil eines „rechtskonservativen und reaktionären Netzwerks mit guten Beziehungen in oberste Kreise der US-Politik“.

P. Edmund Waldsteins Stellungnahme

In seinem bereits zitierten Blogeintrag auf „Sancrucensis“ vom 3. Mai 2025 nimmt Waldstein zu seinem Verständnis von Integralismus Stellung. Integralismus habe viele Bedeutungen, stellt er zunächst fest. Er verstehe darunter die Verteidigung dessen, was die Erklärung „Dignitatis humanae“ des Zweiten Vatikanischen Konzils als „die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi“ bezeichne, die nach dem Konzil „unangetastet“ bestehen bleibt. 

Er habe sich in seiner Arbeit stets bemüht, „eine grundlegende Kontinuität auf der Ebene der Prinzipien zwischen den Lehren der Päpste des Mittelalters und der frühen Neuzeit und denen des Zweiten Vatikanischen Konzils und der nachkonziliaren Päpste aufzuzeigen. Ich habe argumentiert, dass diese grundlegende Kontinuität auf der Ebene der Prinzipien dennoch eine Diskontinuität auf der Ebene der Anwendung zulässt. Insbesondere fordert die Kirche nicht mehr, dass weltliche Autoritäten als säkularer Arm der Kirche agieren.“

Es sei immer seine Absicht gewesen, den Lehren der Päpste Gehorsam zu erweisen,  schreibt Waldstein. Das beziehe sich auch auf die unter Papst Franziskus erfolgte Neuformulierung der Stelle im Katechismus bezüglich der Todesstrafe (KKK 2267) und die Lehre von Papst Johannes Paul II. über Rechtsstaat und Demokratie, wie dieser sie in der Enzyklika Centesimus annus niedergeschrieben habe.

Der Vorwurf des Rechtsextremismus werde zu Unrecht gegen ihn erhoben, fährt Waldstein fort und verweist auf Artikel, in denen er sich gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit ausspricht.

 


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Lesermeinungen

 Fatima 1713 9. September 2026 
 

@Cyprian63

Ich bin nicht sicher, ob der Druck hier (nur) von den Medien kommt.


0
 
 Kamillo 9. September 2026 
 

Wenn das Urteil schon vor den Fakten feststeht

Mir fällt bei den Kommentaren weniger die Kritik selbst auf als die Geschwindigkeit, mit der ein komplexer Vorgang in ein feststehendes Deutungsmuster eingeordnet wird. Aus einer Beurlaubung wird „woke Machtübernahme“, aus einer theologischen Auseinandersetzung ein „Sieg des Modernismus“. Für Zwischentöne bleibt wenig Raum. Besonders interessant: Selbst Waldsteins eigene Korrektur früherer Positionen scheint dieses Deutungsmuster kaum zu irritieren. Aus langjähriger Erfahrung mit stark traditionalistisch geprägten Milieus kenne ich solche Mechanismen gut. Wenn sich ein ausgeprägtes Bedrohungs- und Verfolgungsnarrativ etabliert hat, wird Kritik nicht mehr zuerst auf ihren Sachgehalt geprüft. Sie wird vielmehr zum weiteren Beweis dafür, dass die eigene Gruppe verfolgt wird. So entsteht ein geschlossenes System: Zustimmung bestätigt die eigene Position, Widerspruch ebenfalls. Das ist keine Diagnose, aber ein bekanntes gruppenpsychologisches Phänomen.


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 Stefan Fleischer 9. September 2026 

Verstehe ich das richtig?

Pater Waldstein vertritt öffentlich in einem immer noch umstrittenen Punkt eine Lehrmeinung, welche die Hochschule Heiligenkreuz klar ablehnt. Dies ist m.E. nicht tolerierbar. Hätte er seine Meinung einfach in einer internen theologischen Diskussion dargelegt, wäre nichts dagegen einzuwenden. Doch in der Öffentlichkeit muss die Schule mit einer Stimme sprechen, wenn sie glaubwürdig bleiben will. Haben wir heute nicht genug Fälle, wo Besserwisser und Rechthaber die derzeit gültig Lehre der Kirche bewusst schlecht machen? Hat der Fall der Piusbruderschaft nicht deutlich genug gezeigt, wohin dies führt? Im Übrigen sollte man auch nicht überlesen: «Das Stift Heiligenkreuz hat Waldstein nun für ein Doktoratsstudium in Philosophie in Rom freigestellt.» eine Geste, welche der Pater wohl nicht überall hätte erwarten können.


4
 
 Versusdeum 9. September 2026 
 

Der woke Machtübernahme schreitet also

auch in Österreich voran. Wehret den Anfängen! Nie wieder Ideologien, nie wieder totalitäre Tendenzen oder gar Systeme, egal ob von rechts, links, islamistischer oder ausländisch-extremister Seite, von Endzeitsekten (Klimadiktaturphantasien) oder sonstwem! Ihre Sprache entlarvt sie: „jeglicher Form von Diskriminierung, Antifeminismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entschieden entgegen“. Islamismus oder Linksextremismus ist für diese Ideologen OK und sicherlich auch antiweiße und männerfeindliche Diskriminierung und Hetze.


0
 
 Christianlay 9. September 2026 
 

Ein Sieg des Modernismus

Pater Waldstein wird dafür bestraft, daß er als ein Integralist das zum Verhältnis der Kirche zum Staate lehrt, was die Kirche bis zum 2.Vaticanum dazu lehrte. Das Lehrverbot zeigt, daß jetzt nur noch eine liberalistische Theologie auch an einer kirchlichen Hochschule gelehrt werden dürfe, die eine strikte Verprivatisierung des Glaubens verlangt, daß die christliche Religion und die Gebote Gottes keinen Platz mehr im politischen Diskurs haben dürfen!
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


2
 
 Cyprian63 9. September 2026 
 

Das ist also die ganze Wahrheit

Wenn man bei katholischen Dozenten schon jedes Wort auf die Waagschale legt, dann soll man gefälligst auch die ganze Passage auf die Waagschale legen. Ich hatte auch zuerst gedacht: Pater Edmund würde die Todesstrafe für Häretiker fordern, was wie ich nun lese, Humbug ist - so brachten es ja die Medien wohl bewußt.
Wenn man jemand zerreißen will, braucht man nur den Kontext zerreißen.
Traurig ist nur, dass sich die Hochschule nicht auf die Seite der Wahrheit stellt, sondern dem Druck der Medien nachgibt - vielleicht gehört das ja auch zur "Normalisierung" von Heiligenkreuz.


2
 
 landpfarrer 9. September 2026 
 

Interessant finde ich die Verteidigung von P. Edmund Waldstein OCist durch den Philosophen Edward Feser. Hier zitiert geht er auf die Integralismus-Vorwürfe gegen P. Waldstein ein, aber es ging in der Angelegenheit auch um die Vorwürfe bezüglich Gutheissung der Todesstrafe. Feser ist der Verfasser einer Studie (die immer noch erhältlich ist, die Ausgabe, die der Verlag vertreibt stammt von 2012), diese tritt als ein Plädoyer für sie Todesstrafe auf und hält sie auch heute noch für (zumindest in bestimmten Fällen) gerechtfertigt. Feser will damit offenbar Katholiken zeigen, dass sie guten Gewissens für die Todesstrafe eintreten dürfen. Ich sehe darin einen Dissens Fesers zu den jüngeren lehramtlichen Festlegungen zur Todesstrafe unter Papst Franziskus wo es auch eine Änderung im Katechismustext gab.


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