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Kontroverse um muslimisches Gebet bei Vatikan-Treffen

10. Juni 2014 in Aktuelles, 57 Lesermeinungen
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Hat der muslimische Geistliche im Vatikan für den ‚Sieg über die Ungläubigen’ gebetet? P. Bernd Hagenkord von Radio Vatican bestreitet die Behauptung des Politologen Hamed Abdel-Samad. Dieser spricht allerdings Arabisch und kennt den Koran


Vatikan (kath.net/jg)
In einem Blogeintrag widerspricht P. Bernd Hagenkord SJ, Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, deutlich Behauptungen, ein muslimischer Geistlicher hätte im Rahmen des Gebetstreffens für den Frieden im Heiligen Land für den "Sieg gegen die Ungläubigen" gebetet. Zur Dokumentation veröffentlicht er auf seinem Blog bei Radio Vatican die englische Übersetzung der laut Angaben von Radio Vatican am Pfingstsonntag tatsächlich gehaltenen Gebete und Ansprachen, in denen die Stelle nicht aufscheint.

Hamed Abdel-Samad, ein in Deutschland lebender islamkritischer Politologe und Autor, hat auf seiner Facebook Seite bereits am Sonntag folgenden Eintrag veröffentlicht: „Im Garten des Vatikans beschließt der muslimische Geistliche sein Gebet mit dem Koranvers: Möge Allah uns zum Sieg gegen die Ungläubigen verhelfen! Das nenne ich ein Friedensgebet!“


Am Montag hat der arabische Nachrichtensender Al Arabiya Video mit einem Ausschnitt des Treffens im Vatikan veröffentlicht. Die Überschrift lautet: „Imam zitiert den Koran zum ersten Mal im Vatikan“ Das Video zeigt das Gebet eines islamischen Geistlichen mit arabischen Untertiteln. Al Arabiya gibt aber keine Informationen über die Koranstelle oder konkrete Inhalte.

Am Dienstag bestätigte der in Ägypten geborene und aufgewachsene Hamed Abdel-Samad seinen Eintrag vom Sonntag. Radio Vatikan bestreite, dass der muslimische Geistliche für den Sieg gegen die Ungläubigen gebetet habe, schreibt er. Dann zitiert er Vers 286 aus der 2. Sure des Koran, die mit den Worten endet: „Du bist unser Schutzherr, hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen!“ Auf Anfrage bestätigte Abdel-Samad, dass er die Zeremonie im Fernsehen verfolgt habe. Er verstehe Arabisch und kenne die zitierte Stelle aus dem Koran gut. Der Scheich habe es vielleicht gut gemeint, weil in der Stelle auch gesagt werde, dass alle Propheten gleichberechtigt seien. Sie zeige aber auch, wie problematisch Koranzitate als Legitimation für den Frieden seien, schreibt er abschließend.

Der Historiker und Autor Michael Hesemann bestätigt auf seiner Facebook-Seite die Aussagen von Hamed Abdel-Samad. Die Muslime hätten die Veranstalter "arglistig getäuscht", schreibt er wörtlich. Neben den harmlosen eingereichten Gebeten habe der Imam begonnen aus der 2. Sure des Koran zu zitieren, in der Allah um den Sieg über die Ungläubigen angefleht werde. Das Dementi von Radio Vatican erklärt Hesemann mit der Tatsache, dass dort niemand den Koran kenne oder Arabisch spreche. Die Aussagen des Imam seien aber durch Videoaufnahmen dokumentiert und nachprüfbar. Abschließend bedankt sich Hesemann bei jenen, die ihm bei der Aufdeckung geholfen hätten und hofft, dass diese "Hinterlist" dazu beitragen werde, den Islam zu durchschauen.


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