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Nuntius Eterović: „Der auferstandene Herr ist stärker als die Dunkelheiten dieser Welt“

19. April 2024 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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„Wir wollen unseren Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus erneuern. Er ist ‚der Erstgeborene der Toten‘. In dem Maße, wie wir uns mit Ihm vereinen, werden auch wir an der Auferstehung nach dem Tode teilhaben und Zugang zum ewigen Leben erhalten.“


Berlin (kath.net/Apostolische Nuntiatur Berlin/pl) kath.net dokumentiert die Predigt S.E. Apostolischer Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović in Dillingen/Donau am 14. April 2024 (Apg 3,13-15.17-19; Ps 5; 1 Joh 2,1-5; Lk 24,15-32) sowie die Ansprache von Nuntius Eterović beim Festakt zum 475-jährigen Gründungsjubiläums des Collegium ecclesiasticum Sancti Hieronymi in Dillingen im Goldenes Saal in Dillingen am 13. April 2024 jeweils in voller Länge. kath.net dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zur Weiterveröffentlichung

„Der Christus wird leiden und am dritten Tag
von den Toten auferstehen“ (Lk 24,46).

Liebe Schwestern und Brüder!

Christus ist auferstanden!

Diese frohe Kunde erfüllt unsere Herzen voller Freude. Sie bietet allen Christen weltweit den Grund für die unbesiegbare Hoffnung. Gemeinsam mit den Engeln rufen auch wir voller Staunen: „Er ist auferstanden, wie er gesagt hat“ (Mt 28,6). Der Tod hatte nicht das letzte Wort: er wurde im Ostergeheimnis durch das Leiden und den Tod am Holz des Kreuzes und durch die Auferstehung aus dem Grab besiegt. Kraft der göttlichen Barmherzigkeit wurde sein Tod in die Quelle ewigen Lebens verwandelt. Diese unerwartete, doch staunenswerte Wahrheit zeigt, dass der auferstandene Herr stärker ist als die Dunkelheiten dieser Welt, stärker auch als die zerstörerischen Kräfte der Sünden von Menschen. Er ist immer bereit zu verzeihen, wenn wir bereuen und uns seiner grenzenlosen Barmherzigkeit anvertrauen.

    In dieser Zeit der österlichen Freude bin ich froh, Euch alle herzlich zu grüßen. Ihr seid hier aus Anlass des 475-jährigen Jubiläums der Gründung des Collegiums Sancti Hieronymi zu Dillingen versammelt, das Papst Julius III. zwei Jahre später im Jahre 1551 zur Universität erhoben hat, die bis zur Säkularisation im Jahre 1803 bestand. Die nachfolgende Einrichtung einer Philosophisch-Theologische Hochschule Dillingen gab es bis ins Jahr 1971 und wurde dann in den Katholisch-Theologischen Fachbereich der neugegründeten Universität Augsburg verlegt, wo sie bis heute als Katholisch-Theologische Fakultät fortbesteht. Dieses Ereignis fügt sich gut in das Jubiläumsjahr 2023/2024 der Diözese Augsburg ein, wo unter dem Thema: Mit dem Ohr des Herzens an die Bischofsweihe des heiligen Ulrich vor 1.100 Jahren und an den Tod dieses verehrten Bistumspatrons vor 1.050 Jahren gedacht wird.

In besonderer Weise grüße ich Euch im Namen des Heiligen Vaters Franziskus, den ich die Ehre habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. Ein besonderer Gruß gilt dem Hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer und Domkapitular Msgr. Harald Heinrich, dem ich herzlich für die Einladung danke, dieser festlichen Eucharistiefeier in der Basilika minor St. Peter in Dillingen vorzustehen, die zugleich die Konkathedrale des Bistums Augsburg ist. Dankbar erinnern wir auch des Kardinals Otto Truchsess von Waldburg, der vor mehr als 450 Jahren am 3. April 1573 in Rom starb und dessen Gebeine im Jahr 1614 von der römischen Kirche Santa Maria dell‘Anima nach Dillingen überführt wurden und seit 1646 in der Studienkirche Mariä Himmelfahrt die letzte Ruhe fanden. Dieses Ereignis, wie auch die Erinnerung an Papst Julius III. zeigen die besondere Beziehung, die Dillingen schon in der Vergangenheit mit dem Bischof von Rom und Hirten der Universalkirche hatte. Diese treue Verbindung ist, Gott sei Dank, bis in unsere Tage beständig. In besonderer Weise danke ich für die Gebete für Papst Franziskus, mit deren Hilfe er seine so wichtige Sendung in Kirche und Welt verfolgen kann. In unserer Welt, die voller Gewalt und Kriege ist, – denken wir besonders an den tragischen Krieg in Ukraine aufgrund der Aggression der Russischen Föderation oder an die kriegerischen Handlungen im Nahen Osten – hat der Papst die besondere Aufgabe, den Frieden den Nahen und den Fernen zu verkünden. Diese resultiert vor allem aus der Sendung, die er vom auferstandenen Herrn empfangen hat, der sich an die Jünger am Abend des Ostertages mit dem österlichen Gruß gewandt hat: „Der Friede sei mit euch!“ (Lk 24,36). Wir vereinen uns im Gebet mit dem Heiligen Vater, auf dass der gute und barmherzige Gott unserer zerrissenen Welt die kostbare Gabe des Friedens schenken möge.

    Aus dem Wort Gottes, das wir gehört haben, können wir uns auf zwei wichtige Themen konzentrieren: 1. Der Herr ist auferstanden; 2. Wir alle sind Zeugen dafür.

1.    „Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift“ (Lk 24,39).

Der Herr vereint seinen verwandelten Leib mit der unsterblichen Seele. Im Bericht des Evangelisten Lukas liegt der Schwerpunkt auf der Wirklichkeit des Leibes des auferstandenen Jesus. Der auferstandene Herr hat nicht nur eine Seele, die nach der griechischen Philosophie auch nach dem Tod des Menschen fortbesteht, sondern auch sein Leib ist real, wenn auch verwandelt. „Die Elf und die mit ihnen versammelt waren“ (Lk 24,33) sind verwirrt angesichts der Gegenwart Jesu mitten unter ihnen, „sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen“ (Lk 24,37). Jesus erkannte ihre Gedanken und versicherte ihnen, kein Geist zu sein, denn „kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht“ (Lk 24,39). Deswegen fordert er die Jünger auf, ihn zu berühren und sich zu vergewissern, dass Er es selbst ist, eine Person mit Leib und Seele. Nach der Aufforderung: „Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst“ (Lk 24,39), verlangt er sogar etwas zum Essen: „Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen“ (Lk 24,42-43). Bedeutsam ist hierbei, dass Jesus dazu auffordert, seine Wundmale zu berühren, die Zeichen seines Todes, die der auferstandene Herr auch an seinem verherrlichten Leib behält. Der Heilige Vater Franziskus betont oft den Wert der Wundmale beim priesterlichen Vollzug Jesu Christi, wenn Er Fürbitte für uns bei Seinem Vater hält. „Jesus bittet für uns; er betet vor dem Vater. Wir sind es gewohnt, Jesus zu bitten, dass er uns diese oder jene Gnade schenken, uns helfen möge, aber wir sind es nicht gewohnt, Jesus zu betrachten, der dem Vater die Wunden zeigt; Jesus, den Fürsprecher“ (Papst Franziskus, Predigt im Domus Sanctae Marthae, 23. April 2020).


Liebe Schwestern und Brüder, bei diesem feierlichen Anlass wollen wir unseren Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus erneuern. Er ist „der Erstgeborene der Toten“ (Offb 1,5). In dem Maße, wie wir uns mit Ihm vereinen, werden auch wir an der Auferstehung nach dem Tode teilhaben und Zugang zum ewigen Leben erhalten. In der Wahrheit der Auferstehung Jesu gründet auch der Glaube an unsere Auferstehung. Das bezieht sich auch auf unseren Leib, der im Sakrament der Taufe zum Tempel des Heiligen Geistes geworden ist (vgl. 1 Kor 6,19). Und so bekennen wir im Großen Glaubensbekenntnis: „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“. Der Katechismus der Katholischen Kirche erinnert: „‘Das Fleisch ist der Angelpunkt des Heils‘ … Wir glauben an Gott, den Schöpfer des Fleisches; wir glauben an das Wort, das Fleisch geworden ist, um das Fleisch zu erlösen; wir glauben an die Auferstehung des Fleisches, in der sich die Schöpfung und die Erlösung des Fleisches vollenden“ (KKK 1015).

2.    „Ihr seid Zeugen dafür“ (Lk 24,48).

Um Zeugen des Herrn Jesus zu sein, der auferstanden und inmitten seiner Kirche ist, müssen wir dieses Ereignis nicht allein als Realität erfahren, die tatsächlich in der Geschichte vor zweitausend Jahren geschehen ist, sondern als gegenwärtiges Geschehen begreifen, das in unsere und in die Geschichte aller Glieder der kirchlichen Gemeinschaft Geschichte eingeschrieben ist. Um ein wahrer Jünger Jesu und eifriger Missionar Seines Evangeliums zu sein, braucht es die persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Das eben gehörte Wort Gottes zeigt uns drei Weisen einer solchen Begegnung:
-Die erste Weise, dem auferstandenen Herrn zu beg
egnen,

gründet in der Kenntnis der Heiligen Schrift, wo sowohl der Tod, wie auch die Verherrlichung Jesu Christi vorhergesagt werden. „So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen“ (Lk 24,46). Was die Schriften angeht, erwähnt Jesus die Bücher des Alten Testamentes und sagt: „Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht“ (Lk 24,44). Wir Christen haben darüber hinaus die Bücher des Neuen Testamentes, in denen die Worte und Werke des Herrn Jesus während Seines irdischen Lebens und Wirkens verzeichnet sind, so auch das, was nach der Auferstehung über vierzig Tage geschah, wo er den Jüngern erschienen ist, bevor er in die Herrlichkeit des Himmels zurückkehrte. Daher sind wir alle dazu eingeladen, das in der Bibel aufgeschriebene Wort Gottes wieder neu zu entdecken. Über das aufmerksame Hören während der Liturgie der Kirche hinaus wollen wir es wieder lesen, möglicherweise nur in kleinen Abschnitten, jeden Tag, sei es allein oder in der Familie oder der Gemeinschaft.

-Die zweite Weise, dem Auferstandenen zu begegnen findet sich in den Sakramenten. Die heutigen Lesungen betonen vor allem das Sakrament der Versöhnung, das Bußsakrament als Frucht des Ostergeheimnisses. Verwenden wir die Worte, die der auferstandene Herr auf sich angewandt hat: „Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem“ (Lk 24,46-47). Wir sollten daher das Sakrament der Vergebung wiederentdecken, liebe Brüder und Schwestern, das der auferstandene Herr Jesus den Aposteln und deren Nachfolgern anvertraut hat: „Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten“ (Joh 20,22-23). Das Sakrament der Versöhnung bereitet uns auf die Feier der Eucharistie vor, welche Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche ist, und die wir heute voll Freude mitfeiern, wie an jedem Sonn- und Feiertag.

-Die dritte Möglichkeit zur Begegnung mit dem auferstandenen Herrn ist die Liebe zu den Schwestern und Brüder. Es genügt, auf die Lehre Jesu Christi zu verweisen: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan“ (Mt 25,45). In Treue zur Lehre des Meisters hat der heilige Apostel Johannes präzisiert: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben“ (1 Joh 4,20-21). Die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn bringt uns zwangsläufig dazu, die Menschen vor allem an den Rändern und die an Leib und Seele Hilfsbedürftigen zu suchen.

Liebe Brüder und Schwestern, auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Königin des Himmels, erflehen wir die Gnade des Heiligen Geistes, damit wir alle, vor allem die Christgläubigen in Dillingen, immer mehr zu frohen Zeugen Jesu Christi und zu eifrigen Missionaren Seines Heilsevangeliums werden. Amen.

Ansprache von Nuntius Eterović beim Festakt zum 475-jährigen Gründungsjubiläums des Collegium ecclesiasticum Sancti Hieronymi in Dillingen:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

mit Freude bin ich der Einladung in das schöne Dillingen an der Donau gefolgt, um an die Gründung des Collegiums Sancti Hieronymi vor 475 Jahren zu erinnern, woraus die zu ihrer Zeit bekannte Universität wurde, die bis zum Jahre 1803 existierte. Die Gründung der Universität durch Papst Julius III. im Jahr 1551 und die Bestätigung durch Kaiser Karl V. im Jahr 1553 zeigt die Bedeutung, die diese akademische Einrichtung hatte und als erste Volluniversität der Jesuiten auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation einmal erlangen sollte. Der Goldene Saal, wo wir zu diesem Festakt zusammengekommen sind, gibt in der Pracht des Rokoko davon Zeugnis. Es ist daher ein schönes Zeichen der Verbundenheit, wenn der heutige Hausherr der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, Herr Dr. Alfred Kotter, uns hier willkommen heißt.

Die Stadt Dillingen in Schwaben gehörte bis ins Jahr 1802 zum Hochstift Augsburg, weswegen der Bischof von Augsburg, Kardinal Otto Truchseß von Waldburg, das Collegium des heiligen Hieronymus in dieser Stadt gegründet hat. Ich bin dem Oberbürgermeister von Dillingen, Herrn Franz Kunz, dankbar, dass ich heute in Ihrer schönen Stadt sein darf. In diesen Dank schließe ich herzlich die Regierungspräsidentin von Schwaben, Frau Barbara Schretter, ein. Ich bin nicht zum ersten Mal in diesem bedeutenden Regierungsbezirk von Bayern, sondern war auch im Jahr 2022 in Bad Wörishofen, um Pfarrer Sebastian Kneipp zu ehren.

Nachdem die Universität Dillingen im Zuge der Säkularisation im Jahr 1803 aufgelöst und sodann vom Landesherrn, Kurfürst Maximilian IV., als akademisches Lyzeum neu gegründet wurde, folgte diesem im Jahr 1923 die Philosophisch-Theologische Hochschule Dillingen, die im Jahr 1971 im Katholisch-Theologischen Fachbereich der neugegründeten Universität Augsburg aufging. Wenn heute der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät in Augsburg, Herr Prof. Dr. Wolfgang Vogl, unter uns ist, zeigt dies, wie sehr die Suche nach der Wahrheit auch unter allen strukturellen und örtlichen Veränderungen kontinuierlich betrieben wird.

Die Gründungszeit des Kollegs und späteren Universität Dillingen fällt in eine bewegte Zeit. Die Reformation in Deutschland machte darauf aufmerksam, wie wenig der Klerus geistig und geistlich gebildet war. Insofern war die Priesterbildung dem Konzil von Trient ein Anliegen, dem Kardinal von Waldburg Rechnung getragen hatte, indem er diese Bildungseinrichtung ins Leben gerufen hat. Dass ich heute hier bin, verdanke ich der Einladung von Hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer und Domkapitular Mons. Harald Heinrich. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken.

Nachdem wir eben in der Studienkirche Mariä Himmelfahrt und somit nahe des Grabes von Kardinal von Waldburg die Feier der Vesper gehalten haben, möchte ich nunmehr einen Gedanken aufgreifen, der mir beim Betrachten des Wappens der Universität Dillingen in den Sinn kam und wofür ich als Überschrift ein Wort aus der Offenbarung des Johannes gewählt habe, das heißt:

„Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an“ (Offb 3,20).

Das Wort an die Gemeinde in Laodizea erinnert an den Hammer im Wappen der Universität Dillingen. Dieses ungewöhnliche Werkzeug in einem universitären Wappen weist hin auf die Eröffnung des Heiligen Jahres im Jahr 1550. Den Hammer, den Papst Julius III. dabei benutzt hat, schenkte er dem Stifter der Universität Dillingen, Kardinal Otto Truchseß von Waldburg. Für feierliche Anlässe wurde dieser Hammer der Universität überlassen. Hierzu passt sodann das Schriftwort im oberen Teil des Wappens, das auf den Heiligen Geist anspielt, und dem Propheten Jeremia entnommen ist: „Ist nicht mein Wort so: wie Feuer - Spruch des Herrn - und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?“ (Jer 23,29).

Der heilige Hieronymus, der Patron des Kollegs in Dillingen, ist bis heute der zeitlose Zeuge einer Liebe zum Wort Gottes, das er zu seiner Zeit in die Sprache des Volkes übersetzt hatte – in die lateinische Sprache. Der heilige Hieronymus wurde in meiner Heimat Dalmatien geboren, was heute eine Provinz Kroatiens ist, und wird bis heute als Dalmatiens großer Schutzpatron verehrt. Seit meiner Jugend fasziniert mich dieser große Heilige mit seinem starken Charakter, denn er ist auch der Patron meiner Heimatpfarrkirche in Pučišća auf der Insel Brač. Diese Nähe zum heiligen Kirchenlehrer eint mich umso mehr mit Euch und mit dieser so bedeutsamen akademischen Einrichtung. Der Heilige Vater Franziskus hat aus Anlass seines 1.600 Todestages im Jahre 2020 in einem Apostolischen Schreiben hervorgehoben: „Der besondere Wesenszug der geistlichen Gestalt des heiligen Hieronymus ist und bleibt zweifellos seine leidenschaftliche Liebe zum Wort Gottes, das der Kirche in der Heiligen Schrift überliefert ist“ (Papst Franziskus, Scripturae Sacrae Affectus, 30. September 2020). Seine Hingabe an das Wort Gottes ist der Liebe zum dreifaltigen Gott geschuldet, der im Logos Fleisch geworden ist. Die Liebe zu Christus, dem fleischgewordenen Wort, gibt ihm die Kraft mit prophetischer Leidenschaft für die Wahrheit einzutreten, worauf Papst Franziskus hinweist und sagt: „In der Intensität der Worte und der Bilder kommt der Mut des Dieners zum Ausdruck, der nicht den Menschen, sondern ausschließlich seinem Herrn gefallen will“ (a.a.O.ebd.).

Ein Jahr nach dem Heiligen Jahr 1550 erhebt Papst Julius III. das Dillinger Kolleg zur Universität. Wenn wir in diesem Jahr der Gründung vor 475 Jahren gedenken, so befinden wir uns in der Vorbereitung auf das Heilige Jahr 2025, das der Heilige Vater Franziskus in der Heiligen Nacht zum Hohen Weihnachtsfest 2024 in St. Peter in Rom eröffnen wird. Unter dem Leitwort Pilger der Hoffnung sind die katholischen Christen in besonderer Weise eingeladen, nach Rom zu pilgern und die dortigen Gnadenorte aufzusuchen. Der Hammer im Wappen der Universität Dillingen könnten also das Symbol für den sein, der an der Tür steht und anklopft und dazu auffordert: „Mach also Ernst und kehr um“ (Offb 3,19). Und die Hoffnung der Pilgerschaft liegt dann darin, dass Ihm, der anklopft, die Tür geöffnet wird, weil seine Stimme erkannt wurde. “Bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir“ (Offb 3,20).

Das 475-jährige Jubiläum der Gründung des Collegium Sancti Hieronymi und die wechselvolle Geschichte der dann bedeutenden Universität des Jesuitenordens lässt uns innewerden, dass es letztlich nicht um Orte oder Strukturen geht, sondern um die Suche nach Wahrheit in Weisheit. Die Universität Dillingen war hierfür ein exzellenter Ort. Dafür können wir dankbar sein.

Lassen Sie mich zum Ende ein Wort des Heiligen Vaters Franziskus aufgreifen, wenn es um das Ziel einer christlichen Berufung geht. Sie besteht nach den Worten des Papstes darin: „Männer und Frauen der Hoffnung zu werden“ und dieses Jahr als Vorbereitung auf das Heilige Jahr 2025 zu nutzen: „In diesem Jahr 2024, das eben dem Gebet zur Vorbereitung des Jubiläums gewidmet ist, sind wir aufgerufen, das unschätzbare Geschenk wiederzuentdecken, mit dem Herrn von Herz zu Herz in Dialog treten zu können und so zu Pilgern der Hoffnung zu werden, denn das Gebet ist die erste Kraft der Hoffnung. Du betest, und die Hoffnung wächst, sie geht voran. Ich würde sagen, dass das Gebet die Tür zur Hoffnung öffnet. Die Hoffnung ist da, aber mit meinem Gebet öffne ich die Tür“ (Papst Franziskus, Botschaft zum 61. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, 21. April 2024).

In diesem Sinne, meine sehr geehrten Damen und Herren, wollen wir unsere Herzen öffnen, wie auch die Tore dieser verehrten Stadt Dillingen, um auf das Wort des auferstandenen Herrn zu hören: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an“ (Offb 3,20). Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Archivfoto Nuntius Eterović (c) Apostolische Nuntiatur Berlin


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