Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  2. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  3. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  4. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  5. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  6. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  7. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  10. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  11. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  12. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  13. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  14. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  15. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme

Hillbilly Elegie

6. Jänner 2025 in Buchtipp, 10 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Am zukünftigen US-Vizepräsidenten JD Vance wird deutlich, dass die katholische Kirche in der moralischen Verwahrlosung des Westens der letzte Zufluchtsort ist. Nur hat es deren Leitung noch nicht gemerkt." Gastkommentar von Martin Grichting


Chur (kath.net)

Am kommenden 20. Januar übernimmt nicht nur Donald Trump die US-Präsidentschaft. Auch sein Vize James David „JD“ Vance tritt sein Amt an. Was dieses Duo für die USA und den Rest der Welt bedeutet, steht in den Sternen. Aber ein Blick zurück ist vielsagend. Denn JD Vance hat bereits im Jahr 2016 ein autobiographisches Werk namens „Hillbilly Elegy“ veröffentlicht. Er zeichnet darin ein erschreckendes Sittenbild der nordamerikanischen Gesellschaft: Wirtschaftlicher Niedergang, soziale und familiäre Verwahrlosung, Scheidungen und serielle Partnerschaften, Arbeitslosigkeit, religiöse Perspektivlosigkeit, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, Kriminalität und Missbrauch staatlicher Sozialprogramme: In diesem Chaos ist Vance aufgewachsen. Aufgrund der Drogenabhängigkeit und Promiskuität seiner Mutter hat er in seiner Kindheit eine „Drehtür der Vaterfiguren“ erlebt. Seine familiäre Situation beschreibt er so: „Ich hatte einen biologischen Halbbruder und eine Halbschwester, die ich nie sah, weil mein biologischer Vater mich zur Adoption freigegeben hatte. Ich hatte zwei Stiefgeschwister oder sehr viele, ja nachdem, ob ich die Zählung auf die Nachkommenschaft des aktuellen Ehemanns meiner Mutter beschränkte oder nicht. (…). Je nachdem, wie ich rechnete, hatte ich wohl ungefähr ein Dutzend Stiefgeschwister“. Sein Fazit lautet: „Das Einzige, was ich letztlich aus alldem gelernt habe, ist, dass man sich auf niemanden verlassen kann“.


Halbwegs „gerettet“ haben Vance dessen Grosseltern. Sie erzogen ihn jedoch in einem inhaltlich entleerten und entinstitutionalisierten Protestantismus, der dem Heranwachsenden wenig Halt bot. „Gott hilft denen, die sich selbst helfen“, war daran noch die beste Devise. Durch seinen biologischen Vater lernte Vance auch die evangelikale Welt kennen. Biblizistischer Fundamentalismus, gespickt mit engstirnigem Moralismus und Endzeitphantasien führten aber nicht zum Glauben an den christlichen Gott, sondern in den Atheismus. Im Jahr 2020 hat Vance schliesslich den Schritt zur Konversion in die katholische Kirche gemacht. Weder Synodalismus noch die Rhetorik vom Feldlazarett oder von den Peripherien haben ihn dazu bewogen, sondern die Tatsache, dass die katholische Kirche der einzige Zufluchtsort ist einem Meer von familiärer Verwahrlosung, Orientierungslosigkeit, Wokeismus, Drogen und kapitalistischer Habgier. Den Bericht über seine Konversion setzte Vance unter den Titel „Wie ich mich dem Widerstand anschloss“. Natürlich gehört zu einer Konversion das Ablegen des ganzen Glaubensbekenntnisses. Vance hat es getan. Das Studium des Hl. Augustinus und die Begleitung durch Dominikaner, denen Vance nahesteht, haben ihm geholfen. Gleichwohl stellt sich die Frage nach dem eigentlichen Motiv für die Konversion. Aus der Ferne über die Gründe eines Menschen urteilen zu wollen, der schon als Kind durch die Hölle gegangen ist, wäre vermessen. Aber man spürt in „Hillbilly Elegy“ und im Bericht über die Konversion, dass das moralische Chaos, in dem Vance gross geworden ist, eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Lehre der katholischen Kirche über Ehe und Familie erscheint dem in einem Meer von Verwahrlosung Ertrinkenden da beinahe zwangsläufig als „last resort“, als letzte Zufluchtsstätte.

Führt man sich diese Dramatik vor Augen, die nicht nur im „Rostgürtel“ der USA herrscht, sondern in weiten Teilen der westlichen Welt, muss man zum Schluss kommen, dass die aktuelle Leitung der katholischen Kirche in einem Paralleluniversum lebt. Es ist die Unauflöslichkeit der christlichen Ehe, die wesentlich zum Fundament einer Gesellschaft gehört, die nicht dekadent ist. Genau diese Unauflöslichkeit hat der aktuelle Papst unterminiert, indem er die Ehenichtigkeitsverfahren so sehr verfremdet hat, dass sie in den Dienst einer „katholischen Scheidung“ gestellt werden können und gestellt werden. Und natürlich hat „Amoris laetitia“ theoretisch an der Unauflöslichkeit der christlichen Ehe festgehalten. Aber die irgendwie und von irgendwem zu leistende „pastorale Unterscheidung“ führt dazu, dass alle, wie auch immer ihr Familienstatus ist, nun guten Gewissens zur Kommunion gehen. Es gibt deshalb in der Wirklichkeit keine unauflösliche christliche Ehe mehr. Hinzu kommt, dass durch den neuen ausserliturgischen vatikanischen Sekundensegen gleichgeschlechtliche Paare durch den Apostolischen Stuhl legitimiert worden sind. Denn für die postchristliche Öffentlichkeit zählt die Praxis, nicht das irgendwo in schönen Dokumenten auch noch enthaltene Lippenbekenntnis zur christlichen Ehe, die aus einem Mann und einer Frau besteht. Das Flirten des aktuellen Papstes mit gleichgeschlechtlichen Paaren, „Transmenschen“ und anderen Wokeaktivisten unterstreicht zusätzlich, wie die Dinge gemeint sind.

Die Situation ist grotesk: Wir haben immer mehr Menschen wie JD Vance, die in der katholischen Kirche und ihrem Zeugnis für Gott, der dem Menschen auch moralisch einen Weg durch eine von Verwahrlosung geprägte Welt zeigt, den letzten Zufluchtsort sehen. Und wir haben eine Kirchenleitung, die diesen Weg durch ihr Handeln verunklärt. Anstatt den Gläubigen eine Spiritualität zu vermitteln, die ihnen hilft, im metaphysischen Chaos einer nihilistisch verstandenen Freiheit als Christen zu bestehen, igelt sie sich in Stuhlkreisen ein und betreibt abgehobene Diskussionen über Strukturfragen. Es zeigt sich in all dem ein erschreckendes Mass an Verblendung. Angesichts dessen schweigen über 5000 Bischöfe, weil sie Angst vor ihrer Absetzung haben. Und die Kardinäle schweigen, weil jeder von ihnen noch Papst werden möchte. Gäbe es nicht die immer zahlreicheren Schreie aus dem Dunkel der metaphysischen Verlassenheit, die Zeugen des verborgenen Wirkens des Hl. Geistes sind, wäre es zum Verzweifeln.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  2. Kardinal Koch zu Israel und Gaza: Ehrlich miteinander sprechen
  3. Wenn die Liebe das Gesetz des Kalküls durchbricht…
  4. Stanislaus-Kostka-Wallfahrt von Wien nach Rom erreicht ihr Ziel
  5. Papst: In der Seelsorge auf das Wesentliche konzentrieren
  6. Bruder von Leo XIV.: Papst hilft bei der Steuererklärung
  7. Bischof an Jugend: "Licht des neuen Afrikas liegt in euch"
  8. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  9. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  10. Jesus in Hollywood: Eucharistische Prozession in den Straßen der Filmmetropole
  11. Papst-Vigil in Paris mit Jesus zugeschriebener "Heiliger Tunika"
  12. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  13. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  14. Leo XIV. besucht als erster Papst die wiederaufgebaute Notre-Dame
  15. Die Güte Gottes und die Freude am Glauben

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz