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| ![]() Verklärung des Herrn auf dem Berg Taborvor 1 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung „Hier wird die Mitte unseres Glaubens sichtbar. Christsein bedeutet nicht zuerst, religiöse Pflichten zu erfüllen, sondern auf Christus zu hören, ihm zu vertrauen und ihm nachzufolgen.“ Predigt von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer Eichstätt (kath.net) „Aus der leuchtenden Wolke rief die Stimme des Vaters: ›Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.‹“ (vgl. Lk 9,35) I. Ein Fenster zum Himmel Ein solcher Augenblick ist die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor. Das griechische Evangelium nennt sie Metamórphosis, die lateinische Kirche Transfiguratio Domini. Beide Begriffe bezeichnen weit mehr als eine äußere Veränderung. Christus wird auf dem Tabor nicht zu etwas Neuem; vielmehr wird sichtbar, wer er von Ewigkeit her ist: der eingeborene Sohn des Vaters, „Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“. Nicht Christus verändert sich – die Augen der Jünger werden geöffnet. Seine menschliche Gestalt wird von der Herrlichkeit seiner Gottheit durchleuchtet. Die Kirchenväter haben diesen Gedanken immer wieder hervorgehoben. Der heilige Maximus Confessor sagt, Christus habe auf dem Berg nichts empfangen, sondern seinen Jüngern für einen Augenblick jene Herrlichkeit gezeigt, die er seit Ewigkeit besitzt. Gregor Palamas spricht vom ungeschaffenen Licht, das nicht von außen auf Christus fällt, sondern aus seiner göttlichen Person hervorstrahlt. So öffnet uns das Evangelium gleichsam ein Fenster zum Himmel. Für einen kurzen Augenblick fällt der Schleier weg. Die Jünger sehen Jesus tiefer: Sein Antlitz leuchtet wie die Sonne, seine Kleider werden strahlend weiß, Mose und Elija erscheinen an seiner Seite, und aus der lichten Wolke ertönt die Stimme des Vaters: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Hier wird die Mitte unseres Glaubens sichtbar. Christsein bedeutet nicht zuerst, religiöse Pflichten zu erfüllen, sondern auf Christus zu hören, ihm zu vertrauen und ihm nachzufolgen. Alles andere wächst aus dieser lebendigen Beziehung. Zugleich eröffnet der Tabor unsere eigene Zukunft. Die Verklärung Christi ist die Verheißung unserer Verwandlung. Darum feiert die Ostkirche dieses Fest nicht nur als Offenbarung der Herrlichkeit Jesu, sondern auch als Hinweis auf die Berufung des Menschen zur Theosis, zur Teilhabe am göttlichen Leben. Der Apostel Paulus greift denselben Gedanken auf: „Wir alle werden verwandelt (metamorphoumetha) in sein Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ (2 Kor 3,18). Der Tabor zeigt deshalb das Ziel unseres Lebens: Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern die Auferstehung. Nicht die Finsternis, sondern das Licht Gottes. Der Tabor ist Ostern mitten auf dem Weg nach Jerusalem. II. Der Tabor – Berg der Offenbarung In diese Heilsgeschichte tritt nun der Tabor. Alles, was Gott seinem Volk verheißen hat, erfüllt sich in Christus. Nicht mehr steinerne Gesetzestafeln stehen im Mittelpunkt, sondern das lebendige Wort Gottes selbst. In Jesus zeigt Gott sein menschliches Antlitz. Darum kann Christus sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Seit den ersten Jahrhunderten verehrt die Kirche den Tabor als Berg der Verklärung. Ost und West feiern hier denselben Herrn und dieselbe Hoffnung. Auch die Wahl des Festtermins ist von tiefer geistlicher Weisheit geprägt. Das Festgeheimnis der Verklärung wird vierzig Tage vor Karfreitag, deshalb die Lesung dieses Evangeliums in der Fastenzeit, und vierzig Tage vor Kreuzerhöhung gefeiert. So fällt das Licht des Tabor bereits auf den Weg nach Golgotha. Christus offenbart seine Herrlichkeit, bevor seine Jünger Zeugen seines Leidens werden. Die Liturgie der Ostkirche bringt dies eindrucksvoll zum Ausdruck: „Verklärt warst Du auf dem Berge, Christus unser Gott. Deine Jünger schauten Deine Herrlichkeit, soweit sie sie fassen konnten. Als sie Dich später am Kreuze hängen sähen, sollten sie erkennen, dass Dein Leiden freiwillig war, und der Welt verkünden, dass Du wahrhaft der Abglanz des Vaters bist.“ Dieselben drei Jünger, die auf dem Tabor seine Herrlichkeit sehen, werden ihn später in Gethsemane begleiten. Das Licht des Tabor soll ihren Glauben tragen, wenn die Nacht des Ölbergs hereinbricht. Erst Ostern lässt sie erkennen, dass Kreuz und Herrlichkeit keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten desselben Heilsgeheimnisses. III. Mose und Elija – Christus erfüllt Gesetz und Propheten Auch die Ikonen der Verklärung verkünden diese Wahrheit. Christus steht im Mittelpunkt der leuchtenden Mandorla, Mose und Elija wenden sich ihm zu, während Petrus, Jakobus und Johannes überwältigt zu Boden sinken. Die göttliche Herrlichkeit sprengt menschliche Maßstäbe. Wer Gott begegnet, beginnt die Wirklichkeit mit neuen Augen zu sehen. Gerade darin liegt die Botschaft des Tabor für unser Leben. Christus verändert nicht zuerst unsere äußeren Verhältnisse; er verwandelt unser Herz. Aus Angst wächst Vertrauen, aus Bitterkeit Vergebung, aus Hoffnungslosigkeit neue Zuversicht. Das Kreuz verliert seinen endgültigen Schrecken, weil es vom Licht der Auferstehung umfangen wird. Darum ist die Verklärung Christi zugleich die Verheißung unserer eigenen Verwandlung. Gott will den Menschen nicht nur erlösen, sondern ihn an seinem göttlichen Leben teilhaben lassen. Nicht Vergänglichkeit ist seine letzte Bestimmung, sondern Herrlichkeit. Nicht der Tod, sondern das Leben. Nicht die Finsternis, sondern das Licht, das keinen Abend kennt. IV. Die Wolke – Gottes Gegenwart im Geheimnis Aus der Wolke ertönt die Stimme des Vaters: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Nicht das Sehen, sondern das Hören trägt den Glauben. Außergewöhnliche Erfahrungen sind Geschenk, aber nicht Fundament unseres Lebens. Das Fundament ist Christus selbst, sein Wort und seine bleibende Gegenwart. Gerade deshalb spricht das Evangelium auch in unsere Zeit. Jeder kennt die Wolken des Lebens: Krankheit, Einsamkeit, Trauer, zerbrochene Beziehungen, Kriege, Unsicherheit und die Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Das Evangelium beschönigt diese Wirklichkeit nicht. Es zeigt vielmehr den Sohn Gottes, der selbst den Weg durch die Dunkelheit gegangen ist. Auf den Tabor folgt Gethsemane, auf das Licht die Nacht, auf die Stimme des Vaters das Schweigen des Karfreitags. Darum gibt es keine Dunkelheit unseres Lebens, die Christus fremd wäre. Isaak der Syrer schreibt: „Wer Gott im Leid sucht, findet ihn oft näher als in den Tagen des Glücks.“ Seit Golgotha gibt es keinen Ort menschlichen Leidens mehr, an dem Christus nicht schon gegenwärtig wäre. Die Wolke nimmt uns Gott nicht weg. Sie lädt uns ein, ihm auch dann zu vertrauen, wenn wir ihn nicht verstehen. Der Weg des Glaubens führt nicht an der Nacht vorbei, sondern durch sie hindurch. Die Herrlichkeit Christi hebt das Kreuz nicht auf, sondern schenkt ihm seinen Sinn. So wird der Weg der Nachfolge selbst zu einer Metamorphosis: Der Mensch wächst Schritt für Schritt in das hinein, wozu Gott ihn geschaffen hat – zur Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott und zum Licht der neuen Schöpfung. V. Vom Tabor hinab – Der Glaube bewährt sich im Alltag Der heilige Johannes Chrysostomos bemerkt, dass Christus seine Jünger nicht auf dem Berg ließ, weil unten bereits der kranke Knabe auf Heilung wartete. Gottes Herrlichkeit führt niemals zur Flucht aus der Welt, sondern befähigt uns, die Welt mit den Augen Gottes zu sehen und den Menschen in Liebe zu dienen. Das gilt bis heute. Auch wir steigen in jeder Eucharistie gleichsam auf den Berg Tabor. Christus spricht zu uns in seinem Wort, schenkt sich uns im heiligen Sakrament und lässt uns etwas von seiner Herrlichkeit erfahren. Doch am Ende der Feier heißt es: „Gehet hin in Frieden. - Es ist Sendung!“ Das ist kein Abschied, sondern Aussendung. Das Licht, das wir empfangen haben, sollen wir in unsere Familien, an unseren Arbeitsplatz, zu den Kranken, Einsamen, Trauernden und Suchenden tragen. Der Tabor setzt sich im Alltag fort. VI. Die Verklärung – Unsere Berufung Darum schreibt der Apostel Paulus: „Wir alle werden verwandelt (metamorphoumetha) in sein Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ (2 Kor 3,18). Diese Verwandlung beginnt schon heute: in der Eucharistie, im Gebet, in der Vergebung, in der Liebe und im geduldig getragenen Leid. Dort wirkt Gott bereits an dem, was einst vollendet wird. Der heilige Symeon der Neue Theologe sagt: „Wer Christus liebt, trägt schon jetzt das Licht des kommenden Reiches in seinem Herzen.“ Darin liegt unsere Hoffnung: Der äußere Mensch vergeht, der innere wird Tag für Tag erneuert. Unsere Verklärung hat bereits begonnen. VII. Das Licht, das keinen Abend kennt Die Ostkirche betet: „Dein Licht, o Christus, erweckt das Leben. Dich zu schauen heißt Auferstehung. Ob Krankheit oder Schmerz, Hunger oder Gefängnis mich bedrängen – wenn Dein Licht aufstrahlt, wird alles hell.“ Gehen wir darum mit neuer Hoffnung unseren Weg. Steigen wir mit Christus vom Tabor hinab und folgen wir dem Sohn, den uns der Vater offenbart hat. Dann mag unser Weg durch manche Nacht führen – sein Ziel ist das Hineingehen in das Licht, das keinen Abend kennt: Christus selbst, unsere Auferstehung und unser ewiges Leben. Amen. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. 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