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Der dritte Schrei

25. März 2018 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Franziskus am Palmsonntag an die Jugend: Wenn die anderen schweigen, wenn wir, die Ältesten und die Verantwortlichen, schweigen, wenn die Welt schweigt und ihre Freude verliert, frage ich euch: Wollt ihr schreien?


Rom (kath.net) Palmsonntag auf dem Peterspatz. Mit der Palmprozession begann Papst Franziskus die Riten der Karwoche. An diesem Sonntag wird auch der 33. Weltjugendtag auf Bistumsebene begangen. Der Tag steht unter dem Motto: „ »Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden“ (Lk 1,30) .

„Jesus betritt die Stadt umgeben von seinem Volk, umgeben vom Singen und Rufen des Trubels. Wir können uns vorstellen, dass es die Stimme des Sohnes ist, dem vergeben wurde, des geheilten Aussätzigen oder das Blöken des verlorenen Schafes, das bei diesem Einzug kraftvoll erschallt. Es ist das Singen des Zöllners und des Unreinen; es ist der Schrei dessen, der an den Rändern der Stadt lebte. Es ist der Schrei der Männer und Frauen, die ihm gefolgt sind, weil sie sein Erbarmen angesichts ihres Schmerzes und ihres Elends erfahren haben… Es ist das Singen und die spontane Freude so vieler Verstoßener, die von Jesus angerührt rufen können: „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn“. Wie nicht denjenigen lobpreisen, der ihnen die Würde und die Hoffnung zurückgegeben hat? Es ist die Freude so vieler Sünder, denen vergeben wurde und die erneut vertrauen und hoffen können.“

„Denjenigen, die sich selbst für gerecht und dem Gesetz und den rituellen Geboten „treu“ halten, erscheint dieser Freudenjubel als aufmüpfig. Er wird als Ärgernis erregender Unfug empfunden.[1] Eine unerträgliche Freude für diejenigen, die sich angesichts des Leidens, des Schmerzes und des Elends dem Mitgefühl versperrt haben. Wie schwierig ist es für denjenigen, der sich selbst rechtfertigen und selbst auskommen will, die Festfreude der Barmherzigkeit Gottes zu verstehen. Wie schwierig ist es für diejenigen, die nur auf ihre eigenen Kräfte vertrauen und sich den anderen überlegen fühlen, diese Freude zu teilen![2]

So erhebt sich der Schrei dessen, der sich nicht scheut, „Kreuzige ihn!“ zu rufen.“

„Es ist die Stimme dessen, der die Realität manipuliert, eine Geschichte zu seinem Vorteil erfindet und kein Problem damit hat, andere ‚in den Dreck zu ziehen’, um selbst davonzukommen. Der Schrei dessen, der kein Problem damit hat, die Mittel zu suchen, um sich selbst zu stärken und die dissonanten Stimmen zum Schweigen zu bringen. Es ist der Schrei, der aus dem ‚Frisieren’ und Schönfärben der Wirklichkeit entsteht, so dass sie schließlich das Antlitz Jesu entstellt und ihn zu einem ‚Missetäter’ macht. Es ist die Stimme dessen, der die eigene Position verteidigen will, indem er insbesondere denjenigen in Verruf bringt, der sich nicht verteidigen kann. Es ist der Schrei der in Szene gesetzten Selbstgefälligkeit, des Stolzes und des Hochmuts, der problemlos ausruft: ‚Kreuzige ihn, kreuzige ihn!’.“


Angesichts all dieser Schreie „ist es das beste Gegenmittel, das Kreuz Christi anzuschauen und uns von seinem letzten Schrei in Frage stellen zu lassen. Christus starb, indem er seine Liebe für jeden von uns herausschrie: für die jungen Menschen und die Älteren, für die Heiligen und die Sünder; Liebe für die Menschen seiner Zeit wie auch der heutigen Zeit.

Durch sein Kreuz wurden wir gerettet, damit niemand die Freude des Evangeliums auslösche; damit niemand, in welcher Situation auch immer er sich befindet, dem barmherzigen Blick des Vaters fernbleibt. Auf das Kreuz zu schauen bedeutet, unsere Prioritäten, Entscheidungen und Handlungen in Frage zu stellen. Es bedeutet, unser Mitgefühl gegenüber demjenigen auf den Prüfstand zu stellen, der momentan Schwierigkeiten durchlebt. Was sieht unser Herz? Ist Jesus Christus weiterhin Grund der Freude und des Lobpreises in unserem Herzen oder beschämen uns seine Prioritäten für die Sünder, die Letzten und die Vergessenen?“


Es gebe dann viele Formen, „zum Schweigen zu bringen oder die jungen Menschen auszuschalten. Viele Wege, um sie zu betäuben und einzulullen, damit sie keinen ‚Krach’ machen, damit sie sich nicht selbst Fragen stellen und hinterfragen. Es gibt viele Möglichkeiten, sie zu beruhigen, so dass sie sich nicht einmischen und ihre Träume den Schwung verlieren und zu flachen, kleinen, traurigen Phantastereien werden.“


kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Franziskus am Palmsonntag 2018:

Jesus zieht in Jerusalem ein. Die Liturgie hat uns eingeladen, an der Festfreude des Volkes teilzuhaben und zu ihr beizutragen. Das Volk ist fähig, zu jubeln und seinen Herrn zu preisen. Die Freude wird getrübt und hinterlässt einen bitteren und schmerzhaften Nachgeschmack, nachdem wir die Leidensgeschichte gehört haben. Es scheint, als würden sich in dieser Feier Geschichten der Freude und des Leidens, der Fehler und der Erfolge, die Teil unseres Alltags als Jünger sind, miteinander verflechten. Denn sie schafft es, die widersprüchlichen Gefühle, die den Menschen auch heute zu eigen sind, offenzulegen: Sie sind im Stande, viel zu lieben… und auch viel zu hassen; fähig zu wertvollen Unternehmungen und auch sich im passenden Augenblick „die Hände zu waschen“; fähig zur Treue, aber auch zu großer Nachlässigkeit und zum Verrat.

Und man sieht deutlich im ganzen Evangeliumsbericht, dass die Freude, die Jesus erweckt, in den Augen einiger Grund zu Unmut und Ärger ist.

Jesus betritt die Stadt umgeben von seinem Volk, umgeben vom Singen und Rufen des Trubels. Wir können uns vorstellen, dass es die Stimme des Sohnes ist, dem vergeben wurde, des geheilten Aussätzigen oder das Blöken des verlorenen Schafes, das bei diesem Einzug kraftvoll erschallt. Es ist das Singen des Zöllners und des Unreinen; es ist der Schrei dessen, der an den Rändern der Stadt lebte. Es ist der Schrei der Männer und Frauen, die ihm gefolgt sind, weil sie sein Erbarmen angesichts ihres Schmerzes und ihres Elends erfahren haben…

Es ist das Singen und die spontane Freude so vieler Verstoßener, die von Jesus angerührt rufen können: „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn“. Wie nicht denjenigen lobpreisen, der ihnen die Würde und die Hoffnung zurückgegeben hat? Es ist die Freude so vieler Sünder, denen vergeben wurde und die erneut vertrauen und hoffen können.

Denjenigen, die sich selbst für gerecht und dem Gesetz und den rituellen Geboten „treu“ halten, erscheint dieser Freudenjubel als aufmüpfig. Er wird als Ärgernis erregender Unfug empfunden.[1] Eine unerträgliche Freude für diejenigen, die sich angesichts des Leidens, des Schmerzes und des Elends dem Mitgefühl versperrt haben. (...) Wie schwierig ist es für denjenigen, der sich selbst rechtfertigen und selbst auskommen will, die Festfreude der Barmherzigkeit Gottes zu verstehen. Wie schwierig ist es für diejenigen, die nur auf ihre eigenen Kräfte vertrauen und sich den anderen überlegen fühlen, diese Freude zu teilen![2]

So erhebt sich der Schrei dessen, der sich nicht scheut, „Kreuzige ihn!“ zu rufen. Es ist nicht ein spontaner Schrei, sondern ein aufgesetzter und inszenierter Schrei, der die Erniedrigung und die Verleumdung begleitet, die durch falsche Zeugenaussagen herbeigeführt werden. (...) Es ist die Stimme dessen, der die Realität manipuliert, eine Geschichte zu seinem Vorteil erfindet und kein Problem damit hat, andere „in den Dreck zu ziehen“, um selbst davonzukommen. Der Schrei dessen, der kein Problem damit hat, die Mittel zu suchen, um sich selbst zu stärken und die dissonanten Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Es ist der Schrei, der aus dem „Frisieren“ und Schönfärben der Wirklichkeit entsteht, so dass sie schließlich das Antlitz Jesu entstellt und ihn zu einem „Missetäter“ macht. Es ist die Stimme dessen, der die eigene Position verteidigen will, indem er insbesondere denjenigen in Verruf bringt, der sich nicht verteidigen kann. Es ist der Schrei der in Szene gesetzten Selbstgefälligkeit, des Stolzes und des Hochmuts, der problemlos ausruft: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“.

Und so bringt man das Fest des Volkes schließlich zum Schweigen, indem man die Hoffnung niederschmettert, die Träume tötet, die Freude unterdrückt; so endet man darin, das Herz zu verhärten und die Liebe erkalten zu lassen. Es ist der Schrei des „rette dich selbst“, der die Solidarität einlullen will, die Ideale auslöschen, den Blick gefühllos werden lässt… der Schrei, der das Erbarmen ausradieren will.

Angesichts all dieser Schreie ist es das beste Gegenmittel, das Kreuz Christi anzuschauen und uns von seinem letzten Schrei in Frage stellen zu lassen. Christus starb, indem er seine Liebe für jeden von uns herausschrie: für die jungen Menschen und die Älteren, für die Heiligen und die Sünder; Liebe für die Menschen seiner Zeit wie auch der heutigen Zeit. Durch sein Kreuz wurden wir gerettet, damit niemand die Freude des Evangeliums auslösche; damit niemand, in welcher Situation auch immer er sich befindet, dem barmherzigen Blick des Vaters fernbleibt.

Auf das Kreuz zu schauen bedeutet, unsere Prioritäten, Entscheidungen und Handlungen in Frage zu stellen. Es bedeutet, unser Mitgefühl gegenüber demjenigen auf den Prüfstand zu stellen, der momentan Schwierigkeiten durchlebt. Was sieht unser Herz? Ist Jesus Christus weiterhin Grund der Freude und des Lobpreises in unserem Herzen oder beschämen uns seine Prioritäten für die Sünder, die Letzten und die Vergessenen?

Liebe Jugendliche, die Freude, die Jesus in euch erweckt, ist Grund zu Ärger und Entrüstung bei einigen Leuten, da es schwierig ist, einen frohen jungen Menschen zu manipulieren.

Aber es gibt nun die Möglichkeit zu einem dritten Schrei: »Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, weise deine Jünger zurecht! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien« (Lk 19,39-40).

Die jungen Menschen zum Schweigen zu bringen, ist eine Versuchung, die es immer gegeben hat. Die Pharisäer selbst tadeln Jesus und bitten ihn, sie zu beruhigen und zum Schweigen zu bringen.

Es gibt viele Formen, zum Schweigen zu bringen oder die jungen Menschen auszuschalten. Viele Wege, um sie zu betäuben und einzulullen, damit sie keinen „Krach“ machen, damit sie sich nicht selbst Fragen stellen und hinterfragen. Es gibt viele Möglichkeiten, sie zu beruhigen, so dass sie sich nicht einmischen und ihre Träume den Schwung verlieren und zu flachen, kleinen, traurigen Phantastereien werden.

An diesem Palmsonntag, an dem wir den Weltjugendtag begehen, tut es uns gut, auf die Antwort Jesu an alle Pharisäer von gestern und aus allen Zeiten zu hören: »Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien« (Lk 19,40).

Liebe junge Menschen: Bei euch liegt die Entscheidung zu schreien. An euch liegt es, euch für das Hosanna des Sonntags zu entscheiden, um nicht dem „Kreuzige ihn!“ des Freitags zu verfallen... Und es liegt an euch, nicht zu schweigen. Wenn die anderen schweigen, wenn wir, die Ältesten und die Verantwortlichen, schweigen (...), wenn die Welt schweigt und ihre Freude verliert, frage ich euch: Wollt ihr schreien?

Bitte entscheidet euch, bevor die Steine schreien.

Bitte entscheidet euch, bevor die Steine schreien.

______________________

[1] Vgl. R. Guardini, Der Herr, Würzburg 81991, S. 369f.

[2] Vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 94.





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