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Tatort Golgota

3. April 2026 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Jerusalem, 30 n. Chr.: Eine Hinrichtung, ein leeres Grab – Was an jenem Tag geschah, lässt sich rekonstruieren. Die Fakten sind bekannt. Und doch bleibt eine Frage, die sich nicht zu den Akten legen lässt - BeneDicta von Dorothea Schmidt


Jerusalem (kath.net)

Die Hinrichtung begann planmäßig. Gegen neun Uhr morgens wurde der Verurteilte außerhalb der Stadtmauern, an einem Ort namens Golgota – „Schädelstätte" –, gekreuzigt. Zwei weitere Männer wurden dort zur selben Zeit exekutiert. Einer von ihnen bereute noch am Kreuz seine Schuld. Das Verfahren war Routine. Die Soldaten würfelten um die Kleidung des Delinquenten. Die Schaulustigen standen dabei.

Der Name des Verurteilten: Jesus aus Nazaret. Wanderprediger, von vielen als Messias erwartet, ohne Amt, ohne Besitz – und doch bekannt im ganzen Land. Geliebt und gehasst. Für die einen Hoffnungsträger, für die anderen eine Bedrohung. Den religiösen Autoritäten wurde er zu gefährlich. Das Urteil sprach Pontius Pilatus, Präfekt von Judäa auf Druck des Hohen Rates. Offizielle Anklage: Aufruhr und Gotteslästerung.

Der Hinrichtung ging eine Geißelung voraus. Dann Spott, Dornenkrone, Schläge: Die Geißeln rissen ihm Fleisch vom Leib. Römische Soldaten huldigten ihm mit beißendem Spott und Spucke – zur Belustigung der Truppe. Die Krone aus Dornen schnitt ihm ins Fleisch, so dass Blut über sein Gesicht rann. Schließlich das Kreuz. Er trug es selbst, brach unter der Last zusammen; ein Mann aus Cyrene wurde gezwungen zu helfen. Man schlug ihn ans Kreuz, durchbohrte Hände und Füße. Das Schild über dem Kreuz trug die Aufschrift „König der Juden" – eine gezielte Provokation des Pilatus gegenüber dem jüdischen Volk?

Gegen Mittag verdunkelte sich Augenzeugen zufolge der Himmel. Drei Stunden lang. Meteorologische Erklärungsversuche folgten – keine überzeugte vollständig. Gegen 15 Uhr starb der Verurteilte. Ein römischer Offizier wird mit den Worten zitiert: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn."


Zur gleichen Zeit, so berichten Quellen übereinstimmend, zerriss im Tempel der Vorhang zum Allerheiligsten – von oben nach unten, wie es der Angeklagte prophezeit hatte. Eine offizielle Erklärung der Tempelbehörde blieb aus.

Der Leichnam wurde noch am Abend in ein Felsengrab gelegt, zur Verfügung gestellt von Josef aus Arimathäa, heimlicher Anhänger Jesu. Das Grab wurde versiegelt und bewacht. Die Anhänger Jesu waren geflohen. Verraten, verleugnet, zerstreut. Für sie war alles vorbei.

Ein Tatortbericht hätte damals kaum Aufmerksamkeit erregt. Es ging schlicht um einen weiteren hingerichteten Prediger. Ein Provinzgeschehen. Keine Fortsetzung erwartet. Und doch kam sie; eine, die sich der nüchternen Rekonstruktion entzieht. Drei Tage nach der Hinrichtung, am Sonntag in aller Frühe, fanden Frauen das Grab leer vor. Quellen zufolge haben sie einen Engel gesehen. Eine von ihnen begegnete Jesus als dem Auferstandenen als erster Mensch. Bis heute ist dieses Geschehen ein für Wissenschaftler unerklärliches Phänomen. Das leere Grab ist historisch so gut bezeugt wie kaum eine andere Begebenheit jener Jahre; selbst die Gegner bestätigten es, indem sie eine Diebstahlstheorie in Umlauf brachten. Doch die Bewegung, die mit diesem Mann zu enden schien, hatte erst begonnen. Er ist von den Toten auferstanden und erschien vielen Menschen. Berichte von den Emmaus-Jüngern, dann von Hunderten von weiteren Zeugen, lassen sich nicht wegdiskutieren, nur deuten. Oder leugnen.

Die Botschaft des Christentums wurde weltweit bekannt. Heute ist das Christentum die größte Religion der Welt. Tendenz: wachsend.

Ohne Auferstehung wäre die Geschichte mit dem Tod zu Ende gewesen. Sie wäre nicht mehr als eine Fußnote der Geschichte. Jesus: ein gescheiterter Prophet. Das Kreuz: das letzte Wort. Angst, Tod und Gewalt hätten gesiegt. Dann wäre wahr, was Paulus von Tarsus formulierte: „Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist euer Glaube nichtig."

Ohne Ostern gäbe es kein Christentum. Keine Hoffnung über den Tod hinaus. Die Welt wäre eine andere. Der Tempel wäre 70 n. Chr. trotzdem gefallen, die Geschichte hätte ihren Gang genommen. Doch es gäbe keine Kirchen, keine Kathedralen, keine sakrale Kunst (von Michelangelo). Keinen Vatikan, keine christliche Philosophie, kein Europa, wie wir es kennen.

Wobei viele moderne Menschen leben, als hätte es Ostern nie gegeben. Viele glauben gar nicht, andere leben geistlich blind wie die Emmaus-Jünger: in einem Karfreitag in Dauerschleife. Gesellschaften haben ein Wertesystem ohne Fundament, eine Moral ohne Anker, eine Hoffnung ohne Grund. Und so bleibt die Frage, ob diese Geschichte wirklich abgeschlossen ist – oder ob sie für den Einzelnen gerade erst beginnt.

Hier wird es persönlich. Und das ist vielleicht das Unbequemste an Ostern: Es lässt sich nicht von außen betrachten. Man kann nicht Zuschauer bleiben. Das leere Grab steht da wie eine offene Tür — und irgendwann muss jeder durch sie hindurch, oder an ihr vorbeigehen. Beides ist eine Entscheidung.

Die Emmaus-Jünger auf dem Weg nach Hause — erschöpft, desillusioniert, das Herz schwer wie Stein. Sie haben Ostern zunächst verpasst. Nicht weil die Nachricht nicht stimmte. Sondern weil Karfreitag sie zu sehr beschäftigt hat. Jeder kennt das: ein Verlust, der nicht heilt, eine Erschöpfung, die sich festgesetzt hat, ein Glaube, der irgendwann einfach aufgehört hat zu glühen.

Ostern sagt: Das ist nicht das letzte Wort. Weder über Jesus, noch über die eigene Situation. Der Auferstandene begegnet nicht denen, die alles im Griff haben. Er begegnet Frauen, die weinen, Männern, die fliehen, Menschen, die zweifeln. Er geht zu denen, die schon auf dem Heimweg sind — zurück in ihr altes Leben, weil das Neue sich nicht bewahrheitet zu haben scheint.

Und dann fragt er: „Was beschäftigt euch so?" — nicht weil er es nicht wüsste, sondern weil die Wunden des anderen ihn nicht erschrecken. Er kennt sie; er trägt selbst welche. Ostern ist kein Triumph über das Leid. Es ist der Durchgang hindurch. Ostern ist kein Termin, sondern eine Einladung: die Einladung, den Blick von den Dunkelheiten des Lebens abzuwenden und zum Himmel zu erheben; Großes zu erwarten – ja, menschlich Unmögliches – und sich mehr auf den Auferstandenen zu stützen als auf das eigene Können. Ostern ist die Einladung, das eigene Denken neu auf Christus auszurichten. Es ist die Einladung zum Glauben an den einen Gott, der Herr ist und lebendig macht. Und die einzige Frage, die am Ende zählt, ist nicht: Ist das mit der Auferstehung historisch plausibel? Sondern: Darf das auch für mich wahr sein? Die Antwort ist: Ja!


 


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Lesermeinungen

 gebsy 4. April 2026 

Frau Dorothea Schmidt, gnadenreiche Ostern!

Sie schreiben:" Man kann nicht Zuschauer bleiben. Das leere Grab steht da wie eine offene Tür — und irgendwann muss jeder durch sie hindurch, oder an ihr vorbeigehen. Beides ist eine Entscheidung."
Jede Ent-Scheidung braucht mindestens zwei Optionen: In der Versuchen vertraulich beten oder sündigen ...


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