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"Wo Freude und Leid eins sind"

vor 9 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Was bedeutete J.R.R. Tolkien Ostern? Eine Spurensuche. Von Stefan Maria Bolli


Mols (kath.net/ smb)
Dass der weltberühmte und erfolgreiche Autor und Sprachwissenschaftler John Ronald Reuel Tolkien ein flammender Befürworter des katholischen Glaubens war, dürfte eine Stichwortsuche auf kath.net einfach belegen. Was hat der Urheber von dem Hobbit, dem Herrn der Ringe und dem Silmarillion aber direkt zu Ostern gesagt? Einige Quellen besagen Eindeutiges:

On Fairy Stories / Über Märchen - 1938
Tolkien führt den Begriff der «Eukatastrophe» in die literaturwissenschaftliche Diskussion ein: Die Katastrophe, aus der Gutes hervorgeht. Im Epilog seines massgebenden Vortrages über Märchen von 1938 an der St. Andrewsuniversität schreibt Tolkien: 
«Die Evangelien enthalten ein Märchen - oder eine Erzählung von weiterem Charakter, die das Wesen des Märchens ganz in sich schliesst. Sie enthalten vielerlei Wunder […]. Und eines dieser Wunder ist die grösste und vollständigste Eukatastrophe, die man sich denken kann. Diese Erzählung aber ist in die Geschichte und in die Primärwelt eingegangen; der Wunsch und Ehrgeiz der Zweitschöpfung ist die Erfüllung des Schöpfungswerkes erhoben worden. Christi Geburt ist die Eukatastrophe der menschlichen Geschichte. Die Auferstehung ist die Eukatastrophe der Erzählung von der Fleischwerdung. Diese Erzählung beginnt und endet in Freude.»


Dann führt Tolkien aus, wie schön es wäre, beziehungsweise in diesem Fall ist, wenn eine solche Eukatastrophe in der «primären» Welt wahr ist, wenn «das Erzählte sich als historisch erwiese, ohne dass es die mythische und allegorische Bedeutung» verlieren müsste. «Die christliche Freude, die Gloria, ist von derselben Art, hoch und selig über jedes Mass […]. Diese Erzählung aber ist erhaben, und sie ist wahr. Die Kunst ist wahrgemacht worden. Gott der Herr der Engel, der Menschen – und der Elben. Legende und Wirklichkeit sind eins geworden.» (Aus Baum und Blatt, 1982, S.70f. übersetzt von Wolfgang Krege)

Brief 89 - 1944
In einem Brief an seinen Sohn Christopher Tolkien schreib Tolkien am 7/8. November 1944 in Ausführung zu dem Vortrag von 1938:
«Und abschliessend sagte ich, die Auferstehung sei die grösstmögliche ‘Eukatastrophe’ in dem grössten aller Märchen - und sie wecke ebendieses Gefühl: die christliche Freude die Tränen hervorruft, weil sie qualitativ wie das Leid ist, weil sie von jenen Orten herkommt, wo Freude und Leid eins sind, versöhnt, so wie Selbstsucht und Altruismus sich in der Liebe verlieren.» (Aus H. Carpenter - J.R.R. Tolkien Briefe, übersetzt von W. Krege)
Er führte erklärend dazu aus, dass er natürlich vom Evangelium nicht als blosses Märchen spreche. 

Im Brief 212 aus dem Jahr 1958 verfasste Tolkien eine ausführliche Antwort an Rona Beare auf die Frage des Sündenfalles der Elben und Menschen (und Zwerge), der Sterblichkeit, und schlussendlich auch deren Erlösung davon nach christlichen Vorstellungen. Und auch wenn der Brief nicht abgeschickt wurde, zeigt es dennoch wie tief verwurzelt der Glaube an Auferstehung, Erlösung und Himmelfahrt bei Tolkien sein Werk durchdrang.

Seligsprechungsverfahren 
Ob die Erzdiözese Birmingham ein Kanonisierungsverfahren eingeleitet hat, ist derzeit offen, doch laufen Bemühungen dazu seit 2015. Doch ein offizielles Gebet dazu wurde publiziert:

Gebet zur Kanonisierung (privater Gebrauch)
O Allerheiligste Dreifaltigkeit, wir danken Dir, dass Du die Kirche mit John Ronald Reuel Tolkien beehrt hast und dass du die Poesie deiner Schöpfung, das Geheimnis der Passion deines Sohnes und die Symphonie des Heiligen Geistes durch ihn und seine subkreative Vorstellungskraft erstrahlen lässt. Im vollen Vertrauen auf Deine unendliche Barmherzigkeit und auf die mütterliche Fürsprache Mariens hat er uns ein lebendiges Bild von Jesus, der Weisheit des menschgewordenen Gottes, geschenkt und uns gezeigt, dass Heiligkeit das notwendige Maß des gewöhnlichen christlichen Lebens ist und der Weg, um die ewige Gemeinschaft mit Dir in der täglichen Eucharistie zu erlangen – wenn der Himmel Erde vermählt. Gewähre uns durch seine Fürsprache und nach Deinem Willen die Gnaden, die wir erflehen [ ...], in der Hoffnung, dass er bald zu Deinen Heiligen gezählt wird. Amen.

 


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