Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Piusbruderschaft kritisiert ‚Doppelmoral‘ nach Verweigerung des Zutritts zur Basilika in Assisi
  2. Eine „Erzbischöfin“ stürzt die Anglikanische Kirche ins Chaos
  3. Dann sollen sie doch in die Hölle gehen
  4. Tantum ergo Sacramentum
  5. Kardinal Burke: Sexuelle Unmoral heute erinnert an Sodom und Gomorrha
  6. Kardinal Müller: „Muslime respektieren kein schwaches Christentum, das sich des Kreuzes schämt“
  7. Eine vergiftete Unterstützungserklärung
  8. Was Charlie Kirk Friedrich Merz antworten würde
  9. Während Messfeier mit Erstklässlern: Bengalisches Feuer in katholische Kirche geworfen
  10. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  11. ‚Das Exil von Pater Edmund‘
  12. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  13. 'Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine'
  14. Spannungen hinter den Kulissen: Papst lehnt gemeinsamen Auftritt mit Macron in Notre-Dame ab!
  15. Papst Leo XIV. hebt Gehaltskürzungen im Vatikan auf

Neuer Trend in den USA: Abkehr von nüchternen Kircheninnenräumen

11. Juni 2026 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


In den USA gibt es Pfarreien, die den Kahlschlag beenden, der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts (auch in Europa) durch die Kirchengebäude gezogen war – Dieser „Bildersturm“ hatte keinen Rückhalt im II. Vatikanum. Von Petra Lorleberg


Somerset (kath.net/pl) In den USA gibt es immer wieder katholische Pfarreien, die den Kahlschlag durch Bildersturm beenden, der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts (auch in Europa) durch die Kirchengebäude gezogen war und der in keiner Weise durch die Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils gerechtfertigt werden konnte. 

Jüngstes Beispiel ist die katholische Kirche St. Anne in Somerset (US-Bundesstaat Wisconsin). Die heutige Kirche wurde 1916 im neoromanischen Stil erbaut, es existiert leider keinerlei Fotomaterial aus der Zeit vor ihrer Umgestaltung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch ermöglichte die Grundarchitektur des Innenraums auch nach dem Kahlschlag noch Rückschlüsse auf ihr ursprüngliches Aussehen zu, beschreibt das Shawn Tribe im von ihm herausgegebenen kanadisch-katholischen Online-Journal „Liturgical Art Journal“: „Es gab ursprünglich einen Hochaltar mit Altaraufsatz und Nischen zu beiden Seiten für Seitenaltäre – die typische Anordnung der damaligen Zeit. Diese wurden entfernt. Vermutlich gab es ursprünglich mehr Verzierungen, als wir hier sehen – dies ist jedoch reine Spekulation“ wegen des Fehlens von Fotomaterials.

Die Pfarrei beauftragte ein auf Restaurationen spezialisiertes Studio mit der Restauration der Kirche (siehe oben Fotos vorher/nachher). Shawn bemerkt dazu: „Eine deutliche Verbesserung, um es gelinde auszudrücken. Neben der Wiederherstellung von mehr Symmetrie und Ordnung im Altarraum, insbesondere durch den neuen Opferaltar, den Altar der Aufbewahrung und die Seitenaltäre/Schreine, trägt auch das Fresko in der Apsis, das Gottvater als den Uralten darstellt, zusammen mit den anderen Schablonenmalereien und Details, die die Architektur hervorheben und gleichzeitig Farbe und Ornamentik hinzufügen, zur Harmonie des Ganzen bei. Das Endergebnis ist ein weitaus schönerer und erhabenerer liturgischer Raum.“

Die Kirche St. Anne steht in einer größeren Reihe von Kirchen, die sich von übermäßiger Nüchternheit des Innenraums verabschieden. Shawn Tribe hat in seinem Journal zu diesem Thema längst eine eigene Kolumne eröffnet. Allgemeiner gefasst schildert er dazu in einem anderen Beitrag: „Das Problem ist fast immer dasselbe: Wie lässt sich eine Kirche verschönern, die nach den 1960er-Jahren erbaut oder renoviert wurde? Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Was, wenn die eigene Gemeinde keine umfangreichen baulichen Eingriffe vornehmen kann, sei es aus finanziellen Gründen, aufgrund diözesaner Vorgaben oder aus anderen Gründen?“ Denn es sei „zwar mit unbegrenzten Mitteln oder ohne übermäßig strenge liturgische Richtlinien fast alles möglich, doch manchmal muss man bei solchen Projekten einen eher konservativen und pragmatischen Ansatz verfolgen. Im Fall der St. Philip's Church in Rolling Ground, Wisconsin, sehen wir eine Renovierung, die zwar keine umfassende Umgestaltung der Kirche mit sich bringt, aber dennoch deutliche Spuren hinterlässt.“


Shawn stellt die im vergangenen Jahr restaurierte St. Philip's Church in Rolling Ground (US-Bundesstaat Wisconsin) detaillierter vor. Auch von dieser Kirche existiert kein Fotomaterial über ihr früheres Aussehen. Die Grundarchitektur des Innenraums lässt allerdings einige Rückschlüsse zu. Wie auch anderswo wurden viele „Elemente wurden in der hektischen und wohl auch übereifrigen Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entfernt“. Dann schildert er den Innenraum nach der Renovierung: „Die wichtigsten hinzugefügten Elemente sind die farbliche Gestaltung und die Schablonenmalerei, insbesondere in und um die Apsis, die Hinzufügung zweier Seitenaltäre zu beiden Seiten der Apsis, die Installation einer Kommunionbank sowie eines neuen Holzaltars, von Sedilien und einer neuen Kanzel/eines neuen Lesepults. Dieses Projekt hat die Anklänge an die klassische Kirchenraumgestaltung wiederbelebt und die Kirche durch Harmonie und Symmetrie, Farbe und Ornamentik optisch neu belebt.

In einem weiteren Beitrag beleuchtet der Autor die Entwicklung der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Phoenix (US-Bundesstaat Arizona). Diese Pfarrkirche war Mitte der 1980-er Jahre erbaut worden, die Kirchenbänke waren, entsprechend der liturgischen Mode jener Zeit, „fächerförmig und halbkreisförmig vom Altarraum aus angeordnet. Es ist unbestreitbar, dass die Umgestaltung eines solchen liturgisch-architektonischen Raumes eine Herausforderung darstellt.“ Der Umbau erbrachte eine Ausmalung der Kirche (neben dem Altarraum auch die Kirchendecke), der Bereich des Tabernakels wurde mit Blattgold hervorgehoben, darüber, so beschreibt Shawn, wurde ein „wunderschönes Wandgemälde von Christus dem König und Hohenpriester“ hinzugefügt, das übrigens mit seiner Darstellung des Herzens Jesu auch den Namen der Kirche aufgreift. Shawn bewertet diese Renovation positiv und schreibt, „dass diese verschiedenen Veränderungen, von den kleinen architektonischen Anpassungen bis hin zu den umfangreicheren dekorativen Malereien, diese Kirche als solche erheblich aufgewertet haben“.

Es gibt noch mehr Beispiele, so restauriert auch die in Greenwood (US-Bundesstaat Missouri) ansässige Kirchenrestaurations-Firma „Ecclesiastical Studios & Sons“ Kirchen mit viel Liebe zum „geheiligten Charakter, den sie verdienen“. Auf Facebook zeigen sie in einem noch nicht in Wirklichkeit umgesetzten Entwurf, wie eine Renovation einer mutmaßlichen 70er-Jahre Betonkirche aussehen könnte (siehe unten). Dabei mag beeindrucken, dass man auch einen solchen extrem schlichten (um es noch positiv zu formulieren) Kircheninnenraum so verwandeln kann, dass er eine mystagogische Kraft entfaltet. Auch wenn dieser Entwurf nur ein Gedankenspiel ist - so zeigt er doch die Kraft, die in solchen Renovationen stecken kann.

Mein Fazit: In den USA lassen sich noch mehr heutige Beispiele für diese Abkehr von den vielfachen Verschlimmverbesserungen liturgischer Räume, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts plötzlich modern geworden waren. Dieses neue Erwachen von Interesse an klassischeren Formen der Innenausgestaltung von Pfarrkirchen scheint sich, so ist mein erster – noch nicht stringent nachweisbarer – Eindruck, keineswegs nur in Pfarreien zu vollziehen, die ihre Liebe zur Liturgie im Ritus der außerordentlichen Forum entdeckt haben. Dies hat – sofern mein Eindruck tatsächlich stimmt – tatsächlich einen handfesten Grund: Auch dort, wo sich die Liebe zum Herrn in Seiner eucharistischen Gegenwart in der normalen Liturgieform wieder vertieft, wird der Wunsch nach einem warmen, ansprechenden Kircheninnenraum deutlicher und die Sehnsucht zur Hinführung in die Fülle des katholischen Glaubens markanter.

Das II. Vatikanische Konzil hat in all seinen Texten keinen Wunsch auf einen „katholischen Bildersturm“ geäußert. Nirgends wurde dazu aufgefordert, die Kirchen auszuräumen, nüchterner als bisher zu gestalten und bewährte kirchliche Kunst in Lagerräume oder gar auf den Müll zu entsorgen. 

Weiteres Fotomaterial und seine Interpretationen in folgenden „Liturgical Arts Journal“-Artikeln:

Foto oben: katholische Kirche St. Anne in Somerset vor und nach der Renovation (c) Liturgical Arts Journal


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Architektur

  1. Schweizer Architekt Botta: Trotz Säkularisierung Kirchen gefragt
  2. Notre Dame-Dach als Gewächshaus?
  3. Kaiser, Fürsten, Heilige
  4. Direktor der Vatikanischen Museen kritisiert modernen Kirchenbau
  5. Doku über die 'Sagrada Familia' kommt in die Kinos
  6. Der neue Bildersturm in der Kirchenarchitektur
  7. Die Asakralität moderner Kirchenarchitektur







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Robert Bellarmin SJ – De gemitu columbae
  3. ‚Das Exil von Pater Edmund‘
  4. Gericht stoppt Zwang zur Suizidhilfe für katholische Nonnen in Illinois
  5. Slowakei: Aufrufe zu Lebensschutz und Dialog bei Nationalwallfahrt
  6. Damit die nächste Saat aufgehen kann
  7. Kardinal Müller: „Muslime respektieren kein schwaches Christentum, das sich des Kreuzes schämt“
  8. Eine vergiftete Unterstützungserklärung
  9. „Manchmal ist es schwer, den Zusammenhang zwischen meinem Kreuz und dem Kreuz Christi zu erkennen“
  10. 'Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine'
  11. Die Bibliothek als Herz des kirchlichen Gedächtnisses. ‚Nimm und lies!‘ - Die Unruhe der Wahrheit
  12. „Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“
  13. Marsch fürs Läbe: Together for Life! – Männer übernehmen Verantwortung für das Leben
  14. Piusbruderschaft kritisiert ‚Doppelmoral‘ nach Verweigerung des Zutritts zur Basilika in Assisi
  15. Präsident Trump nominiert Tochter von Franklin Graham zur Sonderbotschafterin für Religionsfreiheit

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz