Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  3. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  4. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  5. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  6. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  7. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. „Das Ende von Maria 2.0“
  10. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  13. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  14. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“
  15. 'Wir sprechen deshalb zurecht hier nicht von Neuevangelisierung, sondern von Erstevangelisierung'

Der neue Bildersturm in der Kirchenarchitektur

21. Dezember 2010 in Buchtipp, 27 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Neues Buch beleuchtet innerkatholischen Ikonoklasmus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das früheste und radikalste österreichische Zerstörungsbeispiel: die Pfarrkirche Wien-Hetzendorf – Eine Rezension von Gebhard Klötzl


Wien (kath.net) „Hetzendorf und der Ikonoklasmus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ heißt ein Sammelband, den die Wiener Universitätslektorin Heidemarie Seblatnig soeben herausgegeben hat. Er schließt inhaltlich an ihre 2006 erschienene „Profane Sakralarchitektur in Wien“ an (kath.net hatte berichtet) und setzt die Analyse über den Zusammenhang zwischen nachkonziliarer „Liturgie-Ideologie“ und der äußerlichen, baulichen Zerstörung von Kirchen fort.

Unter Ikonoklasmus versteht man die Zerstörung heiliger Bilder und religiöser Denkmäler, etwas im Byzanz des 8. Jahrhunderts oder in der Reformation des 16. Jahrhunderts. Mehrere bekannte Autoren aus den Fachgebieten Kirchengeschichte, Liturgie, Kunstgeschichte und Architektur gehen der Frage nach, inwiefern man auch von der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts als einem „Zeitalter des Ikonoklasmus“ sprechen kann.


Von der Herausgeberin selbst stammt der titelgebende Beitrag über das Fallbeispiel Hetzendorf, einer 1909 erbauten neuromanischen Pfarrkirche eines Wiener Außenbezirks, deren Inneres und Äußeres gesamtkunstwerkhaften Charakter hatte. Nach mehrjähriger, lobbyingmäßiger Vorbereitung ließ im Jahre 1958 der damalige Pfarrer Josef Ernst Mayer die Kirche „ ausräumen und entkernen“ – bis heute ist sie innen kahl wie ein calvinistisches Gotteshaus. Der Widerstand der Gemeinde war groß und musste gebrochen werden. Die Innenausstattung wurde nicht etwa in ein Depot geborgen, sondern auch physisch vernichtet – es hätte sie ja sonst vielleicht später wieder jemand zurückholen können. Rücksicht genommen wurde auf rein gar nichts: Sogar die damals noch lebende Witwe des Architekten von 1909, der den Bau aus Kirchenliebe honorarfrei errichtet hatte, musste sich die Zerstörung des Werkes ihres Mannes noch mit ansehen. Hetzendorf war in Österreich der erste, und wohl auch ärgste derartige Fall, dem noch viele ähnliche folgen sollten. Heidemarie Seblatnig legt dazu die erste tiefgreifend recherchierte und ohne Tabus geschriebene Fallstudie vor, erschienen in einem Verlag an dem die Erdiözese Wien beteiligt ist; eine wohltuende Meinungsbefreiung, wenn man denkt, dass jahrzehntelang offiziell nur über die „mutige Umgestaltung“ gejubelt werden durfte.

Sehr erhellend ist auch der Beitrag von Ciro Lomonte über die weltanschaulichen Triebfedern der Akteure: Er kommt zum Ergebnis, dass eine (unaufgedeckte) Portion Gnosis in ihnen drinnensteckt: Sie halten sich für Erleuchtete, die über den anderen stehen. In der Zerstörung des Materiellen dienen sie einer Art Neo-Manichäismus, der die Welt für Böse und nur das rein Geistige für gut hält. Bei den „gutwilligen“ Klerikern und Ordensleuten vermutet Lomonte zwei mögliche Motivationen für die Unterstützung des ikonoklastischen Treibens: naiven Enthusiasmus oder Resignation vor dem jämmerlichen Zustand der modernen Kunst.

Das Buch bleibt aber nicht im Negativen stehen: Der Beitrag von Uwe Michael Lang über die Krise der Sakralkunst befasst sich auch ausführlich mit den Quellen für deren Erneuerung. Die Beiträge sind insgesamt kompakt und in den Sprachen deutsch, englisch und italienisch geschrieben, ergänzt durch anschauliches Bildmaterial. Insgesamt ist das Buch ein wertvoller kulturgeschichtlicher Beitrag zur Abarbeitung überholter, innerkirchlicher Zeitströmungen.

Heidemarie Seblatnig (Hg.), Hetzendorf und der Ikonoklasmus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Wien 2010),
Facultas Universitätsverlag, kartoniert, 390 Seiten
€ 35,90




Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Architektur

  1. Neuer Trend in den USA: Abkehr von nüchternen Kircheninnenräumen
  2. Schweizer Architekt Botta: Trotz Säkularisierung Kirchen gefragt
  3. Notre Dame-Dach als Gewächshaus?
  4. Kaiser, Fürsten, Heilige
  5. Direktor der Vatikanischen Museen kritisiert modernen Kirchenbau
  6. Doku über die 'Sagrada Familia' kommt in die Kinos
  7. Die Asakralität moderner Kirchenarchitektur







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Papst Leo an 80.000 Jugendliche im Stade de France: "Wer mit Gott lebt, ist frei"
  3. „Wenn wir Eucharistie feiern, dürfen wir mit allem zu ihm kommen, was in uns unvollendet ist“
  4. Neuer Schülerkreise Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. bestätigt bisherigen Vorstand im Amt
  5. Nordische Bischofskonferenz beendet Herbstvollversammlung in Paderborn
  6. Zwischen Stein und Geheimnis: ‚Ohne die Liturgie würde Notre-Dame ihre Seele verlieren‘
  7. Die Menschheitsfamilie zwischen Babel und Pfingsten
  8. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  9. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  10. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  11. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  12. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  13. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  14. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  15. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz