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| ![]() Was auch immer Synodalität sein sollvor 37 Minuten in Kommentar, keine Lesermeinung Seit dem Ersten Apostelkonzil ist die Synode eines der Beratungselemente der Kirche. Die Besonderheit ist, dass sich gemeinsamer Glaubenssinn und hierarchische Entscheidung darin nicht widersprechen. Der Montagskick von Peter Winnemöller Linz (kath.net) Nicht erst mit Papst Franziskus wurde die Synode eine Form der kirchlichen Beratung und Vorbereitung von Entscheidungen. Sie ist im Grunde so alt wie die Kirche selbst. Gebet und Hören auf den Heiligen Geist sind Kernbestand dieser kirchlichen Zusammenkünfte. Der Begriff Synode wird aus den beiden griechischen Worten syn = zusammen und hodos = Weg gebildet. In der griechischen Antike bezeichnete der Begriff Synode eine Reisegesellschaft, eine Karawane oder ganz allgemein eine Versammlung. Zuweilen wurde er als Synonym für Familie benutzt. In der Kirche wird er später zu einem Begriff für eine Zusammenkunft von Bischöfen. In unserer Zeit ist ständig und von sehr verschiedenen Playern die Rede von „der Synodalität“. Egal wer gerade spricht, man bekommt in der Regel nur unscharfe Auskünfte, was denn diese Synodalität sein soll. Wer ganz ehrlich zu sich selbst ist, muss zugeben, es nicht ganz genau zu wissen. Denn die Geschichte der Kirche kennt die Synode in den unterschiedlichsten Formen. Eine konsequente oder konsistente Entwicklung von Synodalität ist nicht festzustellen. Als erste Synode kann man das Apostelkonzil aus der Apostelgeschichte ansehen. In der frühen Kirche werden die Begriffe Konzil und Synode ohnehin synonym benutzt. Im weiteren Lauf der Kirchengeschichte entwickeln die Kirchen des Ostens eine dezidiert synodale Kirchenstruktur, die später von den Gemeinschaften der Reformation in einer stark veränderten Weise übernommen wird. Die Kirchen des Ostens verstehen unter einer Synode die Versammlung ihrer Bischöfe. Eine evangelische Synode ist eher ein Kirchenparlament. Ab dem späten 2. Jahrhundert treffen sich Bischöfe vor allem zu regionalen Synoden, etwa im Osterfeststreit oder gegen den Montanismus. Cyprian von Karthago bindet im dritten Jahrhundert Klerus und Volk in die Synode ein. Nichts wollte er ohne den Rat der Presbyter und die Zustimmung des Volkes entscheiden. Mit dem Konzil von Nizäa im Jahr 325 beginnt eine Folge von sieben ökumenischen Konzilien bis zum Zweiten Konzil von Nizäa im Jahr 787. Plötzlich kommt eine politische Macht ins Spiel, denn es ist der Kaiser, der das Konzil einberuft. Die Ostkirchen bewahrten die alte synodale Verfassung bis heute. Im Westen wächst dagegen die Autorität des Bischofs von Rom. Ohne dieser Autorität zu widersprechen, schreibt das IV. Laterankonzil im Jahr 1215 jährliche Provinzialsynoden vor. Der Konziliarismus und das abendländische Schisma brachten eine Folge von Irrungen und Wirrungen, die sich auch über die Macht von Konzilien oder Synoden erstreckten. Das Konzil von Konstanz beanspruchte mit dem Dekret Haec sancta (1415), seine Gewalt unmittelbar von Christus zu haben, und beendete auf dieser Grundlage das Schisma durch die Absetzung bzw. den Rücktritt dreier Päpste und die Wahl Martins V. Pius II. erklärte dagegen mit der Bulle Execrabilis jede Berufung vom Papst an ein künftiges Konzil für nichtig und unter Strafe der Exkommunikation gestellt, obwohl die Legitimität der Päpste seit Martin V. auf eben jenem Konzil beruhte, das sich über den Papst gestellt hatte. Das Konzil von Trient verpflichtete im Jahr 1563 in seiner 24. Sitzung die Erzbischöfe, alle drei Jahre eine Provinzialsynode, und die Bischöfe, jährlich eine Diözesansynode abzuhalten, um die Reformdekrete des Konzils umzusetzen, Missstände zu beheben und die Disziplin von Klerus und Volk zu sichern. Die Frage, ob der Papst über dem Konzil oder das Konzil über dem Papst steht, wird hier nicht angerührt. Die verbindliche Klärung erfolgt im Jahr 1870 durch das I. Vatikanum, welches den Jurisdiktionsprimat und die Unfehlbarkeit des Papstes feierlich definiert. Das II. Vatikanum stärkte wiederum die Kollegialität der Bischöfe und der nationalen Bischofskonferenzen, aber eben unter dem Papst. Papst Paul VI. errichtet 1965 die Bischofssynode als beratendes Organ auf weltkirchlicher Basis: Die Bischöfe beraten, der Papst entscheidet. In Deutschland tagten die Würzburger Synode von 1971 bis 1975 im Westen und die Pastoralsynode in Dresden in der damaligen DDR in den Jahren 1973 bis 1975. Es ging dabei vorrangig um die Umsetzung der Beschlüsse des II. Vatikanums. Was die Würzburger Synode sonst noch hervorbrachte, gehört zu den Hypotheken, unter denen die Kirche in Deutschland bis heute zu leiden hat. Beide Synoden tagten noch vor der Reform des Kirchenrechts, in dem die Regularien für Regionalsynoden und Provinzkonzile festgelegt wurde. Diese sind rechtlich exakt umschrieben, werden jedoch wegen des hohen Aufwands eher selten abgehalten. Zwischen 1965 und 2015 etabliert sich die Bischofssynode und das anschließende Apostolische Schreiben des Papstes aus dem Ergebnis der Synode als ein gutes Instrument der Leitung der Weltkirche. In 14 ordentlichen Generalversammlungen, drei außerordentlichen Generalversammlungen und zehn Sonderversammlungen besprechen die Bischöfe mit dem Papst Themen wie Familie, Sendung der Laien, geweihtes Leben und andere für die Kirche wichtige Dinge der Zeit. Als Ergebnisse bekamen wir Schreiben wie Evangelii nuntiandi (1975), Catechesi tradendae (1979), Familiaris consortio (1981) oder Christifideles laici (1988), um hier nur eine Auswahl zu nennen. Papst Franziskus nennt dann etwas überraschend im Jahr 2015 Synodalität den Weg der Kirche im dritten Jahrtausend. Die Konstitution Episcopalis communio (2018) ordnete die Bischofssynode neu. Die Weltsynode in den Jahren 2021–2024 lässt erstmals auch Laien mit Stimmrecht zu. Franziskus verzichtete danach auf ein eigenes Schreiben und erklärte das Schlussdokument zum Teil seines Lehramts. Die Umsetzung dieser Synode läuft nun bis zu einer kirchlichen Versammlung im Jahr 2028 und wird unter Papst Leo XIV. fortgeführt. Mit ihrem Synodalen Weg ging die Kirche in Deutschland in den Jahren 2019 bis 2023 einen ganz eigenen Weg, der zu zahlreicher Kritik sowohl in Deutschland als auch aus der Weltkirche führte. Es handelt sich nicht um ein kirchenrechtlich geordnetes Verfahren. Daher hat es rechtlich und in Fragen des Glaubens weder Bindung noch Bedeutung für Katholiken. Dennoch löste es eine Menge Unruhe aus. Das Procedere mündete schließlich in den sogenannten Synodalen Ausschuss, an dem sich schon gar nicht mehr alle Bischöfe beteiligten. Eine von diesem Ausschuss vorbereitete „Synodalkonferenz" ist bislang noch nicht von Rom genehmigt. Es gibt noch Hoffnung, dass Rom hier ablehnt oder zumindest kirchenrechtlich sauber einhegt. Man erkennt die einerseits historische Dynamik von Synodalität. Andererseits das zeitgenössische Tasten nach einer heute funktionierenden Form. Kritiker bemängeln, dass Synodalität nie verbindlich definiert wurde und daher als Projektionsfläche für völlig gegensätzliche Erwartungen diene. Kardinal Müller und andere hochkarätige Kritiker sehen die Gefahr einer Parlamentarisierung nach demokratischem oder protestantischem Vorbild, bei der der Glaubenssinn des Volkes mit Mehrheitsmeinung verwechselt werde. Mit stimmberechtigten Laien verliere die Bischofssynode zudem ihren Charakter als Organ des Episkopats. Orthodoxe Theologen wenden ein, Synodalität meine in der Ostkirche allein die Gemeinschaft der Bischöfe. Die Kardinäle Brandmüller, Burke, Sandoval Íñiguez, Sarah und Zen fragten 2023 in ihren Dubia, ob Synodalität zum konstitutiven Element der Kirche erhoben werde und das Lehramt binden könne. Am Verfahren der Weltsynode wurden geringe Beteiligung, die Auswahl der Delegierten und die Steuerung durch das Sekretariat beanstandet. Bestimmte Kreise, die radikale und protestantisierende Reformen anstreben, bemängeln, die Gremien berieten nur oberflächliche Fragen und strittige Themen wie das Frauendiakonat würden in Studiengruppen ausgelagert. Auch der deutsche Synodale Weg wurde massiv kritisiert. Die römische Kurie erklärte am 21. Juli 2022: „Der ‚Synodale Weg‘ in Deutschland ist nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten.“ Das ließ eigentlich keinen Zweifel offen, dass der gesamte deutsche Weg ein Irrweg war und ist. Jedenfalls unterschied sich das, was in Deutschland geschah, wesentlich von der Idee von Synodalität, wie sie Papst Franziskus verstand. Papst Franziskus verstand Synodalität als Grundgestalt der Kirche und entfaltete sie vor allem in Evangelii gaudium (2013), in der Rede zum 50. Jahrestag der Bischofssynode am 17. Oktober 2015 und in Episcopalis communio (2018). Ausgehend vom griechischen syn-hodos, dem gemeinsamen Weg, sah er Laien, Hirten und den Bischof von Rom gemeinsam unterwegs und nannte dies den Weg, den Gott von der Kirche im dritten Jahrtausend erwarte. Kern war für ihn das Hören aufeinander und auf den Heiligen Geist, gegründet auf die Taufe und den Glaubenssinn des ganzen Gottesvolkes, das nach Lumen gentium 12 im Glauben nicht irren kann. Synodalität sei kein Parlament und keine Meinungsumfrage, sondern geistliche Unterscheidung, deren Hauptakteur der Heilige Geist sei. Franziskus unterschied die Ortskirche, die Bischofskonferenzen und Kirchenprovinzen sowie die Gesamtkirche, hielt am Primat fest, nach dem die Bischöfe mit Petrus und unter Petrus handeln, und strebte zugleich eine heilsame Dezentralisierung an. Ziel blieb die Sendung, wie das Leitwort der Weltsynode „Gemeinschaft – Teilhabe – Sendung“ ausdrückt, damit eine gemeinsam gehende Kirche zu den Menschen an den Rändern hinausgehe. Aus der geistlichen Tradition seines Ordens hatte Papst Franziskus das Gespräch im Geist in das Verfahren der Weltsynode eingebracht. Beim Gespräch im Geist sprechen die Teilnehmer in kleinen Gruppen nach einer Zeit des stillen Gebets reihum, ohne einander zu unterbrechen oder zu widersprechen, teilen in einer zweiten Runde mit, was sie beim Zuhören bewegt hat, und benennen in einer dritten Runde gemeinsam Übereinstimmungen, Spannungen und offene Fragen. Die Methode wurzelt in der Ignatianischen Spiritualität, besonders in den Regeln zur Unterscheidung der Geister aus den Exerzitien des Ignatius von Loyola und in der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung der Jesuiten, denen Franziskus angehörte. Problematisch ist das für diejenigen, die mit ignatianischer Spiritualität nicht vertraut sind oder Schwierigkeiten damit haben. Dennoch hat sich diese Form einstweilen auch in anderen synodalen Kontexten, zum Beispiel in nationalen Bischofskonferenzen (nicht in der DBK!) als Methode der Beratung, etabliert. Was die Methode angeht, kann man die alte kirchliche Tugend der Geduld einfordern. Trägt es Früchte und bewährt es sich, wird man es behalten. Falls nicht, wird es wieder verschwinden. In seinem Brief an die Kirche in Deutschland hatte Papst Franziskus Synodalität zudem an eine Neuevangelisierung gebunden. Gerade dieser Aspekt wurde in Deutschland dreist ignoriert. Letztendlich muss man feststellen, dass der schlechte Ruf, den Synodalität in Deutschland hat, nicht zuletzt auf den wahrhaft gruseligen Synodalen Weg zurück geht. Deutsche Bischöfe und Kirchenfunktionäre haben mit ihrem Sonderweg der Akzeptanz von Synodalität in Deutschland einen schlechten Dienst erwiesen. Wer sich mit Synodalität beschäftigt, wird feststellen, dass dieses sehr alte, auf die Apostel zurückgehende Prinzip durchaus ein kirchliches Prinzip ist. Die ostkirchliche Festlegung allein auf Bischöfe existiert in der Kirche neben anderen Formen, in denen schon in der frühen Kirche Klerus und Laien beteiligt waren. Da die Kirche Synodalität, wohl auch aus ökumenischer Rücksicht, insbesondere auf die Kirchen des Ostens, nie formal definiert hat, wird es vermutlich für immer ein Experimentierfeld sein und bleiben. Außer Frage steht, dass Synodalität sehr wohl geistliche Früchte hervorbringen kann. Dazu sei nur an die grandiosen Nachsynodalen Apostolischen Schreiben der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. erinnert. Ob die von Papst Franziskus vorgenommene Weitung des Synodalbegriffes Früchte tragen wird, muss sich in den nächsten Jahrzehnten zeigen. Nie vergessen: Die Kirche denkt in Jahrhunderten. Also bitte Geduld, auch wenn die Synodalität gerade im Augenblick etwas nervt. Sie hat eben die Gestalt unserer Zeit dann offensichtlich noch nicht gefunden. Warten wir also ab, welche Impulse Papst Leo XIV. in den gemeinsamen Weg der Kirche einbringen wird.
Bild oben: Das Apostelkonzil begründete die Tradition der Synoden und Konzilien in der Kirche. Foto: Peter Winnemöller mit KI erstellt. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuMontagskick
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