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Bischöfe beauftragen Familien als Missionare

5. Oktober 2026 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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Zwei Vollversammlungen von Bischöfen. Einmal in Vietnam, einmal in Deutschland. Beide nebeneinander zu stellen und einen Blick darauf zu werfen, kann erhellend sein. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Es war Vollversammlung der Bischofskonferenz und die Bischöfe haben beschlossen, ihr 2025 eröffnetes Missionsprogramm fortzusetzen. Zum Abschluss ihrer Versammlung veröffentlichten sie einen Pastoralbrief unter dem Leitwort „Jede katholische Familie ist eine missionarische Gemeinschaft“. Der Ausgangspunkt des Pastoralbriefes ist ein Bild, dass die Familie als „Hauskirche“ betrachtet. Diese Sicht ist in der kirchlichen Tradition wohlbegründet und bezeichnet die Familie als ersten Ort gelebten Glaubens. Auch das Zweite Vatikanische Konzil griff diesen Begriff auf. Daraus folge, so die Bischöfe, nicht nur eine besondere Würde, sondern auch ein Auftrag. Wie die Kirche insgesamt zur Verkündigung des Evangeliums gesandt sei, nehme auch die christliche Familie an dieser Sendung teil, schrieben die Bischöfe den Gläubigen ihres Landes ins Stammbuch. Wer jetzt denkt, der Kolumnist habe sich in einem Paralleluniversum aufgehalten, der irrt. Es hat sich so ereignet. Es hat sich sogar auf unserem Planeten ereignet und es hat sich in der vorletzten Woche ereignet. In Vietnam, denn vom 21. bis 24. September haben sich die Bischöfe der 27 vietnamesischen Diözesen in Thái Bình im Norden des Landes zu ihrer Vollversammlung unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Erzbischof Joseph Nguyễn Năng (oben im Bild), getroffen.

Szenenwechsel. In der vergangenen Woche trafen sich die deutschen Bischöfe. Der Vorsitzende der Konferenz gab zu Beginn schon seine Erschütterung über die Wahl in Sachsen-Anhalt kund und auch in der Abschlusspressekonferenz nahm die Möglichkeit einer AfD-Regierung breitesten Raum ein. Es herrscht blanke Angst davor, was ein Ministerpräsident Ulrich Siegmund in Magdeburg wohl mit der Kirche anrichten könnte. Interessant war die Aussage, dass nämlich wohl in Sachsen-Anhalt nahezu jeder zweite die AfD gewählt habe, aber niemand mit Vertretern der Kirche darüber reden wolle. Hätte es eines weiteren Beweises bedurft, wie hoch der Elfenbeinturm ist, den die Bischöfe in Deutschland bewohnen, da wäre er denn. Warum wohl reden Menschen nicht über ihre Wahlentscheidung, wenn kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die erkennen lassen, dass sie die AfD unterstützen oder für die AfD kandidieren in kirchlichen Firmen direkt mit der Kündigung rechnen müssen, wie jüngst mehrfach in Niedersachsen geschehen. Der Mainstream, dem sich auch die Kirche in unserem Land angeschlossen hat, reagiert maximal repressiv auf jeden, der sich als Sympathisant der Blauen äußert.

Weitere Schwerpunkte waren zum einen die Bioethik und zum anderen die KI. Es gab eine Pressekonferenz zu assistiertem Suizid, Leihmutterschaft und Organspende. Während die Stellungnahmen zu den ersten beiden Punkten gut und nachvollziehbar waren, setzte sich das Defizit der Kirche in Sachen Organspende fort, indem man einfach weiterhin über das umstrittene und hochproblematische Hirntodkriterium schwieg. Bei einer Organspende wird das Organ nicht einem toten Menschen, sondern einem sterbenden Menschen entnommen, der bei der Entnahme der Organe sogar noch anästhesiert wird. Das daraus entstehende ethische Dilemma wird von deutschen Bischöfen seit Jahren beschwiegen und es wird stattdessen unreflektiert für Organspende geworben.


Ein weiterer Schwerpunkt war die KI. Dazu gab es einen Studientag und ein Pressekonferenz. Heiner Wilmer stellte im Zusammenhang mit KI die unverrechenbare Würde des Menschen ins Zentrum und warnte davor, Verantwortung an Algorithmen zu delegieren. KI müsse politisch so geregelt werden, dass Entscheidungen nachvollziehbar und korrigierbar bleiben. Kardinal Reinhard Marx stellte fest, KI könne Recherche und Kommunikation verbessern, zugleich aber Desinformation, Manipulation und Machtkonzentration bei großen Tech-Konzernen verstärken. Deshalb fordert er Qualitätsjournalismus, Medienbildung und klare Regeln für Plattformen und Anbieter. Erzbischof Udo Markus Bentz betrachtet KI aus Sicht der katholischen Soziallehre und verband sie mit Fragen von Macht, Arbeit, Ressourcen, Menschenrechten und Krieg. Entscheidend sei nicht nur, was technisch möglich ist, sondern wer über die Systeme verfüge, wer profitiert und wer die Folgen trage.

Beide Punkte brachten nichts fundamental Neues zutage, das Medieninteresse war eher mau. Ein weiterer Höhepunkt der Vollversammlung war die Neuordnung der Kommissionen und deren Besetzung. Die Zahl der Kommissionen wurde reduziert, was wohl mit den Sparmaßnahmen der Konferenz und des Sekretariats zusammenhängt. Interessant sind einige der Personalentscheidungen. So wurde Franz-Josef Overbeck Vorsitzender der Glaubenskommission. Overbeck hatte sich in einem Brief an die Pfarreien seines Bistums für eine Änderung der Sexualmoral der Kirche und eine Neubewertung der Homosexualität ausgesprochen. Mithin hat der Oberhirte von Essen zu erkennen gegeben, dass er in einigen Fragen in erheblicher Spannung zur Lehre der Kirche steht. Nicht die optimale Voraussetzung für den Posten, sollte man denken. Vorsitzender der neuen Kommission Familie, Jugend und Bildung wurde Stefan Heße. Er hat in seinem Erzbistum ein wahrhaft skandalöses sexuelles Bildungskonzept für die katholischen Schulen in Kraft gesetzt. Das Papier hat scharfe Proteste von Gläubigen, insbesondere von Eltern von Schülern an katholischen Schulen, nach sich gezogen und sogar zu einer römischen Intervention geführt. Diese wird allerdings vom Erzbischof konsequent ignoriert. Der Hamburger Oberhirte und seine Mitarbeiter verweigern – sehr synodal(!) – den betroffenen Eltern jeden Dialog. Mit dieser Personalie hat die Konferenz der deutschen Bischöfe den katholischen Eltern in Hamburg eine schallende Ohrfeige verpasst.

Der Mainzer Peter Kohlgraf wurde Vorsitzender der Kommission für Missionarische Pastoral und kirchliche Dienste. Kohlgraf hatte erst jüngst in einem Interview den Aspekt der Neuevangelisierung als Problem angesehen. Nun ist er für dieses „Problem“ zuständig und kann mutig dagegen arbeiten. Ferner hatte Kohlgraf im August öffentlich verlautbart, er werde auch nach der Weisung aus Rom an der illegalen Praxis der Laienpredigt in seinem Bistum nichts ändern. Das ist doch ebenfalls eine herausragende Voraussetzung für diese Aufgabe und ein im hohen Bogen geworfener Fehdehandschuh in Richtung Rom. Der frühere Vorsitzende der Konferenz, Georg Bätzing, übernahm den Vorsitz der Medienkommission, was auch für die medienpolitische Ausrichtung der Kirche nichts Gutes ahnen lässt. Insgesamt wurden vorwiegend Bischöfe zu Vorsitzenden der Kommissionen gewählt, die radikale, teils schismatisch oder häretisch anmutende Reformvorstellungen im Rahmen des Synodalen Weges und danach haben erkennen lassen. Die romkritische Ausrichtung der Deutschen Bischofskonferenz hat sich in Gestalt der Kommissionsvorsitzenden so extrem manifestiert, dass man von einer Kampfansage sprechen könnte. Immerhin sind es diese Bischöfe, die im weltkirchlichen Kontext Ansprechpartner für die jeweiligen Themen sind.

Migration ist immer ein Thema, denn die Kirche gehört zu den größten Playern und Profiteuren der Einwanderung. Die katholische Kirche in Deutschland habe, so der Vorsitzende in der Abschlusspressekonferenz von 2015 bis 2025 mindestens 1,1 Milliarden Euro für die Flüchtlingshilfe aufgewendet, davon etwa 60 Prozent im Ausland, 40 Prozent hierzulande. Wilmer betonte: „Das kirchliche Engagement für Geflüchtete und Migranten ist weiter lebendig! Allein im vergangenen Jahr konnten über 443.000 schutzsuchende Menschen in Deutschland durch die Dienste der katholischen Kirche erreicht werden.“ Zwei Dinge erwähnte der Vorsitzende der DBK nicht: Zum einem, wie viel Geld katholische Hilfswerke seit 2015 mit der Migration und ihren Dienstleistungen in der Sache aus staatlichen Zuwendungen, das sind Steuergelder der Bürger, eingenommen haben. Zum anderen schweigen Bischöfe nur allzu gerne über die massive Zunahme der Kriminalität durch eine unkontrollierte Migration. Die Opfer sind in der Hauptsache Frauen, und um die Frauen ist man im Gegenzug bei innerkirchlichen Ämtern erstaunlich rege bemüht.

Stattdessen erklärte Wilmer, die politischen Debatten rund um Fragen von Migration und Flucht würden heute oft von Zerrbildern bestimmt. Der Ton sei rauer geworden, der Ruf nach immer weiteren Restriktionen gelte manchen als „Allheilmittel“ zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Stattdessen monierte er, hätte angesichts deutlich gesunkener Asylantragszahlen der Zuspruch für rechtspopulistische und rechtsextreme Kräfte dramatischen Zuwachs erfahren. Eine solche Ignoranz gegenüber einer Gesellschaft, in der die Gewaltkriminalität im öffentlichen Raum massiv zunimmt, die Sozialsysteme unrettbar überlastet sind und eine auch nur halbwegs funktionierenden Integration der Zuwanderer schon jetzt nicht mehr zu erreichen sein wird, macht einfach nur noch atemlos. Auch die Rolle des eingewanderten Islamismus mit seinen multiplen Bedrohungen der deutschen Zivilbevölkerung einschließlich eines neuerdings hoffähigen Antisemitismus im Zuge der „Free Palestine“- Bewegung wird einfach ignoriert.

Niemand will einen Menschen in Not vor die Tür setzen und niemand mit Herz und Verstand bezweifelt die Würde eines jeden Migranten. Die Hilfsbereitschaft gerade des deutschen Volkes war und ist geradezu beeindruckend. In dem Moment jedoch, in dem das Stadtbild kippte und die finanzielle wie auch gesellschaftliche Überforderung für jeden sichtbar wurden, haben weder die Politik noch andere maßgebliche Organisationen reagiert und wirksam gegensteuert. Und nun wundern sich die Elfenbeinturmbewohner, wenn sich die Menschen von ihren Repräsentanten im Stich gelassen fühlen und sich anderen politischen Kräften zuwenden? Statt damals rechtzeitig ein maßvolles Handeln anzumahnen, wie es ihnen angestanden hätte, schließt sich die Kirche jetzt der allgemeinen Wählerbeschimpfung an. Es ist gruselig, das mitansehen zu müssen, denn die Menschen lassen es sich nicht mehr gefallen und kehren einer Kirche, die sie auf der ganzen Linie im Stich lässt, weiter und in immer größerer Zahl den Rücken.

Es war geradezu erhellend, sich innerhalb weniger Tage mit zwei Bischofskonferenzen beschäftigen zu müssen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Denn auch in Vietnam hat man sich im Rahmen der Vollversammlung mit den Berichten verschiedener Kommissionen, darunter der für Evangelisierung, Kommunikation, Liturgie, Bibel, Priester und Seminaristen, Glaubenslehre und Laien beraten. Es wurde auch über die pastorale Situation der Kirche im heutigen Vietnam gesprochen. Dabei verwendeten die Bischöfe ausdrücklich die Methode des „Dialogs im Heiligen Geist“, wie man sie vom weltweiten synodalen Prozess kennt. Es war spannend, einen Blick auf das Land werfen zu dürfen. Trotz der für Christen heftigen Diaspora mit gut sechs Prozent Katholiken, hat Vietnam trotzdem die fünftgrößte katholische Bevölkerung in Asien. Mit Hirten, die sie so stärken und fördern, haben sie durchaus einiges an Potential.

Das Wichtigste am Schluss: Die vietnamesischen Bischöfe beendeten ihre Konferenz mit einen Brief an die Gläubigen, der auch tatsächlich den Charakter einer Stärkung im Glauben hat. Der Pastoralbrief an die Familien ist dabei ungeheuer gehaltvoll und fordert die Katholiken deutlicher heraus. Das Pressestatement des Vorsitzenden am Ende der Vollversammlung der deutschen Bischöfe ist so, dass man als normaler Gläubiger, so man überhaupt davon erfährt, direkt entmutigt weiterklickt. Nicht nur wer das als Katholik beruflich verfolgen muss, denkt schon wieder mit Grauen an die Frühjahrsvollversammlung.


 

Bild oben: Der Vorsitzende der Vietnamesischen Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Nguyễn Năng, Erzbischof von Ho-Chi-Minh-Stadt. Foto: ©Giáo phận Thanh Hóa mit freundlicher Erlaubnis.


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Lesermeinungen

 Versusdeum 7. Oktober 2026 
 

@Ulrich Motte

Der gewohnt brillante @Peter Winnemöller meint offensichtlich nicht irgenwelche Mehrheiten oder lokale Meinungen / Verirrungen, sondern jene Gläubigen, die sich an den Lehren Gottes / Jesu sowie seiner Apostel und seiner Kirche als unsere "Norm" orientieren.


1
 
 Ulrich Motte 6. Oktober 2026 
 

Nur Frage, keinerlei Behaurtung

Was verstehen Sie, verehrter Herr Winnemöller, unter einem "normalen Katholiken" in der BRD. Sie schreiben ja von dem. Glaubt und lebt der nach der Norm, etwa dem Katechismus, oder nach der Norm der deutschen Bischofskonferenz7 ? Oder ist der "normal" im Sinne von üblich, also denkt und lebt wie wohl die Mehrheit der Katholiken in der BRD?


0
 
 Paddel 6. Oktober 2026 

Tröstlich und erschreckend zugleich

sind die Worte des Hl. Paulus.

Offensichtlich waren die Zustände damals so wie heute auch.

Der Kampf ist immer der Selbe es ändern sich nur die Protagonisten...


2
 
 Versusdeum 6. Oktober 2026 
 

Eine Bankrotterklärung der DBK

Dieser erschreckenden Analyse ist nichts mehr hinzuzufügen. Nur noch die Frage, ob es vielleicht bereits hebeichtet werden muss, wenn man diesen Mietlingen und Wölfen immer noch Kirchensteuer bezahlt. Und die Frage ist durchaus ernstgemeint.


1
 
 SarahK 5. Oktober 2026 
 

@Paddel, jawohl

Hatte mich heute auch bei der Lesung gefragt ob der Dorfpfarrer 2 überhaupt zuhört und ja generell ob die Amtskirche überhaupt die Paulus Briefe und das Evangelium noch kennt.


2
 
 SalvatoreMio 5. Oktober 2026 
 

Galater 1,9: "wer ein anderes Evangelium verkündet - er sei verflucht!"

@Paddel: was Herr Winnemöller uns hier in seiner gut bekannten Gründlichkeit wissen lässt (ihm gebührt großer Dank!) ist so verheerend, dass mir dazu nur noch einfällt: man muss wohl nicht länger auf das Wunder hoffen, dass von unserer Bischofskonferenz in näherer Zukunft etwas Sinnvolles übermittelt wird, das mit dem Evangelium zu tun hat. - Dringend gesprächsbedürftig wären die groben Fehler bzw. Nachlässigkeiten etlicher Priester bei der Feier der Eucharistie! Dass wir auch unter akutem Priestermangel leiden, aber um "Arbeiter für den Weinberg" nach wie vor kaum gebetet wird, müsste auch bekannt sein und geahndet werden. - Diese und ganz konkrete seelsorgerliche Mängel spielen bei bischöflichen Zusammenkünften aber offenbar keine Rolle, wenn man obigen Artikel betrachtet. - Wie anders das Programm der vietnamesischen Bischofskonferenz. Deren Programmpunkt: „Jede katholische Familie ist eine missionarische Gemeinschaft“, müsste bei uns dringend angegangen
werden.


2
 
 Paddel 5. Oktober 2026 

Verflucht(...)

Schwestern und Brüder! Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet.
Es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen.
Jedoch, auch wenn wir selbst oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündeten als das, das wir verkündet haben – er sei verflucht.
Was ich gesagt habe, das sage ich noch einmal: Wer euch ein anderes Evangelium verkündet im Widerspruch zu dem, das ihr angenommen habt – er sei verflucht.
Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen oder geht es mir um Gott? Suche ich etwa Menschen zu gefallen? Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi.


4
 

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