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Wieder Festmesse in historischer armenischer Kathedrale

9. September 2018 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Zahlreiche Gläubige aus Istanbul, aus Armenien und aus der Diaspora werden auf der Insel Akhtamar im Van-See erwartet.


Istanbul (kath.net/ KAP)
In der historischen armenisch-apostolischen Kathedrale Surp Khatsch (Heiliges Kreuz) auf der Insel Akhtamar (Akdamar) im ostanatolischen Van-See wird am kommenden Sonntag wieder eine feierliche Festmesse stattfinden. Der Verwalter des armenisch-apostolischen Patriarchats Konstantinopel, Erzbischof Aram Atesyan, wird der Zelebrant sein. Erwartet werden zahlreiche armenische Gläubige sowohl aus Konstantinopel als auch aus Armenien und aus der Diaspora. Nach der Restaurierung der Kathedrale - die offiziell als "Museum" gilt - hatten in den Jahren 2010 bis 2014 jeweils zum Fest Kreuzerhöhung wieder Messfeiern in Surp Khatsch stattgefunden. In den Jahren 2015 bis 2017 war das wegen der in Ostanatolien wieder aufgeflammten Aktivität der PKK nicht möglich.

Erzbischof Atesyan sagte jetzt im Gespräch mit der Agentur "Anadolu", er sei der AKP-Regierung dankbar, dass die Kathedrale ab 2005 restauriert wurde und das türkische Kulturministerium dem Patriarchat das Recht auf eine alljährliche Messfeier im September einräumte. Die Regierung habe einen "stärkeren Staat" aufgebaut, der es sich leisten könne, den Minderheiten Rechte einzuräumen, die "Tabus" früherer Jahrzehnte seien gefallen, man könne Kirchen restaurieren und auch neue bauen. Akhtamar sei ein "geschichtlicher Ort" sowohl für die Armenier als auch für die ganze Welt, so Atesyan laut einem Bericht des Pressediensts der Stiftung "Pro Oriente" vom Freitag.


2014 war der Festgottesdienst in Surp Khatsch besonders feierlich: Als Gäste aus der Ökumene waren der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. und der syrisch-orthodoxe Patriarchalvikar von Istanbul, Metropolit Filüksinos Yusuf Cetin, bei der Liturgie anwesend. Damit sollte ein Zeichen des Miteinanders der ostkirchlichen Christen in Kleinasien gesetzt werden.

Die Kathedrale - eines der weltweit bedeutendsten Werke der christlichen Baukunst - wurde in den Jahren von 915 bis 921 von dem Architekten und Bildhauer Manuel im Auftrag des damaligen Königs von Vaspurakan, Gagik I. aus dem Geschlecht der Ardsruni, errichtet. Sie bildete das Herzstück einer königlichen Residenz und einer kleinen Stadt auf der Insel Akhtamar. Die Außenwände der Kirche sind reich mit Reliefs verziert, die Episoden aus dem Alten und Neuen Testament, aber auch Szenen aus dem Alltagsleben darstellen. Ein derart reicher Skulpturenschmuck war zur damaligen Zeit sonst unbekannt. Im Westen setzte die Entwicklung der Bauskulptur erst etwa 100 Jahre später ein. Im Inneren der Kathedrale sind die Wände mit eindrucksvollen Fresken geschmückt. Wegen ihres innovativen Bauplans, der Elemente einer Kreuzkuppelkirche und einer Basilika vereinigt, und dem bahnbrechenden Reliefschmuck ist die Kirche von außerordentlichem künstlerischen Wert.

Bis zu den Armenier-Massakern der Jahre 1894/96 unter Sultan Abdulhamid II. diente Surp Khatsch ab dem 12. Jahrhundert als Kathedrale für den armenisch-apostolischen Katholikos von Akhtamar. Nach dem Tod des letzten Katholikos Khatschatur III. (1864-1895) blieb der Sitz vakant, ein "locum tenens" verwaltete ihn. 1910 gehörten zum Katholikosat von Akhtamar zwei Diözesen im östlichen Anatolien mit mehr als 100.000 Gläubigen in 200 Gemeinden mit insgesamt rund 270 Kirchen.

Als die vom jungtürkischen "Komitee für Einheit und Fortschritt" (Ittihad ve Terakki) gestellte osmanische Regierung 1915 den Völkermord an den Armeniern inszenierte, gehörte das Katholikosat von Akhtamar zu den ersten Opfern. Bereits am 30. April 1915 wurde das Kloster zerstört, die Kathedrale wurde geplündert, die Mönche wurden getötet. Ob die Täter Soldaten, Gendarmen oder Angehörige der berüchtigten "Spezialorganisation" (Teshkilat-i-Mahsusa) waren, lässt sich nicht mehr feststellen. Im August 1916 bestätigte der Sultan den Beschluss des osmanischen Religions- und Justizministeriums zur Verschmelzung der armenisch-apostolischen Katholikosate und Patriarchate von Akhtamar, Sis in Kilikien, Konstantinopel und Jerusalem und die Zuweisung von Jerusalem als dem neuen Sitz des "Katholikos-Patriarchen" aller osmanischen Armenier.

2005 beschloss die türkische Regierung die Restaurierung der im Verfall begriffenen Kathedrale. Am 29. März 2007 wurde sie - aber ohne christliches Kreuz - als Museum wiedereröffnet. Nach langen Diskussionen wurde Anfang Oktober 2010 ein zwei Meter großes und 110 Kilo schweres Kreuz auf die Kuppel der Kathedrale gesetzt.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


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