Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Freikirche oder katholische Kirche? Überlegungen eines Konvertiten
  2. Bischof Wilmer: "Wir wollen keinen deutschen Sonderweg"
  3. Wie wird das „pro multis“ im neuen Messbuch übersetzt werden?
  4. „Brot für die Vögel?“ – Können Protestanten zur Hl. Kommunion zugelassen werden?
  5. Bätzing gegen Papst Leo
  6. Steigende Zahl erwachsener Taufbewerber in ostdeutschen Städten, aber...
  7. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  8. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  9. Kardinal Fernández räumt geringes Interesse an seinem Dokument über Mission ein
  10. Priester spendete bei Zugunglück in Spanien die Generalabsolution, tröstete Opfer und Angehörige
  11. Revision des Messbuchs geht in nächste Phase - Erprobung 2027 geplant
  12. „Wir werden erwartet“
  13. Auf zu den Friedhöfen! Wir bitten für unsere Verstorbenen um Gottes Gnade!
  14. ‚Entschuldigung, aber … was?‘
  15. Wie Halloween begann: Das Fest wurzelt in einem großen Exorzismus

Irak: Kirchenbau für die Hoffnung

7. August 2020 in Weltkirche, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Sechs Jahre nach den IS-Eroberungen geht der Wiederaufbau in der Ninive-Ebene weiter


Wien-München (kath.net/KIN)

„Viele Christen fühlten sich bei ihrer Rückkehr entmutigt, als sie die Kirche zerstört vorfanden. Als der Wiederaufbau begann, schöpften sie neue Hoffnung, dass die Schönheit des Gotteshauses auch das Gemeindeleben wiederbeleben wird“, erklärte der syrisch-katholische Priester Ammar Yako im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Er beaufsichtigt den Wiederaufbau der zerstörten Al-Tahira-Kirche in Karakosch. Der Ort in der Ninive-Ebene wird von den Christen auf Aramäisch auch Baghdeda genannt.

Die der Unbefleckten Empfängnis Mariens geweihte Kirche ist eines der größten und bedeutendsten Gotteshäuser im Irak, so wie auch Karakosch über Jahrhunderte die größte christliche Stadt des Landes war – bis zum 06. August 2014: Damals eroberten die Kämpfer des sogenannten „Islamischen Staates“ die Region um Mossul und machten Karakosch und weitere Ortschaften nahezu dem Erdboden gleich. „Beim Angriff des IS wurde die Kirche in Brand gesteckt und geplündert. Die Terroristen sprengten auch den Kirchturm“, erzählt Yako.

 

Aus der Lourdes-Grotte wurde ein Schießstand

Rund 120 000 Christen aus der Ninive-Ebene mussten über Nacht fliehen. Die meisten von ihnen fanden Zuflucht in und um Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan. In Karakosch verwendeten die IS-Besatzer die Lourdes-Grotte im Hof der Kirche als Schießstand. Sie verbrannten Gebetbücher und Handschriften. „Es gab in der Kirche ein Kreuz aus reinem Silber, das eine Reliquie vom Kreuz Christi enthielt. Die Terroristen haben es vermutlich gestohlen. Ein wertvolles Gemälde der Jungfrau Maria wurde verbrannt“, beklagt der Priester. Was die Terroristen nicht zerstörten, erledigten Raketenangriffe und Unwetter.


Zwei Jahre ging das so, bis im Herbst 2016 irakische Truppen und ihre Verbündeten die Region zurückerobern konnten. Zigtausend vertriebene Christen kehrten in ihre alte Heimat zurück. In Karakosch sind rund die Hälfte der einst über 11 000 christlichen Familien wieder da. Das zeigen die neuesten Daten, die das Wiederaufbaukomitee für die Ninive-Ebene veröffentlicht hat. „Kirche in Not“ hatte es mit den lokalen christlichen Kirchen aus der Taufe gehoben. Zusammen mit anderen Organisationen wurden seit 2016 zehntausende Wohngebäude wiederhergestellt.

Kirchen werden wieder Zentren des öffentlichen Lebens

Nun sind in einem nächsten Schritt Kirchen, Kindergärten, Gemeindezentren und Pfarrhäuser dran. Wieder kommt das Geld maßgeblich von „Kirche in Not“. Ammar Yako erklärt die tiefe Bedeutung hinter dem Projekt: „Der Wiederaufbau der großen Al-Tahira-Kirche ermutigt die Christen, in ihrer Heimat zu bleiben. Die Kirche wurde 1947 geweiht. Vorher stand hier schon ein Vorgängerbau, der ebenfalls der Jungfrau Maria geweiht war. Jeder Christ hat hier das Gefühl, dass diese Kirche Teil seiner Geschichte und seines kulturellen Erbes ist.“

Der Wiederaufbau ist auch aus künstlerischer Hinsicht bedeutsam: Das Kirchendach ruht auf 22 aus einem Stück gehauenen Marmorsäulen aus Mossul. Sie wurden einst als „Juwelen“ des Kirchengebäudes bezeichnet, nun aber haben sie durch Brände und Beschuss tiefe Risse bekommen. Das war auch einer der Gründe, warum die Kirche 2018 für öffentliche Gottesdienste geschlossen werden musste. Auch die Bögen und Säulen im Altarraum drohten einzustürzen. Mittlerweile sind die Sicherungsmaßnahmen dort weit fortgeschritten.

 

Erinnerung an Terror bewahren und zeigen

„Der Wiederaufbau ist auch deshalb wichtig, weil in der Al-Tahira-Kirche die syrisch-katholische Gemeinschaft Würdenträger und Delegationen empfängt, die in der Region zu Gast sind“, erklärt der mit der Bauaufsicht betraute Priester. Mit den Fortschritten ist er so weit zufrieden, auch wenn Corona den Fortschritt ausgebremst hat. Deshalb sind in diesem Jahr auch keine größeren Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag der Vertreibung geplant. Der Wiederaufbau geht einfach weiter. „Wir sind derzeit an Dach und Gewölbe. Als nächstes kommen Portal und Turm dran, zuletzt der Altar“, erklärt Yako.

Es geht weiter: Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft – allen Unsicherheiten zum Trotz. Denn viele Christen fürchten eine Rückkehr des IS, fühlen sich von muslimischen Milizen drangsaliert oder durch die Politik vergessen. Doch ihre Ziele bremst das nicht, wie Ammar Yako erklärt: „Mögen die Mauern der Al-Tahira-Kirche bald vom Gebet der Gläubigen widerhallen! Wir hoffen, dass wir in einem separaten Raum religiöse Gegenstände ausstellen können – aber auch die Wandschmierereien, die der IS hinterlassen hat. Die Welt soll sehen, was der Terrorismus uns allen angetan hat.“

Foto: Renovierungsarbeiten in der Al-Tahira-Kirche. © Kirche in Not


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kirche

  1. Das kirchliche Amt zwischen Wahrheit und Selbstreferenz – Vom Selbstausdruck zum Christuszeugnis
  2. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  3. Warum kein einfach gläubiger Katholik „Laienpredigten“ in der heiligen Messe braucht
  4. „Je besser die zentralen Ämter der Kirche geführt werden, desto größer der Nutzen für die Kirche“
  5. Woelki: „Herr, offenbare du deinen Willen für deine Kirche, das ist der Kernsatz aller Synodalität“
  6. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  7. Erzbistum Brisbane/Australien: Messbesucherzahlen wachsen seit drei Jahren

Irak

  1. Irakischer Bischof: Christen blicken mit großen Sorgen in die Zukunft
  2. Nordirak: Angespannte Sicherheitslage in der Ninive-Ebene
  3. Irakischer Erzbischof: Leben in Mosul normalisiert sich
  4. Irak: Erzbischof befürchtet „schwerwiegende Folgen“
  5. Irak: Kirche würdigt muslimische Rettungsaktion von Christinnen
  6. Kardinal: Wiederaufbau des Irak braucht "Kultur des Respekts"
  7. „Kirche in Not“ startet neues Großprojekt im Irak







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. „Wir werden erwartet“
  3. Leo XIV. drängt auf internationale Regeln für Künstliche Intelligenz
  4. Papst baut Sekretariat der weltweiten Synode um
  5. Papst dankt Mercedes für "100 Jahre Papamobil"
  6. „Der Kurierfahrer steuerte die falsche Tür an und landete versehentlich in der Kathedrale“
  7. Vatikan warnt vor ‚Extremismus‘ und ‚Spaltung‘ durch Knien beim Kommunionempfang
  8. Priester spendete bei Zugunglück in Spanien die Generalabsolution, tröstete Opfer und Angehörige
  9. „Die ‚Irish Times‘ hat den 3293. Artikel von jemandem veröffentlicht, der nicht mehr zur Messe geht“
  10. Ulf Poschardt warnt vor Islamismus: Erst sind die Synagogen dran, dann die Christen
  11. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  12. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  13. Papst Leo beantragte Briefwahl-Unterlagen für die Midterms - Papst hat tatsächlich gewählt!
  14. „Mit der Unterstützung meiner Schwiegereltern verließ ich eine nicht-sakramentale Beziehung“
  15. Drei Stunden im Fegefeuer

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz