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Warum kein einfach gläubiger Katholik „Laienpredigten“ in der heiligen Messe braucht

10. März 2026 in Kommentar, 35 Lesermeinungen
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„Einfach gläubige Katholiken, zu denen auch Gelehrte zählen, wünschen sich eine Predigt, die mit dem Glauben der Kirche aller Zeiten und aller Orte übereinstimmt und das Evangelium sachgerecht in der Welt von heute auslegt.“ Von Dr. Thorsten Paprotny


Hannover (kath.net) Was nach dem verbindlich gültigen römischen Kirchenrecht normativ geboten ist – auch in der Kirchenprovinz Deutschland –, wird bekanntlich faktisch vielerorts unterlaufen oder aus vermeintlich pastoralen Gründen übersehen: Die Homilie, also die Auslegung des Evangeliums in der heiligen Messe, ist gemäß Can. 767 § 1 dem Priester oder dem Diakon vorbehalten, damit also einem geweihten Amtsträger. Das mag als Diskriminierung von Weltchristen verstanden. Es ist aber mitnichten so, denn ein solches weltliches Ausschlussprinzip hat in der römisch-katholischen Kirche keinen Platz, auch wenn es von Einzelnen so erlebt werden mag. 

Vielerorts gibt es Klagen über eine bestimmende Lebenswirklichkeit in der Kirche, nämlich uninspirierte Predigten, über geistliche Lauheit oder auch über kirchenpolitische Schwatzhaftigkeit, bei der dann die Homilie zu einer Stätte der Selbstbespiegelung wird. Ich kann jeden verstehen, der darunter stöhnt und leidet. Manchmal findet eine geradezu verheerende freisinnige Exegese statt, bei der sich die Auslegung des Evangeliums vollständig von dem auszulegenden Text entfernt und mitunter, in seltenen Fällen, die Gestade der Häresie und auch der Apostasie erreicht. Die gläubige Hörerschaft mag sich damit trösten, dass derjenige, der das Wort Gottes verkündet und auslegt, auch von dem Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, geschnitten wird – und dies auch dann, wenn er selbst nicht daran glaubt oder damit rechnet.

Der Herr der Kirche ist eben nicht der Ortspfarrer oder irgendein zur Zelebration bestellter Gastpriester. Der, der zur Homilie bestellt ist, hat nie das letzte Wort, darf und wird es auch nicht haben, selbst wenn er das im Augenblick der Verkündigung vergisst. In der Kirche Gottes, und dies auch vor Ort, waltet der Heilige Geist in allem – und dies trotz aller lehramtswidrigen Meinungsbekundungen und subjektiven Machtmissbräuche von Amtsträgern –, und wer das Walten des Heiligen Geistes konsequent und hartnäckig bestreitet, begeht eine Sünde wider den Heiligen Geist, die bekanntlich nicht vergeben werden kann. Darüber zu richten, das ist Sache eines anderen, und zwar des Herrn, auf dessen Richtspruch alles ankommt.


Natürlich bleiben Missbräuche bei der Predigt trotzdem korrekturbedürftig, und das liegt allein in der Verantwortung des diözesanen Oberhirten, nicht in der Verantwortung des leidenden Gliedes einer Pfarrgemeinde. Die Homilie soll den Glauben der römisch-katholischen Kirche verständlich machen. Im Kirchenrecht ist das präzise dargelegt, can. 767, § 1: „Unter den Formen der Predigt ragt die Homilie hervor, die Teil der Liturgie selbst ist und dem Priester oder dem Diakon vorbehalten wird; in ihr sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen.“ Wer Letzteres nicht tut und vielleicht statt der verbindlich gültigen Morallehre der Kirche die Fantasien des deutsch-synodalen Weges vorträgt, macht etwas grundlegend falsch, aber selbst das ist kein Grund, um einem möglicherweise begabten, der Lehre der Kirche ohne Wenn und Aber verbundenen Weltchristen die Homilie zu überlassen. 

Wir dürfen also nicht vergessen: Natürlich gibt es, nicht nur in der Kirchenprovinz Deutschland, sondern überall auf der Welt, Laien – ungeachtet, welches Amt sie bekleiden, oder ob sie jenseits aller kirchlichen Ämter stehen, wie etwa ein romtreuer Theologe –, die theologisch kundiger und den zeitgeistlichen Versuchungen gegenüber resistenter sind als mancher zelebrierende und predigende Priester. Das ist aber niemals ein hinreichender Grund dafür, dass Weltchristen wie ebendiese die Homilie in einer heiligen Messe halten. Ein romtreuer Katholik, der darum gebeten wird, wird sich weigern, eine Homilie in der heiligen Messe zu halten, sondern wie jeder einfach gläubige Katholik das tun, was geboten ist, seiner Berufung entsprechend, und ggf. auch an der Predigt leiden. Das gilt für Katholiken ohne jede akademische Bildung ebenso für die im Glauben der Kirche verwurzelte Exegeten ohne priesterliche Berufung. Niemand bestreitet, dass viele Homilien langweilig und einige schlicht unerträglich sind. Das aber ist kein Grund für selbstgewisse Ignoranz oder deutsche Überheblichkeit gegenüber dem Kirchenrecht. Die Passionsgemeinschaft mit dem Herrn kann auch in der Eucharistiefeier erfahren werden, nicht nur bei liturgischen Missbräuchen, sondern auch bei schlechten Homilien. 

Die Laienpredigt aber ist auch jetzt grundsätzlich durchaus erlaubt, etwa in einer Andacht, gemäß can. 766: „Zur Predigt in einer Kirche oder einer Kapelle können, nach Maßgabe der Vorschriften der Bischofskonferenz und vorbehaltlich von can. 767, § 1, Laien zugelassen werden, wenn das unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist.“ 

Für diese Predigten gilt ebenso: Sie sind weder bloß subjektive Statements, wie authentisch diese auch immer mitgeteilt werden, noch persönliche Darbietungen, sondern stets gebunden an den Glauben der Kirche aller Zeiten und aller Orte. Die Laienpredigt ist also statthaft, nur nicht in der Eucharistiefeier – und diese kirchenrechtliche Regelung diskriminiert niemanden. Wer das subjektiv anders erlebt, erlebt das anders, das ist zulässig oder unvermeidlich, aber ein subjektives Erleben ist und bleibt auch nicht mehr als ein subjektives Erleben. Es ist im Letzten ohne jede Bedeutung. 

Einfach gläubige Katholiken, zu denen auch Gelehrte zählen, wünschen sich nichts mehr als eine Predigt, die mit dem Glauben der Kirche aller Zeiten und aller Orte übereinstimmt und das Evangelium sachgerecht in der Welt von heute auslegt. Es geht bei der Verkündigung um die Auslegung der Frohen Botschaft unseres Herrn Jesus Christus, um nichts anderes, und in der Feier der heiligen Messe ist und bleibt dies die Aufgabe der geweihten Diener des Herrn, für die wir beten dürfen und beten sollten.

Dr. Thorsten Paprotny (siehe Link) lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Der Autor vieler Bücher publizierte bsp. den Band "Theologisch denken mit Benedikt XVI.".

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