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Kardinal: Wiederaufbau des Irak braucht "Kultur des Respekts"

10. April 2021 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Chaldäer-Patriarch Sako erneuert Aufruf zu Schaffung einer Zivilverfassung mit Trennung von Kirche und Staat - Nationale Einheit durch mehr Dialog zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Religionen stärken.


Rom/Bagdad (kath.net/ KAP)

Der chaldäische Patriarch Kardinal Louis Raphael I. Sako hat dazu aufgerufen, die Impulse des jüngsten Papstbesuchs im Irak zu nutzen, um "eine neue Seite der Versöhnung" in der Geschichte des Landes aufzuschlagen. Ziel müsse der Aufbau einer "Kultur des Friedens, der Brüderlichkeit, der Solidarität und des Respekts" sein, die "sektiererischen Hass, Streitigkeiten und Konflikte" ein für alle Mal ablehnt, zitieren unter anderem die Portale "Asianews" und "Crux" aus einem Schreiben Sakos an die Menschen im Irak und die Völker des Nahen Ostens. Die zerfallenden Institutionen des Landes müssten wiederaufgebaut und Vertriebenen die Rückkehr in ihre Häuser ermöglicht werden, so der Kardinal.

Ausdrücklich sprach sich Sako in seiner Botschaft erneut für die Schaffung einer Zivilverfassung mit gleichen Bürgerrechten, Gerechtigkeit und Gesetzen für alle Menschen im Irak aus. Es sei an der Zeit "die Religion vom Staat zu trennen und einen zivilen Staat aufzubauen", schlug der Chaldäer-Patriarch vor. Ein solcher Staat, der die Religions- und Kultusfreiheit für alle Iraker gleichermaßen garantiere, sei eben "nicht religionsfeindlich, sondern respektiert alle Religionen".


Der von Papst Franziskus auch im Irak geäußerte Aufruf zur menschlichen Geschwisterlichkeit in aller Vielfalt, sei Ziel aller Gesellschaften und Religionen und entscheidend, um Extremismus und Hass zurückzuweisen. "Es gibt kein Problem den Einzelnen, seiner Religion und seinen Traditionen zu folgen, solange er die Religion des anderen Bruders respektiert, ihn nicht als Ungläubigen behandelt oder ihn verrät, ausschließt oder ausgrenzt", betonte Sako.

Um die "Viren von Terrorismus und Extremismus" zu bekämpfen, schlug der Kardinal unter anderem Veranstaltungen, Kampagnen und die Schaffung eines auf interreligiösen Dialog spezialisierten Zentrums vor, um religiöses Wissen zu fördern und "die Ursachen von Fehlinformationen zu korrigieren", die den "Respekt vor der Vielfalt" behinderten. Auch in den Schulen sollten entsprechende Schwerpunkte gesetzt werden. "Uns eint viel mehr, als uns trennt", hielt Sako fest.

Neben der Stärkung der nationalen Einheit durch mehr Dialog zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Religionen schlug Patriarch Sako für den wirtschaftlichen Aufbau des Iraks auch Initiativen zur Wiederbelebung des Tourismus vor. "Der Irak ist ein großes Museum der sumerischen, babylonischen, chaldäischen, assyrischen, christlichen und muslimischen Zivilisationen", erinnerte der Kardinal und rief zur Restaurierung archäologischer Stätten und Erhaltung religiöser Pilgerorte auf.

Konkret nannte Sako etwa die Kirche von Kochi am Stadtrand von Bagdad, die Ruinen der Kirche von Al Aqiser in Karbala oder die 2014 vom IS zerstörte "Grüne Kirche" aus dem 7. Jahrhundert in Tikrit. Diese Denkmäler sollten als integraler Bestandteil des irakischen Erbes betrachtet werden und seien "viel wertvoller als Ölquellen, die eines Tages versiegen werden", so der Chaldäer-Patriarch.

 

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


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