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Istanbul: Märtyrer-Patriarch Gregorios vor 200 Jahren hingerichtet

12. April 2021 in Chronik, 8 Lesermeinungen
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Patriarch Bartholomaios I. gedachte seines Vorgängers, der am Ostersonntag 1821 von den Osmanen am Haupttor des Phanar in vollem Ornat gehenkt worden war


Istanbul (kath.net/KAP) Der orthodoxe Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. (Archivbild) hat am Wochenende in besonderer Weise eines heilig gesprochenen Vorgängers gedacht: des Märtyrer-Patriarchen Gregorios V., der vor genau 200 Jahren, am 10. April 1821, in Istanbul von den Osmanen hingerichtet wurde. Sie machten ihn für den Ausbruch des griechischen Unabhängigkeitskampfes verantwortlich. Gregorios V. wurde zur Vergeltung und Abschreckung am Eingangstor zum Patriarchatssitz (Phanar) gehenkt. Zum Gedenken an den ermordeten Patriarchen wurde der Haupteingang des Phanar - das Petrus-Tor - 1821 geschlossen und später zugeschweißt. Seither wurde das Tor nie mehr geöffnet.

Patriarch Bartholomaios I. entzündete am Samstag nach der Göttlichen Liturgie in der Georgskathedrale im Phanar vor dem verschlossenen Tor eine Kerze und legte ein Blumengebinde nieder, dann kniete er nieder zum Gebet. In einer Botschaft an alle Gläubigen hob er das Glaubens- und Lebenszeugnis des Heiligen Patriarchen hervor, der dafür ermordet und zum Märtyrer geworden war, berichtete der Informationsdienst der Stiftung "Pro Oriente".

Nicht nur im Phanar, sondern in vielen weiteren griechisch-orthodoxen Kirchen rund um den Globus wurde des heilig gesprochenen Patriarchen gedacht. Sein Gedenktag ist der 10. April.

Verhaftet, gefoltert, hingerichtet

Patriarch Gregorios wurde am Ostersonntag 1821 nach der Feier der Osterliturgie beim Verlassen der Georgskathedrale im Phanar festgenommen, ins Gefängnis gebracht, gefoltert und schließlich noch am gleichen Nachmittag gegen 15 Uhr am Haupteingang zum Patriarchatssitz im vollen Ornat gehenkt.


Der Leichnam wurde nach zwei Tagen durch die Straßen der Stadt geschleift und schließlich in den Bosporus geworfen. Christlichen Seeleuten gelang es, die Leiche zu bergen. Sie brachten sie nach Odessa, wo sie ehrenvoll bestattet wurde. Auf Wunsch der griechischen Regierung wurden die Gebeine im Jahr 1871 nach Athen überführt, wo sie in der Metropolitankathedrale ruhen. Am 8. April 1921 erfolgte die Heiligsprechung des Märtyrer-Patriarchen.

In Konstantinopel war es nach der Ermordung von Gregorios V. zu einem Pogrom an der griechischen Stadtbevölkerung gekommen, der von islamischen Predigern befeuert wurde. Neben dem Patriarchen wurden damals von den Osmanen auch einige weitere Bischöfe und Geistliche hingerichtet.

Kirche unter Druck

Patriarch Gregorios V. trug in einer Zeit Verantwortung für die Kirche, als diese aufgrund der geopolitischen Entwicklungen im Osmanischen Reich besonders stark unter Druck stand. Er bezahlte damit schließlich mit seinem Leben.

Gregor V., mit bürgerlichem Namen Georgios Angelopoulos, stammte aus Dimitsana in Arkadien, wo er 1745 geboren wurde. Angelopoulos erhielt auf dem Athos, in Athen, Smyrna und auf Patmos eine theologisch-wissenschaftliche Ausbildung und zog sich dann einige Jahre als Eremit zurück. Im Jahr 1785 stieg er zum Metropoliten von Smyrna auf. Am 1. Mai 1797 wurde er zum Patriarchen von Konstantinopel gewählt.

Nach dem Ägyptenfeldzug Napoleon Bonapartes wurde in der osmanischen Nomenklatura gemutmaßt, dass die Griechen mit den Franzosen insgeheim im Bündnis stünden. Dies ließ einige maßgebliche Persönlichkeiten den Kopf des Patriarchen fordern. Mit Billigung des reformorientierten Sultans Selim III. konnte der Patriarch auf den Berg Athos ausweichen, bis sich die Wogen geglättet hatten.

1806 wurde er neuerlich zum Patriarchen gewählt, musste aber 1809 wieder ins Exil auf die Prinzeninseln, erst 1818 konnte er seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen. In dieser Hinsicht teilte er das Schicksal vieler Ökumenischer Patriarchen während der osmanischen Herrschaft, die unterbrochene Amtsperioden hatten, weil sie einem osmanischen Machthaber missfielen oder die von den Christen erbrachten Steuerleistungen als zu gering erschienen.

In der Amtszeit Gregorios V. wurde die Georgskathedrale am Phanar wieder hergestellt, die durch ein Feuer im Jahr 1738 stark beschädigt worden war. Auch als Übersetzer der Briefe des Apostels Paulus ins Neugriechische und Kommentator der Briefe trat der Patriarch hervor. Er begründete ebenfalls die Patriarchaldruckerei.

Nach Beginn des griechischen Unabhängigkeitskampfes im März 1821 wurde Gregorios V. als Ethnarch des "römischen (romäischen) Millet (Volksgemeinschaft)" im Osmanischen Reich von Sultan Mahmud II. für sein Unvermögen getadelt, den Aufstand zu unterdrücken. Ob der Patriarch heimliche Verbindungen mit Rebellen hatte, ist ungeklärt, doch öffentlich ermahnte er die Griechen zum Gehorsam gegenüber dem osmanischen Staat. Am 21. März 1821 verhängte er auf Druck der Osmanen über die Aufständischen sogar das "Anathema", den Kirchenbann. Unmittelbar nach Ausbruch des griechischen Aufstandes wurden bereits einige angesehene Griechen in Istanbul hingerichtet. Der Patriarch wusste, dass ihn wohl das gleiche Schicksal treffen würde. Seine nächste Umgebung versuchte vergeblich, ihn zum Verlassen der Stadt zu bewegen.

Die brutale Ermordung von Gregorios V. am Ostersonntag 2021 wurde in der ganzen orthodoxen Welt, vor allem in Russland, mit Empörung zur Kenntnis genommen. Auch darüber hinaus gab es überall in Europa Proteste. Die politische Bewegung zur Befreiung Griechenlands ("Philhellenismus") wurde dadurch gestärkt, wie es der Patriarch noch kurz vor seinem Tod selbst vorausgesagt hatte.

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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