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Frei in der Entscheidung auszuwandern oder zu bleiben

11. Mai 2023 in Aktuelles, 6 Lesermeinungen
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Franziskus in seiner Botschaft zum 109. Welttag des Migranten und Flüchtlings 2023: wo die Umstände es erlauben zu wählen, ob man auswandert oder bleibt, muss sichergestellt werden, dass diese Entscheidung wohlüberlegt getroffen wird


Rom (kath.net) Nachstehend veröffentlichen wir die Botschaft des Heiligen Vaters Franziskus zum 109. Welttag der Migranten und Flüchtlinge, der am Sonntag, den 24. September 2023, unter dem Motto „Frei in der Entscheidung auszuwandern oder zu bleiben“ begangen wird.

„Migranten fliehen aus Armut, aus Angst, aus Verzweiflung. Um diese Ursachen zu beseitigen und damit der erzwungenen Migration ein Ende zu setzen, brauchen wir das gemeinsame Engagement aller, eines jeden, entsprechend seiner Verantwortung. Ein Engagement, das damit beginnt, dass wir uns fragen, was wir tun können, aber auch, was wir nicht mehr tun dürfen. Wir müssen uns bemühen, das Wettrüsten, den wirtschaftlichen Kolonialismus, den Raub der Ressourcen anderer und die Zerstörung unseres gemeinsamen Hauses zu beenden.“

***

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Migrationsströme unserer Tage sind Ausdruck eines komplexen und vielschichtigen Phänomens, dessen Verständnis eine sorgfältige Analyse aller Aspekte erfordert, die die verschiedenen Phasen einer Migration kennzeichnen, vom Aufbruch bis zur Ankunft, einschließlich einer eventuellen Rückkehr. In der Absicht, zu diesem Bemühen, die Realität zu verstehen, beizutragen, habe ich beschlossen, die Botschaft zum 109. Welttag des Migranten und des Flüchtlings der Freiheit zu widmen, die die Entscheidung, das eigene Land zu verlassen, immer kennzeichnen sollte.

„Frei zu gehen, frei zu bleiben“ lautete der Titel einer Solidaritätsinitiative, die vor einigen Jahren von der italienischen Bischofskonferenz als konkrete Antwort auf die Herausforderungen der heutigen Migration auf den Weg gebracht wurde. Und im beständigen Hören auf die Teilkirchen konnte ich feststellen, dass die Gewährleistung dieser Freiheit ein weit verbreitetes und gemeinsames pastorales Anliegen ist.

»Da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten« (Mt 2,13). Die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten ist nicht das Ergebnis einer freien Entscheidung, so wie viele der Wanderungen, die die Geschichte des Volkes Israel gekennzeichnet haben, nicht freiwillig waren. Migration sollte immer eine freie Entscheidung sein, aber in vielen Fällen ist sie das auch heute noch nicht. Konflikte, Naturkatastrophen oder ganz einfach die Unmöglichkeit, in der Heimat ein würdiges und gedeihliches Leben zu führen, zwingen Millionen von Menschen zum Weggehen. Bereits 2003 erklärte der heilige Johannes Paul II.: »Im Blick auf die Migranten und Flüchtlinge konkrete Friedensbedingungen zu schaffen, bedeutet vor allem, sich ernsthaft für dasRecht auf Sesshaftigkeit einzusetzen, also für das Recht, in Frieden und Würde in der eigenen Heimat zu leben« (Botschaft zum 90. Welttag der Migranten und Flüchtlinge, 3).


»Sie nahmen ihr Vieh und ihre Habe, die sie im Land Kanaan erworben hatten, und gelangten nach Ägypten, Jakob und mit ihm alle seine Nachkommen« (Gen 46,6). Eine schwere Hungersnot zwang Jakob und seine ganze Familie, nach Ägypten zu fliehen, wo sein Sohn Josef ihr Überleben gesichert hatte. Verfolgungen, Kriege, Wetterphänomene und Elend gehören zu den offensichtlichsten Ursachen heutiger Zwangsmigration. Migranten fliehen aus Armut, aus Angst, aus Verzweiflung. Um diese Ursachen zu beseitigen und damit der erzwungenen Migration ein Ende zu setzen, brauchen wir das gemeinsame Engagement aller, eines jeden, entsprechend seiner Verantwortung. Ein Engagement, das damit beginnt, dass wir uns fragen, was wir tun können, aber auch, was wir nicht mehr tun dürfen. Wir müssen uns bemühen, das Wettrüsten, den wirtschaftlichen Kolonialismus, den Raub der Ressourcen anderer und die Zerstörung unseres gemeinsamen Hauses zu beenden.

»Alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte« (Apg 2,44-45). Das Ideal der ersten christlichen Gemeinschaft scheint so weit von der heutigen Realität entfernt zu sein! Um die Migration zu einer wirklich freien Entscheidung zu machen, braucht es das Bemühen, allen einen gerechten Anteil am Gemeinwohl, die Achtung der Grundrechte und den Zugang zu einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung zu gewährleisten. Nur so können wir einem jeden die Chance bieten, in Würde zu leben und sich persönlich und als Familie zu verwirklichen. Es ist klar, dass die Hauptaufgabe bei den Herkunftsländern und ihren Regierenden liegt, die aufgerufen sind, eine gute, transparente, ehrliche und weitsichtige Politik im Dienste aller, insbesondere der Schwächsten, zu betreiben. Sie müssen jedoch in die Lage versetzt werden, dies zu tun, ohne dass sie ihrer Natur- und Humanressourcen beraubt werden und ohne Einmischung von außen, welchedie Interessen einiger weniger begünstigt. Und dort, wo die Umstände es erlauben zu wählen, ob man auswandert oder bleibt, muss sichergestellt werden, dass diese Entscheidung mit dem nötigen Wissen und wohlüberlegt getroffen wird, um zu verhindern, dass viele Männer, Frauen und Kinder risikoreichen Illusionen oder skrupellosen Menschenhändlern zum Opfer fallen.

»In diesem Jubeljahr soll jeder von euch zu seinem Besitz zurückkehren« (Lev 25,13). Die Feier des Jubeljahres stellte für das Volk Israel einen Akt kollektiver Gerechtigkeit dar: Alle konnten »in die ursprüngliche Situation zurückkehren. Jede Schuld wurde erlassen, Grund und Boden zurückgegeben, man konnte sich wieder der den Gliedern des Volkes Gottes eigenen Freiheit erfreuen« (Katechese, 10. Februar 2016). Da wir uns dem Jubiläumsjahr 2025 nähern, ist es gut, sich an diesen Aspekt der Jubiläumsfeiern zu erinnern. Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung der einzelnen Länder und der internationalen Gemeinschaft, damit allen das Recht garantiert werden kann, nicht auszuwandern zu müssen, d. h. die Möglichkeit, in Frieden und in Würde im eigenen Land zu leben. Dieses Recht ist noch nicht kodifiziert, ist aber von grundlegender Bedeutung, und seine Gewährleistung ist als Bestandteil der Mitverantwortung aller Staaten für ein Gemeinwohl zu begreifen, das über die nationalen Grenzen hinausgeht. Da die Ressourcen der Welt nicht unbegrenzt sind, hängt die Entwicklung der wirtschaftlich ärmeren Länder in der Tat davon ab, ob es gelingt, unter den Völkern die Fähigkeit zum gegenseitigen Teilen zu erwecken. Solange dieses Recht nicht gewährleistet ist – und bis dahin ist es noch ein langer Weg –, werden noch viele auf der Suche nach einem besseren Leben auswandern müssen.

»Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen« (Mt 25,35-36). Diese Worte erklingen als eine beständige Mahnung, in dem Migranten nicht nur einen Bruder oder eine Schwester in Not zu erkennen, sondern Christus selbst, der an unsere Tür klopft. Wenn wir uns also dafür einsetzen, dass jede Migration die Frucht einer freien Entscheidung sein kann, sind wir aufgerufen, die Würde jedes Migranten in höchstem Maße zu achten; das bedeutet, die Migrationsbewegungen so gut wie möglich zu begleiten und zu lenken, indem wir Brücken und nicht Mauern bauen und die Wege für eine sichere und reguläre Migration erweitern. Wo auch immer wir uns entscheiden, unsere Zukunft aufzubauen, in unserem Geburtsland oder anderswo, wichtig ist, dass es dort immer eine Gemeinschaft gibt, die bereit ist, alle aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren, ohne Unterschied und ohne jemanden außen vor zu lassen.

Der Weg der Synodalität, auf den wir uns als Kirche begeben haben, lässt uns in den verletzlichsten Menschen – und unter ihnen viele Migranten und Flüchtlinge – besondere Weggefährten sehen, die wir als Brüder und Schwestern lieben und für die wir Sorge tragen müssen.

Nur wenn wir gemeinsam gehen, werden wir weiter vorankommen und das gemeinsame Ziel unserer Reise erreichen.

Rom, St. Johannes im Lateran, 11. Mai 2023

FRANZISKUS

***

Gebet

Gott, allmächtiger Vater,

gib uns die Gnade, uns tatkräftig einzusetzen für Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden, damit allen deinen Kindern

die Freiheit gewährleistet ist,

sich für die Migration oder das Bleiben zu entscheiden. Gib uns den Mut,

alle Gräuel in unserer Welt klar zu benennen,

und gegen jede Ungerechtigkeit zu kämpfen,

welche die Schönheit deiner Geschöpfe und

die Harmonie unseres gemeinsamen Hauses verunstaltet.

Stärke uns mit der Kraft deines Geistes,

damit wir gegenüber jedem Migranten,

dem du uns begegnen lässt,

deine Zärtlichkeit an den Tag legen,

und in den Herzen und in jedem Umfeld

die Kultur der Begegnung und der Fürsorge verbreiten.

 


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Lesermeinungen

 don_camillo 13. Mai 2023 
 

@pfaelzer76857

Danke für den Beitrag, pfaelzer. Das sehe ich wie Sie.

Manche gläubige Katholiken sind der AfD zumindest nicht abgewandt und mit Kritik an Putin äußerst zurückhaltend. Gleichzeitig sind es diese Menschen, welche sich um die Islamisierung Deutschlands bzw. Europas sorgen. Putin wiederum bedient sich muslimischer Truppen aus Tschetschenien, die im April vergangenen Jahres mit "Allahu-Akbar"-Rufen Mariupol, die Stadt Mariens (!), eingenommen haben. Mehr noch! Der tschetschenische Großmufti hat den Kämpfern versprochen, sie würden "als Märtyrer für Koran und Mohammed" sterben, falls sie in der Ukraine fallen. Das scheint unseren selbsternannten Verteidigern des christlichen Abendlandes gleichgültig zu sein.

Zum Altar strebende und predigende Frauen und was noch alles gefordert wird sind (ich zitiere frei Gauland) ein Mückenschiss, wenn uns Christen ein Verbrecher wie Putin gegenüber steht, der nach der Ukraine sicherlich weiteren Ländern und Völkern das Existenzrecht absprechen wird.


2
 
 pfaelzer76857 13. Mai 2023 
 

Verkehrte Welt!

Auch als Christ ist man offensichtlich nicht davor gefeit, überwiegend bis ausschließlich sich selbst am nächsten zu stehen.

Während man kritisiert, dass der Papst die Aufgabe der Selbstliebe für die Fremdenliebe fordern würde, erwarten ganz oft diese Menschen in Bezug auf die Ukraine, dass die Menschen dort schön die Beine still halten. Denen Menschen stehen die Russen vor der Tür, ihr Recht auf Verteidigung wurde auch hier von Foristen immer wieder (zumindest andeutungsweise) in Frage gestellt. Immer wieder waren Beiträge zu lesen, in denen sich vermutlich bewusst keinerlei kritische Worte gegen Russland und Putin fanden und deren Verbrechen am ukrainischen Volk nicht erwähnt wurden, stattdessen aber Kritik an Kiew. Monsignore Schlegl hat im Forum diesbezüglich oft interveniert.

Bei uns klopfts an der Tür, Russland überfällt stattdessen ein Land und tritt den Menschen die Türen ein. Schlimmer ist anscheinend aber derjenige, der an der Tür klopft. Verkehrte Welt!


3
 
 Fischlein 13. Mai 2023 
 

"Sie nahmen ihr Vieh und ihre Habe, die sie im Land Kanaan erworben hatten...

... und gelangten nach Ägypten"
Der Papst zitiert diese Worte und will daraus für unsere Zeit ein Beispiel geben.
Der Text aber zeigt einen deutlichen Unterschied zu heute.
Erstens: Die Immigranten kommen nach Europa in der Regel ohne "ihr Vieh und ihre Habe". Sie verkaufen es, um das Geld den Schmugglern zu geben. Das Aufnahmeland soll ihnen dann alles geben, weil sie nichts mehr haben.


0
 
 Taubenbohl 11. Mai 2023 
 

Die Probleme sind wie immer in nüchterne der Tatsachen.

In Deutschland...nur zum Beispiel, gibt es pull Faktoren....social Staat usw. Schön. Push Faktoren auch. 100,000 im Jahr wolllen das EU Garten für den Brexit Dschungel Brittaniens tauschen. Ist das im Sinne des Papst.

Aber Schulen mussen gebaut werden, Wohnraum geschaffen. Mehr Lehrer, Ärzte und alle Kapizitäten mussen getragen werden von Netto Steuerzahler die das alles ermoglichen durch ihr schaffen.

Deutschland geht sowieso die Puste aus.

Und..der Papst ist die Glaubensinstanz unseres Glaubens. Katholiken.

Kein Staat ist Katholisch sondern heute voll liberal Sekulär. Eigentlich ohne Gott. Oder nur mit abklingenden Christlichen Werten die Stück für Stück ersezt werden.

Ohne Gott eine Pippi Langstrumpf Welt meine ich.

Der Papst kann und muss Meinung kund geben aber auch erwarten das in Staaten ohne Gottesbezug er wenig Einfluss hat.

Aber der Sieg Christi ist sicher und wird die Welt neu schaffen.


2
 
 Chris2 11. Mai 2023 
 

"... alle [sic!] aufzunehmen,

zu schützen, zu fördern und zu integrieren, ohne Unterschied und ohne jemanden außen vor zu lassen." Also auch 10 oder 100 Millionen? Und nein, nicht jeder Migrant flieht - und wenn, dann meistens vor dem Islam. Solche Reden sind kein Apell an die Nächstenliebe, sondern letztlich selbstzerstörerische Ideologie, die die Interessen der Gastbevölkerung in den Aufnahmeländern (v.a. deren Sicherheit) stets ignoriert. So siedelt sich in Deutschland, auch dank Passfreiheit, die "besonders brutale" nigerianische Mafia gerade gerne an, werden hier jedes Jahr etwa 5000 Menschen, vor allem Frauen, Opfer sexueller Gewalttaten durch Asylzuwanderer (und das sind nur die aufgeklärten Taten, deren Zahl durch irreführende Fahndungsbegriffe, ganz vermiedene Fahndung und andere Tricks künstlich niedrig gehalten wird.
Nein, mir reicht's. Ich werde mich künftig an die sichere Lehre der Kirche halten und mich nicht mehr von zickzack-bis-geisterfahrenden Privatmeinungen aus dem Vatikan irritieren lassen...


3
 
 Uwe Lay 11. Mai 2023 
 

Absurd!

Man möge sich dies einmal vorstellen: Ein Mann klopft an ihrer Haustüre: "Ich will jetzt bei Ihnen wohnen, denn es gefällt mir bei Ihnen. Ich beanspruche tägliche Vollverpflegung, alles, was Ihnen gehört, hat nun auch mir zu gehören!" Wer würde da Ja sagen und alles Geforderte gewähren? Wenn es nun aber nach Papst Franziskus ginge, dürfte jeder Mensch sich aber so verhalten: Er habe das Recht, wohnen zu wollen, wo er will und wir hätten die Pflicht, dann jeden bei uns aufzunehmen und voll zu verpflegen, bloß weil der das will!
Alle europäischen Staaten und Deutschland als erstes wären in Kürze ruiniert.Moraltheologisch: Der Papst verlangt die Aufgabe der Selbstliebe um der Fremdenliebe willen.
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


5
 

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