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Müller: „Im privaten wie im öffentlichen Leben sind wir Katholiken unserem Gewissen verantwortlich“

8. September 2025 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Kardinal: „Wir erwarten von weltlicher Regierung und den in ihr tätigen Katholiken nicht, dass sie mit staatlichen Mitteln das Christentum als übernatürlichen Glauben an die Offenbarung Gottes in Christus fördert oder Lobbyarbeit … betreibt, aber…“


Assisi (kath.net) kath.net dokumentiert das Grußwort von Gerhard Ludwig Kardinal Müller an den Kongress: Le Tavole di Assisi am 6. 9. 2025 zum angefragten Thema: „La nuova presidenza USA. Trono e altare di nuovo insieme? Occasione per l’Occidente cristiano?” in voller Länge im deutschsprachigen Original und dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zur Weiterveröffentlichung:

Liebe Freunde,
leider kann ich nicht persönlich bei Ihrer wichtigen Veranstaltung in Assisi am 6./7. September 2025 präsent sein. Denn in dieser Woche bin ich noch in Polen pastoral mit Gottesdienst und Predigt zu einem großen Jubiläum im Bistum Lyck und zu einem Vortrag in Bialystok zum Transhumanismus und zu seiner antihumanen Folgen unterwegs.

Aus katholischer Sicht kann es keine Ehe zwischen Thron und Altar geben, wie man es von dem Modell des protestantisch dominierten deutschen Kaiserreiches aus der Bismarckzeit kennt und wie es der lutherischen Auffassung von dem Fürsten als Bischof einer Landeskirche entspricht.

Die katholische Kirche, die als unsichtbare Gnadengemeinschaft mit Gott und als sichtbar-sakramentale Institution – gegründet in dem Gott-Menschen Christus als ihrem Haupt – untrennbar ist, verdankt sich in ihrem Ursprung, ihrem Wirken und ihrer Mission ausschließlich Gott und ist darin von jeder weltlichen Gewalt absolut unabhängig. Aber wenn der Staat seinem Auftrag nachkommt, dem Gemeinwohl zu dienen und wenn die staatliche Gewalt die unveräußerlichen Menschenrechte als Grund und Grenze ihres Handelns anerkennt in der Exekutive, der Legislative und Judikative, dann kann es eine Kooperation von Kirche und Staat geben z.B. in den Bereichen von Erziehung und Bildung, in den sozialen und karitativen Einrichtungen.


In den modernen Staaten leben Menschen unterschiedlicher Religion und Weltanschauung friedlich zusammen, wenn die Verfassung und die konkrete Rechtsprechung und Gesetzgebung sich am natürlichen Sittengesetz ausrichten, das in der Vernunft des Gewissens jedes Menschen unfehlbar zwischen Gut und Böse unterscheidet. Die Nazi-Ideologen wussten in ihrem Gewissen genau, dass das Töten von unschuldigen Menschen ein Verbrechen ist vor Gott und den Menschen. Aber sie betäubten ihr Gewissen mit ihrer Rassen-Ideologie, dass Juden und andere (etwa slawische) Völker keine vollwertigen Menschen seien und deshalb das ins Herz eines jeden vernunftbegabten Wesens eingeschriebene Gesetz „Du sollst nicht töten“ (Ex 20,13; Deut 5, 17) in diesem Falle nicht gelte. Genauso wissen die Abtreibungs-Ideologen, dass das Kind im Mutterleib ein individueller Mensch ist, den man nicht töten darf. Aber um das Verbrechen zu verschleiern behaupten sie, dass die Kinder im Mutterleib noch keine vollwertigen Menschen seien und man sie deshalb bei Bedarf töten dürfe. Um ihre Gewissensbisse zu betäuben, kriminalisieren sie die Verteidiger des Lebensrechtes der Ungeborenen. In England kann man ins Gefängnis kommen, wenn man vor einer Abtreibungsklinik betet für das Leben der Ungeborenen, so wie in Nazi-Deutschland der Berliner Domprobst Lichtenberg 1943 in Gestapohaft umkam nur weil er für die verfolgten Juden gebetet hatte.

Das gilt auch für den Gender-Wahn, der pubertierenden Jugendlichen einredet, sie könnten ihr Geschlecht wechseln und sie mit der assistierten Selbstverstümmelung in ein lebenslanges physisches Elend und seelisches Leiden hineintreibt. Deshalb muss jeder Katholik in den USA und besonders der Episkopat der Trump-Regierung dankbar sein, dass in der Führungsmacht des freien Westens das natürliche Sittengesetz, das in der Vernunft jedes gewissenhaften Menschen als sittlicher Maßstab erkennbar ist, wieder zur Grundlage staatlichen Handelns gemacht wird.

Papst Leo XIV. hat neulich deutlich gemacht, dass das Gewissen katholischer Politiker nicht (im Sinne der falschen Lehre von der doppelten Wahrheit) nicht geteilt werden kann in einen privaten Bereich, in dem sie Gott gehorsam sind und die Lehren der Kirche Christi befolgen und in einen öffentlichen Bereich, in dem sie der Logik der Machtspiele ihrer Parteien folgen. Im privaten wie auch im öffentlichen Leben sind wir Katholiken unserem Gewissen verantwortlich, in dem Gott unmittelbar uns auffordert, das Gute zu tun und das Böse zu meiden. Wir erwarten von einer weltlichen Regierung und den in ihr tätigen Katholiken nicht, dass sie mit staatlichen Mitteln das Christentum als übernatürlichen Glauben an die Offenbarung Gottes in Christus fördert oder Lobbyarbeit für die Kirche als Institution betreibt. Aber wir fordern von jedem Staat, dass er das natürliche Sittengesetz, in dessen Mittelpunkt die Unverletzlichkeit der Würde jedes Menschen steht, zur Grundlage alles Handelns in der Administration, der Gesetzgebung und der Rechtsprechung macht. Und wir sind bereit als Kirche im Ganzen und wir als einzelne Katholiken in unseren Berufen und Verantwortungsbereichen, am Aufbau einer gerechten, freien, sozialen und solidarischen Gemeinschaft im eigenen Volk und in der Weltgemeinschaft der Völker mitzuarbeiten, so wie es das II. Vatikanische Konzil in der Pastoralkonstitution „Die Kirche in der Welt von heute. Gaudium et spes“ beschrieben hat, wobei uns auch schon die Soziallehre der Kirche seit Leo XIII. als Orientierung dient. Also folgen wir dem Wort Jesu. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (Mt 22, 21). Im Konfliktfall aber gilt die authentische Auslegung dieses Jesus-Wortes durch das höchste Lehramt des hl. Petrus vor dem Hohen Rat: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5, 29).

Kardinal Müller im Presseraum des Vatikans (c) Michael Hesemann


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