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"Ein Schisma und mein Ausstieg aus der Priesterbruderschaft St. Pius X."

28. Juli 2026 in Weltkirche, 46 Lesermeinungen
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Der Weg der FSSPX sei gefährlich, weil er auf den ersten Blick heilig wirke, in Wahrheit aber die Kirche spalte, schreibt P. George Elsbett.


Wien (kath.net/jg)
„Rein wie Engel. Arrogant wie Luzifer. Halsstarrig wie Dämonen. Das war das Urteil des damaligen Erzbischofs von Paris im 17. Jahrhundert über einen Konvent, der vom Jansenismus beeinflusst war. Ob das Urteil angemessen war, könne er nicht sagen, aber dieses Zitat sei ihm in den Sinn gekommen, als er über das Schisma der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) nachgedacht habe, schreibt P. George Elsbett LC in einem aktuellen Artikel für die Internetseite des Zentrums Johannes Paul II. in Wien.

Persönlicher Hintergrund

Der Autor, der selbst drei Jahre im US-Seminar der Bruderschaft verbrachte, zeichnet ein differenziertes, aber klares Bild: Viele Gläubige und Mitglieder der FSSPX seien Menschen guten Willens, die vor allem eine würdige Liturgie und Treue zur Tradition suchen. Dennoch liege ein grundlegender Irrtum im System der Bruderschaft selbst.

Elsbett beschreibt eindrücklich die chaotischen Verhältnisse in der katholischen Kirche Kanadas in den 1980er Jahren: ungültige Messen mit Hot Dogs, Rock 'n' Roll-Messen, politisches Engagement, beispielsweise zugunsten der kommunistischen Sandinisten in Nicaragua, und mangelnde Orientierung an der Lehre der Kirche.

In dieser Situation boten die Messen der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten FSSPX einen rettenden Anker. Sie wurden würdig gefeiert, waren gültig und geprägt von Ernsthaftigkeit. Seine Eltern, die sich für den Schutz des Lebens und gegen Abtreibung engagierten, fanden dort Zuflucht, weil sie sich von den eigenen Bischöfen im Stich gelassen fühlten. Auch Elsbett fühlte sich zunächst angezogen von der klaren Argumentation und der scheinbaren Kohärenz der FSSPX-Theologie.


Das aktuelle Schisma und der „Notstand“

1988 hatte Lefebvre vier Bischöfe ohne päpstliche Zustimmung geweiht, was zur Exkommunikation führte. Die FSSPX berief sich damals wie heute auf einen „Notstand“ in der Kirche. Elsbett hält diesen Anspruch heute, im Jahr 2026 an Orten wie Wien, für unhaltbar. Es gebe zahlreiche gültige und würdige Messen in erreichbarer Nähe. Viele junge Menschen kämen vor allem wegen der schönen Liturgie zur FSSPX, ohne die tieferen theologischen Implikationen zu kennen.

Der Kern von Elsbetts Kritik lautet wie folgt: Die FSSPX behaupte weiterhin einen anhaltenden Notstand, welcher Bischofsweihen ohne Papst sowie die eigene Struktur rechtfertige. Damit verletze sie den päpstlichen Primat – eines der zentralen Elemente katholischer Einheit. Die jüngsten Weihen führten erneut zu automatischen Exkommunikationen, ungültigen Ehen und Beichten durch Priester der FSSPX.

Dogmatische und kanonische Probleme

Darüber hinaus führt Elsbett einige dogmatische Fehler an, die er der FSSPX vorwirft. Der erste betrifft die Katholizität der Kirche in Zeit und Raum. Die Kirche sei universal – nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich. Wer einen Strich in der Vergangenheit ziehe, zum Beispiel bei Pius XII. oder Johannes XXIII., und alles Spätere als „verdorben“ ablehne, wiederhole letztlich das protestantische Muster der Fragmentierung. Dies zeige sich in weiteren Abspaltungen wie der Pius-V.-Gesellschaft oder sedisvakantistischer Gruppen.

Elsbetts zweiter Kritikpunkt setzt bei der Unfehlbarkeit der Kirche an. Die Verheißung Christi gelte weiter: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Mt 16,18) Die FSSPX untergrabe dies, indem sie die Messe im neuen Ritus als grundsätzlich gefährlich oder unzureichend darstelle, den neuen Katechismus problematisiere und Zweifel an Sakramenten wie zum Beispiel Firmung und Priesterweihe säe.

Der dritte Punkt betrifft das kanonische Recht. Die FSSPX argumentiere mit dem „Heil der Seelen“, um sich selbst über den Papst zu stellen. Sie beanspruche, den Notstand selbst zu definieren – eine Anmaßung, die den Primat des Papstes leugne. Die FSSPX mache sich auf diese Weise zu einem „Mini-Vatikan“.

Elsbett vergleicht die Haltung der FSSPX mit dem Subjektivismus und dem Protestantismus, Haltungen, die sie selbst anprangere. Die Priesterbruderschaft lehne den Modernismus ab, praktiziere aber selbst eine private Interpretation des Kirchenrechts.

Der Weg der FSSPX sei gefährlich, weil er auf den ersten Blick heilig wirke, letztendlich aber die Kirche spalte. Elsbett betont, dass es ihm nicht um die Verurteilung von Einzelpersonen gehe, von denen viele einfach auf der Suche nach dem Heiligen seien.

Abschließend ruft er zum Gebet für die Rückkehr der Mitglieder der FSSPX in die volle Gemeinschaft mit der Kirche auf und verweist auf Heilige des 20. und 21. Jahrhunderts, die im Novus Ordo gewachsen seien, wie Johannes Paul II., Mutter Teresa oder Carlo Acutis.

P. George Elsbett ist Priester der Legionäre Christi, Regionaldirektor des Regnum Christi in Österreich und Leiter des Zentrums Johannes Paul II. in Wien.

 


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