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Der Turm Christi und das Haus Gottes: eine Katechese aus Steinen, Farben und Licht

vor 1 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV. in der Basilika Sagrada Família: Eine Katechese aus Steinen, Farben und Licht. Die Kirche als Bild des christlichen Lebens, das Kreuz als Zeichen der Hoffnung und die Kunst als Weg der Evangelisierung. Von Armin Schwibach


Barcelona (kath.net/as) Papst Leo XIV. feierte in der Basilika Sagrada Família in Barcelona die Heilige Messe zur Weihe des Jesus-Christus-Turms (Torre de Jesucrist), des höchsten Turms des Gotteshauses, das damit seine vorgesehene Höhe von 172,50 Metern erreicht hat. Die Feier fiel auf den hundertsten Todestag des Architekten Antoni Gaudí und bildete einen der Höhepunkte des Spanienbesuchs des Papstes.

Zu Beginn seiner Predigt griff Leo XIV. die Worte des achten Psalms auf: „Herr, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!“. Mit Dankbarkeit gedachte er der Kirche von Barcelona, des spanischen Volkes und aller Teilnehmer der Feier. Die Basilika öffne ihre Tore „wie weit ausgebreitete Arme“, um die Menschen zum Altar und zum Hören des Wortes Gottes einzuladen. In diesem Gotteshaus versammelten sich Barcelona und ganz Katalonien als Zeichen der Einheit und der Eintracht und erhoben den Blick auf das Antlitz des Vaters, das im menschgewordenen Sohn sichtbar geworden sei.

Besonders erinnerte der Papst an die Weihe der Basilika durch Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010. Die Kirche sei, wie sein Vorgänger hervorgehoben habe, „ein sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes, zu dessen Ehre ihre Türme emporragen“. In Fortführung dieses Gebetes werde Leo XIV. nun den höchsten Turm des Bauwerks segnen, den Christusturm.

Der Papst deutete die Sagrada Família als Bild der Kirche und des christlichen Lebens. Das Gotteshaus sei „ein einziges Gebäude, das aus vielen Steinen besteht“, während die Gläubigen selbst die lebendigen Steine dieses Bauwerks seien. Christus bleibe dabei „Fundament und Höhepunkt, Anfang und Ende“. Die Basilika sei weit mehr als nur ein Denkmal. Ihr fortdauernder Bau erinnere daran, dass auch das christliche Leben niemals abgeschlossen sei, sondern ein Weg bleibe. Gott selbst verwirkliche dieses Werk. Leo XIV. betonte, die sichtbare Unvollkommenheit des Bauwerks dürfe nicht als Mangel verstanden werden. Sie zeuge vielmehr von einer Sehnsucht und von einem Versprechen. Deshalb werde die Dankbarkeit gegenüber Gott zu einer Verpflichtung, am göttlichen Bauplan mitzuwirken. Da die Christen Tempel des Heiligen Geistes seien, falle dieses Werk mit ihrem eigenen Leben zusammen. Gott verstehe jeden Menschen als ein Meisterwerk, das gemeinsam mit ihm verwirklicht werden solle. Ausgehend von der Verheißung Gottes an König David stellte der Papst klar, dass nicht der Mensch Gott einen Ort gebe, sondern Gott dem Menschen: „Der Herr wird dir ein Haus bauen“, zitierte er die Heilige Schrift. Nicht der Mensch nehme Gott in sein eigenes System auf. Vielmehr öffne Gott dem Menschen sein Herz. Der Ort, den Gott schenke, sei „sein eigenes Herz“, der Ort des Sohnes für die Fremden und der Ort des Geliebten für die Sünder.


Von dort führte Leo XIV. zum Evangelium des Tages. Die Worte Jesu „Wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben“ seien keine Drohung, sondern eine Einladung zur Erlösung und zur Freiheit. Christus wolle für den Menschen das endgültige und ewige Gut. Gerade aus dem Glauben an den Immanuel leitete Leo XIV. eine Konsequenz für das Leben der Christen ab: „Meine Lieben, wir können nicht an Jesus glauben und Krieg führen. Wir können nicht an Jesus glauben und Unschuldige töten. Wir können nicht an Jesus glauben und diejenigen im Stich lassen, die leiden, die weinen, die vor der Not fliehen“. Damit verband Leo XIV. den Glauben unmittelbar mit der Verantwortung gegenüber den Opfern von Gewalt, Krieg und Not.

Der Blick auf den neu geweihten Christusturm führte den Papst anschließend zur Betrachtung des Kreuzes. Das Kreuz auf der Spitze der Basilika sei „das Kreuz der Letzten, die die Ersten werden, der Sünder, die Heilige werden, der Toten, die auferstehen werden“. Die drei Fassaden der Sagrada Família erzählten genau dieses Geheimnis: Geburt, Passion und Auferstehung Christi. Wer den Christusturm betrachte, erhebe den Blick auf Christus selbst. Nur er offenbare die Wahrheit Gottes und die Wahrheit über den Menschen. Von Christus her könne die Welt mit neuen Augen gesehen werden. Der Turm des Kreuzes werde so „zum Banner der Nächstenliebe“, weil Gott ein Werkzeug des Todes in ein Zeichen der Hoffnung verwandelt habe. Der Glaube erreiche seinen Höhepunkt im Kreuz Jesu, wie die Inschrift am Fuß der Turmspitze bezeuge: „Tu solus Sanctus, Tu solus Dominus, Tu solus Altissimus“. Das Licht des Kreuzes beschrieb Leo XIV. mit einem Bild, das unmittelbar auf die neue Turmspitze Bezug nahm. Das Kreuz reflektiere am Tag das Sonnenlicht und leuchte in der Nacht wie ein Leuchtturm über der Stadt bis hin zum Mittelmeer. So leuchte auch Christus in der Finsternis. Selbst die Ablehnung durch die Welt könne die Liebe Gottes nicht auslöschen. Der Weg zur Herrlichkeit führe durch das Leiden des Gekreuzigten. Der Vater lehre seit jeher, Leben zu schenken, und der Sohn gebe dieses Leben allen Menschen weiter.

Von hier aus wandte sich der Papst der Kunst zu. Die Werke des Glaubens verherrlichten Gott, und unter diesen Werken nehme die Kunst einen besonderen Platz ein. Der Glaube gebe den Steinen Gestalt und dem gemeinsamen Haus Sinn. Im Gebet erkenne der Mensch die Verbindung aller Dinge mit Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Der Künstler antworte auf das Werk Gottes mit seinem eigenen Einfallsreichtum und verwandle sein Talent in Lobpreis. Mit besonderer Dankbarkeit erinnerte Leo XIV. an den ehrwürdigen Diener Gottes Antoni Gaudí, dessen hundertster Todestag an diesem Tag begangen wurde. Als tief gläubiger Architekt habe Gaudí die Räume der Basilika entworfen, um die Geheimnisse des Lebens Christi sichtbar zu machen. Dadurch sei eine geistliche Pilgerreise entstanden, die zur Begegnung mit dem Herrn führe. Gemeinsam mit Gaudí gedachte der Papst aller Förderer, Künstler und Arbeiter, die am Bau der Basilika mitgewirkt hätten. Dabei würdigte Leo XIV. die Sagrada Família als eine „Katechese aus Steinen, Farben und Licht“. Die Kirche erneuere hier die Tradition der Biblia pauperum, jener bildhaften Verkündigung der alten Kathedralen. Gerade in einer Zeit der Bilder zeige sich, wie sehr Kunst und Schönheit Wege der Evangelisierung sein könnten.

Zum Abschluss richtete der Papst den Blick erneut auf Christus. Die Schönheit des Gotteshauses solle die Gläubigen dazu bewegen, die Kunst des Lebens nach dem Evangelium zu erlernen. Wer den gekreuzigten und auferstandenen Herrn betrachte, müsse zugleich „das Gesicht derer emporheben, die im Staub liegen“. So gab Leo XIV. auch dem höchsten Kirchturm der Welt seine eigentliche Deutung. Die Sagrada Família sei die höchste Kirche der Welt, „aber nicht, um in weltlichen Ranglisten führend zu sein“. Ihre Aufgabe bestehe darin, die Schritte des pilgernden Gottesvolkes zu leiten. Das Kreuz auf ihrer Spitze solle den Weg erhellen „wie eine brennende Lampe in Erwartung der Wiederkunft des Bräutigams“. Damit verband der Papst die Vollendung des Christusturms mit der Hoffnung der Kirche auf die Wiederkunft Christi und mit ihrem Auftrag, inmitten der Geschichte auf das kommende Reich Gottes hinzuweisen. 

 


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