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Wie der heilige Augustinus Urlaub machte – und das wahre Glück fand

25. Juli 2026 in Familie, 1 Lesermeinung
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Ein Landhaus, die Familie, gute Gespräche und die Suche nach Gott: Das Exil des Kirchenvaters im Jahr 386 ist das perfekte Vorbild für eine geistliche Sommerfrische inmitten einer reizüberfluteten Welt.


Mailand (kath.net/gem/rn)
Es geschah im November, nicht im Hochsommer. Doch der Geist dessen, was der heilige Augustinus im Jahr 386 in Cassiciacum tat, ist genau das, was wir uns heute von einer echten Erholung erhoffen – und was die meisten von uns angesichts von Smartphones, ungelesenen E-Mails und ständiger Erreichbarkeit selbst im Urlaub kaum noch schaffen.

Augustinus hatte gerade einen radikalen Schnitt in seinem Leben vollzogen. Hinter ihm lag eine glänzende Karriere als Rhetorikprofessor in Mailand, einer der angesehensten akademischen Positionen der damaligen römischen Welt. Im Spätsommer 386 trat er zurück – vordergründig wegen eines Lungenleidens, in Wahrheit jedoch, weil seine dramatische Bekehrung im Mailänder Garten ein Weiterwie wie bisher unmöglich gemacht hatte.

Ein Freund namens Verecundus bot Augustinus die Nutzung seines Landguts in Cassiciacum an, nördlich von Mailand. Augustinus nahm dankbar an, packte seine Koffer und reiste ab.

Die Gemeinschaft von Cassiciacum: Muße statt Müßiggang.

Die Reisegesellschaft war klein und vertraut: Monika, seine heilige Mutter;  Adeodatus, sein hochbegabter junger Sohn. Dazu kamen noch sein Bruder Navigius und sein engster Freund Alypius und noch Cousins und seine beiden Schüler Licentius und Trygetius.

Sogar ein Stenograf war dabei, um jene Gespräche aufzuzeichnen, die später als Augustinus’ erste christliche Schriften unsterblich werden sollten.

Was Augustinus später als otium philosophandi – als philosophisch-geistliche Muße – bezeichnete, war das Leitmotiv des gesamten Aufenthalts. Es ging nicht um bloßes Nichtstun, nicht um Tourismus und nicht um oberflächliche Ablenkung. Es war ein bewusstes Verlangsamen, um über das nachzudenken, was im Leben wirklich zählt.

In seinen berühmten Confessiones (Bekenntnissen) dachte Augustinus zeit seines Lebens mit tiefer Dankbarkeit an Verecundus zurück und betete, Gott möge ihn für dieses Landhaus belohnen, in dem die kleine Gemeinschaft „Ruhe fand von der fiebrigen Hitze der Welt“.

„Ruhe von der fiebrigen Hitze der Welt“ – ein Satz, der in unserer heutigen, dauererregten Zeit aktueller denn je ist. Augustinus floh nicht aus Faulheit, sondern weil der Lärm und der Druck des Berufslebens zu einer Last geworden waren. Das Landleben war die Medizin für seine Seele.

Am 13. November – seinem 32. Geburtstag – versammelte Augustinus die Hausgemeinschaft im Badehaus (balneum). Er servierte einen Geburtstagskuchen aus Dinkelmehl, Mandeln und Honig und schlug ein dreitägiges Gespräch über eine einzige, fundamentale Frage vor: Was ist das glückliche Leben?

Aus diesem Dialog entstand De Beata Vita (Über das glückliche Leben) – das erste Werk, das Augustinus nach seiner Bekehrung vollendete.

Bemerkenswert dabei: Seine Mutter Monika, die keine formale philosophische Ausbildung besessen hatte, beteiligte sich vollkommen gleichberechtigt an der Debatte. Auf die Frage, was denn nun das glückliche Leben ausmache, gab sie eine so präzise Antwort, dass ihr Sohn begeistert ausrief, diese Antwort sei Ciceros würdig. Monikas einfache, aber theologische Wahrheit lautete: Das glückliche Leben besteht darin, Gott zu kennen.

Hier liegt die Keimzelle jenes weltberühmten Satzes aus den Bekenntnissen:   „Du hast uns auf Dich hin erschaffen, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir.“

Die tiefe Sehnsucht nach dieser Ruhe wurde nicht im sterilen Hörsaal systematisiert, sondern am Geburtstagstisch eines geliehenen Landhauses, im Kreis der Familie und engster Freunde.

Das antike Cassiciacum wird heute mit dem norditalienischen Ort Cassago Brianza in der Lombardei identifiziert. Die Berge, auf die Augustinus damals blickte, ragen noch immer empor, und der Ort ernannte den Kirchenvater im Jahr 1631 zu seinem Schutzpatron. Bis heute backen die Einheimischen zu besonderen Anlässen einen Kuchen nach dem historischen Rezept jenes Novembertages.

Das Modell, das uns Augustinus mit seinem Rückzug nach Cassiciacum hinterlassen hat, ist ebenso einfach wie anspruchsvoll:


Treten Sie einen Schritt zurück von der täglichen Arbeit!

Suchen Sie einen Ort auf, der nicht Ihr Schreibtisch ist!

Umgeben Sie sich mit Menschen, mit denen sich ein echtes Gespräch lohnt!

Werden Sie langsam genug, um jene Fragen zuzulassen, für die der Alltag keinen Raum lässt!

Augustinus verschwendete seine freie Zeit nicht mit Zerstreuung. Er nutzte sie, um klarer zu denken, als es ihm in den Monaten zuvor möglich gewesen war. Päpste und Theologen haben durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder betont, dass diese augustinische Frage niemals an Aktualität verloren hat: Wie sieht das glückliche Leben aus und wo ist es zu finden?


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