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| ![]() Den Willen Gottes für den Menschen bedenken und tunvor 47 Minuten in Spirituelles, keine Lesermeinung Kirche, „Weggemeinschaft des Glaubens“ (Benedikt XVI.), „würde unglaubwürdig werden, wenn sie nur Straßenschilder aufstellen, die den Menschen den Weg zeigen, ihn aber selbst nicht gehen würde.“ Homilie von Kurt Cardinal Koch Rom (kath.net/pl) kath.net dokumentiert die Homilie von Kurt Kardinal Koch in der gemeinsamen Messfeier für den Schülerkreis Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. und den Neuen Schülerkreis Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. e.V. am 27.9.2026 in der Kirche des Campo Santo Teutonico in voller Länge im deutschsprachigen Originaltext. Die beiden Schülerkreise hatten sich vom 24-27. September in Rom getroffen und ihr offizieller Protektor Kardinal Koch feierte mit den Teilnehmern die Abschlussmesse. Bereits am 26. hatte das öffentliche theologische Symposium zum Thema „Christlicher Glaube und Politik im Licht der Theologie von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.“ im Augustinianum nahe am Vatikan stattgefunden – kath.net dankt S.E. Kardinal Koch, Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, sowie den beiden Schülerkreisen für die freundliche Erlaubnis zur Weiterveröffentlichung - Ez 18, 25-28, , Phil 2, 1-11, Mt 21, 28-32 Mit der Feier der Heiligen Messe in der Kirche des Campo Santo Teutonico, in der Papst Benedikt XVI. als Kardinal jeweils am Donnerstag-Morgen die Heilige Eucharistie gefeiert hat, beschliessen wir das von seinen beiden Schülerkreisen durchgeführte Symposium, das dem Verhältnis zwischen dem christlichen Glauben und der Politik im Licht der Theologie von Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. gewidmet gewesen ist. Der zweite Sohn im Evangelium als Leitbild Die grundlegende Aufgabe der Politik hat Papst Benedikt XVI. darin gesehen, „dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren“. Die Politik muss „Mühen um Gerechtigkeit“ sein und so die „Grundvoraussetzung für Friede“ schaffen1. Diese Aufgabe kann sie nicht einfach mit klugen Worten wahrnehmen, sondern muss sie vor allem durch ihr konkretes Handeln vollziehen. Ansonsten bestünde die grosse Gefahr, dass sie viele Versprechen verheisst, die sie dann im konkreten politischen Geschäft doch nicht einlöst und damit wie der erste Sohn im heutigen Evangelium handelt, der zwar ein klares Ja sagt, dann aber doch nicht in den Weinberg geht. Die Politik muss sich vielmehr im zweiten Sohn wiederfinden, der zwar zunächst nicht in den Weinberg gehen will, den es aber später reut und dann doch geht. Denn es kommt nicht allein auf die Worte und gegebenen Zusagen an, sondern auf den Willen, das ihm Aufgetragene und von ihm Erwartete auch zu tun. Den zweiten Sohn, über den es im Evangelium heisst, dass er den Willen seines Vaters erfüllt, sich als Leitbild vor Augen zu haben: dazu ist auch und erst recht die Kirche berufen. Denn ihr kommt die Aufgabe zu, die Politik zu begleiten und zu unterstützen, indem sie die ethischen Grundlagen für die politischen Entscheidungen wachhält und die für die Gesellschaft und den Staat fundamentalen und deshalb nicht verhandelbaren Werte schützt und vertieft, die sich der Staat nicht selbst geben kann, von denen er leben können muss. Dies vermag die Kirche aber nur, wenn sie selbst wie der zweite Sohn im Evangelium sich in den Weinberg des Herrn rufen lässt und den Willen des Vaters erfüllt. Darauf weist bereits die erste in der Heiligen Schrift greifbare Definition der Kirche hin. An ihrem Beginn wurde der christliche Glaube als „Weg“ bezeichnet, und die Christen, die Christus, der sich selbst als „Weg“ offenbart und genannt hat, genauer als „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6), nachfolgen, wurden als „Anhänger des Weges“ bezeichnet (Apg 9, 2). Ganz in diesem Sinn hat Papst Benedikt XVI. die Kirche mit Vorliebe „Weggemeinschaft des Glaubens“ genannt. Das Bild des Weges gilt es dabei wörtlich zu nehmen. Denn ein Weg ist dazu da, begangen zu werden. Die Kirche würde unglaubwürdig werden, wenn sie nur Strassenschilder und Wegweisungen aufstellen, die den Menschen den Weg zeigen, ihn aber selbst nicht gehen würde. Das Bild des Weges weist vielmehr daraufhin, dass das Christentum eine Einheit von Glaube und Leben, von Gottesbeziehung und Dienst an der Welt ist und in dieser Einheit nach dem Willen des himmlischen Vaters sucht und ihn erfüllt. Sich an den guten Geboten Gottes orientieren Ein Blick in die Heilige Schrift zeigt, dass in ihr die genannte Einheit in einer ganz klaren Sicht vor unsere Augen tritt. Bereits im Alten Testament wird dies deutlich beim grundlegenden Geschehen am Sinai, wo sich Gott seinem Volk Israel in Sturm und Feuer gezeigt, mit ihm seinen Bund geschlossen und ihm dazu die Zehn Gebote übergeben hat. Darin liegt es begründet, dass Israel die Gebote Gottes gerade nicht als Schranke und Verzäunung seiner Freiheit empfunden hat, sondern im Gegenteil als Vollendung jener Befreiung, die Gott mit dem Auszug Israels aus der Sklavenherrschaft in Ägypten begonnen hat. Israel hat in den Geboten Gottes gleichsam die Gebrauchsanweisungen Gottes dafür wahrgenommen, damit das menschliche Leben und gesellschaftliche Zusammenleben gelingen kann, und zwar in der Glaubensüberzeugung, dass Gott besser weiss, was für uns Menschen gut ist, als nur zu oft wir selbst. In dieser Überzeugung hat Israel das Geschehen am Sinai mit der Übergabe des Gesetzes als die endgültige Gabe der Freiheit empfangen. Israel hat deshalb den fünfzigsten Tag nach Ostern dem Gedächtnis des Auszugs aus Ägypten als das Fest des Bundesschlusses am Sinai gefeiert. Auf diese entscheidend wichtige Stunde des Gottesvolkes des Alten Testamentes auf dem Sinai greift im Neuen Testament der Pfingstbericht in der Apostelgeschichte zurück, in dem sichtbar wird, dass das Pfingstgeschehen wiederum von einem heftigen Sturm und von Zungen wie von Feuer begleitet ist. Mit diesen Bildern von Sturm und Feuer, die über die im Abendmahlssaal versammelten Jünger hereinbrechen, zeichnet Lukas das Pfingstereignis als Erneuerung des Geschehens am Sinai: Pfingsten ist gleichsam der neue Sinai mit der Gabe des Neuen Bundes Gottes mit seinem Volk und der Übergabe des neuen Gesetzes, das in der Liebe besteht, die der Heilige Geist selbst ist. Wie Israel erst durch den Bund Gottes am Sinai Volk Gottes geworden ist, so bedeutet Pfingsten die Geburt der Kirche durch den Heiligen Geist. Mit Pfingsten kommt eindeutig an den Tag, dass auch im Neuen Testament die Zehn Gebote Gottes keineswegs abgetan, sondern erst recht in Kraft gesetzt sind. Dies vermag freilich nur einzuleuchten, wenn wir bedenken, dass der Dekalog nicht einfach eine Ansammlung von Geboten ist, mit denen nur ein Nein zum Ausdruck käme, das unsere Freiheit in Frage stellen würde. Der Dekalog bringt vielmehr zehn grosse Ja in der von der Ursünde schmerzlich verletzten Welt zur Geltung: Der Dekalog enthält in den ersten drei Geboten ein entschiedenes Ja zu einem Gott, der das Leben des Menschen liebt und ihm Sinn gibt. Der Dekalog spricht im vierten Gebot ein Ja zur Familie, im fünften Gebot ein Ja zum Leben, im sechsten Gebot ein Ja zu einer verantwortungsbewussten Liebe, im siebten Gebot ein Ja zu sozialer Verantwortung und solidarischer Gerechtigkeit und im achten Gebot ein Ja zur Wahrheit. Im neunten und zehnten Gebot sagt der Dekalog schliesslich Ja zur ehrfurchtsvollen Achtung der anderen Menschen und dessen, was ihnen gehört. Als Gegensatz zu dieser positiv geforderten Kultur des Lebens, ist im Dekalog zweifellos auch ein Nein enthalten, das jedoch nur auf dem Hintergrund des fundamentalen Ja einsichtig ist. So zeigt gerade der Dekalog, dass der christliche Glaube in erster Linie nicht eine Ansammlung von Verboten ist, die unsere Freiheit behindern würden, sondern eine durchwegs positive Option enthält. Er ist in erster Linie nicht einfach eine Forderung an uns Menschen, sondern auch und zuerst, wie Joseph Ratzinger sehr schön hervorhebt, „Enthüllung dessen, was Gott ist“. Die in den grundlegenden Geboten enthaltenen sittlichen Werte sind die stärksten „Spiegelungen Gottes“: „Wer der Gott der Bibel ist, kann man gerade an ihnen ablesen“2. Und wer sich seinerseits in diesem Gott und seinen Geboten spiegelt, wird wahrhaft frei. Den Willen Gottes in Liebe erfüllen Von daher beginnt man zu verstehen, dass in der Heiligen Schrift das Halten der Gebote Gottes als Inbegriff unserer menschlichen Liebe zu Gott und seinem Willen gesehen wird. Vor allem der erste Johannesbrief geht so weit, dass er die Echtheit unserer Liebe zu Gott im Befolgen seiner Gebote festmacht: „Wenn wir seine Gebote halten, erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben. Wer sagt: ich habe ihn erkannt, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm. Wer sich aber an sein Wort hält, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet“ (1 Joh 2, 3-5). In den Geboten Gottes erkennt der glaubende Mensch die Ratschläge seines besten Freundes, der nichts anderes wünscht als dies, dass das Leben des Menschen gelingt. Das Befolgen der Gebote ist für den glaubenden Menschen nicht einfach eine Pflicht, die er zu erfüllen hat, sondern in erster Linie eine innere Konsequenz seiner Liebe zu Gott. Wie man von sich liebenden Menschen zu sagen pflegt, dass sie einander, ohne ein Wort sagen zu müssen, die gegenseitigen Wünsche von den Augen ablesen, so erblickt der Christ in den Geboten Gottes die Wegweisungen seiner Liebe zu uns Menschen; und er wird wie der zweite Sohn im Evangelium dem Ruf in den Weinberg folgen und den Willen des himmlischen Vaters erfüllen, selbst wenn er zunächst zögern oder sich sogar Fragen stellen sollte. Damit wird vollends deutlich, dass der in der Heiligen Schrift offenbare Gott, gerade weil er ein liebender Gott ist, uns auch als ein sittlicher Gott begegnet, der Leben in Gerechtigkeit und Friede für alle Menschen will. Der glaubende Christ und die Glaubensgemeinschaft der Kirche sind deshalb berufen, das heutige Evangelium ernst zu nehmen, indem sie den Willen Gottes verkünden und erfüllen. Nur dann können sie der Politik glaubwürdig zumuten, sich in ihrem Handeln an jenen ethischen Grundlagen und Werten zu orientieren, die für den Aufbau einer gesunden Rechtsordnung unabdingbar sind. Von daher wird nochmals der grundlegende Unterschied zwischen Politik und Kirche sichtbar, den bereits die werdende Kirche mit ihrer Selbstbezeichnung als „ekklesia“ zum Ausdruck gebracht hat. Dieses Wort bezeichnete in der profan-griechischen Sprache die Volksversammlung einer politischen Gemeinschaft und in der Glaubenssprache die versammelte Gemeinschaft der Glaubenden. Diese unterscheidet sich von der ersteren vor allem dadurch, dass in der griechischen Polis die Männer zusammengekommen sind, um wichtige Beschlüsse zu fassen, während die Glaubensgemeinschaft zusammenkam, nicht um selbst zu beschliessen, sondern um zu vernehmen, was Gott beschlossen hat, und dazu seine Zustimmung zu geben und es ins Leben zu übersetzen. Als „ekklesia“ stehen wir jetzt in der Feier der Eucharistie vor dem lebendigen Gott, fragen nach seinem Willen für uns in der jetzigen Zeit und gestärkt mit der Speise des ewigen Lebens lassen wir uns anschliessend in den Weinberg des Herrn rufen, um seinen Willen zu erfüllen in einem glaubwürdigen Leben, mit dem wir auf die erfahrene Liebe Gottes unsere Antwort geben. Siehe dazu auch den kath.net-Beitrag: Neuer Schülerkreise Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. bestätigt bisherigen Vorstand im Amt - Der Schülerkreis bereitet sich auch schon auf den 100. Geburtstag von Joseph Ratzinger am 16. April 2027 vor (Link). Fußnoten: Archivfoto Kardinal Koch (c) Lohmann Media Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zu | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-gelesen
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