
Präsident der Rabbinerkonferenz: Druck auf Juden in Europa steigtvor 56 Minuten in Aktuelles, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Oberrabbiner Goldschmidt zum Jahrestag des Hamas-Terrorangriffs auf Israel: Wenn Juden zugleich vor Anschlägen geschützt werden müssen und das Gefühl bekommen, nicht mehr selbstverständlich dazuzugehören, "läuft etwas grundlegend falsch".
München (kath.net/ KAP)
Drei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 warnt der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, vor einer weiteren Verschärfung der Lage für Juden in Europa. Der Beschluss der britischen Grünen, Zionismus als eine Form von Rassismus zu bezeichnen, sei ein "alarmierendes Zeichen" und kein auf Großbritannien beschränkter Einzelfall, erklärte Goldschmidt am Mittwoch in einer Aussendung zum Jahrestag des Angriffs.
Kritik an einer israelischen Regierung sei legitim. Etwas anderes sei es jedoch, "das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung grundsätzlich infrage zu stellen oder als rassistisch zu bezeichnen". Damit sei "eine Grenze klar überschritten worden". Auch der jüngste Anschlagsversuch auf einen Flydubai-Flug nach Tel Aviv zeige, dass Juden und Israelis weiterhin konkrete Ziele von Terror und Gewalt seien. "Drei Jahre nach dem 7. Oktober ist diese Gefahr nicht kleiner geworden", erklärte Goldschmidt. 
Die Sicherheitslage präge zunehmend den Alltag jüdischer Gemeinden in Europa. Synagogen und Schulen benötigten umfangreichen Schutz, während finanzielle Mittel für Bildung, Jugendarbeit oder die Unterstützung älterer Menschen in Sicherheitsmaßnahmen flössen. Viele Juden überlegten genau, ob sie eine Kippa oder einen Davidstern tragen oder auf der Straße Hebräisch sprechen. Zugleich müssten sich Juden nach Goldschmidts Angaben an Universitäten, in der Kultur und im öffentlichen Leben zunehmend für ihre Haltung zu Israel rechtfertigen. Sie müssten sich distanzieren oder Teile ihrer Identität ablegen, um akzeptiert zu werden. "Das ist eine gefährliche Entwicklung", sagte der Oberrabbiner.
Europa dürfe jüdisches Leben nicht nur mit Polizei und Sicherheitszäunen schützen, forderte Goldschmidt. Juden müssten "frei, sichtbar und ohne Angst leben können", ohne sich für ihre Identität rechtfertigen zu müssen. Wenn Juden zugleich vor Anschlägen geschützt werden müssten und das Gefühl bekämen, nicht mehr selbstverständlich dazuzugehören, "dann läuft in Europa etwas grundlegend falsch", so Goldschmidt.
Die Konferenz der Europäischen Rabbiner vertritt nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitglieder und 800 aktive Rabbiner von Dublin bis Wladiwostok. Die Organisation hat ihren Sitz in München und setzt sich unter anderem für die religiösen Rechte von Juden in Europa und den interreligiösen Dialog ein.
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Foto: Jerusalem, Archiv kath.net
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