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| ![]() Der Bischof und der Denunziantvor 1 Stunden in Kommentar, keine Lesermeinung Der Oberhirte von Mainz erklärt besorgte Gläubige, die sich an ihn wenden, mal eben so zu Denunzianten - Der Montagskick von Peter Winnemöller Mainz (kath.net/pw) Der Oberhirte von Mainz erklärt besorgte Gläubige, die sich an ihn wenden, mal eben so zu Denunzianten und wie er mit ihnen und ihren Herzensanliegen umzugehen gedenkt. Er bleibt gelassen und leitet die Beschwerden an die zuständigen Pfarrer weiter. In einem Interview mit dem umstrittenen Nachrichtenportal katholisch.de hat sich der Bischof von Mainz Peter Kohlgraf unter anderem auch zur Frage der verbotenen Laienpredigt in Eucharistiefeiern geäußert. Zwar hat der Mainzer Oberhirte das Verbot grundsätzlich akzeptiert, jedoch als wenig durchdacht kritisiert. Ferner hatte er erklärt, das Verbot in seiner Diözese nicht wirklich durchsetzen zu wollen. Man halte sich in der Diözese Mainz an die kirchliche Anordnung, so teilte Kohlgraf im Interview mit. Dann aber schränkte er ein, es habe sich in der Praxis eingebürgert, „dass das schon hin und wieder trotzdem vorkommt“. Dort kündigte Kohlgraf mit einer gewissen Nonchalance an, werde er es aber nicht ändern. Ins weltliche Recht übersetzt, könnte man es in etwa so auffassen: Grundsätzlich, so der Oberbürgermeister der Großstadt XY, sei Ladendiebstahl in Deutschland verboten. Eine Anfrage bei der Bundesregierung habe ergeben, dass es dafür kein Indult geben werde. Das werde in seiner Stadt befolgt. In einigen Stadtteilen allerdings habe es sich eingebürgert, ab und an in Geschäften nicht zu bezahlen. Das wolle er nicht ändern. Nun ist nicht alles, was hinkt, schon ein Vergleich. Beim Ladendiebstahl geht es nur um weltliche Güter. Doch würde ein solcher Diebstahl von der weltlichen Obrigkeit akzeptiert, dann fände sich kaum ein Kaufmann, der im Bereich dieser Obrigkeit noch seine Geschäfte machen wollte. Bei der Liturgie der Kirche geht es hingegen um Ewige Güter. Und während bei weltlichen Gütern jede Strenge nachvollziehbar ist, soll dies bei den Ewigen nicht der Fall sein? In der Praxis muss es kein Laie hinnehmen, sich die Predigt eines anderen Laien in der Sonntagsmesse anzuhören, auch nicht in der Diözese Mainz. Doch ist ernsthaft davon abzuraten, sich in dem Falle mit einer Beschwerde an den Mainzer Bischof zu wenden. Wenn er davon erfahre, so ließ Kohlgraf nämlich wissen, werde er weder disziplinarisch eingreifen noch Kirchenrecht anwenden: Ganz ernsthaft, als Laie kann man seine Zeit auch besser verbringen als sinnlose Briefe an den Bischof schreiben, wenn dieser angekündigt hat, sich sowieso nicht damit befassen zu wollen. Freilich ist es jedem unbenommen, sich unter Verweis auf dieses Interview dann direkt an das zuständige Dikasterium in Rom zu wenden. Interessant ist zudem die weitere Aussage Kohlgrafs, er werbe dafür nicht und könne es nicht erlauben. „Ich nehme es nur zur Kenntnis, dass es in manchen Kirchengemeinden so eine eingebürgerte Praxis gibt.“ Wer also schon lange genug eine unerlaubte Praxis übt, der darf das ohne Sanktion des Bischofs fürchten zu müssen, auch weiterhin tun. Für sein Bistum, so bekräftigte Kohlgraf, ändere das Verbot der Laienpredigt in der konkreten pastoralen Praxis nichts. Man kann kaum deutlicher betonen, dass man sich für das, was Rom sagt, so gar nicht interessiert. Doch Kohlgraf versteht es, noch einen draufzusetzen und jenen, die es im Grunde gerne sähen, setzte ihr Bischof universales Kirchenrecht durch, eine laut schallende Ohrfeige zu verpassen. „Mir bereitet mehr Sorgen“, so Kohlgraf, „dass das Laienpredigtverbot aus Rom nun die Denunziation fördert.“ Man muss es noch einmal klar sagen, wenn sich jemand an seinen Bischof wendet und diesen über einen Missstand informiert, dann ist jener ein Denunziant – der Rechtsbrecher hingegen hat nichts fürchten. Im weltlichen Bereich würde man eine solche Herrschaftsform als Schurkenstaat bezeichnen. Der Rechtsbrecher, der mit dem Autokraten gemeinsame Sache macht, hat nichts zu fürchten. Den Denunzianten lässt man wissen, was ihn erwartet. Kohlgraf fährt fort: „Es gibt Leute, die liturgische Verstöße sofort an den Bischof melden und direkt an mich schreiben. Das gab es davor zwar auch schon, dass sich einzelne Leute bei mir beschweren, aber nun fordern sie mich dazu auf, dass ich einschreiten muss.“ Noch mal übersetzt für normale Menschen: Es gibt ein Gesetz, das wird gebrochen. Dann gibt es mutige Menschen, die wenden sich an die Person, die zuständig ist, dafür zu sorgen, dass dem Recht Geltung verschafft wird. Diese jedoch kümmert sich nicht darum, dem Recht Geltung zu verschaffen, sondern jammert öffentlich über die Zumutung, einzuschreiten. Man kann es nicht anders sagen, Kohlgraf gibt hier den episkopalen Jammerlappen. Natürlich geht so eine Jammernummer nicht ohne Crescendo, das da lautet: „Manche schreiben sogar an den Nuntius oder direkt nach Rom.“ Im Hintergrund hört man förmlich den unsterblichen Peter Ustinov. Doch wie der jammernde Nero, der so dramatisch eindrucksvoll seine Tränen vergießt, keine Gnade kennt, so mache sich bitte auch hier niemand Illusionen. Kohlgraf macht mit Denunzianten kurzen Prozess. Er nehme „es“, also die Bitte, hier einzugreifen, zur Kenntnis „und leite es weiter, meistens an den jeweiligen Pfarrer oder pastoralen Leiter der betreffenden Kirchengemeinde“. Vielleicht ist er sogar noch so freundlich, den Namen des „Denunzianten“ zu tilgen. Vielleicht aber auch nicht. Doch so oder so, vor Ort wird man schon wissen, wer da beim Bischof gepetzt hat. Und wenn nicht, man wird es schon herausfinden. In aller Sanftheit gibt er diejenigen, die sich vertrauensvoll an ihren Bischof wenden, der sozialen Hinrichtung preis. Denn nichts anderes als das bedeutet es, die Beschwerde an den Pfarrer zu geben, der für den Rechtsbruch verantwortlich zeichnet. Obwohl der Bischof einer Diözese der Hirte und Vater seiner Gläubigen sein sollte und sich deren Sorgen anzunehmen hat, muss man hier deutlich warnen. Wenn man nicht ohnehin vor Ort nichts mehr zu verlieren hat, sollte man sich dringend hüten, diesem Bischof mehr als die Tageszeit zu sagen und schleunigst weiterzugehen. Ob Beschwerden an Rom oder an den Nuntius Folgen haben oder nicht, darüber streiten sich die Geister. Dennoch sollte man sich nicht scheuen, sich mit seinen Sorgen dorthin zu wenden, wenn man erkennen kann, dass beim Bischof kein Blumentopf zu gewinnen ist. Wenn ein Bischof wie Kohlgraf es selbst deutlich sagt, wie hier geschehen, umso besser. Dann erspart man sich viel Ärger. Auf der anderen Seite muss man, um die Sache einmal nüchtern einzuordnen, feststellen, dass es sich bei dem Streit um die sogenannten Laienpredigt ohnehin inzwischen um ein Luxusproblem handelt. Nicht nur der Priestermangel, den die Diözesen selbst zu verantworten haben, treibt die Personalverantwortlichen inzwischen um. Auch die Stellen für Pastoral- und Gemeindereferenten sind kaum noch zu besetzen. In vielen Bistümern beträgt der Nachwuchs bei Priestern genau Null und die Studienanfänger für die sogenannten pastoralen Berufe sind einstellig. Die Menge potentieller Laienprediger ist auf die Zeit gesehen endlich. Dazu kommt einer der wenigen Vorteile der immer größer werdenden Pastoralkolchosen: Man weiß doch nach einer gewissen Zeit, wer wann wo anzutreffen ist und kann dem ausweichen. Geht es mal schief, dann heißt es Augen zu und durch, oder man hakt es als Versuch mit gutem Willen ab. Wenn man nicht gerade mitten in einem pastoralen Sumpf sitzt, aus dem es in automobiler Reichweite keinen Ausweg gibt, hat man kaum einen Grund, den aussichtslosen Kampf aufzunehmen. Einfach dorthin fahren, wo es in der Regel ordentlich zugeht. Schief gehen kann auch das immer. So geriet der Autor dieser Zeilen vor Kurzem an einem Sonntagmorgen in dem Wunsch eine Heilige Messe aufzusuchen, völlig unerwartet in eine Werbeveranstaltung für einen lokalen CSD. Der Priester zog mit Ministranten und einer Dame liturgisch ein, statt die Heilige Messe zu eröffnen, erinnerte er an den schrecklichen Anschlag auf den Berliner CSD und teilte mit, dazu habe die Dame, die mit ihm eingezogen war, ein paar Worte zu sagen. Diese ging an den Ambo und statt das Wort Gottes zu verkünden, machte sie mit salbungsvollen Worten Werbung für einen benachbarten lokalen CSD, tief in der Provinz, an dem auch der vor Ort ansässige Pastorale Raum teilnehmen werde, weil es doch notwendiger denn je sei, queeres Leben sichtbar zu machen. Man beachte zur Einordnung, dass die Besucher der Heiligen Messe in dem reizenden Dörfchen einer traditionell tiefkatholischen Gegend Deutschlands einen Altersschnitt von locker 80 Jahren aufwiesen. Ja, man hätte an den örtlichen Bischof schreiben können. Aber wem hätte das genützt? Am Ende wäre der Pfarrer womöglich noch belobigt worden, für seine Bemühungen queeres Leben in der Kirche sichtbar zu machen. Solche Dinge sind ein Ärgernis. Das ist unbestritten. Doch wie der Bischof von Mainz es jetzt im Interview sehr deutlich gesagt hat, bringt es nichts, sich bei den Hirten zu beschweren. Das heißt nicht, dass es aussichtslos ist. In Deutschland, das zeigt sich immer deutlicher, wird der deutschkatholische Klerus einfach aussterben. Leider erst danach wird es vermutlich besser werden. So lange müssen wir das eben aussitzen und können bestenfalls dafür sorgen, dass die zuständigen Dikasterien in Rom informiert bleiben.
KONTAKT: Bischof Peter Kohlgraf [email protected]
Bild oben: Symbolbild. Nun wissen wir, wie der Bischof von Mainz sich jene vorstellt, die sich mit ihren Sorgen an ihn wenden. Foto: Peter Winnemöller mit KI erstellt. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuMontagskick
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