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Vor der Liebe ‚kapituliert sogar der Tod’

22. März 2008 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Predigt zum Karfreitag 2008 im Hohen Dom zu Köln von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner.


Köln (www.kath.net/pek)
Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Viermal liest uns die Kirche allein in der Karwoche die Leidensgeschichte Christi vor. Alle historischenQuellen für dieses aufrüttelnde Ereignis holt sie herbei. Nach jeder Lesung sollen wir besser den Platz erkennen,den wir in diesem Bericht einnehmen, denn wir sind keine unbeteiligten Zuschauer. Wir spielen ja allemit bei der Darstellung der Passion.

Wer dabei nur ein Statist sein will, der wird sich täuschen. Denn dieseram Kreuz „ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden“(Lk 2,34), wie die Heilige Schrift sagt.

Die Passion Christi drängt uns zur Entscheidung. Darum gilt das Gebotdes Schweigens für Glocken und Orgel an den letzten Kartagen. Den Menschen wird die Stille als Heilmittelverordnet, die im Lärm unserer Tage oft das Rufen der Liebe Gottes überhören. Der Lärm des Verkehrs istgefährlich für den Körper des Menschen.

Davon zeugen täglich Unfallberichte. Aber es gibt einen Lärm derBetriebsamkeit, der ein gefährlicher Feind des inneren Lebens ist, der gleichsam die seelischen Organe in ihrerAufnahmefähigkeit verkümmern lässt. Die Stille in unseren Kirchen soll uns auf den Weg der inneren Heilungführen. Weil sie zuviel hören, verlieren viele Menschen die Fähigkeit, Wesentliches von Unwesentlichem zuunterscheiden.

2. Zu Beginn des Karfreitagsgottesdienstes wirft sich der Priester in tiefem Schweigen vor dem entblößtenAltar nieder. Damit zeigt er an, welche Haltung sich vor dem Kreuz des Herrn ziemt. Im Mittelpunktdes Karfreitagsgottesdienstes steht die Enthüllung des heiligen Kreuzes. Es ist nicht schwer, den Schleier vomKreuz zu heben, aber es ist sehr schwer, den Schleier von unseren Augen wegzureißen.

In diesen Minutensollen wir aus Herzensgrund beten: „Herr, mach mich sehend, dass die verratene und geschändete Liebe amKreuz Licht und Kraft unseres Lebens wird.“

In der geöffneten Herzwunde steht einladend weit die Tür zurFreude für uns auf. „Denn durch das Holz des Kreuzes kam Freude in unsere Welt“, sagt die heilige Liturgie.

Sein Tod vernichtet unseren Tod.

3. Wir Christen gehören zur Gefolgschaft Christi. Es kann sein, dass uns manchmal die Versuchung zurFlucht überkommt, die Versuchung, uns einfach hineinzuwerfen in das Leben, das nicht mehr vom Kreuzbeeinflusst und gesegnet wird. Dann ist die Stunde der Entscheidung fällig, die sich immer in unserem Lebenwiederholt.

Wir müssen beten, dass wir zur Gruppe derer gehören, die nicht dem Kreuz davonlaufen, sonderndie dabei bleiben. Gott hängt am Kreuz und schweigt. Die Welt läuft lärmend ihren Weg weiter und hat keinenBlick für den, der sich ihrer erbarmt.

Aber die Welt wird unerträglich ohne das Kreuz und heillos dazu.Das Heil kommt nicht von Konferenzen und Parlamentsbeschlüssen, es kommt nur von der Zwiesprache mitdem gekreuzigten Herrn und von der Antwort des einzelnen Menschen auf den Anruf dieser Liebe.

Gotthängt am Kreuz und schweigt. Wir aber wollen, dass dieser über uns herrsche.

4. Darum hängen wir in unseren Wohnungen das Kreuz auf. Ein Kreuz hat immer seine ureigene Sprache,aber zum Lebensspender wird das Kreuz erst dort, wo ihm Antwort gegeben wird. Das Kreuz steht aufGogotha, und sein Bild hängt in unserer Wohnung.

Es sind eigentlich zwei Kreuze: das Kreuz Christi undmein persönliches Kreuz. Sie rufen sich gegenseitig, und wir sollen dieses Rufen hören: vom Kreuz Christi herdas Wort: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruheverschaffen!“ (Mt 11,28), von unserem Kreuz her: „Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!“ (Mk 10,47).

Wo dieses Rufen nicht mehr gehört wird, dort muss man misstrauisch werden gegen alle Versuche der Menschen,auf eine andere Art mit dem Problem des Leidens fertig zu werden. Dann nützen keine Erfindungenetwas, da nützt kein Fortschritt, da bleibt als Letztes immer nur die Resignation oder der Trotz.

Die LiebeGottes gewann am Kreuz das Ringen des Menschen mit seiner Finsternis. Die Liebe gewann in diesem seltsamenZweikampf zwischen Tod und Leben. Die Liebe bleibt die stärkste Lebensmacht, wie Paulus schreibt: „Sieerträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf“ (1 Kor 13,7-8). Vor ihrkapituliert sogar der Tod.

Zuletzt bleibt er auf der Strecke. Und dann ist alles gewonnen: Liebe, Leben, Glückund Seligkeit. Und dann sagen wir schon vor dem Kreuz des Karfreitags, was die Kirche im Exsultet der Osternachtsingen wird: „O glückselige Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!“ Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln

Kathpedia: Triduum Sacrum

Foto: © www.kath.net, Gerald Augustinus



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