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Das Licht Gottes besiegt Chaos und Finsternis

1. November 2012 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle: Es ist das Licht Gottes, das diese Fresken und die ganze päpstliche Kapelle erleuchtet: Wenn die Sixtinische Kapelle im Gebet betrachtet wird, zeigt sie sich in all ihrem Reichtum. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Anlässlich des 500. Jahrestages der Enthüllung der Fresken der Sixtinischen Kappelle im Apostolischen Palast am 31. Oktober 1512 feierte Papst Benedikt XVI am gestrigen Abend die erste Vesper zum Hochfest Allerheiligen. Michelangelo hatte im Auftrag Papst Julius’ II. (1503-1513) die Ausmalung des 1.100 Quadratmeter messenden Deckengewölbes vollendet. Die Fresken zeigen die Erschaffung der Welt, die Schöpfung des Menschen und die Vertreibung aus dem Paradies sowie weitere Szenen aus dem Leben des Noah aus dem Alten Testament.

In seiner Predigt zum Vespergottesdienst, die der Papst als „lectio theologica“ zum Werk Michelangelos gestaltete, betonte Benedikt XVI., dass die Sixtinische Kapelle ihrem Wesen nach eine „liturgische Aula“ sei. Die sie ausgestaltenden Kunstwerke „finden in der Liturgie sozusagen ihr vitales Umfeld, die Umgebung, in der sie am besten ihre ganze Schönheit zum Ausdruck bringen, ihren ganzen Reichtum und die Prägnanz ihrer Bedeutung“:


„Es ist, als ob diese ganze Symphonie von Figuren während des liturgischen Tuns lebendig wird, dies gewiss in einem geistlichen, doch untrennbar davon auch in einem ästhetischen Sinne, da die Wahrnehmung der künstlerischen Gestalt ein typisch menschlicher Akt ist und als solcher Sinn und Geist einnimmt“. Der Papst unterstrich: „Wenn die Sixtinische Kapelle im Gebet betrachtet wird, ist sie noch schöner, noch echter; sie zeigt sich in all ihrem Reichtum“.

„Alles lebt hier, alles erklingt im Kontakt mit dem Wort Gottes“, so Benedikt XVI. weiter. Gerade ausgehend vom Text aus der ersten Lesung (Hebr 12,22-23) erhebe sich dann der Blick zum Fresko des Jüngsten Gerichts.

Der Papst erinnerte an jenen Abend des Jahres 1512, als das Deckenfresko enthüllt wurde: „Wer dies zum ersten Mal sah, musste wirklich beeindruckt sein“. Von diesen mehr als 1000 Quadratmetern Fresken sollte ein gewaltiger Sturzbach auf die Kunstgeschichte niedergehen und Glück, aber auch Zerstörung mit sich bringen sollte, wie Wölfflin 1899 unter Verwendung einer schönen Metapher geschrieben habe. Giorgio Vasari habe dieses Werk als „wahre Leuchte unserer Kunst“ bezeichnet, durch die die Welt erleuchtet worden sei.

Leuchte, Licht, erleuchten: das Licht entstammt für Benedikt XVI. nicht allein dem Reichtum der Farben mit ihren Kontrasten oder der Bewegung, die Michelangelos Meisterwerk beseele. Das Licht „ist das Licht Gottes, das die Fresken und die ganze päpstliche Kapelle erhellt: jenes Licht, das mit seiner Kraft das Chaos und die Finsternis besiegt, um Leben zu schenken: in der Schöpfung und in der Erlösung“. Die Sixtinische Kapelle erzähle diese Geschichte des Lichts, der Befreiung, des Heils, „sie spricht von der Beziehung Gottes mit der Menschheit“.

Der Künstler male den Schöpfergott, sein Handeln, seine Macht, um deutlich zum Ausdruck zu bringen, „dass die Welt kein Produkt der Finsternis, des Chaos, des Absurden ist, sondern einer Intelligenz entstammt, einer Freiheit, einem höchsten Akt der Liebe“: „In jener Begegnung zwischen dem Finger Gottes und dem des Menschen nehmen wir den Kontakt zwischen dem Himmel und der Erde wahr. In Adam tritt Gott in eine neue Beziehung mit seiner Schöpfung ein, der Mensch steht in direkter Beziehung mit ihm, er wird von ihm gerufen, er ist nach Gottes Bild und Gleichnis“.

Zwanzig Jahre später beschließe Michelangelo das Gleichnis des Wegs der Menschheit, indem er seinen Blick auf die Erfüllung dieser Wirklichkeit der Welt und des Menschen, auf die endgültige Begegnung mit Christus, dem Richter der Lebenden und Toten, richte.




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