Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  2. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  3. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  6. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  7. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  8. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  9. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  10. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  11. US-Vizepräsident Vance wird erneut beim „March for Life“ teilnehmen und sprechen
  12. Eine unerträgliche Verharmlosung des tatsächlichen NS-Unrechts!
  13. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  14. „Catholic Herald“: „Irlands schwindende Familien“
  15. "Ich glaube, dass Gott das erste Selfie geschossen hat.“

Zur Nichtwahl eines Churer Bischofs durch das Domkapitel

27. November 2020 in Schweiz, 19 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Zwei 'Einsiedler Schafsböcke' für das Bistum Chur? Gastkommentar von Niklaus Herzog


Chur (kath.net) „Der Vatikan hat das Domkapitel verarscht“. Mit diesen drastischen und gleichwohl durchdachten Worten kommentierte Rudolf Nussbaumer, Dekan und Pfarrer der Pfarrei Steinen im Kanton Schwyz, gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung, den Vorschlag des Vatikans für die Wahl eines neuen Bischofs der Diözese Chur. In der Tat: Die dem Churer Domkapitel zugemuteten Kandidaten waren effektiv nicht wählbar. Der eine, weil er bereits in zweieinhalb Jahren altershalber seinen Rücktritt hätte einreichen müssen, die beiden andern, weil sie v.a. mit der kirchlichen Realität in der Deutschschweiz wenig bis gar nicht vertraut sind.

Wie konnte es zu dieser offensichtlichen Palette von Fehlbesetzungen kommen? Diözesanpriester Nussbaumer hat mit Bedacht auf den Vatikan Bezug genommen und nicht auf Papst Franziskus. Man geht nicht fehl in der Annahme, dass nach der Demission von Bischof Huonder ein veritabler Tsunami von Intrigen und mehr oder weniger unverhohlener Druckversuche den Vatikan überschwemmt hat. In diesem Tsunami sind denn auch die wiederholten Dreiervorschläge des zuständigen Nuntius Gullickson untergegangen.

Demgegenüber zeitigten die dreisten Einmischungsversuche von politischer Seite offensichtlich Wirkung. So rühmte sich der ehemalige Bundespräsident Pascal Couchepin erst unlängst wieder damit, wie er während seiner Amtszeit in Rom erfolgreich die Absetzung des seinerzeitigen Bischofs Wolfgang Haas betrieben habe – Verletzung der in der Bundesverfassung verankerten Religionsfreiheit hin oder her.


Martin Kopp, der als Generalvikar der Urschweiz wegen chronischer Insubordination von Diözesanadministrator Peter Bürcher vor einigen Monaten ausgemustert werden musste, nahm den Ball von Alt-Bundesrates Couchepin noch so gerne auf: „Staatliche Interventionen bei einer Bischofswahl machen beim Staatssekretariat einen grösseren Eindruck als der Protest von Reform-Katholiken.“ Ein entlarvendes Wording! Nicht von der eigentlich zuständigen Bischofskongregation, schon gar nicht vom Papst, ist da im Statement von alt-Generalvikar Kopp die Rede.

Die Frage, was diesbezüglich an authentischen Informationen schlussendlich auf dem Pult von Papst Franziskus gelandet ist, muss offen bleiben. Dies ist ein grundsätzliches Problem, das sich nicht nur in der Kirche, sondern in allen sozialen Gebilden stellt. Dabei gilt der Grundsatz: Je mächtiger der oberste Entscheidungsträger, umso vehementer und oft auch intriganter sind die Ränkespiele der vorgelagerten Instanzen.

Im Verbund mit innerkirchlichen Einmischungen aus den Nachbardiözesen Basel und St. Gallen entfalteten die Pressionen von staatlicher Seite ihre toxische Wirkung. Da gehörte seitens des Churer Domkapitels eine gehörige Portion Mut dazu, diesem Ansinnen eines untauglichen Dreier-Vorschlags die Stirn zu bieten. Man muss nicht soweit gehen wie der Chefredaktor der „Weltwoche“, Roger Köppel, der in einem Anflug von Galgenhumor vorschlug, das Churer Domkapitel für den „Prix courage“ zu nominieren, aber völlig abwegig ist dieser Vorschlag beileibe nicht.

Aber der Schuss, den das Churer Domkapitel in Richtung Vatikan abfeuerte, könnte auch nach hinten los gehen. Die Aussicht, dass der Papst eine neue Dreier-Liste unterbreitet, dürfte eher gering sein. Seinem Naturell als Caudillo folgend, der seiner Herde relativ freien Auslauf gewährt, dann aber brüsk zur Peitsche greift, wenn ihm das Treiben zu bunt wird, dürfte er nun vielmehr selbst einen Kandidaten nach seinem Gusto zum Bischof ernennen. Und dieser könnte entsprechend seiner Vorliebe für Ordensmänner auf dem Bischofsstuhl auf den Namen des bereits bisher als 'episcopabile' gehandelten Urban Federer lauten, seines Zeichens Abt des Klosters Einsiedeln. Dieser wiederum hätte gleich auch noch einen passenden neuen Generalvikar und Kommunikationsverantwortlichen in Personalunion in petto: seine Mitbruder und Vorgänger Martin Werlen, der in seinem Vorarlberger Exil schwer an medialen Entzugserscheinungen leidet. Bildlich gesprochen hätte dann das Bistum Chur zwei Einsiedler Schafsböcke: die allseits beliebte Einsiedler Spezialität aus Teig und Honig.

Damit würden sich für die katholische Kirche in der Deutschschweiz in geradezu prophetischer Weise die Worte erfüllen, die Papst Franziskus unmittelbar nach seiner Wahl auf der Loggia zu den ausharrenden Gläubigen auf dem Petersplatz gesprochen hat: „Buona notte!“.

Niklaus Herzog ist Theologe und Jurist; er war Geschäftsführer der Ethikkommission des Kantons Zürich und ist heute Richter am Interdiözesanen Gericht der Schweizer Bischofskonferenz.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  5. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  6. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  7. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  8. Kardinal Zen: Papst Leo „ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!“
  9. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  10. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  11. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  12. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  13. „Papst Leo XIV. stellt in allen seinen Predigten und Ansprachen immer Jesus Christus in die Mitte“
  14. Sterilisationen, schlechte Lebensbedingungen: Grönländer kritisieren dänische Herrschaft
  15. Maria 1.0: Immer wieder Deutschland - „Deutsch-Synodale“ Reformatoren schaffen Realität

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz