Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:








Top-15

meist-diskutiert

  1. „Das hier ist ein Satire-Account, oder? ODER????“
  2. Rosenkränze für Weltjugendtag 2023 aus Recycling-Material
  3. "Redet miteinander und habt Sex miteinander – Und geht niemals mit Groll zu Bett!"
  4. Belgien: Mann will Ordensschwester werden
  5. Ramadan-Wünsche vom Vatikan: Gemeinsam "Zeugen der Hoffnung"
  6. New Yorker Elternteil möchte das eigene (erwachsene) Kind heiraten
  7. DBK-Vorsitzender Bätzing: Debatte um selbstbestimmtes Sterben „sehe ich mit großer Sorge“
  8. Gebetsstätte Wigratzbad bekommt neue Leitung
  9. Also gut, Bischof Bätzing, reden wir über Sex
  10. Polnische Bischöfe gegen Corona-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson
  11. Kardinal Müller: „Ich halte Benedikt XVI. für einen Kirchenlehrer der Zukunft“
  12. US-Bundesstaaten wollen ‚Trans-Frauen’ von Sportbewerben der Damen ausschließen
  13. Sind staatliche Einschränkungen für religiöse Veranstaltungen erlaubt?
  14. Covid-Impfpass als Werkzeug für eine globale Gesundheitsdiktatur?
  15. Zwei US-Bischöfe unterstützen LGBT-Kampagne für Ende der ‚Gewalt gegen Transgender’

Juristen: Suizidwillige könnten in fünf Jahren anders denken

28. März 2021 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Rechtsexperten bei Salzburger Bioethik-Dialogen: Künftiges Gesetz für Suizidbeihilfe muss Sterbewillige vor Entscheidungen bewahren, die sie später womöglich revidieren könnten.


Salzburg (kath.net/ KAP)

Das Regelwerk für Suizidbeihilfe, welches der österreichische Gesetzgeber bis Jahresende finden soll, muss ausschließen, dass diese Praxis bei suizidwilligen Menschen Anwendung findet, die zu einem späteren Zeitpunkt womöglich anders entscheiden könnten: Das haben hochrangige Juristen am Donnerstagabend bei der als Webinar veranstalteten zweiten Ausgabe der "Salzburger Bioethik-Dialoge" hervorgehoben. Bei der Frage nach der Selbstbestimmung gelte es zwischen einer "temporären" und einer "finalen" Autonomie zu unterscheiden, führte der Salzburger Strafrechtler Kurt Schmoller dabei aus.

Auf die Dauerhaftigkeit eines Suizidbeschlusses sei in der Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes (VfGH), mit der das bisher ausnahmslose Verbot von Suizidbeihilfe in Österreich gelockert wurde, zu wenig eingegangen, urteilte Schmoller. "Lebenssituationen und damit verbundene Vorstellungen und Wünsche können sich ändern - oft nicht in Tagen oder Wochen, wohl aber in fünf oder zehn Jahren. Die heute autonome Entscheidung eines Sterbewilligen würde dann vielleicht anders ausfallen, was er selbst aber mitunter zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen kann. Mit einem Suizid verliert man jedoch die Autonomie des ganzen künftigen Lebens", gab der Experte zu bedenken.

Schwierige Aufgabe des Gesetzgebers werde es sein, eine Regelung für jene Extremfälle zu finden, wo diese Entscheidungsänderung so gut wie auszuschließen ist - die von Schmoller als "finale Autonomie" bezeichnete Variante von Selbstbestimmung. Im Fall einer nur noch kurzen verbleibenden Lebensspanne, die zudem durch unveränderliches und unabwendbares Leid gekennzeichnet ist, halte er es sinnvoll die Suizidbeihilfe als gerechtfertigt anzuerkennen und "der Autonomie zum Durchbruch zu verhelfen", so der Jurist.


Im Fall eines an Depression oder ähnlichen psychischen Erkrankungen leidenden Menschen ist der Fall anders gelagert, zumal hier nicht von freier Selbstbestimmung die Rede sein darf, legte der Wiener Verfassungs- und Strafrechtler Prof. Peter Lewitsch im Rahmen der Veranstaltung dar. "Die allermeisten Suizide sind Ausdruck eines schweren Krankheitsbildes, wenngleich dies oft nicht rechtzeitig erkannt wird. Der VfGH hatte erkennbar nicht die Absicht, Suizidbeihilfe für psychisch beeinträchtigte Personen zu öffnen", so der Jurist. Was in der Erkenntnis der Höchstrichter bereits angelegt sei - jedoch nur ansatzweise - müsse der Gesetzgeber nun "operationalisieren".

 

Schlupfloch ermöglicht

Den Rahmen für die derzeitige und künftige Rechtslage fasste Schmoller kompakt zusammen: Fremdtötung, bei der ein Dritter eine Tötungshandlung vornimmt, steht ausnahmslos unter Strafe, selbst wenn dies auf Wunsch des Sterbewilligen geschieht. "Das war bis jetzt so und daran hat sich nichts geändert", so der Strafrechtler. Bisher stand darüber hinaus auch Mitwirkung am Suizid ausnahmslos unter Strafe. Schmoller: "Die Höchstrichter haben nun festgestellt, dass es in bestimmten Extremfällen zu hart ist, kein Schlupfloch zu lassen." Jemanden zum Suizid zu verleiten bleibe aber unverändert eine Straftat; als "grenzwertig" bezeichnete es Lewitsch, einen noch nicht ganz zur Tat Entschlossenen im Suizidwunsch zu bestärken.

 

Suizidprävention notwendig

Sicherstellen müsse das künftige Gesetz daher auch die Suizidprävention, deren Wirkungsweise vor allem das Eröffnen von Perspektiven im Moment der "suizidalen Verengung" sei, wie Schmoller darlegte. Als unbeteiligt Dazukommender jemanden davon abzuhalten, sich das Leben zu nehmen, sei derzeit "Pflicht, da bevorstehender Suizid als Unglücksfall gilt". Bestimmte Formen dieser Hilfeleistungspflicht dürften wohl auch künftig aufrecht bleiben, "da man von außen nicht beurteilen kann, ob es sich um selbstbestimmten Suizid oder ein von Depression oder einer anderen Krankheit hervorgerufenen handelt". Schmollers Rat: "Im Zweifelsfall einschreiten, und was immer geht: Die Rettung rufen."

Auch u.a. auf die Frage nach der Zulassung von Vereinen und Organisationen sowie nach möglichen Auswirkungen des VfGH-Entscheids auf das medizinische Personal ging das Expertengespräch ein. Schmoller sprach sich bei letzterem Punkt für ein "Diskriminierungsverbot" analog zu der 1975 im Rahmen der Fristenregelung beim Schwangerschaftsabbruch gefundenen Regelung aus: "Niemand soll dafür arbeitsrechtlich Nachteile dafür erleiden dürfen, dass er an Suiziden mitwirkt oder aber diese Mitwirkung verweigert", so seine Empfehlung.

VfGH-Entscheid weiterdenken

Die Salzburger Bioethik-Dialoge wurden im Vorjahr im Rahmen der Sterbehilfe-Diskussion gestartet und verstehen sich als regelmäßiges Forum zur Erörterung drängender bioethischer Fragestellungen durch Fachexperten. Die Veranstalter sind das "Salzburger Ärzteforum für das Leben", die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Salzburg und die Österreichische Ärztekammer.

Die diesjährige zweite Ausgabe der Dialoge findet coronabedingt als vierteilige Webinar-Reihe mit anschließendem Live-Symposium statt und widmet sich aus verschiedenen Perspektiven dem VfGH-Urteil zur Suizidbeihilfe. Nach der Erörterung aus ethischer und juristischer Sicht geht es im nächsten Teil am 8. April um 19 Uhr um den intensiv- und palliativmedizinischen sowie am 22. April um den psychiatrischen und psychotherapeutischen Blick auf die höchstrichterliche Erkenntnis.

Für das abschließende Symposium am 30. April in Salzburg sind Beiträge u.a. von der Hospizdachverbands-Präsidentin Waltraud Klasnic, dem Sozialethiker Clemens Sedmak, dem Medizinethiker Matthias Beck und Ministerin Caroline Edtstadler (angefragt) angekündigt, sowie eine Expertenrunde mit führenden Medizinern und Ethikern. Moderiert werden alle Veranstaltungen von der Juristin Stephanie Merckens, Leiterin der Abteilung Politik am Institut für Ehe und Familie (IEF). (Infos: www.salzburgeraerzteforum.com)

 

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Chris2 29. März 2021 
 

Zum Bereuen ist es dann zu spät.

Wenn man in tiefster Finsternis landet (das kann in der Tat jedem aus heiterem Himmel passieren - wenn man Pech hat, nur aufgrund eines Missverständnisses), sieht man keinen Ausweg. Wohl dem, der sich dann auf Gott stützen und notfalls auch mit ihm hadern kann. Und wer sich an einen guten Beichtvater wendet, für den bekanntlich absolutes Stillschweigen gilt.
Es ist wie beim Zahnarzt, wo beim Bohren sämtliche Beweise vernichtet werden oder bei Brustkrebs oder Prostatakrebs: Nach einer operativen Entfernung wird man nie erfahren, ob der Krebs überhaupt jemals ausgebrochen oder nicht z.B. eingekapselt geblieben wäre. Die Folgen der OP hat man aber (z.B. Schmerzen an den Lymphknoten) Erinnere mich an eine Arte-Doku, die bei beiden Krebsarten die These aufstellte, dass das Risiko bei OP und Nicht-OP etwa gleich sei. Mein Vater hatte seinen P. jedenfalls nur mit strengen Fastenkuren (Breuß) in den Griff bekommen (PSA-Werte gesunken, Verhärtungen weg) und noch 15 Jahre gut "mit P." gelebt.


0

0
 
 Flo33 28. März 2021 
 

Suizid

Das stimmt , auch ich pers. hatte vor rund 3 Jahren mit dem *Geist des Todes* zu kämpfen ... alles wurde gut - Gelobt sei Jesus ... Christus


1

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu









Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net-Gewinnspiel 2021: Gewinnen Sie eine ROMREISE!
  2. „Das hier ist ein Satire-Account, oder? ODER????“
  3. Gebetsstätte Wigratzbad bekommt neue Leitung
  4. Kardinal Müller: „Ich halte Benedikt XVI. für einen Kirchenlehrer der Zukunft“
  5. Belgien: Mann will Ordensschwester werden
  6. „Wenn meine Kirche jetzt auf dem Mittelmeer unter der Flagge der Antifa segelt, ist das der Bruch!“
  7. Kommen Sie mit - Familienwallfahrt ins Heilige Land mit P. Leo Maasburg - Oktober 2021
  8. Also gut, Bischof Bätzing, reden wir über Sex
  9. "Redet miteinander und habt Sex miteinander – Und geht niemals mit Groll zu Bett!"
  10. New Yorker Elternteil möchte das eigene (erwachsene) Kind heiraten
  11. Polnische Bischöfe gegen Corona-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson
  12. „Ratzinger ein Spalter, Küng ein Versöhner?“
  13. Frankreich: Historische Dorfkirche brennt bis auf die Grundmauern nieder
  14. Keine Eucharistie im Lockdown: Priester bittet Gläubige um Vergebung
  15. Covid-Impfpass als Werkzeug für eine globale Gesundheitsdiktatur?

© 2021 kath.net | Impressum | Datenschutz