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Wie US-Medien Brandanschläge auf kanadische Kirchen rechtfertigen

19. Juli 2021 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Die Entdeckung der Gräber auf dem Gelände katholischer Schulen in Kanada bestätigt, was schon bekannt gewesen ist: das tragische Schicksal von Schülern, die im Zwangsassimilierungsprogramm verstorben sind.


Washington D.C. (kath.net/jg)

US-Medien haben in ihren Berichte über die Gräber indigener Kinder, die in der Nähe katholischer Schulen gefunden sind, den Eindruck erweckt, als ob Kanada Todeslager verschwiegen hätte, schreibt die Journalistin Kelly Jane Torrance in einem Kommentar für die New York Post.

Dieser Eindruck sei falsch. Als Schülerin in Kanada habe sie die Geschichte des Zwangsassimilierungsprogramms der kanadischen Regierung gelernt. In einem Jahrhundert seien 150.000 indigene Kinder von ihren Familien getrennt worden, und zwar auch mit Zwangsmaßnahmen. Diese Kinder hätten eine englisch- oder französischsprachige Ausbildung in staatlich finanzierten Schulen erhalten. Die meisten Schulen seien von der katholischen Kirche betrieben worden.

Die meisten Lehrer, Priester und Ordensfrauen seien durchaus wohlmeinend gewesen, auch wenn es, wie in jeder Gruppe, „faule Äpfel“ gegeben habe, die ihre Position dazu genutzt hätten um Kinder zu missbrauchen. Die kanadische Regierung wollte mit dem Assimilierungsprogramm Kinder aus der Armut holen und zu produktiven und erfolgreichen Mitgliedern der modernen kanadischen Gesellschaft machen. Die indigenen Sprachen und Traditionen seien in den Schulen verboten gewesen. Die Schulen seien schlecht finanziert und überfüllt gewesen, die Kinder seien schlecht ernährt worden. Indigene Kinder seien auch anfälliger für Krankheiten, welche aus Europa gekommen sind. In Kombination mit den schlechten Verhältnissen in den Schulen seien Krankheiten für den Tod vieler Schüler verantwortlich gewesen.


Die kanadische Wahrheits- und Versöhnungskommission sei 2015 zu dem Ergebnis gekommen, dass mindestens 3.200 Kinder gestorben seien. Die Zahl sei später auf 4.100 korrigiert worden. Die häufigste Todesursache sei Tuberkulose gewesen, gefolgt von der Influenza. Die Kinder seien oft gleich auf dem Schulgelände begraben worden. Ihre Gräber seien mit Holzkreuzen gekennzeichnet worden, die bald verwitterten und verschwanden. Eine der gefundenen Stellen sei der ehemalige Ortsfriedhof gewesen, an dem nicht nur die Schüler begraben worden seien, schreibt Torrance.

Die Entdeckung der Gräber sei in Wahrheit eine Bestätigung dessen gewesen, was schon bekannt gewesen sei. Die Washington Post und die New York Times hätten trotzdem in den Schlagzeilen von der „Entdeckung von Massengräbern indigener Kinder“ berichtet. Dies sei auch nach Ansicht der Häuptlinge der indigenen Stämme falsch. „Das ist kein Massengrab, das sind nicht gekennzeichnete Gräber“, sagte Cadmus Delorme vom Stamm der Cowessess.

Kirchenkritiker hätten diese Schlagzeilen dazu verwendet, um die Brandanschläge auf katholische Kirchen in Kanada zu rechtfertigen, schreibt Torrance. „Brennt sie alle nieder“, schrieb der Vorsitzende der Civil Liberties Association von British Columbia auf Twitter. Eine Aktivistin warnte davor, die Anschläge auf Kirchen mit Gewalt gegen Moscheen zu vergleichen. Die Anschläge auf die Kirchen seien keine Hassverbrechen, betonte sie.

Torrance weist darauf hin, dass die meisten der angegriffenen Kirchen von indigenen Gemeinden besucht würden. Fast zwei Drittel der indigenen Bevölkerung des Landes seien Christen, 57 Prozent davon katholisch. Sie sind der Meinung, dass die Attentäter nicht ihrer Volksgruppe angehören. Die Anschläge auf die Kirchen würden nicht dazu beitragen, dass das Verhältnis der indigenen Bevölkerung zu Kirche und Staat besser werde, sagt eine von ihnen. Die Angehörigen der „First Nation“, wie die Indigenen in Kanada genannt werden, würden so erneut zu Opfern, schreibt Torrance abschließend.

 


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