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„Eine Zensur findet nicht statt. Wirklich?“

27. Oktober 2021 in Kommentar, 15 Lesermeinungen
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Martin Lohmann sagt im kath.net-Interview, nachdem Facebook ein Video von ihm zensierte: „Ich sage in meinem Kommentar, der übrigens ganz auf dem Boden des Grundgesetzes steht, dass es kein Recht auf Töten, wohl aber ein Recht auf Leben gibt.“


Bonn (kath.net) Martin Lohmann ist bekannt für Fairness und Meinungsfreude. Er ist seit Jahrzehnten ein geschätzter Kommentator gesellschaftlicher und kirchlicher Ereignisse und Entwicklungen, die er zu analysieren versteht. Doch offenbar stört der überzeugte Demokrat so sehr, dass man ihn mundtot machen möchte. kath.net sprach mit ihm über Freiheit und Demokratie.

kath.net: Herr Lohmann, man liest jetzt, dass Facebook Ihre Videokommentare möglicherweise beschneiden möchte. Was ist passiert?

Martin Lohmann: Nun ja, ich liefere auf YouTube jeden Freitag einen aktuellen kurzen Videokommentar, den man auch auf der Homepage der Akademie für das Leben unter der Rubrik „Lohmann:Punktgenau“ (http://www.akademie-für-das-leben.de/lohmannpunktgenau/) findet. Vor einigen Tagen habe ich mich zu den Sondierungen der sogenannten Ampelkoalition geäußert und meine berechtigte Sorge formuliert, dass mit der Ampel der Lebensschutz und das Lebensrecht in Deutschland offenbar höchst gefährdet werden könnten. Denn diejenigen, die Deutschland regieren wollen, scheinen sich einig darin zu sein, den Schutz des ungeborenen Menschen für ein sogenanntes Frauen- und Menschenrecht auf Abtreibung zu opfern.

Ich sage in meinem Kommentar, der übrigens ganz auf dem Boden des Grundgesetzes steht, dass es kein Recht auf Töten, wohl aber ein Recht auf Leben gibt. Eine tödliche Ampel halte ich, und da bin ich nicht der einzige, für absolut gefährlich.


An meinem Kommentar, der eindeutig durch das Recht auf freie Meinungsäußerung legitimiert ist, ist nichts falsch oder böse. Und wer mich kennt, weiß auch, dass ich vor Widerspruch mit Argumenten keine Angst habe. Ich bin halt ein freiheitsliebender Demokrat, schätze den Dialog und den respektvollen Disput.

kath.net: Und was ist dann passiert?

Lohmann: Zunächst einmal: Anderen und mir fiel auf, dass es – ich sage: auffallend – relativ wenige Klicks zu meinen Kommentaren bereits in den vergangenen Wochen gab, was nicht so ganz zu den zahlreichen persönlichen Reaktionen passte, die mich immer wieder erreichten und erreichen. Seltsam, dachte ich. Wie kommt das? Ein Freund meinte dann zu wissen, dass die Betreiber der Plattformen bei unliebsamen Meinungen schon mal die Reichweite einschränken würden und die Sichtzahlen runter rechnen.

Ganz ehrlich: Ich habe das nicht geglaubt, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass legitime Meinungsäußerungen andere Leute mit anderen Meinungen und Überzeugungen derart in Panik versetzen, dass sie aufgrund mangelnder Argumente die andere Meinung faktisch verbieten oder verdrängen wollen. Das wäre ja alles andere als demokratisch und letztlich höchst erschreckend. Nur Anti-Demokraten unterdrücken andere Meinungen und Überzeugungen. Und hier konkret: Das würde ja bedeuten, dass Antidemokraten das Sagen haben, denn nur Antidemokraten und Argumentationsphobiker fürchten doch die freie Meinungsäußerung, oder?

kath.net: Genau das mussten Sie aber dann erleben?

Lohmann: Ja. Ein Freund wollte meinen YouTube-Kommentar, der ihm in Form und Inhalt gefiel, auf Facebook posten. Zu seinem Erstaunen bekam er dann unter der Überschrift „Weitere Bewertungen durch Faktenprüfer“ den Hinweis: „Wenn Seiten und Websites wiederholt Falschmeldungen posten oder teilen, schränken wir zusätzlich zu anderen Funktionen deren Reichweite ein“.

Das ist nicht nur erstaunlich, sondern riecht kräftig nach Zensur, obwohl doch immer wieder behauptet wird: Eine Zensur findet nicht statt. Vielleicht doch?

Ich weiß wie viele andere aber auch, dass die Freiheit ein hohes und sehr verletzliches Gut ist, das geschützt werden muss, und zwar ständig.

Generell gilt ja: Freiheit aber wird von den Gegnern der Freiheit, die weder Argumente noch Fakten aushalten wollen und nichts mehr fürchten als das Aufdecken von Lügen, immer gerne scheibchenweise verkleinert und vernichtet. Dazu gehört auch das Tarnen mit angeblicher Sorge um korrekte Fakten, weshalb man sich dann Faktenprüfer nennt und einfach den Begriff „Falschmeldungen“ in den Raum stellt. Es ist eine geradezu perfekte perfide Tarnung.

kath.net: Was wollen Sie dagegen machen?

Lohmann: Aufklären. Aufklären. Aufklären. Und: ich nehme zugunsten dessen, der als selbsternannter und anonymer Aufpasser und Zensor diese „Nachricht“ an meinen Freund schickte, einfach einmal an, dass er sich vertan hat und vorschnell in vorauseilendem Gehorsam gedankenlos und angstvoll so handelte. Jeder weiß doch: Lügen haben – am Ende des Tages – kurze Beine, aber die Wahrheit macht frei. Und sie wird offenbar werden.

Ich lade jedenfalls alle ein, sich mit wirklichen Argumenten zu Wort zu melden, gerne auch im Widerspruch zu meiner Überzeugung, dass es kein Recht auf Töten, wohl aber ein Recht auf Leben gibt.

Ich bin nämlich nicht nur für Umweltschutz und Klimaschutz, sondern vor allem für das Wesentliche und die Grundlage jeder Humanität: für Lebensschutz. Eine politische Ampel, die das leugnet, ist aus meiner Sicht falsch, ein Fake und bedarf dringend der echten Faktenprüfung.

Martin Lohmann ist katholischer Publizist, Theologe und Historiker. Er leitet das Studio:Godesberg und die Akademie für das Leben, die mit ihrer Bildungsarbeit das Bewusstsein für Respekt, Toleranz, Würde, Unantastbarkeit und Lebensrecht stärken möchte.
Archivfoto Martin Lohmann (c) LohmannMedia

 

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Aktuelles Video - Martin Lohmann: „Die Ampel zum Töten?“

 

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