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Tück: Messianisches Judentum ist "Stachel im Fleisch der Theologie"

16. Juli 2022 in Österreich, 10 Lesermeinungen
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Wiener Dogmatiker bilanziert Tagung an Universität Wien: Kirche erfährt durch messianische Juden eine "produktive Irritation".


Wien (kath.net/ KAP)

Als eine "produktive theologische Irritation" hat der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück den Dialog mit dem messianischen Judentum bezeichnet. Messianische Juden bekennen sich zu Jesus als dem Messias Israels, legen aber zugleich Wert darauf, Juden zu bleiben und keiner christlichen Kirche beizutreten. Sie seien insofern "ein Stachel im Fleisch der christlichen Theologie", als sie die Frage aufwerfen, "wie das Verlorene wiedergewonnen und die Kirche der Völker erneut Kirche aus Juden und Heiden werden kann", so Tück gegenüber Kathpress.

Tück wörtlich: "Die Hoffnung, dass das Ur-Schisma zwischen Israel und der Kirche am Ende nur durch Gott selbst geheilt werden kann, findet einen konkreten geschichtlichen Anker darin, dass messianische Juden sich selbst als missing link zwischen Israel und Kirche verstehen." Sie würden andere Juden damit konfrontieren, dass sie jahrhundertelang ihren "Bruder Jesus" nicht beachtet haben; zugleich erinnern sie die Kirche daran, dass sie schon in den ersten Jahrhunderten die Judenchristen durch eigene Schuld verloren hat - "eine echte Provokation", so der Theologe.

Tück äußerte sich im Gespräch mit Kathpress im Anschluss an eine Tagung an der Universität Wien. Sie stand unter dem Titel "Jesus - also the Messiah for Israel? Messianic Jewish Movement and Christianity in dialogue" und versammelte vom 11. bis 13. Juli internationale Fachleute aus elf Nationen, um erstmals im deutschsprachigen Raum den Dialog zwischen Christentum und messianischem Judentum akademisch zu führen. Schirmherr war Kardinal Christoph Schönborn, der einer Arbeitsgruppe des Heiligen Stuhls vorsteht, die bereits seit dem Jahr 2000 den Dialog mit den messianischen Juden - einer stark wachsenden Gruppe von geschätzt etwa 200.000 Gläubigen - vorantreiben möchte.

 

Nicht mehr als Juden anerkannt

Gleichwohl bleibe das Thema "delikat", führte Tück weiters aus: Messianische Juden würden innerhalb des Judentums nicht mehr als Juden anerkannt. Auch die Katholische Kirche sei bislang eher zurückhaltend gewesen, da sie die Errungenschaften des jüdisch-christlichen Dialogs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) nicht gefährden wolle. Teile der messianisch-jüdischen Bewegung seien stark vom charismatisch-evangelikalen Christentum beeinflusst und praktizierten partiell auch Judenmission. Von organisierter Judenmission aber hat sich die Katholische Kirche ausdrücklich abgekehrt und anerkannt, dass Israel im ungekündigten Bund mit Gott stehe.

Eine "produktive Irritation" bringe das Thema auch im Blick auf die Eschatologie und die Frage der Landverheißung: Viele messianische Juden glauben, dass mit der Wiederkunft (Parusie) Christi Israel wiederhergestellt werde und geschichtlich-konkret ein 1.000-jähriges messianisches Friedensreich beginne. Die Parusie-Vergessenheit der christlichen Kirchen stellen sie damit in Frage. Zugleich geben sie den Anstoß, eine spiritualisierende und individualisierende Engführung der Eschatologie zu überwinden und auch die konkrete-geschichtliche Dimension der Heilshoffnung zu bedenken. Dabei sei die "tastende Deutung" der Wiederkehr vieler Juden in das Land Israel als "Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk" nicht zu verwechseln mit einer religiösen Legitimation der Politik des Staats Israel. Politische Messianismen seien "theologisch inakzeptabel", so Tück.

Unter den Referenten der Tagung waren neben Tück der Wiener Alttestamentler Prof. Ludger Schwienhorst-Schönberger, der Judaist P. Christian Rutishauser SJ, der Tübinger Neutestamentler Prof. Michael Theobald, die Luzerner Dogmatikerin Prof. Ursula Schumacher, sowie zahlreiche internationale Experten wie Gavin d'Costa und Richard Harvey (beide Großbritannien), R. Kendall Soulen (USA), Mark Kinzer (USA), David Neuhaus (Israel) und andere. Seitens der Erzdiözese Wien begleitete Diakon Johannes Fichtenbauer die Tagung.

 

Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 Uwe Lay 17. Juli 2022 
 

Antwort auf "Psalm 1"

Der Begriff des "erwählten Volkes" beinhaltet "Volk" als ethnische Größe und unterscheidet das eine erwählte Volk von allen anderen nichterwählten Völkern. In Hosea 1,8f steht geschrieben,daß Gott zu seinem Propheten sagt:Gib ihm den Namen Lo-Ammi (Nicht mein Volk).Denn ihr seid nicht mein Volk und ich bin nicht der "Ich bin da"für euch." Gott läßt hier sagen, daß das Volk Israel nicht mehr sein Volk ist ob seiner Sünden. So wie Gott den erwählten König Saul verwerfen konnte, so kann er auch sein erwähltes Volk reprobieren, wenn es zuviel sündigt. Das Erwähltsein ist so kein ontologisches Merkmal sondern eine kontingente Relation Gottes zu Menschen, die Got auch widerrufen kann.
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


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 rmaria1955 17. Juli 2022 
 

Jean-Marie Kardinal Lustiger

„Ich bin als Jude geboren. Ich trage den Namen meines Großvaters väterlicherseits, Aron. Christ geworden durch den Glauben und die Taufe, bin ich doch Jude geblieben, wie es auch die Apostel geblieben sind. Meine heiligen Patrone sind der Hohepriester Aron, der heilige Apostel Johannes, die heilige Maria voll der Gnade. Von Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. zum 139. Erzbischof von Paris ernannt, wurde ich am 27. Februar 1981 in dieser Kathedrale inthronisiert und habe meinen gesamten Dienst hier verrichtet. Wer hier vorbeigeht, möge für mich beten.“

– Aron Jean-Marie Kardinal Lustiger, Erzbischof von Paris.[1]


2
 
 Psalm1 16. Juli 2022 
 

@Uwe Lay

"Ein Jude, der Jesus als Christus glaubt, ist ethnisch ein Jude, religiös kann er aber nicht mehr Jude sein, sondern ist ein Christ."

Da irren Sie sich grundlegend. Wenn sich ein Jude zu Jesus Christus bekehrt, dann ist er nach wie vor Jude. Die jüdische Identität ist im Kern weder ethnisch noch religiös begründet. Sie ist in der Zugehörigkeit zum auserwählten Volk im Sinne des alten Bundes grundgelegt. Mann könnte hier auch von einem unveränderlichen ontologischen Merkmal sprechen, dass nicht vom Glauben des einzelnen abhängt, sondern - so zumindest eine verbreitete Vorstellung - von der Mutter weitergegeben wird.

Das der Glaube an Christus die jüdische Identität nicht relativiert, zeigt schon der Paulusbrief.


1
 
 winthir 16. Juli 2022 

ich finde es immer spannend,

wenn sich Wissenschaftler mit "Randgruppen" beschäftigen.

Danke an die Redaktion für diesen interessanten Artikel!


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 Zeitzeuge 16. Juli 2022 
 

Markus 16,16 gilt für alle Menschen, mehr zum Thema Judenmission

im Link!

www.kath-info.de/karfreitagsfuerbitte.html


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 SalvatoreMio 16. Juli 2022 
 

Aus allen Völkern und Sprachen hat Gott sich sein neues Volk geschaffen -

das nicht an eine bestimmte Scholle gebunden ist - "denn Gottes Reich ist nicht von dieser Welt" - so glaube ich. Ja, lieber @Chris2: es widerspricht auch Christi Worten selbst und seinem Kreuzesleiden zu meinen, wir müssten nicht für die Bekehrung der Juden beten - im Gegenteil! Er, aus ihrem Fleisch und Blut, wurde auf Golgota als Gotteslästerer hingerichtet. - Wir kennen doch die vielen Wehrufe Jesu in Matthäus 23. Sie schließen mit: "Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt!" Und der letzte Satz ist dramatisch: "Von jetzt an werdet ihr mich nicht mehr sehen, bis ihr ruft: "Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn".


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 Stefan Fleischer 16. Juli 2022 

Noch ein Beispiel dafür

dass schwammige, unterschiedliche oder gar gegensätzlich Definitionen der gleichen Begriffe niemals zur Einheit beitragen. Im Gegensatz. Oftmals wird diese Taktik sogar dazu verwendet, der eigenen «Wahrheit» zum Durchbruch zu verhelfen, was aber schliesslich doch nicht gelingen kann.


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 Tom71 16. Juli 2022 
 

Ein Widerspruch in sich

Messianisches Judentum ist ein WIderspruch in sich. Entweder man erkennt Christus einschließlich seiner Lehre an oder man lehnt ihn einschließlich seiner Lehre ab. Es gibt kein dazwischen. Man kann nicht Christus anerkennen und die katholische Kirche im überlieferten Sinn ablehnen. Schon in früherer Zeit gab es Versuche, die katholische Kirche in die alttestamentarische Synagoge hinüberzuziehen. Alles verurteilte Irrlehren.


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 Chris2 16. Juli 2022 
 

Es war ein schwerer Fehler,

die Karfreitagsbitte zu ändern und eine Lieblosigkeit unseren älteren Brüdern und Schwestern gegenüber auf allen Ebenen. Denn was kann man den Juden denn größeres wünschen, als dass sie IHREN Messias endlich erkennen, auf den sie bereits 2000 Jahre zu lange sehnsüchtigst gewartet haben?


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 Uwe Lay 16. Juli 2022 
 

Was ist jüdisch?

Eine beachtliche Konfussion bewirkt regelmäßig die Nichtunterscheidung von jüdisch als ethnische Bestimmung und als religiöse. Ein Jude, der Jesus als Christus glaubt, ist ethnisch ein Jude, religiös kann er aber nicht mehr Jude sein, sondern ist ein Christ. Daß Gott aber seinem untreuen jüdischen Volke die Treue hält und daß deshalb das jüdische Volk nun wieder in ihrem Staate leben kann in Israel, das sollte man als Christ wohl sagen dürfen. Gott ist eben der Herr der Geschichte und so gibt es den jüdischen Volksstaat wieder.
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


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