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‚Wir haben Fehler gemacht‘ – Epidemiologe rechnet mit der Corona-Politik ab

6. März 2025 in Chronik, 3 Lesermeinungen
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Politik, Wissenschaft und Medien hätten in der Pandemie Fehler gemacht, sagt Gerald Gartlehner. Selbstkritische Töne gibt es auch vom ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Schallenberg, weniger von Christian Drosten.


Wien (kath.net/jg)
Der Epidemiologe Gerald Gartlehner hat in einem Interview mit der Kleinen Zeitung eine kritische Bilanz der österreichischen Coronapolitik gezogen.

Gartlehner war selbst Mitglied der so genannten „Ampel-Kommission“. Die Idee sei an sich gut gewesen, sagt der Epidemiologe, übt dann aber scharfe Kritik an der Politik. Wörtlich hält er den damaligen Entscheidungsträgern vor: „Wenn unsere Aussagen ins politische Schema passten, wurden sie angenommen. Wenn die Einschätzung nicht zu den politischen Plänen passte, wurde sie ignoriert.“ Beispielsweise seien die vom damaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz angekündigten Massentests vor Weihnachten aus epidemiologischer Sicht völlig sinnlos gewesen.

Fehler seien überall gemacht worden, räumt Garlehner ein. Wörtlich sagt er: „Wir haben Fehler gemacht. In der Politik, in der Wissenschaft, in den Medien: Überall sind Fehler passiert.“

Die großen Verlierer der Pandemiepolitik seien die Kinder und Jugendlichen durch die Schließungen der Schulen gewesen. „Die Schulen wurden ja nicht geschlossen, um Kinder vor dem Virus zu schützen, denn wir wussten schon bald, dass Kinder und Jugendliche durch das Coronavirus nicht besonders gefährdet sind“, sagt Gartlehner heute. Die Schließung der Schulen habe zu „massiven Nachteilen und Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Jungen“ geführt.


Gartlehner hatte zunächst auch die umstrittene Impfpflicht befürwortet. Die Omikron-Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 hätte diese aber obsolet gemacht, sagt der Epidemiologe. Trotzdem habe das Parlament im Januar 2022 die Impfpflicht beschlossen. „Eigentlich hätte man im Jänner schon sagen können: Die Impfpflicht, das war eine schlechte Idee, wir nehmen das zurück“, meint Gartlehner heute.

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alexander Schallenberg hat in einem Interview mit der APA sein Verhalten während seiner ersten Amtszeit in der Zeit von Oktober bis Dezember 2021 teilweise bereut, berichtet oe24. „Ich bedauere manche der harten Formulierungen, die ich als Kanzler während der Pandemie gefunden habe“, sagt der Politiker wörtlich. Er habe bei manchen seiner Aussagen die Diplomatie vermissen lassen. Sollte er damit Menschen verletzt haben, bedaure er das.

Schallenberg hatte damals angekündigt, „die Zügel für Ungeimpfte straffer ziehen“ zu müssen und dass „Weihnachten für die Ungeimpften ungemütlich“ werde. In diese Zeit fiel auch die Entscheidung für den Lockdown für Ungeimpfte und für die Impfpflicht.

Deutlich weniger selbstkritisch ist der deutsche Virologe Christian Drosten in einem Interview in der Sendung „Zeit im Bild 2“ des österreichischen öffentlich-rechtlichen Senders ORF, berichtet oe24.

Es lägen ihm keine Belege vor, dass die gesetzten Maßnahmen nicht gewirkt hätten, sagte er. Die Studien dazu seien sehr unterschiedlich und würden vielfältige Ansätze verfolgen. Für die Wirksamkeit der Maskenpflicht gibt es nach seiner Ansicht sogar einen Nachweis, sagt Drosten und verweist auf eine Studie der British Royal Society.

Weniger Evidenz gebe es für häufiges Händewaschen und Lüften. Dies habe keine Auswirkungen auf die Übertragungsrate gehabt, worüber er sich selbst ein bisschen wundere.

Im Gegensatz zu Gartlehner meint Drosten, es gebe auch Hinweise, dass die ungezielte Massentestung einen positiven Effekt auf die Verringerung der Neuinfektionen gehabt hätte.

Die Sperre von Spiel- und Sportplätzen im Freien sei – jedenfalls aus heutiger Sicht – übertrieben gewesen. Da hätte die „Politik nicht so streng sein müssen“, sagt er wörtlich.

Auch den Lockdown für Ungeimpfte hält Drosten für nicht gerechtfertigt – allerdings erst im Nachhinein. Die Impfung habe im Herbst 2021 nach seiner Ansicht noch einen ganz guten Schutz vor Infektionen geboten – wenn auch schwächer als ursprünglich gedacht. Bei der Omikron Variante des Coronavirus sei dies dann anders geworden. Diese sei trotz Impfung übertragbar gewesen. Daher sei der Lockdown für Ungeimpfte nicht zu begründen. Dies habe man damals aber nicht wissen können, sagt Drosten.

 


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