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Synodalismus ist die Folge eines theologischen Irrtums

26. Juni 2025 in Kommentar, 14 Lesermeinungen
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Küng versus Ratzinger, Version 2.0 - Ein Gastkommentar von Martin Grichting


Chur (kath.net)

Hans Küng hätte an der vatikanischen Synode 2021-2024 seine Freude gehabt. Denn er war es, der vor über 60 Jahren die Begriffe der Synode bzw. des Konzils und der Kirche gleichzusetzen versuchte. Die Kirche sollte dadurch zu einem grossen, pausenlos beratschlagenden Konzil werden. Was von der jüngsten vatikanischen Synode gefordert wird, ist der späte Versuch einer Umsetzung der Küng’schen Idee. Denn «Synodalität» soll nun zum Dauerzustand, zum Wesenszug der Kirche werden. Die Kirche soll fortan nicht nur die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche sein, sondern auch die «synodale». Denn «Synodalität» setze angeblich um, was das II. Vatikanische Konzil über die Kirche als Geheimnis und Volk Gottes gelehrt habe (Schlussdokument 2024, Einleitung). Auf allen Stufen der Kirche sollen dazu gemäss dem Schlussdokument von 2024 neue «synodale» Gremien geschaffen werden (89, 94, 100, 107). Die Unterscheidung in Entscheidung und Beratung soll aufgeweicht werden (92). Bereits bestehende Räte sollen obligatorisch erklärt (104) und in ihrer Bedeutung sowie Vollmacht gestärkt werden (108, 129). Denn das Sitzen an runden Tischen sei, so hat die Synode 2023 erklärt, «sinnbildlich für eine synodale Kirche» (Relatio, 1.c).

Es war Joseph Ratzinger, der in der Zeit vor dem II. Vatikanischen Konzil gegen Küngs Theorie Stellung nahm in seiner Schrift «Zur Theologie des Konzils» (Gesammelte Werke, Bd. 7/1, S. 92-120). Er rückte die Dinge ins rechte Licht und wies prophetisch auf Gefahren hin, die sich nun bei der Synode 2021-2024 gezeigt haben.

Küng behauptete, die Kirche als Ganze sei das von Gott zusammengerufene Konzil, das «ökumenische Konzil aus göttlicher Berufung». Das Konzil als Kirchenversammlung sei dann das «ökumenische Konzil aus menschlicher Berufung» und damit die Repräsentation des «ökumenischen Konzils aus göttlicher Berufung». Aus dieser Behauptung folgerte Küng: Ein so verstandenes Konzil müsse die Repräsentanz aller Glieder der Kirche sein. Es könne keine Versammlung allein der Nachfolger der Apostel, der Bischöfe, sein. Was Küng damals postulierte, wurde nun umgesetzt: Zuerst wurde das ganze Volk befragt. Und dann liess man sich dieses Volk durch seine Repräsentanten vertreten, unterschiedslos durch Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute und Laien. Diese Repräsentanten sollten auf diese Weise als «Kirchenversammlung aus menschlicher Berufung» die ganze Kirche abbilden. Alle hatten «Stimmrecht». Somit ging es hier um Repräsentation im politischen Sinn, nicht um das Sakrament.


Demgegenüber zeigte Ratzinger, dass Küng sich schon etymologisch irrte. Küng hielt zwar zu Recht fest, der Begriff «Kirche» komme vom griechischen «ek-kalein», was «herausrufen» bedeutet. Die Kirche sei die «ekklesia», die «Herausgerufene». Küng behauptete dann jedoch, «concilium» stamme von «concalare»: zusammenrufen. Die Kirche wäre dann als Konzil die «Zusammengerufene». Ratzinger wies demgegenüber nach, dass die Ableitung von «concalare» irrtümlich ist. Konzil und Kirche gehören etymologisch nicht zusammen. Vor allem aber konnte Ratzinger zeigen, dass weder an den 22 einschlägigen Stellen der lateinischen Bibel noch bei den Kirchenvätern «concilium» je die Übersetzung für das griechische «ekklesia» ist. «Concilium» ist im kirchlichen Kontext vielmehr stets das Äquivalent der griechischen Begriffe «synedrion» oder später «synodos».

Joseph Ratzinger wies sodann darauf hin, dass auch der geschichtliche Befund gegen Küngs These spricht. Denn die synoden- oder konzilienartigen Phänomene entstanden erst etwa ab dem Jahr 160 im Kampf gegen die Irrlehre des Montanismus. Sie dienten punktuell im Konfliktfall der Unterscheidung der Geister und der Abwehr von Bedrohungen der gesamten Christenheit durch Irrlehren. Der Radius des Konzils sei deshalb viel enger als derjenige der Kirche. Jenes habe «Ordnungs- und Gestaltungsfunktion» und diene der Kirche in dieser Welt «in den je besonderen Situationen der Weltenzeit». Die Kirche sei ihrem Wesen nach nicht Ratsversammlung, sondern Versammlung um das Wort Gottes und um das Sakrament, das als «vorweggenommene Teilhabe an Gottes Hochzeitsmahl» über diese Welt und Zeit hinausweise. Jede Eucharistiefeier, jede Teilkirche sei deshalb «ekklesia», Kirche. Das Konzil jedoch sei nicht die Kirche, stelle sie nicht dar, sondern sei lediglich ein bestimmter, zeitlich und sachlich begrenzter «organisatorischer» Dienst in ihr und an ihr. Umso mehr gilt das dann für eine Synode auf welt- oder teilkirchlicher Ebene. Denn sie ist nicht einmal die Versammlung aller Bischöfe.

Ratzinger bemerkte zu den Ergebnissen seiner Nachforschungen: «Das mag auf den ersten Blick wie ein reichlich müssiger Schulstreit erscheinen». Aber dem sei nicht so. Denn die Gefahr, wie sie im Küng’schen Spiel mit Worten lauert, sei folgende: So lange das Konzil von der Kirche her verstanden werde, als ein (befristeter) geistlicher Dienst zur Konfliktlösung im Einzelfall, bestehe kein Problem. Denn selbstverständlich komme das Konzil vom Wesen der Kirche her und sei ein Teil von ihr. Die Lage ändere sich jedoch, wenn sich im öffentlichen Bewusstsein ein umgekehrtes Verhältnis von Kirche und Konzil durchsetze. Mit anderen Worten: wenn die Kirche vom Modell des Konzils her verstanden werde. Denn dann geschehe folgendes: «Das Konzil als das Bekannte, Konkrete, wird zum Schlüssel für die Ansicht von der Kirche als des Tieferliegenden und erst zu Erfragenden». So werde die Kirche in ein «Synedrion» oder eine «Synode» aufgelöst. Die Gesamtkirche werde zur «Ratsversammlung», zu einer «organisatorischen und politischen Grösse, der man nicht in der Grundeinstellung des Glaubens, sondern in der Haltung der Aktion antwortet». So gehe es dann um Politik, Machen und Verändern.

Genau das zeigt sich nun beim vatikanischen «Synoden»-Projekt seit 2021. Anlässlich der Synode vom Oktober 2023 wurden Forderungen erhoben nach dem Ausbau von Räten sowie Gremien, nach der Schaffung von neuen Ämtern und nach der «Synodalität» als Dauerzustand. Die Folgen eines solcherart strukturverliebten Aktionismus hat Joseph Ratzinger prophetisch vorausgesehen: «Dann sind diejenigen, die Konstanten in ihr [der Kirche] sehen und festhalten wollen, in der Tat nur ‘Bremser’. Aber dann muss man sich auch bewusst sein, dass man sich auf das nicht eingelassen hat, was die Kirche selbst zu allen Zeiten als ihr Eigentlichstes und Wesentliches ansah». Mit anderen Worten: Die Kirche wird denaturiert. Sie verkommt vom Geheimnis des Glaubens zur gestaltbaren politischen Grösse.

Das Projekt des Synodalismus ist also letztlich der Ausdruck eines theologischen Irrtums über das Wesen der Kirche. Sie wird nicht mehr vom Wort Gottes und von den Sakramenten her geglaubt, sondern politisch-repräsentativ verstanden. Theologische Irrtümer haben in der Vergangenheit stets zu Spannungen in der Kirche geführt. Die synodal getarnte repräsentative Demokratie, die derzeit praktiziert wird, wird ebenfalls zu Konflikten zwischen Bischöfen, Priestern und Laien führen, weil Erstere nicht mehr in ihrem Wesen respektiert werden und Letztere zu Gegenspielern um die als Macht missverstandene geistliche Vollmacht gemacht werden. Wenn das die Kirche nicht spalten wird, wird es sie zumindest lähmen. Und das gilt nicht nur für die weltkirchliche Ebene, sondern auch für die Diözesen und Pfarreien.

Es kann aber auch sein, dass Gott seiner Kirche durch den Glaubenssinn der Bischöfe, Priester und Laien zu Hilfe kommt. Gerade die Laien haben weltweit durch ihre Beteiligung im Promillebereich Stellung genommen. Ihr eklatantes Desinteresse ist Ausdruck dafür, dass sie andere Bedürfnisse und Sorgen haben. Sie warten darauf, dass ihnen für ihren konkreten Alltag als Christen und Bürger eine Spiritualität vermittelt wird, die sie nicht in kirchlichen Stuhlkreisen beschäftigt, sondern ihnen Wegweisung gibt, wie man in einer zusehends säkularisierten Welt glaubwürdig und wirksam seine christliche und kirchliche Sendung leben kann. Sie hungern nach dem Brot des Glaubens und sie schauen aus nach Hirten, die ihnen dieses Brot geben und nicht die Steine einer verfehlten Kirchenpolitik. Denn die Kirche versammelt sich um das Wort Gottes und die Eucharistie, nicht um runde Tische.

Martin Grichting war Generalvikar des Bistums Chur und beschäftigt sich publizistisch mit philosophischen sowie religiösen Fragen.

 

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