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"Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"

3. März 2026 in Chronik, 10 Lesermeinungen
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"... mit den Mullahs funktioniert das genauso wenig!" Papst-Appell zum Iran löst heftige Debatte auf X aus - Viele User auf X mit "Leo-Aussagen" sehr unzufrieden - Und was sagt Thomas von Aquin zum gerechten Krieg? - Von Roland Noé


Vatikan (kath.net/gem/rn) Inmitten der weltpolitischen Erschütterungen nach dem Sturz des Mullah-Regimes im Iran hat sich Papst Leo XIV. über seinen offiziellen X-Kanal zu Wort gemeldet. Doch statt einhelliger Zustimmung erntete das Kirchenoberhaupt diesmal eine Welle der Kritik. Viele Nutzer werfen dem Vatikan vor, die Realität von Tyrannei und notwendiger Befreiung durch eine „naive Friedensrhetorik“ zu verkennen. In seinem Post mahnte der Pontifex: „Frieden ist ein Handwerk, das Leidenschaft, Geduld, Erfahrung und Zähigkeit erfordert. Beten wir unaufhörlich für das Ende der Kriege und für eine Verständigung, die über bloße Waffenruhen hinausgeht.“ Frauke Petry, die ehemalige AfD-Politikerin, schreibt. "Als Papst können Sie nicht ernsthaft ein stabiles Mullah-Regime befürworten, das die Würde der Menschen im Iran fast 50 Jahre mit Füßengetreten hat. Ich hoffe sehr, dass dieser Tweet ein verunglückter aus Ihrem Pressebüro war." Ein weiterer User schreibt: "Widerspruch, Euer Eminenz! Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben. Mit den Mullahs funktioniert das genauso wenig."

Was in ruhigeren Zeiten als klassischer päpstlicher Aufruf wahrgenommen würde, wirkt in diesen historischen Februartagen 2026 für viele Beobachter wie ein Schlag ins Gesicht derer, die gerade erst ihre Freiheit durch militärische Entschlossenheit zurückgewonnen haben. Die Kommentarspalten unter dem Post spiegeln die Zerrissenheit und den Zorn vieler User wider. Der Vorwurf, das Völkerrecht und der Friedensbegriff würden oft missbraucht, um den Status quo von Diktaturen zu zementieren, zieht sich wie ein roter Faden durch die Reaktionen. "Eure Heiligkeit, Frieden mit Massenmördern ist kein Handwerk, sondern unterlassene Hilfeleistung. Die Iraner feiern heute nicht wegen ‚Geduld‘, sondern weil Israel und die USA den Mut hatten, das Böse zu beenden!“, schreibt ein User. Ein anderer meint: "Wieder dieses vage Gerede. Wo war Ihr ‚unaufhörliches Gebet‘ und Ihr lauter Protest, als die Mullahs junge Frauen auf den Straßen hinrichten ließen? Das Völkerrecht der Mächtigen schützt nur die Despoten." Und ein andere X-Nutzer meint: "„Frieden ohne Freiheit ist der Frieden des Friedhofs. Wer heute zur ‚Zurückhaltung‘ aufruft, während ein ganzes Volk aufatmet, hat die Botschaft des Evangeliums von der Befreiung der Gefangenen nicht verstanden."


Die heftige Kritik der X-Nutzer an der päpstlichen Friedensrhetorik rührt nicht zuletzt daher, dass viele Gläubige heute eine Rückbesinnung auf die klassischen Grundlagen der kirchlichen Lehre fordern. Während die aktuelle vatikanische Diplomatie oft einen fast bedingungslosen Pazifismus nahezulegen scheint, bietet die Tradition des Kirchenlehrers Thomas von Aquin (1225–1274) ein deutlich differenzierteres Instrumentarium an.

In seiner Summa Theologica entwickelte Thomas von Aquin die Lehre vom „Bellum Iustum“ (dem gerechten Krieg), die bis heute als moralischer Maßstab dient. Für ihn war Krieg kein absolutes Tabu, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

Autoritas Principis (Rechtmäßige Autorität): Der Einsatz von Gewalt darf nicht von Privatpersonen, sondern muss von einer rechtmäßigen Instanz ausgehen, die für das Gemeinwohl verantwortlich ist. Im aktuellen Fall sehen viele Kommentatoren in den USA und Israel jene Kräfte, die internationale Ordnung gegen ein Terrorregime verteidigen.

Causa Iusta (Gerechter Grund): Dies ist der entscheidende Punkt der aktuellen Debatte. Laut Thomas von Aquin ist ein Eingriff gerechtfertigt, wenn die Gegenseite wegen eines schweren Vergehens angegriffen wird – etwa um Unterdrückte zu befreien oder Unrecht zu rächen. Die Befreiung des iranischen Volkes von einem mörderischen Regime fällt exakt unter diese Kategorie.

Intentio Recta (Rechte Absicht): Das Ziel des Kampfes muss die Wiederherstellung eines wahren Friedens sein, nicht Eigenmacht oder Grausamkeit.

Nicht wenige Kritiker der päpstlichen Worte auf X argumentieren daher im Grunde „thomistisch“: Ein Friede, der nur in der Abwesenheit von Waffenruhen besteht, während ein Tyrann sein Volk abschlachtet, ist nach Thomas von Aquin kein echter Friede (Pax), sondern lediglich ein erzwungener Zustand des Unrechts. Der wahre Friede ist die „Tranquillitas Ordinis“ – die Ruhe der Ordnung, die auf Gerechtigkeit basiert.

 


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