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Der Rosenkranz und das Laufen

7. Oktober 2025 in Spirituelles, 4 Lesermeinungen
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"Die Rosenkranzkette ist beim Denken mein Stab, die Worte sind mein Atem, die schmerzhaften Geheimnisse meine Richtung." - Erfahrungen mit dem Schmerzhaften Rosenkranz nach einer schweren Operation. Von Georg Lorleberg


Linz (kath.net/pl) „Sie sollten aufstehen und wenigstens 20 Minuten Laufen!“ - Der erste Tag nach einer vierstündigen Operation: Wie erschlagen liege ich im Krankenbett, mein Körper voll mit opiaten Schmerzmitteln. 

Aufstehen? Die Anweisung des Pflegers lautet: Aufstehen und im Gang hin und her laufen. Echt jetzt? 20 Minuten hin und her Laufen, ein Leerlauf wie der Tiger im Käfig? In Schmerz und Schwindel? 

Ich denke an die Missionare im Kloster meiner Heimat. Sie liefen auf der Dachterrasse hin und her und beteten den Rosenkranz. So mache ich es.

Mit Hilfe eines Pflegers klettere ich aus dem Bett. Eine enorme Fliehkraft zieht mich nach unten, schon das Stehen eine Überwindung. Ich nehme den Rosenkranz in die Hand und gehe los. Die ersten Schritte sind eine enorme Anstrengung, erst jetzt begreife ich, was noch auf mich zukommt und verstehe, wenn ich bete: „… Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat!“ 

Aber ich gehe los, gehe IHM nach. „Selig, wer auf meine Wege achtet!“ (Spr. 8,32). Da fährt ein stechender Schmerz durch meinen Körper, wie ein plötzlicher Blitz: „… der für uns gegeißelt worden ist!“ Poah! Sterne vor den Augen und doch weiter, einfach weiter. Trotz immer wiederkehrender Stiche wie Stromstöße … .

Und dann auf einmal: Eine junge Familie geht an mir vorbei. Sie schauen weg! Ich bin kein guter Anblick. Es gab Zeiten, da schauten Menschen mich durchaus auch mal gern an: „… der für uns mit Dornen gekrönt worden ist!“ Jetzt ahne ich: Nicht mit den Augen anderer, mit den Augen Marias schauen: auf Jesus, auf mich. Es ist nicht, wie es scheint! Ich darf mit den Augen Marias auch auf mich schauen und erkennen, dass ich auch jetzt kostbar bin.

Einmal im Laufen geht es für eine Zeit lang. Tatsächlich, ich schöpfe ein wenig Mut. Unser Gehirn ist für Bewegung geschaffen. Schon ein paar Mal hin und her und es geschieht etwas. Aber dann lässt die Kraft nach, rapide: „… der das schwere Kreuz für uns getragen hat!“ Jesus, alles das für uns! Ich sage mir: weiter, du darfst nicht stehen bleiben! Ich gehe Jesus nach wie Maria IHM. Wie schwer mag ihr das gefallen sein!

20 Minuten soll ich laufen. Der Rosenkranz dauert bei mir so um die 25 Minuten. Gegen Ende geht fast nichts mehr. Der Atem wird kürzer, aber die Worte wie Perlen, so tief im Innern sitzend, die kann mein Geist immer noch atmen, selbst wenn die Stimme schwindet.

Immer wieder driften die betäubten Gedanken ab. Aber die Kette ist beim Denken mein Stab, die Worte sind mein Atem, die schmerzhaften Geheimnisse meine Richtung. In der Enge des Ganges stellte der Rosenkranz meine Füße auf weiten Raum. Drei bis fünf Mal am Tag lief ich so einen weiten Weg auf eingegrenzter Strecke. 

Das war kein Leerlauf, und auch kein Fließband. Der Rosenkranz ist ein Weg und wenn ich ihn gehe, dann geht’s! Er führt wohin. Die schmerzhaften Geheimnisse wurden für mich eine Software für das Programm meines Wiederaufstehens. 


 


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