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Der Weihnachtsglaube - Sand oder Fels

9. Jänner 2026 in Kommentar, 9 Lesermeinungen
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Ein Gastbeitrag zur Fleischklumpen-Mette in Stuttgart von Dr. Christina Agerer-Kirchhoff, München


München (kath.net)

Weihnachten. Die Melodie dieses Wortes, die Lichter und Sterne, der Duft von winterlichen Speisen verzaubern seit jeher Kinder und Erwachsene. Ja, der Mensch lebt und erlebt nicht nur mit Augen und Verstand; er atmet eine Wahrheit auch tief ein durch seine gesamten Sinne und seine gespeicherten Erinnerungen. Der Gang zur Christmette über vielleicht knirschenden Schnee am Heiligen Abend!  Das zarte Klingen des Weihnachtsglöckchens, wenn der Vater die Bescherung ankündigte! Die glänzenden Augen aller vor dem hell leuchtenden und bunt-glänzenden Christbaum! Ja, das ist Wahrheit: Es ist wahr, absolut wahr, was uns die Evangelisten in dramatischen,  kurzen Worten aufgeschrieben haben. Gott kam als  neugeborenes Kind zu uns auf die Welt. In der Krippe sitzt seit Jahrhunderten die Mutter des Kindes, Maria. Josef steht beschützend daneben, die Landschaft sorgfältig und liebevoll aufgebaut. Weihnachten gehört zum Heiligsten, was wir Menschen überhaupt besitzen.

Es gibt aber Menschen, die rauben auch das Heiligste. Warum wohl?

Weihnachten mit der Geburt des Erlösers ist der Anfang des Glaubens der Christen. Ohne Vertrauen auf die Wahrheit der Weihnachtsbotschaft steht unser Glaube auf Sand!

Die Menschen heute fragen: Wodurch wissen wir überhaupt von diesem Ereignis? Von Hirten auf dem Feld, vom Besuch der Maria bei Elisabeth und allem anderen? Viele, und offensichtlich auch der Fernsehpfarrer in Stuttgart, transportieren rundumblickend im pastoralen Brustton  rücksichtslos vor Tausenden von Menschen die Meinung, das seien  Ideen, Konzepte, „gemalte“ Bilder  eines Evangelisten gewesen.

Die Botschaft sei, Gott wird Mensch. Lukas habe Gott als Kind zur Welt kommen lassen und  sich sicher was dabei gedacht.

Gehen wir nun mal selber nachdenkend  zurück zur Zeit nach der Himmelfahrt Jesu. Wir erinnern uns, dass vom Kreuz herab Jesus seiner Mutter Maria den jüngsten seiner Apostel, Johannes, als Sohn übergab.  Jesu Wort ist Gottes Wort, also wirkmächtig und wegweisend: Maria und Johannes waren von da an Mutter und Sohn. Hätte Jesus so gehandelt, wenn Johannes noch lebende Eltern gehabt hätte? Nicht vorstellbar. Es heißt dann, Johannes habe Maria zu sich genommen.


Nach Himmelfahrt und Pfingsten sind also Maria und Johannes  Mutter und Sohn, stehen im täglichen Gespräch miteinander, leben zusammen. Welche Fragen sind da völlig naheliegend und würden von jedem von uns an Maria gestellt werden? „Maria, Mutter, Jesus  ist nun wieder beim Vater im Himmel. Wohnungen bereitet er uns dort vor, sagte er. Aber – gab es eigentlich vor der Zeit seiner Predigten und Wunderzeichen schon etwas Besonderes an ihm? Du hast ihn doch viele Jahre erlebt?“  So könnten die Jünger und Apostel gefragt haben, wenn sie mit Maria zusammen waren. Sie rasten sicher nicht stante pede in die Welt hinaus; eine Reise muss vorbereitet werden. Sie müssen sich ja auch den Fragen der Leute in den Städten stellen können, wie etwa: Woher kam denn dieser Jesus? Wer sind seine Eltern?  War er schon ein besonderes Kind? Es könnte ja jeder kommen und behaupten, er sei Gott und wer ihn sehe, der sehe angeblich Gott im Himmel!

Maria hat dann das in knappen Worten erzählt, was sie die ganze Zeit in ihrem Herzen bewahrt hatte!  Sie sah, dass jetzt die Zeit der Weihnachtsbotschaft gekommen war!  Wie es gekommen war, dass sie dieses Kind gebar; wo es geboren wurde, und die wichtige Frage: Wer ist der Vater dieses Kindes! Sie  muss wahrheitsgemäß beantwortet werden. Wir kennen die Antworten Marias! Sie sind treulich aufgeschrieben worden. Wer war dabei, als Maria zu Elisabeth kam? Maria! Wer erlebte die ganze Geschichte mit dem stummen Zacharias und der Beschneidung des Johannes als Zeugin mit? Maria! Sie war sicher nicht sofort nach der Geburt und noch vor dem 8.Tag, an welchem alle Verwandten zusammenkommen, zurück zu Josef geeilt. Wer erzählte wahrheitsgemäß  den Jüngern das Erlebnis von Verkündigung und Geburt? Wollen wir Maria als Märchenerzählerin hinstellen?  Wie überrascht war das Paar  in Bethlehem, als plötzlich aufgeregte Hirten daherkamen?  Frägt man da nicht sofort diese Hirten, wieso sie kommen?  Und was haben diese dann berichtet?  War das nur ein einzelner durchgedrehter Hirt?  Maria und Josef staunten, wie auch die Hirten vorher gestaunt hatten! Alles passt zusammen! Gott wirkt! Solche Ereignisse bewahrt man minutiös im Gedächtnis!  Und Johannes, ein Jünger ganz von Anfang an in der Schule Jesu,  gießt diese Berichte der Gottesmutter in die herrlichen theologischen Worte des Johannesprologs: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“.

Der Evangelist Lukas, ein gebildeter Mann und Arzt, schreibt gleich zu Beginn, dass er „allem von Anfang an sorgfältig nachgegangen ist“ und es der Reihe nach niederschreiben will. Er weiß genau, welche Fragen Intellektuelle stellen werden.

Die Tradition sagt, dass er in direktem Kontakt mit Maria stand, ja sie sogar gemalt hat, um ihr Antlitz festzuhalten. Zu behaupten, das Lukasevangelium mit der Weihnachtsbotschaft sei ein „Gemälde“ frommer Fantasie, ein „Bild“,  sprich Märchen, hinter dem ein Konzept, eine Idee stehe, die uns etwas mitteilen wolle, das ist verheerend! Ich halte dies für genau den diabolischen Sand, den wegfließenden Untergrund schon zu Beginn der ganzen Jesusbotschaft, der für den seit Jahrzehnten beobachtbaren Niedergang des Glaubens hierzulande verantwortlich ist. Weihnachten wird  zur Lüge, zur Fiktion, zum Konsum-Klimbim ohne Wahrheit.

Weihnachten wird damit völlig dekonstruiert, ist zur Maske, zur getünchten Wand verkommen.  Weihnachten ist aber der Beginn jeder Evangelisation der Herzen und der Gemüter. So ist Weihnachten entweder  Sand oder  Fels: Ein felsenfester Glaube an die Wahrheit der Geburt des Gotteskindes aus der Jungfrau Maria ist die Basis für Glauben und Glaubenstreue, für Aufbruch zu Mission und Glaubensweitergabe! Nur ein Fels kann in schwierigen Zeiten tragen!

Jetzt verstehe ich, warum man sich so sperrt in der kirchlichen Funktionärskaste gegen die konkrete Planung von Mission und Evangelisation! Wie soll man denn anfangen, wenn es keine echte Weihnachtsbotschaft mehr gibt? Wenn in der Krippe ein Pseudokind liegt wie in der Skandalmette? Wenn Josef „natürlich“ der biologische Vater des Kindes  - wenn es überhaupt ein Kind gab - ist?  Wenn die Evangelien im Grunde ausgemalte Geschichten sind?  Wenn man Maria  als ziemlich verwirrte Märchentante hinstellt?  Die Evangelisten und Überbringer der Berichte als Lügner, als Konstrukteure einer Messias-Person?

Wenn man nicht bereit ist, sich ganz normal den Verhaltensweisen der konkreten Menschen, den historischen Gestalten der Jesusgeschichte mal zu nähern? 

Tödlich für jede Sache im Leben ist eine besserwisserische Grundhaltung  des permanenten Verdachts. Weiß ich denn wirklich, ob er mich dauerhaft liebt? Weiß ich denn wirklich, ob das Kind, wenn ich ein Kind riskiere, gesund ist? Weiß man denn wirklich, ob dieser Politiker das wirklich so meint? Er macht das bestimmt nur wegen der Wahl! Weiß ich denn wirklich, ob das alles wahr ist?

Aber  für unseren Glauben hilft hier ein Dreischritt: Hören, Nachdenken, Wissen.

Ich habe nur einige Argumente für Ihr eigenes Nachdenken und für Gespräche mit Zweifelnden beizutragen versucht. Das Hören der Weihnachtsbotschaft kann durch Nachdenken im Herzen – wie es die Gottesmutter Maria machte – vertieft werden.   Dann wird es zu einem unerschütterlichen, vernunftbasierten  Glaubenswissen, das auch weitergegeben werden kann! Warum? Weil es vernünftig ist, menschlich nachvollziehbar ist,  auch mit dem Verstand erklärt werden kann. Fides und Ratio – beides zusammen braucht der Christ.

 

Buchtipp: Von Christina Agerer-Kirchhoff erschien im Dominus-Verlag  ein Büchlein mit Gedanken und Texten  zum Weihnachtsdrama mit dem Titel  „Maria und Josef – eine Liebesgeschichte“, Augsburg 2023; www.dominus-verlag.de

 

 

Foto: (c) ARD-Screenshot


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