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| ![]() Besser keine Laienpredigtvor 10 Stunden in Kommentar, 10 Lesermeinungen Die Initiative der deutschen Bischöfe im Rom für die Laienpredigt ist in keinerlei Hinsicht eine gute Idee. Die Einführung wäre kein Gewinn für die Kirche - Der Montagskick von Peter Winnemöller Linz-Rom (kath.net/ Zahlreiche Kirchenrechtler, Theologen und letztlich auch Bischöfe haben sich in der einen oder anderen Weise über die Laienpredigt geäußert. Worum geht es? Die Deutsche Bischofskonferenz möchte infolge eines Beschlusses des Synodalen Weges erreichen, dass Laien in Deutschland ganz regulär in der Heiligen Messe die Homilie halten dürfen sollen. Es geht also weniger um eine Predigt, Gardinenpredigt, Moralpredigt, politische Predigt, sondern es geht um das, was im Ordo missae nach dem II. Vatikanum im Anschluss an das Evangelium folgt. Dort steht Homilie. Eine Homilie ist eine Auslegung der Heiligen Schrift. Es soll also das Evangelium und die Lesungen (vom Zelebranten) ausgelegt werden. Auch dies war in den Jahren nach der Liturgiereform gar nicht so unbedingt bewusst. So gab es beispielsweise in den 80er Jahren in Osnabrück am Dom einen Predigtdienst von Priestern, bei dem ein Priester in allen, damals fünf, Messen am Sonntag predigte. Eine Gruppe von Domkapitularen, Domvikaren und der Dompfarrer teilten sich den Dienst. Gedacht war das als Entlastung für die am Dom tätigen Geistlichen. Es war nicht uninteressant, sich so eine Predigt zwei- oder dreimal anzuhören, weil sie sich tatsächlich von Samstagabend bis Sonntagabend veränderte. Was gut gedacht war, so zeigte sich später, war nicht im Sinne des Konzils. Theologisch gab es später, vor allem in den 90er-Jahren, eine vertiefte Durchdringung der Frage, wie Verkündigung und Eucharistie in der Feier der Heiligen Messe zueinander stehen und in einer Hand liegen sollten. Man kann mit der Terminologie möglicherweise nicht mehr so viel anfangen, doch das Konzil sprach vom Tisch des Wortes und Tisch des Brotes. Nicht zuletzt aus dieser Metapher leitet sich der innere Zusammenhang von Eucharistie und Verkündigung her. So erlebt man heute auch an Kollegiatskirchen, Kathedralen oder anderen Kirchen, an denen zahlreiche Priester tätig sind, in der Heiligen Messe kaum eine Predigt im Chorgewand. Gepredigt wird vom Zelebranten unter Kasel. Ein Bonbon am Rande: Vor der Liturgiereform war die Predigt nicht Bestandteil der Heiligen Messe. Es wurde nach der Messe gepredigt, und zwar in Chorkleidung mit Stola. Je mehr und näher man die Verkündigung auch schon vor dem Konzil wieder in Richtung innerhalb der Messe verlagerte, wurde es üblich, nur die Kasel abzulegen und direkt nach dem Evangelium auf die Kanzel zu gehen. Damals behielten einige Priester die Kasel einfach an. Prompt echauffierte sich ein römischer Kardinal, die Unsitte, unter Kasel zu predigen, breite sich aus wie eine Pest. Wenn es nicht wahr ist, ist es wenigstens gut erfunden und zeigt vor allem eines, wie sich das Verständnis vom Verhältnis zwischen Eucharistiefeier und Verkündigung gewandelt hat. Auch schon vor dem Konzil. Ein kleiner Bruch, der bis heute anhält, ist die Erlaubnis für den Diakon zu predigen. Insofern er in der Messe den Dienst am Altar vollzieht, wäre die Anbindung gegeben, aber er ist eben nicht der Zelebrant. Ein erstaunlicher Aspekt ist, dass die Bestrebung, die Predigt in die Hand von Laien zu legen, im Grunde eine vorkonziliare Rolle rückwärts ist. In der Praxis wird, da die eigentliche Laienpredigt derzeit nicht erlaubt ist, eben diese nicht selten an einen unmöglichen Ort in der Messe gelegt: An den Beginn der Messe, vor die Lesung, vor dem Evangelium und sie wird dann entweder in Zivil oder in einer schlichten Albe oder in Chorkleidung gehalten. Die Bestrebungen zur Laienpredigt haben die Verkündigung wieder von dem Punkt entfernt, wo das Konzil und die nachkonziliare Liturgiereform sie sehen wollte und wo sie systematisch hingehört, wenn sie Teil der Messe ist. Die deutsche Initiative entfernt die Homilie auch wieder theologisch von dem Anliegen, Verkündigung und Eucharistie enger aneinander zu binden. Es mag etwas ketzerisch klingen, aber warum dann nicht gleich wieder die Heilige Messe ohne Predigt durchbeten und eine kurze Andacht mit Predigt an die Messe anschließen. Dann ist es nämlich egal, wer auf die Kanzel steigt, am Ambo spricht oder sich mit Headset unters Volk mischt. Das wird natürlich niemandem gefallen, denn schon zu volkskirchlichen Zeiten verbrachten die Herren der Schöpfung die Zeit der Predigt lieber in der Nähe eines Zapfhahns nahe bei der Kanzel. Bei heutigen Gottesdienstbesucherzahlen könnte die für den Predigtdienst eingeteilte Gemeindereferentin die 20 Teilnehmer an der Sonntagsmesse namentlich einladen, doch noch zur Predigt zu bleiben. Der Erfolg wäre fraglich. Bis hierher sind es alles reine Gedankenspiele, die einen wesentlichen Aspekt noch nicht berücksichtigt haben. Im wirklichen Leben geht es darum, dass die Befürworter der Laienpredigt mehr Macht und Einfluss für Laien wollen und langfristig – jedenfalls viele davon – die Laienpredigt oder die Öffnung des Priesteramtes auch für Verheiratete/Verpartnerte (m/w/d) anstreben oder gleich die Laienzelebration wollen. Etwas moderater gesagt geht es um mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Kirche. Ein Argument, dass im Übrigen auch Befürworter der Laienpredigt, wie der Würzburger Kanonist Hallermann, für wenig überzeugend halten. Man möchte ergänzen, dass in den allermeisten Gemeinden inzwischen ohne den männlichen Zelebranten Männer im Altarraum unsichtbar wären. Es gibt deutlich weniger männliche als weibliche Jugend im Ministrantendienst. Lektorinnen gibt es deutlich mehr als Lektoren und der Hilfsdienst der außerordentlichen Kommunionspendung ist auch meistens in weiblicher Hand. Wenn man die Regularien dazu ernst nimmt, dann ist dieser Hilfsdienst in den allermeisten Gemeinden dank der arg geschrumpften Teilnehmerzahlen längst obsolet. Man lässt die älteren Damen das – aus pastoralen Gründen – noch machen. Wer will sich schon mit dem Kommuniondrachen anlegen? Jüngere Männer oder Frauen melden sich kaum noch für diesen Hilfsdienst, der am Ende – im Gegensatz zum Lektorendienst – auch kein Laiendienst ist. Mit dem Aspekt der Sichtbarkeit ist man bei dem nächsten Problem der Laienpredigt. Wer soll es denn machen? Und wer wäre den qualifiziert dafür? Sicher berechtigt und verpflichtet die Taufe zum Zeugnis geben. Doch möchten wir wirklich die Vorsitzende der örtlichen kfd, sie mag ja sehr nett sein, am Sonntag in der Predigt hören? Die Gemeindereferentin am Sonntag in die Kirche zu bestellen, wird sich der Pfarrer gut überlegen, denn dann schreibt sie sich die Messe als Dienstzeit auf. Gemeinde- und Pastoralreferentinnen sind noch knapper als Priester. Da ist jede Stunde kostbar. Die Bistümer müssten, wenn sie theologisch nicht gebildete Frauen und Männer aus der Gemeinde mit dem Predigtdienst beauftragen wollten, umfassende Ausbildungsprogramme in Leben rufen. Es darf wirklich sehr ernsthaft gefragt werden, ob sich dazu hinreichend viele Teilnehmer fänden und wie denn wohl anschließend die Qualität der Predigt wäre. Zum Glück gibt es heute fast unsichtbare In-Ear-Kopfhörer, die jeden Außenschall unterdrücken. Mit einem guten Podcast oder schöner geistlicher Musik ist bereits heute jede Predigt zu überstehen. Diese Praxis wird dann wohl noch zunehmen. Lassen wir alle derzeit schon praktizierte verbotene Laienpredigt einmal außen vor. Es fehlt im Grunde auch jede Fantasie, warum sich die Gemeinden das gefallen lassen. Im Falle einer verbotenen Laienpredigt gibt es nur eines, was zu tun ist, aufstehen und rausgehen. Würde nun Rom diese Praxis offiziell genehmigen, was bis dato ausgeschlossen erscheint, denn gegenwärtig gilt noch immer, was auch 2023 schon galt, dass nämlich der Vatikan keinen Spielraum für die Predigt von Laien in der Eucharistiefeier sieht. Das Gleiche gilt, das sei an dieser Stelle bemerkt, für eine reguläre Taufspendung durch Laien. Einschlägige Experimente in Deutschen Bistümern wird der Vatikan hoffentlich bald kassieren. Der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Arthur Kardinal Roche, schrieb 2023 dazu einen Brief an den damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Mit der Absage an die Laienpredigt und -taufe, die in einem Akt des Ungehorsams teilweise bereits in deutschen Bistümern eingeführt und nicht wieder abgeschafft worden sind, kann auch dieser Beschluss des Synodalen Wegs am römischen Widerstand zerschellen. Als allerletzte Frage muss man sich noch die Frage nach dem Mehrwert für die Gemeinden stellen. Wird jemand in die Kirche kommen, weil seine Nachbarin Predigtdienst hat? Vielleicht einmal, danach nicht wieder. Ist das eine Stärkung der Laien, wenn man ihnen mehr Aufgaben aufbürdet? Viele Priester verbringen große Teile des Freitags mit der Predigt. Der verstorbene Erzbischof Ludwig Averkamp riet den jungen Priestern immer, die Predigt des Sonntags möge die Abendsonne des Freitags bescheinen. Wie viele Stunden davor nötig sind, hängt sicher von der Begabung ab. Freitags gibt’s kein Abendessen, Mama muss am Sonntag predigen. Das kollidiert schon wieder ganz klar mit dem Weltdienst der Laien, den das II. Vatikanum so betont. Je mehr Seiten der Frage nach der Predigt für die Laien man beleuchtet, umso mehr rundet sich das Bild. Es hätte keinen Vorteil für die Qualität der Predigt. Es würde nicht mehr Menschen in die Kirche locken. Die Sichtbarkeit von Frauen ist schlicht eine dumme Ausrede. Die Laienmitarbeiter im pastoralen Dienst sind ohnehin mit zahlreichen Aufgaben ausgelastet, sodass sie sich bedanken würden, auch noch regelmäßig die Predigt zu haben. Man kann sich drehen und wenden, wie man will, es lassen sich für die Einführung der Laienpredigt in die Eucharistiefeier keine ernsthaft sinnvollen Argumente finden. Angesichts der Tatsache, dass uns die Priesterzahlen in den Keller gehen, gibt es eine ganze Fülle an Aufgaben, die auf die Laien zukommen. So man denn nicht die Kirche im Ort einfach hinter dem letzten Priester abschließt und nie wieder öffnet, gälte es ja für die Katholiken an einem solchen Ort das Gebetsleben aufrecht zu erhalten. Neu erfundene Wortgottesdienste sind vielfach Ladenhüter. Warum nicht Liturgie der Kirche feiern? Das Stundengebet der Kirche ist Liturgie der Kirche. Es steht in Einheit mit allen Gliedern der Kirche und lässt sich sehr gut in den allermeisten Gemeinden etablieren. Es braucht dazu ausgebildete Leiter. Darin steckt für die Kirche weitaus mehr Potential, als wenn man Prediger (m/w/d) ausbildet, denen keiner zuhören will. Der Vatikan würde den Laien, auch wenn sie es nicht einsehen, mit einer Predigterlaubnis einen Bärendienst erweisen. Bleibt also zu hoffen, dass die Laienpredigt in der Messe untersagt bleibt. Bild oben: Auch wenn es ganz nett aussieht, steht das Bild für etwas, das wir im Grunde nicht wollen können. Es spricht zu viel dagegen. Foto: Peter Winnemöller mit KI hergestellt. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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