Das Erzbistum Magdeburg publiziert ein Gebet, um den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt zu verhindern. Der katholische Journalist Alexander Kissler übt scharfe Kritik am Bischof
Magdeburg (kath.net/rn)
Alexander Kissler übt bei NIUS scharfe Kritik am katholischen Erzbistum Magdeburg, weil dieses angesichts der kommenden Wahlen zum Gebet gegen die AfD aufruft. Unter dem Slogan, man solle „bewusst wählen“, wird das Gebet laut Kissler instrumentalisiert, um einen Erfolg der Rechten zu verhindern.
Hinter der moralischen Fassade, so Kissler, könnten auch handfeste materielle Interessen stehen. Eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD würde viele Privilegien und „Pfründe“ der etablierten Kirchen infrage stellen. Der Widerstand gegen die Partei wird daher von Kritikern auch als Kampf um den Erhalt des kirchensteuerfinanzierten Status quo gedeutet.
Ein Gebet, das gezielt gegen eine demokratisch zugelassene Partei gerichtet ist, wirke auf viele Beobachter befremdlich. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Kirche durch solche Aktionen in der Öffentlichkeit lächerlich mache und ihre eigentliche Sendung aus den Augen verliere.
Wenn das Bistum Magdeburg nun zum „Gebetssturm“ gegen politische Mitbewerber bläst, stellt sich laut Kissler für viele Gläubige die Frage nach der Neutralität und der seelsorglichen Weite der Kirche. Wer die Kirche zu einem pseudoreligiösen Interessenverein umbaue, verspiele ihre Glaubwürdigkeit und damit ihre Zukunft. Statt Brücken zu bauen und Menschen in ihrer politischen Vielfalt ernst zu nehmen, drohe eine weitere Spaltung der ohnehin schrumpfenden Herde.
„Gerhard Feige steht für einen auftrumpfenden Linkskurs, der keine Rücksicht nimmt auf die geistlichen Bedürfnisse von Gläubigen und Priestern. Eine leere Kirche ist ihm lieber als eine Kirche für das gesamte Gottesvolk“, stellt Kissler fest und betont, dass Herr Feige mit einem Linksbündnis kein Problem hätte. „Dieses Gebet, mit dem das Bistum Magdeburg einen Sieg der AfD verhindern will, entstammt dem Satzbaukasten des linken Aktivismus. Beim Bullshit-Bingo dürfte es den Sieg davontragen.“
Gebete, die die Formulierung "Lass uns..." enthalten, sind zu 90% im Kern Propaganda.
Im Gebet zur Landatgswahl heißt es:
"Lass uns bewusst wählen..."
"Lass unsere Entscheidungen dem Leben dienen..."
Und:
"Gib uns den Mut, für das Gemeinwohl einzustehen..."
"Stärke in uns, was unser Zusammenleben trägt...Dialog...Menschenwürde...Solidarität..."
Dabei fällt auf, dass das Gebet Gott Vorschriften macht, welche Haltung Er genau "in uns" zu stärken und zu unterbinden hat. Es geht nicht darum, von Gott die Wahrheit zu empfangen, sondern sie Ihm beizubringen.
Der Schuss Feiges dürfte schlimm nach hinten losgehen.
Denn engagiere Katholiken wählen ohnehin keine AfD. Taufscheinkatholiken aber lassen sich von einem Bischof absichtlich nichts sagen und wählen dann eher aus Trotz nach dem Motto: Ich lass mir doch von der Kirche nicht vorschreiben, wen ich zu wählen habe; andere wählen jetzt ganz bewusst diese Partei, weil sie die generelle linkswoke Richtung - die sogar Gebete neuerdings instrumentalisiert - gestrichen haben; wieder andere sagen sich: jetzt aber weg mit dieser Kirchensteuer, diese Kirchens mischen sich unerträglich in die Politik ein! Konfessionslose aber interessiert ein Gebet nicht, befremdet sie nur. Aufrufe zum Beten kann es gar nicht genug geben, aber nicht gegen eine bis jetzt immerhin erlaubte Partei! Ich bin absolut ein Gegner der AfD, aber der Kampf muss mit politischen Mitteln und Argumenten geführt werden.
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antony vor 3 Stunden
@ ottokar: Im Aufruf und im Gebet wird keine Partei namentlich benannt.
Nur in den Materialien findet sich das eine oder andere Anti-AfD-Dokument.
Allerdings weiß wohl jeder, wer oder was gemeint ist.
Ich finde: Wenn politische Statements als Gebet getarnt werden, ist das ehrfurchtslos Gott gegenüber. Wenn das bei Fürbitten passiert, setze ich mich mittlerweile hin.
Der Punkt ist: Kampagnen von der Art "Gemeinsam gegen die AfD" bewirken insbesondere im Osten Deutschlands genau das Gegenteil. Sie belegen nämlich regelmäßig die Befürchtung, dass es hier genau GEGEN die Demokratie geht, die man angeblich verteidigen will. Das bringt der AfD regelmäßig Stimmenzuwachs.
Der Ossi lässt sich nicht gerne vom Staat sagen, wie er denken darf. Damit hat er 1949-1989 schlechte Erfahrungen gemacht.
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Jothekieker vor 3 Stunden
Hammer und Sichel statt Kreuz
Am Ende des Tages unterstützt Msgr. Feige mit seinem Aufruf die SED-Nachfolger. Ob die wohl wirklich kirchenfreundlicher sind als diejenigen, vor denen er warnt?
Si tacuisset!
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Florian75 vor 4 Stunden
Bistum Magdeburg
Es stimmt alles!
Nur Magdeburg ist kein Erzbistum. Es gehörte bis 1993 zum Erzbistum Paderborn.
Es wäre besser gewesen dort zu bleiben!
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ab55 vor 5 Stunden
Ich habe gelernt,
dass Gebete gegen Menschen von Gott nie erhört werden. Andererseits für etwas zu beten ist nie verkehrt. Würde das Gebet etwa so lauten, dass der Heilige Geist Herzen und Verstand der Wähler bei der Stimmabgabe lenken wolle, dass sie Gott gefällige Kandidaten zu Mandataren wählen und den gewählten Mandataren der Heilige Geist ein weises Herz schenken möge, damit sie sich für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität der Menschen und Völker einsetzen, wäre das sicher ein gutes Gebet!
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ottokar vor 7 Stunden
Herr Feige handelt verantwortungslos
Man kann in der Hlg.Messe bei den Fürbitten für eine Regierung oder Abgeordnete, aber nicht manentlich, bitten, die eine christliche Politik garantieren, man kann auch darum bitten, dass keine kirchenfeindlichen Abgeordneten gewählt werden, keinesfalls sollte man namentlich eine Partei benennen. Im vorliegenden Fall fürchte ich, wird der Aufruf von Feige das Gegenteil bewirken.Man darf Gläubigen die Entscheidungsfreiheit nicht nehmen den oder diejenigen zu wählen, die sie als gläubige Christen für gut halten, das Volk zu regieren.
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Fink vor 9 Stunden
Alexander Kissler gehört zu den besten der wenigen "rechtskonservativen"
Journalisten. Klar im Gedankengang, geschliffen in der Ausdruckweise. Er ist gläubiger Katholik. Nicht nur in politischen, auch in theologischen und kirchlichen Fragen ist er kompetent.
Seine regelmäßigen Kurzkommentare "Kissler kompakt" auf YouTube sind immer sehenswert.
Katholiken wissen sehr genau zwischen lehrmäßigen Äußerungen und grünwokem Geschwätz zu unterscheiden.
In diesem Fall bewegt sich Msgr. Feige nicht im ersteren Bereich.
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