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Ignat Solschenizyn: ‚… wir wurden um unseren kostbarsten Besitz gebracht: unser inneres Leben‘vor 5 Stunden in Spirituelles, 3 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Der Humanismus der Renaissance und der Aufklärung hätten den Menschen in den Mittelpunkt gestellt und sich von der Verbindung zu Gott entfernt. Die Folgen sehen wir heute in einem geistig erschöpften Westen, sagte Solschenizyn bei der ARC-Konferenz.
London (kath.net/jg)
Der Westen habe beeindruckende Ergebnisse im wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt erzielt, dennoch seien viele seiner eigenen Bürger unzufrieden, sagte der Dirigent und Pianist Ignat Solschenizyn, Sohn des russischen Schriftstellers Alexander Solschenizyn, in seiner Rede bei der ARC (Alliance for Responsible Citizenship) Konferenz, die von 23. bis 25. Juni in London stattgefunden hat.
Viele im Westen wenden sich stattdessen fälschlicherweise dem Sozialismus zu, den Solschenizyn als zerstörerisch für die menschliche Seele ablehnt. Er würde seinem Heimatland Russland das westliche System in seinem jetzigen Zustand nicht als Vorbild empfehlen, da es geistig erschöpft wirke. Nach den Leiden des 20. Jahrhunderts sehne sich die russische Seele nach etwas Höherem als Massenkonsum, Werbung und oberflächlicher Unterhaltung.
Die Ursache der Krise des Westens verortet Solschenizyn in der Renaissance und in der Aufklärung. In dieser Zeit wurde der Mensch zum Maß aller Dinge gemacht, zum Zentrum der Welt. Diese Haltung, die Solschenizyn als „rationalistischen Humanismus“ oder „Anthropozentrismus“ bezeichnet, habe sich von Gott und allen höheren spirituellen Bindungen entfernt und sich einseitig auf materielles Wohlergehen und irdisches Glück konzentriert. Das habe zu einem Verständnis von Freiheit geführt, das nur als Möglichkeit zur Erfüllung von Begierden verstanden wurde, ohne moralische oder religiöse Verpflichtung. 
Das humanistische Denken habe die Möglichkeit des Menschen zum Bösen nicht gesehen und keine Aufgabe, die über das Streben nach irdischem Glück hinausgeht. Die Verehrung des Menschen und seiner materiellen Bedürfnisse wurde die Basis der modernen westlichen Zivilisation. Der Mensch aber sei unvollkommen, „nie frei von Stolz, Eigeninteresse, Neid, Eitelkeit und Dutzender anderer Laster“, sagte Solschenizyn wörtlich.
Bei der Gründung der USA vor 250 Jahren sei noch klar gewesen, dass alle individuellen Rechte auf der Grundlage stehen, dass der Mensch ein Geschöpf Gottes ist. Die Freiheit des Einzelnen war daher Bedingungen unterworfen, nämlich der Voraussetzung seiner Verantwortung vor Gott.
Heute sei das Bewusstsein der Verantwortung für das eigene Handeln vor Gott und der Gesellschaft verblasst, kritisiert Solschenizyn. Alle technologischen Erfolge können die moralische Armut nicht ausgleichen.
Die Fehler, die zu Beginn dieser Entwicklung gemacht wurden, würden jetzt immer deutlicher zum Vorschein kommen. Wir hätten unsere Hoffnung auf politische und soziale Reformen gesetzt, dabei aber das Wichtigste verloren: das innere Leben. Im Osten Europas sei es durch die Ideologie niedergedrückt worden, im Westen durch den Konsum. Hier liege das Wesen der Krise, betonte Solschenizyn.
Wäre der Mensch nur für sein irdisches Glück da, wie es der Humanismus behauptet, wäre er nicht als sterblicher geboren. Da er aber sterblich ist, müsse auch seine Aufgabe auf Erden mehr spiritueller Natur sein. Das Leben dürfe nicht nur aus dem Streben nach Vergnügen und materiellen Gütern bestehen. Stattdessen brauche es eine „moralische Aufwärtsbewegung“ – der Mensch soll die Erde besser verlassen, als er sie betreten habe.
Solschenizyn sieht unsere Epoche als eine Zeit des Übergangs, ähnlich wie jene vom Mittelalter zur Renaissance. Es sei Zeit, die Werte des Humanismus der Renaissance und der Aufklärung zu überdenken und eine höhere spirituelle Dimension anzuerkennen. Ohne das drohe der Untergang, warnte Solschenizyn.
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Lesermeinungen| | Versusdeum vor 2 Stunden | | | | @discipulus Der Westen war so lange ein Erfolgsmodell, wie zumindest noch das Echo der unsterblichen Seele allgemeiner Konsens war, die "uneräußerliche" Würde eines jeden Menschen. Zuerst fielen ungeborene Kinder aus diesem absoluten Konsens, jetzt nach und nach die Alten und Kranken (natürlich nur freiwillig und zu deren eigenem Besten!) und morgen vielleicht die bereits jetzt maximalstmöglich diffamierten und ausgegrenzten Andersdenkenden (natürlich, wie immer, nur nichtlinke und nichtislamistische "weiße" Andersdenkende und selbstverständlich nur, um die eigenen Posten ... äh ... um "unsere Demokratie" ... äh... um die Demokratie zu retten)? |  0
| | | | | Versusdeum vor 4 Stunden | | | | Der einstige "freie Westen" ist noch weitaus dekadenter, als beschrieben, denn er ist von Ideologien und Selbsthass zerfressen, die sogar die bis vor kurzem noch weitgegend rationale und objektive Wissenschaft wie eine Säure auflösen und jeglichen Überlebensinstinkt nahezu in ihr Gegenteil verkehrt haben. Immer mehr gefährdet sind selbst Menschenrechte (keine Menschenrechte für ungeborere Menschenkinder bis zum geforderten perversen "Menschenrecht auf Abtreibung" und immer weniger für alte und kranke Menschen, die immer mehr unter Druck stehen, sich "vorzeitig ableben zu lassen") und Demokratie (absolut antidemokratische und jegliche Rückkehr zu Miitte und Vernunft verhindernde "Brandmauer", "Rettung" der Demokratie durch Verbot der Opposition etc.).
Nur der Glaube kann jene Säulen widererrichten wiedererrichten, auf denen diese Kultur 2000 Jahre lang wachsen konnte. Aber solange sich die Kirche im Zickzack- oder Zeitgeisthinterherrennkurs selbst unglaubwürdig macht, kann sie nicht als Leuchtturm in der Finsternis wirken. |  3
| | | | | discipulus vor 5 Stunden | | | | Einseitige Sicht Nun ja, zumindest der Humanismus der Renaissance ist noch ganz durchdrungen vom christlichen Menschenbild und nimmt den Menschen nie losgelöst von seiner Gottesbeziehung in den Blick.
Wer sich einmal die Mühe macht, in die Texte der damaligen Zeit zu schauen, sieht, wie sehr sie von der hl. Schrift, aber auch von den frühen Kirchenväter geprägt sind. Das kommt hier schon etwas zu kurz. |  3
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